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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 132 1933

Fulda, Freitag, 9. Juni

10. Jahrgang

Der neue Viererpakt.

Mussolinis großer Appell an Europa.

Seine Betonung der deutschen Friedensliebe in der Senatsrede.

Aus der großen Senatsrede Mussolinis zum Viermächtepakt, die am Mittwochabend auf alle Sender Italiens übertragen wurde, geben wir nachstehend die für Deutschland wichtigsten Ausführungen wieder:

Bei der Einfügung des Artikels 19, der die Möglich­keit einer friedlichen Revision vorsieht, und der von den Artikeln 10 und 16 begleitet ist, gab es die größten Widerstände am Anfang und während der Verhandlungen. In einigen Ländern ist gegenwärtig cinheftigeranti- r e v i s i o n i st i s ch e r F e l d z u g im Gange. Aber man vergißt die Zugeständnisse, die in seiner letzten großen Parlamcntsredc Benesch gemacht hat Der tschechische Außenminister hat eine revisionistische Bresche in die Mauer der Verleugner jeder Revisionsmögèichkeit ge­schlagen. Vom Kriegsende bis heute wie auch nach früheren Kriegen ist ein Prozeß der A n P a s s u n g der Friedensverträge im Gange.

Die Erklärung vom 1..Dezember l932, die sich aus die Gleichberechtigung Deutschlands und der anderen entwaffneten Staaten bezieht, muß t a ts â ch - l i ch e Bedeutung gewinnen.

Es ist klar, daß sich durch ein Scheitern der Ab­rüstungskonferenz eine schwere, ja u n h a l t b a r e L a g e ergeben würde. Für diesen Fall setzt Artikel 3 fest, daß Frankreich, Deutschland, England und Italien die Be­handlung der Frage unter sich aufnehmen würden.

Der Pakt dauert zehn Jahre und kann unbegrenzt verlängert werden. In dieser Nichtbegrenzung keiner Dauer spielt notwendig die Auffassung von einer

fortschreitenden Anpassung der Verträge an die Forderungen der neuen politischen und wirtschaft­lichen Gegebenheiten eine Nolle.

Wenn man Deutschtand auserlcgtc, innerhalb eines schwer bewaffneten Europas ewig entwaffnet zu bleiben, würde die Anerkennung seiner Gleich­berechtigung wie Ironie klingen, und sein Posten als Gleicher unter Gleichen im Völkerbundrat würde zur traurigen Fiktion."

Mussolini ging dann auf die Beteiligung Eng­lands und Frankreichs an dem Zustandekommen des Paktes ein, wobei er besonders die innenpolitischen Schwierigkeiten für die französische Negierung würdigte, zeigte darauf die Möglichkeiten der Entspannung im italienisch-französischen Verhältnis auf Grund deK neuen Abkommens auf und fuhr dann fort:

Von einem ebenso lebhaften Wunsch zur Zusammen­arbeit beseelt war die Haltung Deutschlands. Es gab einen Augenblick, in dem eine tendenziöse Hetze jener Elemente, die durch die nationalsozialistische Revolution um die Macht gebracht waren, die Erscheinung des Krieges von neuem an die Wand zu malen schien. Die große Rede Hitlers vom 17. Mai hat die Lage un­mittelbar geklärt. Eine moralisch mutige und politisch beruhigende Rede.

D e u t s ch l a u d will den Frieden und nicht den Krieg, einen aufbauenden Frieden im Innern wie im Äußern. Dies ist der Hauptpunkt der Rede, die auch eine ausdrück­liche Zustimmung zum Viererpakt enthielt.

Mit seiner Zustimmung zuerst, mit seiner weit­blickenden M i t a r b e i t am Pakt dann und mit

Der Lehrer im neuen Staat.

Ein Volk, eine Schule, ein Erzieherstand.

Die große Kundgebung des Deutschen Lehrerlags.

Der Höhepunkt der Deutschen Lehrertagung i n M agdcburg war die Kundgebung in bei Stadthalle. Der Neichsleiter des Nationalsozialistischen Deutschen Lehrerbnndes, der bayerische Kultus- m i n i st e r S ch e m m , sprach über:

Ein Volk, eine Schule, eine Erzieherstaud."

Er führte u. a. aus: Der deutsche Lehrer steht mitten in den erhebenden Geschehnissen unserer Zeit, und es ist eine Selbstverständlichkeit, daß er sie begreift. Ohne den Tag von Potsdam wäre diese gestaltgebcnde Kundgebung der deutschen Grzieherwelt niemals Wahrheit geworden, nie­mals dieser lebenswichtigste Berufsstand zu dem heute be­vorstehenden Zusammenschluß gekommen. Mögen rn den verschiedensten Erzieherorganisationcn l'beraft- l^che, atheistische, marxistische oder gar bolschewistische Pendenzen sich einqeschlichen haben, so beweist uns der Heu-

Tag, daß in Wirklichkeit der deutsche L eh r e r und rziehervon diesen ZerstörungsersÄernun- 6 e n i n s e i n è r T i e f e n i ch t b e r ü h r t luar

. Dem Willen zum Marsch mit dem Ziel der Einigung N gesamten deutschen Volkes muß nun auch die --iarschvercinigung der gesamten deutschen zi c h e r s ch a s t folgen. Aus unserem gesamten Er- rlhungsleben müssen die letzten Reste atheisti­

seiner vor einer Stunde dem deutschen Botschafter gegebenen Ermächtigung zur Paraphierung hat Hitler (langanhaltender Beifall) einen greifbaren Be­weis für die Absichten seiner Regierung geliefert.

Reden, die die gleichen Grundsätze vertreten, hat auch Göring gehalten, der in Düsseldorf erklärte, das Deutschland des Dritten Reiches werde das Bollwerk des Friedens sein, und wiederum Hitler bei den Danziger Wahlen. Der Friedenswille Deutschlands ist in jeder Hinsicht feierlich bekräftigt.

Man muß sich darüber klar sein, daß die Revolution in Deutschland nicht nur eine nationale, sondern auch eine soziale ist und daß es zum mindesten gewagt erscheine. sie nach dem Maßstab des Porkrieasdeutschland zu messen.

Die Paraphierung des Viermächlepaktes.

Unser Bildtelegramm ans Rom zeigt den deutschen Bot- fchafter von Hassell bei der Unterzeichnung des Viermächte- pakl.es im Palazzo Benczm.

(Zustimmung.) Es ist eine Revolution des Volkes, ge­macht von Männern, die aus dem Kriege und aus dem Volke hervo«gegangen sind. Es ist kein Staatsstreich, der von oben kommt, sondern eine Bewegung, die von 20 Mil­lionen Deutschen getragen ist. Ich wiederhole, was ich neulich im selben Saal hier gesagt habe: Deutschland steht i ni Herzen Europas, mit seiner gewaltigen Masse von 65 Millionen Einwohnern, mit seiner Geschichte, seiner Kultur, seinen Notwendigkeiten.

Eine wahrhaft europäische und dem Frieden dienende Politik kaun man nicht o h n c D e u t s ch - land machen und noch weniger gegen Deutschland. (Beifall.)

Die i t a l i e n i s ch e Initiative ist der klare und un­zweifelhafte Beweis für unseren Willen nach Zusammen­arbeit und Frieden. Ich erlaube mir, bei dieser Gelegen­heit vor diesem hohen Hause den drei Botschaftern von Frankreich, Deutschland und England für ihre wahr­haft unermüdliche Arbeit bei den Verhandlungen zu franse n." (Minutenlanger Beifall.)

Man dürfe nicht glauben, daß nach dem Abschluß des Paktes nun keine Gegensätze mehr vorhanden oder daß solche Gegensätze wie durch Zauber gelöst seien. Ein solcher Optimismus sei nicht am Platz. .

Deshalb müsse der Pakt ein lebendiges Dasein führen, und es müßten die verantwortlichen Männer der vier Staaten mehr oder weniger regelmäßig zusammen­kommen.

scher Zerrissenheit verschwinden. Der deutsche Erzreherstand muß in Zukunft brüderlich und kameradschaftlich in einem Geiste Zusammenarbeiten. Die deutschen Erzieher müssen sich die

Hand reichen ohne Unterschied, ob Hochschulprofessor oder Volksschullchrcr.

Aus dem großen Geschehnis der Volkwerdnng muhte zwangsläufig das Zusammenhalten der gesamten deut­schen Erzieherschaft herauswachsen. Die deutschen Er­zieher marschieren gemeinsam aus ein Ziel los:H e r an - b ildung der deutschen Jugend zum Be­kenntnis zum d e u t s ch e u Volk und Vater­land, zu Gott, Blut und Heimat/

In seinen weiteren Ausführungen befaßte sich Kultusminister Schemm im wesentlichen mit

den beiden großen christlichen Konfessionen und betonte insbesondere: Wenn andere kommen und wollen aus der Tatsache, daß in Deutschland zwei Kon­fessionen nebeneinander existieren, das deutsche Polk und insbesondere die deutsche Erzieherschaft spalten oder zer­reißen, so erklären wir: Ja, es sind zwei Konfessionen da, aber es sind zwei Lebenskräfte der Nation. Die Viel- gestaltigkeit des geistigen und kulturellen Lebens des deutschen Volkes ist genügend bekannt. Wir bejahen diese Vielgestaltigkeit. Unerbittlich sind wir aber, wenn man wagen sollte, die Differenzierung der Berufe und Geister in dem Begriff ,',Volk und Gott" aufzufassen uub zu zerstören. In bezug auf die beiden großen christ­lichen Religionen erklären wir: Der N a t r o n a 11 o z i a - I j 's m u § stöbt nicht auf dem Boden einer b e -

stimmtenKonsession, sondern auf dem Boden des Ehristentums. Die deutsche Erzieherschaft muß aufgerüttelt werden zur Parole: Volk und Gott! Deshalb muß auch die heutige, gestaltgebende Kundgebung heraus­wachsen zum Bekenntnis zum Volk und über die Kon­fessionen hinweg ein Bekenntnis zu Gott sein.

Wir gründen diese Gemeinschaft nicht, um zu sagen: Es ist geschafft, sondern diese Gründung ist, wie alle bisher durchgcsührten Gemeinschaften und Zusammen­schlüsse, lediglich nur ein Mittel zum Zweck. Wir alle wollen nichts sein als Diener am Leben des Volkes, als Diener am Leben der kommenden Gene­ration.

Einheit der Erziehung, aber Wahrung gesunder Eigenart.

Reichsinnenminister Dr. Frick hat an den Deut­schen L e h r e r t a g in Magdeburg ein G e l e i t w o r 1 gerichtet, in dem er sich über die Aufgaben der Lehrerschaft u. a. wie folgt äußert:

Es gilt jetzt mehr denn je, kleinliches Standesinteresse und Gegensätze der Bernfsgruppen sowie Sonder- tümeleien jeder Art zu vergessen, damit das große Werk zustande kommt und ein einigend c s Band alle deutschen I u g e n d e r z i e h e r umschlingt. Selbst­verständlich soll die neue Gemeinschaft nichl eine unterschiedslose Masse im Sinne einer demo­kratischen Vergangenheit sein, vielmehr ein wohlgeglie­derter Organismus. Denn innerhalb der deutschen Schule wird es bei aller Beschränkung der Schultypen auf das zweckmäßige Mindestmaß auch künftig je nach Befähigung, Neigung und Lebensalter der Schüler immer noch un­entbehrliche Unterabteilungen geben, und deren Lehrkräfte haben ganz bestimmte Sonderausgaben zu erfüllen, bei denen nur sie sachverständig sind.

Es wird mit zu den Aufgaben der Tagung gehören, den Gcsamtrahmxn so zu gestalte», daß die b e r e ch t i g t e Eigenart dieser Gruppe nicht gehemmt wird, da­mit die deutschen Lehrer und Lehrervcrbände sich frei von allem Z w a n g freudigen Herzens in den großen Z u s a m m c n tzana ein f ü a en können.

Frankreich am Scheideweg.

Die Bedeutung des Vicrcrpaktcs.

Es ist kein Geheimnis, daß das endgültige Ergebnis des langen Kampfes um die Formulierungen des Vier- mächtepaktes in Rom d t e g l e i ch e E n 11 ä u s ch u n g gebracht hat, mit der man in Berli n gewisse Punkte und Formeln bzw. Unterlassungen des jetzt vorliegenden Vertrages ausgenommen Hai. Bekanntlich Hai sich einzig und allein Frankreich dem ursprünglichen Entwurf Mussolinis hartnäckig widersetzt. Mussolinis Entwurf sah die Feststellung der deutschen Gleichberechtigung im Viererpakt vor, ferner einen Hinweis auf die bisher völlig ungelöste Kolonialsrage, an der Deutschland begreiflicherweise aus Wirtschafts- und bevölkerungs­politischen Gründen auss stärkste interessiert ist, und er hatte auch versucht, eine verhältnismäßig weitgehende Auflockerung der Bindung der vier führenden europäischen Mächte an die starren und politisch wie geschichtlich längst überholten Völkerbundsatzun­gen herbeizuführen. Alle drei Punkte, Gleichberechti­gung, Kolonialfrage und die Beiseiteschiebung des Völker­bundes, sind in dem endgültigen Text des Paktes nicht mehr enthalten.

Daß das jetzt in Rom paraphierte Pertrags- instrument nicht in dem Ausmaße zu einem Befriedungs­faktor für Europa und damit für die ganze Welt gewor­den ist, wie Italien und Deutschland ans besserer Einsicht beabsichtigten und betrieben, ist i n e r st e r Linie, wie schon angedeutet, die Schuld Frankreichs. Das Ergebnis ist zweitens auf das Schuldkonto der von Groß- machtssncht befallenen, neuerdings sehr unruhigen Klei­nen Entente zu schreiben, die unter Führung des tschechischen Außenministers Benesch und unter eifriger Unterstützung durch Polen immer wieder den Abschluß eines Paktes zu torpedieren versuchte, der nicht ausdrück­lich der Kleinen Entente eine mindestens gleiche Stellung wie den Großmächten zuwies. Und drittens muß sich die englische Regierung einen Teil der Schuld an dem jetzigen Ergebnis beimessen; das Kabinett Mac Donald hat sich von dem traditionellen Einfluß Frank­reichs auf die englische Europa-Politik noch nicht in dem für Europa dringend wünschenswerten Maße zu befreien vermocht.

Wenn die Reichsregierung trotz mancher Bedenken ihren Botschafter in Rom zur Zeichnung des Vertrages ermächtigte, so waren dafür so schwerwiegende Gründ« maßgebend, daß die ernsten Bedenken diesen gegenüber in den Hintergrund treten mußten. Die deutsche Außen­politik hat mit der Paraphierung des Piermächtepaktes vor aller Welt unb in aller diplomatischen Form erneut ein äußerst weitgehendes Bekenntnis

Meine Zeitung für eilige Leser

* Die große deutsche Lehrcrtagung in Magdeburg fand ihren Höhepunkt in einer Rede des bayerischen Kultusministers Schemm.

* Tie österreichische Landesregierung in Salzburg hat dir Grenzsperre gegen Deutschland verfügt.

* Eine furchtbare Explosion, die 28 Menschenleben forderte und bei der über 60 Personen verletzt wurden, ereignete sich in Japan bei der Verladung von Fliegerbomben.