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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 129 1933

Fulda, Dienstag, 6. Juni

10- Jahrgang

Die grohe Pfingsttagung des BDA

Das ganze Deutschland soll es sein!

Die Passauer Tagung des Vereins für das Den t s ch t u m i m A u s l a n d hat mit größter Deutlich­keit die Lage gekennzeichnet, in der sich das deutsche Volks- htm beim Kampf um seine Daseinserhaltung befindet. Die Diktate von 1919 haben zielbewußt den Deutscheu nicht bloß in Verteidigung geworfen, sondern ihn überall dort, wo er innerhalb der Reichsgrenze Schulter an Schulter mit den Volksgenossen steht, zum Objekt des An­griffes junger und jüngster Staaten gemacht. Im Osten und Südosten Europas müssen die Millionen und aber Millionen Deutscher, die einem anders gearteten National­staat angehören, aus allen Kräften um das Recht aufs Da­sein kämpfen. Darin ist es heute ganz anders geworden als in der Vorkriegszeit. Gewiß haben auch damals die Staaten versucht, die bei ihm seßhaften Deutschen zu bem zu machen, was ein eigenartiger Vergleich als5k u l t u r - düng er" bezeichnet hat. Heute geht man aber mit viel brutaleren Mitteln gegen das Deutschtum vor. Wenn man von Passau, dem Tagungsort des Vereins für das Deutschtum im Ausland, hinauswandcri in das Donau­becken jenseits der österreichischen Grenze bis hinunter zum Schwarzen Meer, dann findet man überall die Zeichen eines Verteidigungskamp,es der Deutschen gegen das drückende Übergewicht nationalistischer Mehr­heit. Immer wieder wurde auf der Tagung des VDA. darauf hingewiesen, daß es sich dort ebenso wie im Osten Europas, an der Etsch und an dem Belt, nur darum handelt, daß der Deutsche leben will in seiner deutschen Art und in seiner deutschen Sprache. Es ist ein Kulturkampf, der dort draußen in der Welt aus­gefochten wird, aber ebenso wie der deutsche Reichskanzler Hitler hat auch jetzt die Tagung des VDA. es immer nieder unterstrichen: in diesem Kulturkampf befindet sich das Deutschtum im Ausland lediglich undausdrücklich i n er Verteidignng.

Nur nach außen hin, dort hinüber, wo kämpfendes Deutschtum um sein Dasein ringt, wendet der VDA. den Blick und die Arbeit. Diese Arbeit hat nun natürlich eine besondere Bedeutung und eine besondere Trefe gewonnen, seitdem in der nationalen Erhebung sich die Deutschen im Reich zu einer festen Front zusammengeschlossen habcm Auch das geschah und geschieht nur aus Gründen der Selbst­erhaltung. Deutschland ist und bleibt das Herz Europas, und die Geschichte unseres Erdteils ist undenkbar ohne die gewaltigen Impulse, die von diesem Herzen ausgchen. Das Mahnwort Fichtes:Gedenke, daß du ein Deutscher bist!" hat jetzt wieder eine besondere Be­deutung erhalten. Gerade der VDA. aber will die Gliede­rungen historischer und kultureller Art, die dieses Deutsch- tun, so vielgestaltig machen, nun keineswegs wegwischen und austilgen.In der reichen Syniphonie der Nation möchten wir keine Stimme missen, die Gott geschaffen hat, weil wir diese Verarmung nicht ertragen könnten" ist das Bekenntnis eines der Redner aus der Passauer Tagung öes VDA. gewesen. In der höheren Einheit des deutschen Volkstums, das nicht an Grenzen gebunden ist, sondern Der Grenzen spottet, sind diese Gliederungen zusammen- gefaßi. _

Wir sprechen nicht nur heute von demA ufbr u ch Der Ratio n", sondern wir fühlen und begreifen es, daß dieses Wort nun zu einer Wirklichkeit geworden ist und werden mutzte, wenn nicht das deutsche Volkstum Don der Höhe herabsinken sollte, zu der es durch den Aufbruch der Nation im August 1914 emporgetragen wurde. Auch damals griff das Bewußtsein davon, Teutscher zu sein, hinweg über alle Grenzen, war die nationale Erhebung der Ausdruck eines alles überwinden- veu beutfdjen Volkstums. Ähnliches oder vielmehr das lileiche ging auch jetzt vor sich, und das Bekenntnis dazu iprach aus jedem Wort der Tagung des Vereins, der ja immer nur arbeiten will f ü r d a s g e s a m t e D e u t s ch- l u ni i m A usla n d.

*

Die deutsche BolksiumsarbeLi.

Nach einem Begrüßungsabend der Stadt Pa s s a u Mn Freitag begann am Sonnabend früh nach dem Ein- üeffen von etwa der Hälfte der Teilnehmer der großen Psingsttagung der VDA. die Arbeitssitzung mit der mauentagunq Zunächst berichtete der Obmann des deut­schen Schulvereins Südmark, Ministerialrat Dr. Mayer, über die

Grundlinien der österreichischen Schutzarbeit, wobei er aus die besonderen Schwierigkeiten hinwies, die

aus den augenblicklichen politischen Ausemander- Aungeu ergäben. Daran schlossen sich Berichte über die Frauenarbeit. Der bayerische Kultusminister S ch e m m Iprach als erster Redner in der

Wejhestunde für den deutschen Südosten, ^behandelte die historischen Aufgaben, die sich für den Iberischen Staat ans seiner Lage im Alpenvorland und 11Donau ergeben. . ,

Der Reichsführer des VDA., Dr. Steinacher, wmerzeit einer der hervorragendsten Führer der beulten Bewegung in den Kärntner Kämpfen, gedachte m Rede des Kärntner Freiheitskampfes die gesamtdeutsche Bedeutung dreier erfolg Selbsthilfe der deutschen Südmark hervor. Cr '"per auf die

Bedeutung der deutschen Bolkstumsarbcit jenseits der deutschen Grenzen hin und betonte, daß auch der Staat seine Kräfte aus dem Volkstum ableiten müsse. Es sei ein tragischer llmstand, daß zu demselben Zeit­punkt, als sich die aus deu österreichischen Verhältnissen geborenen und in der deutschen nationalen Bewegung zum Ausdruck gekommenen volksdeutschen Gedanken durchsetzten, gerade in Österreich versucht werde, im völligen Widerstreit zum geschichtlichen Ablauf und in An­lehnung an das zusammenbrechende westlerische Staats- denken jetzt eine österreichische Nation schaffen zu wollen.

Daran schloß sich ein Vortrag des Hochschulprofessors Dr. H e u w i e s e r - Passau über die Grenzlandaufgabe der Stadt Passau.

Von der Klagenfurter Tagung des VDA. in Passau.

Unser Bild gibt einen Ausschnitt von derKlagen- f u r t e r Tagung" des V e r i n s s ü r das Deutschtum i m Ausland in P ass a u : Teilnehmer ziehen durch die festlich geschmückte Stadt.

Am Nachmittag sprach Universitätsprofessor Ge­heimrat Dr. Albrecht Penck über

Blühen und Welken des deutschen Volkstums".

Er führte u. a. aus: Das Deutschtum ist stärker als je; den sech sten Teil der Bevölkerung Euro­pas umfassend, stellt es eine Macht von 80 Millionen Menschen dar, die, auf viele Staaten verteilt, doch geeint sind durch deutsche Art und deutsche Gesinnung und zu- sammengehaltcn werden durch eine Sprache, die auch srem.de Völker lernen müssen, wenn sie den Fortschritten der Wissenschaft und Technik folgen wollen. Man könnte von einer neuen Blüte des Deutschtunis sprechen, wenn sich nicht auch bedrohliche Erscheinungen eingestellt hätten. Heute ist es die Beschränkung der Geburten. Notwendig ist es, hier Halt zu gebieten; moralische Kräfte müssen einsetzen und dem deutschen Polke allenthalben sagen: Seid fruchtbar und mehret euch!

Professor Schützler, R o st o ck, sprach über Deutsche Einheit und gesamtdeutsche Geschichtsbe­trachtung".

Dann fand eine Zusammenkunft des Bauern- a u s s ch u s s e s statt und den Abend beschloß ein ein­drucksvoller Fackclzug.

*

Von unserem Volkstum laffen wir uns durch nichts trennen!"

Zur Teilnahme an der Passauer Tagung des Bolksbundes für das Deutschtum im Auslande war als Vertreter der Rcichsregicrung der bayerische Reichsstatt- haltcr General Ritter von Epp eingetrofsen. Er wurde beim Betreten der Stadt feierlichst begrüßt. Unter jubeln­den Heilrufen schritt er das Spalier der VDA.-Jugend ab.

In der eigentlichen Hauptversammlung des VDA. am Psingstsonuabend führte der Volksbundführer Dr. Steinacher dann den Reichsstatthalter mit einer herz­lichen Begrüßungsansprache ein. Dr. Steinacher schloß seine Rede mit den Worten: Wir werden doch noch nach Klagenfurt kommen!" Nachdem die Tagung mit lauten Heilrufen

die zahlreichen Kärntner begrüßt hatte, die trotz aller Schwierigkeiten nach Passau gekommen waren, ergriff wiederum, jubelnd begrüßt,

Ritter von Epp

das Wort zu einer großangelegten Rede, in der er betonte: Wir Deutschen als völkische Absonderlichkeit brauchten besondere K l a m in ein, um unser Volkstum z u s a m - m e u z u h a l t e n , das teils durch die geschichtliche Ent­wicklung, teils durch fremdes Diktat aufgespaltet sei. Den zwei Dritteln im Reiche stünden in e hr allein Drittel draußen gegenüber. So sei teils durch eigene Schuld, teils durch fremde Gewalt das mächtigste und stärkste Volkstum im Herzen Europas auf geteilt und zer­rissen, um andern dienstbar zu sein. Nach dem Leitsatz der Römer, daß

der Deutsche nur von Deutschen bekämpft

werden könne, müsse man auch den Anlaß zur Ver­legn il g der VDA.-Taguug von Klagenfurt nach Passau

beurteilen, und was habe gerade Österreich dem VDA. zu verdanken? Diese wirkliche Grenzlandkundgebung in Passau sei ein Zeichen einer geradezu erschüttern- d c u R ü ck e n t w i ck l u n g in der Geschichte. Unter stürmischem Beifall brandmarkte der Redner die Versuche der letzten Wochen, eineMission des österreichi­schen Menschen" zu erfinden, die lediglich die Überschrift für eine inhaltlose Politik sei. Geschichtlich gebe es für den ö st e r r e i ch i s ch e n Stamm

nur eine Front nach Osten und den Rücken zum Stammland, nicht umgekehrt.

General von Epp betonte besonders, daß es dem Reich nicht einfalle, sich in die amtliche österreichische Politik einzumischen. Wir könnten warten, weil ein ge­schichtlicher Widersinn nicht bestehen bleibe. Mit Slugen- blickspolitik könne man nicht historische Wa h r h e i t umkehren. Wer den Versuch mache, werde am deutschen Volkstum scheitern, und zwar am deutschen Volkstum Österreich s. Der Staat könne sich nicht in Österreich entmischen, aber niemand könne den Gedankeuaus- lausch verbieten, wie ihn der VDA. Pflege.

Brausender Beifall rauschte aus, als Ritter von Epp feststellte:Wir lassen uns von unserem Volkstum jen­seits der Grenzen durch nichts und unter gar keinen Um­ständen trennen."

Das Heil des Volkes sei nur im Zusammenhang seines Volksganzen zu finden. Politische Macht könne man uns vorenthalten, aber wir würden zusammenhalten. Wir wollten dann sehen, wer stärker sei und es länger aushalte. Dazu einen möglichst hochprozentigen Beitrag zu leisten, möge dem VDA. gelingen.Mag uns jetzt Tod und Teufel gegenüberstehen- wir sind überzeugt, uns kann niemand überwinden. Dem deutschen Volkstum winkt am Schlüsse doch das Sieg-Heil."

Nach stürmischem Beifall und dem Gesang des Deutschlandliedes wurden die Satzungsänderungen zur Neuordnung des VDA. erledigt. Dabei sprach der Brandenburgische Landesführer G a st e r dem scheidenden Vorsitzenden, Reichswchrminister a. D. Dr. Geßler, den Dank für seine Arbeit in den letzten Jahren aus. Mit V o l k h e i l!" würde

der neue Ncichsführer Dr. Steinacher auf den Schild erhoben und als erster vom Neichsstatt- Halter von Epp begrüßt.

In der anschließenden feierlichen F e ü fitzn n g er­griff noch einmal Dr. Steina ch c r das Wort, um sich mit den

neuen Aufgaben des BDA. auseinanderzusetzen. In seiner eindrucksvollen Ansprache hob er u. a. hervor:

Bezeichnend für. den überwundenen liberalistischen Staat wäre die Herabdrüctuug des Autzendeutschtums zum bloßen Objekt einer B e t r e u u n g s p o l i t i k gewesen. Die neue Arbeit könne deshalb weder an die Anschlußbewegung alten Stils noch an die offizielle Arbeit der letzten 14 Jahre anknüpfen. Der Kampf der Außendeutschen habe einen völlig neuen Sinn bekommen. Sie wären

gleichberechtigte und verpflichtete Mitarbeiter an der zukünftigen Nation. Die Funktionen, die sich dabei zu erfüllen hätten, würden verschieden sein: hier ein Wall gegen fremde Ansprüche, dort Brücke, und an dritter Stelle B ü n d n i s f a k t o r. In unbedingter Gläubigkeit an die Kraft dieses Volkstums werde er fein Amt als Bundesführer ausüben.

*

Die Vauerntagung des VDA.

Der Pfingstsonntag in Passau.

Der Pf i n g st s o n n t a g des VDA. in Passau wurde mit Gottesdiensten beider Konfessionen eingeleitet. Der sachliche Höhepunkt des Tages war dann die Bauern­tagung, auf der zunächst Regierungspräsident a. D. Graf v o u B a u d i s s i n die Grundsätze Volksdeutscher Bauernarbeit entwickelte.

Nach bem Willen unseres Reichskanzlers A d o l s H i t l e r, so führte er u. a. aus, ist der B a u e r wieder in den Mittelpunkt des deutschen Volkes getreten und unsere Arbeit wird aus dieser Tatsache ungeahnte neue M ö g l i ch k e i t c n gewinnen können. Wir haben nicht nur den deutschen Staat neu zu gründen und festzumachen, sondern wir müssen zugleich das Schicksal der deutschen Brüder jenseits der gegenwärtigen Reichsgrenze, die unter fremder Staatshoheit stehen, im Auge haben. Wir müssen uns aber darüber klar sein, daß die neue deutsche Politik ausgeht vom deutschen Volks­gedanken und daß der frühere Zwiespalt zwischen den staatlichen und den volklichen Interessen damit aufgehört hat. Kein Stand ist so unlöslich verbunden mit dem Volkstum wie der Bauer, auch dort, wo er unter fremder staatlicher Hoheit Grund und Boden behauptet, bleibt er f ch i ck s a l h a f t verbunden mit seinem Volkstum. Diese Tatsache wollen besonders wir Reichsdeutschen uns immer wieder vor Augen halten, denn sie zeigt uns, das; wir an unserem Schicksal, ob wir wollen oder nicht, mit dem deutschen Bauetn jenseits der Reichsgrenze verknüpft sind und daß wir darum auch im deutschen Volksgedanken, an der Bewahrung der deutschen Volks- und Kulturgüter im auslanddeutschen Bauerntum mitverantwortlich sind.