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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 130 1933

Fulda, Mittwoch, 7. Juni

10. Jahrgang

Politischer Gesandtenmord.

Der Vertreter Afghanistans erschossen.

Von einem Lands mann.

In der Berliner afghanischen Gesandtschaft sprach am Dicnstagmitlag der 33jährige Afghane Kamal Siyd vor. Im Laufe der Unterhaltung gab er aus den Ge­sandten S i r d a r Muhammed Ä z z i z Khan, einen Bruder des Königs von Afghanistan, fünf Revolverschüsse ab, von denen einer dem Gesandten durch die Brust ging. Der Gesandte brach zusammen. Er wurde sofort nach dem Krankenhaus gebracht, wo er gegen 2 Uhr an seiner schweren Verletzung st a r b. Einer seiner Begleiter war durch den zweiten Schuh des Attentäters am Kopf ver­wundet worden.

S i r d a r M u h a m m e d A z z i z Khan, der im 55. Lebensjahr steht, kam Ende April als Gesandter nach Berlin, nachdem er vorher zwei Jahre lang die Ver­tretung seines Landes in Moskau wahrgenommen hatte.

Der Mörder gehört einer Gruppe von Studenten an, die schon seit mehreren Jahren a u f K o st e n der afghanischen Regierung in Berlin studieren. Er war dem Gesandten wohlbekannt, da er häufig mit seinen Landsleuten von Azziz Khan zu Ver­anstaltungen in die Gesandtschaft eingeladen wurde.

Wie der Mord geschah.

Der afghanische Gesandte hatte den Besuch eines ent- icrnten Verwandten, des Studenten Attik, der ihn ge­legentlich im Gesandtschaftsgebäude aufzusuchen pflegte. Der Gesandte wollte mit seinem jungen Verwandten einen Spaziergang durch den Tiergarten unternehmen. Als sich beide auf der Treppe, die von den oberen Räumen zur Vorhalle des Gesandtschaftsgebäudes führt, befanden, trat ihnen aus den unteren Treppenstufen ein junger Mann, der Student KemalSyed, mitgezogenem Mev o I v e r entgegen.

Es kam zu einer kurzen A u s e i n a n d e r s e tz^l n g zwischen dem Gesandten und Kemal Syed. Der Streit beider ging um

politische Angelegenheiten ihres Heimatlandes, und Kemal bezichtigte den Gesandten, daß er mitgeholfen habe, Afghanistan den Engländern auszuliefern. Ehe der Gesandte auf diese Bezichtigungen antworten konnte, gab der Student kurz hintereinander fünf Schüsse

auf den Gesandten und seinen Begleiter ab. Schon der erste Schuß traf den Gesandten in die Bru st.

Frankreich macht sich seinen eigenen Viererpaki.

Im französischen Ministerrat erstattete Ministerpräsi­dei Daladier Bericht über die V i e r m ä ch t e p a k 1 - Verhandlungen, wobei er besonders auf die A o ä n d e - run gen hinwies, die der ursprüngliche Entwurf er­fahren hat. Der Ministerrat hat den französischen Bot­schafter in Rom ermächtigt, den Vertrag 311 paraphieren.

Die Ermächtigung des französischen Kabinetts an feinen Botschafter' in Rom, den Viererpakt zu zeichnen, beicht sich anscheinend auf den a b g e änderten " 0 r 1 l a u t des Viererpaktes, wie er von Frankreich geschlagen wird. Die Zustimmung irgendeiner der <ren an den Verhandlungen beteiligten Mächte zu den zösischen Abänderungsvorschlägen ist bisher nicht be- ^nnt geworden.

Der Wortlaut des abgcändcrten Viererpaktvorschlages »zwischen in Berlin cingctroffen. Der ursprüngliche tvorschlag ist durch die französischen Abänderungen s o r k u m g c st a l t c t worden, baf? er, wie verlautet, mit n ursprünglichen Mussolinischen Paktvorschlag nichts hr zu tun hat. . ...

Der neue Vorschlag wird 311t Zeit in Berlin uber- 1 ist. Ein Stellungnahme der deutschen Regierung 31t Mem Wortlaut liegt bisher nicht vor.

Erfinder im Menst des Vaterlandes.

Nickelgewinnung aus Aluminium.

Die Nürnberger Chemiker Wilhelm Kaul und W i l h e l m Johann N auma n n haben an den Reichskanzler folgendes Telegramm gerichtet:

, ,Nach fast vierjährigen Arbeiten zu Pfingsten in Metern Laboratorium Entwicklung Aluminium- ° m zu m N i ü e l a 1 0 m eindeutig gelungen. Wehr- «dustrie und deutsche Wirtschaft durch deutschen Nickel "? b h ä n g i g. Außerdem großer Einbruch in die bis- Grundstvfftheoric. Melden freudigst Reichskanzler Beitrag zur Befreiung des Vaterlandes. « t c l l e 11 V crfügung i in Reichsintcres sc. Be- J neue artglcichc umwälzende Arbeiten. Chemiker Wim Kant, Wilhelm Raumann."

Der Täter ohne Neue.

Das Knallen der Schüsse hatte die Dienerschaft des Hauses alarmiert. Der Attentäter, der sich heftig zur Wehr setzte, wurde von mehreren Dienern über- lv ä l t i g t und so lange festgehalten, bis ihn das in­zwischen herbeigeeilte Überfallkommando in Schutzhaft nahm. Bei seiner Festnahme erklärte der Student, daß er seine Tat in keiner Weise bereue und bereit sei.für sie und damit für das Vsterland" Zu sterben.

Der afghanische Gesandte in Berlin ermordet.

Der afghanische Gesandte in Berlin, Sird ar Muhammed Azziz K b a n . ein Bruder des Königs von Afghanistan, wvFde von einem in Berlin wohnenden afghanischen Studenten im Gesandtschaftsgebäude durch mehrere Revolverschüsse tödlich verlebt.

Der schwerverletzte Gesandte, der das Bewußtsein verloren hatte, erhielt die e r st e Hilfe durch zwei r z t e, die sich auch um den verletzten Begleiter be­mühten. Dann wurden beide nach beni Moabiter Krankenhaus übergeführN Kurz nach seiner Einlieferung ist dann der afghanische Gesandte gestorben, ohne das Be­wußtsein wiedererlangt zu haben.

Gemeinnutz geht vor Eigennutz!"

Der Arbcitsbeschafsungskommissar an die Unternehmer.

Im Hinblick auf das neue Arbeitsbeschaffungspro­gramm der Reichsregierung wirkt der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung wiederum darauf hin, daß über den noch nicht in Anspruch genommenen Rest des Sofort­programms beschleunigt verfügt wird. So ist jetzt von iVm in einem Rundschreiben bestimmt worden, daß die Anträge aus Darlehen für Meliorationen, ländliche Wegebauten, Herstellung ländlicher Wasserver­sorgungsanlagen usw. spätestens bis zum 30. Juni 1933 bei ihm eingereicht werden müssen.

Der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung ver­pflichtet ferner die für die Durchführung des Arbeits­beschaffungsprogramms zuständigen Landesbchörden, die Träger der Arbeit zur strengen Beachtung der Vorschrift anzuhalten, daß der U n t e r n e h m c r g c w i n n bei der Ausführung von Arbeiten aus dem Arbeitsbeschaffungs- Programm aus ein möglichst geringes Maß zn beschränken ist, um den zur Verfügung stehenden Mitteln einen mög­lichst hohen Wirkungsgrad zu verleihen.

Schließlich weist der Reichskommissar in seinem Rundschreiben erneut auf die Folgen einer Ver­zögerung in der Ausführung der genehmigten Ar­beiten bin.

Zunge strafte in die kirchliche Führung!

Eine Forderung D. von Bodelschwinghs.

Im Zusammenhang mit seiner Absicht, in der Füh­rung der Kirche Platz für jüngere Kräfte zu schaffen, hat 1). von B 0 dels ch Wing h gegenüber dem Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates die Bitte aus­gesprochen, dahin zu wirken, daß den berechtigten Forde­rungen auf Erneuerung der Kirche auch in personeller Hinsicht i n F ührerschaft u n d Gemeinden be - schleunig! Rechnung getragen werde. Der Reichs­bischof spricht dabei erneut die Überzeugung aus, daß das große Reformwerk nur durchgeführt werden könne, wenn die jungen durch den Krieg und den Kampf um die Er­neuerung des Volkes geformten Kräfte au verschiedenen Stellen

verantwortlich eingesetzt würden.

Der Schritt von Bodelschwinghs begegnet sich mit den Absichten des Präsidenten K a p l e r, die dieser bereits vor längerer Zeit geäußert hat. Die gleiche Anregung dürfte auch an die anderen deutschen Landeskirchen ergehen.

Der verfälschte Muffolini-paN.

Der Neid muß der französischen Politik lassen: ne »ersteht es ausgezeichnet, irgendeinen praktischen Vor- chlag, dessen Verwirklichung zu einer tatsächlichen Be- riedung Europas oder zum mindesten zur Lösung fast tneriräglich gewordener Spannungen etwas beisteuern sonnte, so lange und so gründlich zuzerreden", bis un- zefähr das Gegenteil des ursprünglich Gewollten dabei wrauskommt. Von dem Viermächtepakt, den Mussolini vorschlug und der von Paris aus dann erst nonatelangin Arbeit genommen" wurde, kann man chon heute' auch wieder dasselbe sagen. Er ist jetzt zwar iou dem französischen Kabinett paraphiert, also in be- timmter Fassung ausgearbeitet worden. Doch damit ist :r noch nicht endgültig ratifiziert und das Antlitz Zuropas wird sich auch dann und dadurch nicht ändern, nenn der Pakt unterzeichnet ist und seine völkerrechtliche Gültigkeit erhalten hat.

Die Franzosen sind mit seiner von ihnen erreichten völligen U m g e st a l t u n g nämlich immer wieder unzufrieden gewesen, mit größtem Erfolg haben sie ihm oas ausgebrochen, was sie und ihre Trabanten im Osten und Südosten Europas alsdie Gistzähnc" bezeichnet haben, nun wollten sie ihm außerdem noch die Beine so gründlich zerschlagen, daß er nicht einmal aus Krücken oorwärtskäme. Wie seit Monaten üblich, waren kurz vor Pfingsten denn der Viererpakt sollte eigentlich als P f i n g st g a b e" den Völkern beschert werden, obwohl Diese aus ein solches Geschenk verdientermaßen kaum einen Blick verschwendet hätten auch wiederneue Schwierig­keiten" entstanden, die natürlich in Paris gepflanzt und im Verein mit der kleinen Entente in Polen dort eifrig begossen wurden. Die Giftpflanze, die nun dabei hervorsproß, wollte nicht mehr und nicht weniger als eine Frucht produzieren, in der Deutschland wieder als besiegt und minderberechtigt festgelegt werden würde, wenn es nach dem Willen der Franzosen geht. Einmal sollte die Durchführung der uns grundsätzlich zugesagten Gleich­berechtigung nur etappenweise durchgeführt werden, weil das nicht anders möglich sei und das soll Deutsch­land auch noch anerkennen und annehmen! Dazu sollte denn auch gleich noch die Verpflichtung für uns kommen, der Viermächtekommission unsere jeweiligen Militär­programmezur Genehmigung" vorzulegen. Mit der ganzen Unverfrorenheit, die die französische Politik in der Frage des Viermächtcpaktesauszeichnet", hatte man in Paris den anderen Paktmächten erklärt, diese neue Formulierung für den Artikel 3 des Paktes bereits der Kleinen Entente mitgeteilt zu haben, und nun könne man doch nicht anders als . . . Das mag richtig sein, konnte aber weder in Berlin noch in Rom besonder? interessieren!

Aber die Franzosen hatten auf diese Weise eine neué Verzögerung des Abschlusses erreicht und in Paris er­folgten darüber eifrige Verhandlungen mit dem englischen Geschäftsträger, während Herr Benesch, nicht bloß seit 1919 tschechoslowakischer Außenminister, sondern geistiger Führer der gesamten Kleinen Entente, triumphierend be­reits feststellte, daß der Vier Mächte-Pakt, ob er nun so oder anders abgeschlossen wird, auf alle Fälle ein Messer ohne Schneide, ja ohne Klinge ist. Ein Minister seines Kabinetts, der übrigens lange in Berlin tschechischer Gesandter war, sagte es mit brutaler Genauig­keit, worauf cs der Kleinen Entente ankäme, nämlich auf die Verteidigung der Friedensverträge bis zum letzten Buchstabennicht nur um ihrer selbst willen, sondern viel­mehr deshalb, weil wir in ihr den formalen Ausdruck der Neuordnung in Europa sehen, die besser und gerechter sei als die vorherige Ordnung; es handle sich für uns viel­mehr um diese neuere und bessere Ordnung als um die Verträge an sich", und daran schloß er als Schlußstrich die unzweideutige Drohung, daß auf jede Revision dieser Neuordnung" nur mit einem geantwortet werden würde: mit dem Krieg.

Für diese Leute sind und bleiben die Grenzziehungen der Friedensdiktate unantastbar gegenüber Deutschland usw.; daß ihnen dabei vom Vier-Machte-Pakt keine prak­tischen Schwierigkeiten bereitet werden, dafür hat Frank­reich, das ja mit den oben entwickelten Ansichten völlig übereinstimmt, in den letzten Monaten eifrig und mit bestem Erfolg gesorgt, und nun wollte man in Paris die Ernte noch dadurch vervollständigen, daß man auch der theoretisch anerkannten Gleichberechtigung Deutschlands für die militärische Sorge um seine Sicherheit jeden prak­tischen Wert nimmt.

Es soll sich eben nichts ändern an dem gegenwärtigen politischen Zustand in Europa, der sich von einer Kata­strophe um nichts unterscheidet, aber wenn die euro­päische Welt, so heißt's in Paris und im Osten Europas, auch darob zugrundegehen würde, so darf doch an den Friedensdiktalcn nichts geändert werden!

Ist cs gleich Wabnsmu, hat es doch Mcth0de!"

Aaiivnalsozialistische Führerlagung in Vertin.

Vom 14. bis 16. Juni findet, wieDer Angriff" be­richtet, in Berlin eine nationalsozialistische Führerlagung statt. Diese Tagung wird am 14. Juni mit einer Veranstaltung beginnen, an der säint- liche Gauleiter und Amtswalter teilnehmen. Am 15. Juni findet eine gemeinsame Führertagung der Amts­walter, Gauleiter, der Nationalsozialisten in führenden Staatsstellungen, der führenden Betriebszellenobleute, der Schulungsleiter und der Leiter des ständischen Aufbaues für die Gaue statt. Am 16. Juni wird die feierliche Ein- tveihung der bisherigen Bundesschule des ADGB. in Bernau bei Berlin als Reichsführerschule vorgenommen.