Zul-aer /lnzeiger
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Nr. 134 — 1933
Fulda, Montag, 12. Juni
10. Jahrgang
Die Weltwirtschaftskonferenz
Oie Konferenz der 3000.
Acht Ministerpräsidenten, mehr als hundert Minister, sechsundsechzig Staaten mit rund dreitausend Delegierten, — die Weltwirtschaft befindet sich in einem allzu ernsten, derart schwerkranken Zustand, die Londoner Wirtschaftskonferenz ist von so welthistorischer Bedeutung und von ihr hängt viel zuviel ab, als daß man sich den allerdings sehr naheliegenden, aber recht billigen Witz leisten dürfte, daß allzu viele Köche den Brei verderben. Ist es doch überhaupt schon als ein „halbes" Wunder zu betrachten, daß diese Weltwirtschaftskonferenz, von deren Notwendigkeit seit zwei Jahren gesprochen wurde, nun wirklich und tatsächlich zustande gekommen ist und der englische Ministerpräsident endlich seines Hoffens und Trachtens liebstes Kind aus der Taufe heben konnteI Aber an die Wiege des Kindleins stellte sich sofort die Politik und gab der Konferenz alles andere als Glück- und Segenswünsche mit auf ihren Weg.
Bittere Erfahrungen, die die Völker mit den papiernen „Ergebnissen" internationaler Wirtschaftskonferenzen von der Art, wie sie jetzt in London begonnen hat, leider immer wieder machen mußten, lassen die große Skepsis er« klärlich erscheinen, in der sich dieser Beginn vollzieht. Weder die Delegierten selbst sehen mit irgendwelchem rosenrotem Optimismus in die Zukunft ihrer Verhandlungen, noch tun dies die nur als Zuschauer oder Zuhörer auftretende Öffentlichkeit und Geschäftswelt. Die ganze, man möchte fast sagen: lässige Art, in der der Gedanke einer Weltwirtschafts- und -Währungskonferenz gerade von den am Welthandel besonders interessierten Regierungen Englands, Frankreichs und Amerikas behandelt wurde,' trägt die Schuld daran, daß alles immer wieder hinausgezögert wurde, während der Welthandel ständig mehr einschrumpfte und in den einzelnen Volkswirtschaften die Not immer höher stieg. Dieses Ansteigen des Elends und der Arbeitslosigkeit, dieses Umsichgreifen der Beschäftigungslosigkeit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Mr Meli konnte ^^^^^^^^^ gebremst, über tu der Entwicklung nicht wirklich gehemmt werden durch tue isolierten Versuche der einzelnen Staaten und Völker oder gar Völkergruppen, mit der Krise fertig zu werden. Dafür hat man aber um so mehr von internationaler Zusammenarbeit geredet! Die welthistorische Bedeutung derLondoner Konferenz beruht aber nun darin, ob sie in diesem Wirtschaftskrieg aller Völker gegen alle einen Waffenstillstand herbeiführt, oder ob der bisherige währungs- und zollpolitische Wettlauf sich in gewaltigem, den letzten Atem raubenden Maße steigern soll. Deutschlands Haltung gegenüber diesem Versuch, der steigenden Weltkrise durch eine geschlossene Willensäußerung der Regierungen aller Völker endlich entgegenzuwirken, ist schon in der Regierungserklärung vom 23. März durch den Reichskanzler Ä d o l f H i 1 l e r dargelegt worden: „Die Reichsregierung ist bereit, an dieser Konferenz mitzuarbeiten, um endlich positive Ergebnisse zu erlangen." Und es mag hier auch darauf hingewiesen werden, daß der-Präsident Roosevelt den größten und folgenschwersten Teil jener Jnftationierungsmaßnabmen, für die er die Vollmacht erhalten hat, vorläufig noch im Schreibtischkasten liegen ließ.
Keine der bisher 2 7 Wirtschaftskonferenzen in der Nachkrieszeit — auch nicht die von Genua 1922 oder die Genfer Konferenz von 1927 — stand einer solchen Fülle von Problemen und Aufgaben gegenüber wie die nun in London zusammengetretene Monstreversammlung. Währungsstabilisierung und Goldstandard, Preisentwicklung und Devisenwirtschaft, Wiederingangsetzung des internationalen Kredit- und Kapitalverkehrs und die Zusammenarbeit der Notenbanken, Schuldenfrage privater und öffentlicher Art, — vor allem aber: die Zukunft des Welthandels und die Beschränkung oder Beseitigung der Hemmnisse, die ihn fast zum Sterben verurteilt haben. Andere Pfade allerdings, als man sie früher gegangen ist, müssen nun bei einer vernunftgemäßen Neuregelung des Güteraustausches zwischen den Völkern künftig beschritten werden; denn in der Welt und bei vielen Völkern ist die Struktur ihrer Volkswirtschaft anders geworden seit jener früheren Zeit, und der Gedanke, das Ziel der „Nationalwirtschaft" wird selbst in jenen Staaten eifrig verfolgt, denen schon der geringe Gebietsumfang, aber auch andere natürliche Begebenheiten ein solches Bestreben verbieten sollten.
Nicht bloß Europa, sondern die ganze Welt ist wirtschaftspolitisch „balkanisiert" worden und — verspürt die Galgen davon in einer Krise, wie sie die Welt noch nie erlebt bat. über 30 Millionen Arbeitsloser, also mit den Angehörigen etwa 100 Millionen Menschen allein in den elf wichtigsten Industriestaaten Europas und Amerikas schauen auf das, was nun aus der Londoner Konferenz ach ergeben wird. „Die Weltwirtschaftskonferenz muß schnell zu Entschlüssen gelangen: denn die ^eli kann nicht lange hinausgezögerte Erwägungen ab« warten", mahnte Roosevelt in seiner Abrüstungs- ^"schaft, aber trotzdem wird sich die Welt mit neuer Wöulb wappnen müssen: denn wirkliche oder angebliche Schwierigkeiten bieten sich angesichts der langen und viel- Tagesordnung in Fülle. Noch mehr vielleicht bei w Gegenständen, die — nicht auf dieser Tagesordnung Reni Aber von braunen her blicken jene 100 Millionen n den Konferenzsaal der Dreitausend hinein.
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Die Aufgaben der
WeUwirtschastskonserenz.
Die Londoner Wcltwirtschaftskonfe- r e n z hat begonnen. Die Hauptfragen für die Konferenz sind folgende:
a) Finanzfragen: Währungs- und Kreditpolitik, Devisenschwierigkeiten, Preisstand, Kapitalumlauf;
b) wirtschaftliche Fragen: Verbesserung der Produktionsbedingungen und des Warenaustausches, besonders auf dem Gebiete der Zollpolitik.
Für Deutschland steht die überragende Bedeutung der Privatverschuldungsfrage fest. Bei den Wirtschaftsfragen dürfte die deutsche Abordnung den Standpunkt vertreten. daß
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Hier wohnt die deutsche Abordnung für die Weltwirt- schaftskonferenz.
Unser Bild zeigt das Hotel Dorchester in London. wo die deutschen Vertreter für die Weltwirlschafts- konferenz während ihres Londoner Aufenthalts wohnen werben.
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Der Aufbau der „Deutschen Arbeitsfront
Der Aeudau der deutschen
Arbeiterverbände.
Der Leiter des Organisationsamtes der Deutschen Arbeitsfront,, und stellvertretende Leiter der NSBO., Reinhold Muchow, schreibt im „Informationsdienst" über den Neubau der deutschen Arbeiterverbände. Aus berufspolitischen und wirtschaftlichen Gründen seien aus den bisherigen 28 ADGB.-Verbänden 14 Verbände geworden, zu denen noch der der Heimarbeiter und -arbeiterinnen und des Dienst- bzw. Hauspersonals hinzukomme, so daß sich nunmehr
die deutsche Arbeiterschaft in 15 Grundvcrbänden organisieren könne. Die zusammenschließende Spitze ist der „Gesamtverband der Deutschen Arbeiter" innerhalb der „D e u t s ch e n Arbeitsfront". An G r u n d v e r b ä n d e n bestehen der Verband der Bauarbeiter, Verband der Bergbauarbeiter, Verband der Buchdrucker, Verband der Eisenbahner, Verband der Fabrikarbeiter, Verband der Holzarbeiter, Verband der Landarbeiter, Verband der Metallarbeiter, Verband der Tertilarbeitcr, Verband der Tabakarbeiter, Verband der Steinarbeiter, Gesamtverband, Verband der Lederarbeiter, Verband der Nahrungsmittel- und Getränkearbeiter und der Verband der Heimarbeiter und Dienstpersonal. Mit der Schaffung dieses „Gesamtverbandes der Deutschen Arbeiter" in der „Deutschen Arbeitsfront" ist die Arbeit noch nicht erschöpft. Es werden noch Wochen und Monate vergehen, bis die Einschmelzung folgerichtig und völlig organisch bis zur kleinsten Zelle herab durchgeführt ist. Als zweite große Aufgabe steht dann die planmäßige und ebenfalls organische
Überführung der Christlichen Gewerkschaften
in die neuen 15 Grundverbäude bevor. Schließlich wird die dritte Aufgabe fein, nach der Eingliederung der Christlichen Gewerkschaften den Rest der organisierten Arbeitnehmer (z. B. Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine, Wirtschaftsfriedliche, Sonstige) dem „Gesamtverband der Deutschen Arbeiter" in der „Deutschen Arbeitsfront"' einzufügen.
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Führerrat der Arbeilerverbände.
Die NSBO.-Preffestelle teilt mit: Es wird rin Kleiner und Großer Führerrat im G e s a m 1 v c r b a n d der Deutschen Arbeilerverbände gebildet. Der Kleine Führerrat besteht aus dem Führer Schuhmann, dem stellvertretenden Führer Brucker, dem Schatzmeister Brinckmann, dem Organisationslcitcr Muckow und dem Bresteleiter Biallas. Der Große
zunächst die Nationalwirtschaften in Ordnung zu bringen
sind, worauf die Wiederingangsetzung des Warenverkehrs folgen kann. Abmachungen zwischen benachbarten und besonders aufeinander angewiesenen Ländern werden von Deutschland zweifellos begünstigt werden, nachdem sich das Stiftern der Meistbegünstigung erfahrungsgemäß für Deutschland und wohl auch für manche anderen Länder als unbrauchbar erwiesen hat. Die deutsche Abordnung dürfte in London auch versuchen, eine Verständigung zwischen den hochentwickelten Jnditstriestaaten über die unerschlossenen Gebiete herbeizuführen.
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Wie verlautet, nimmt der Staatssekretär des Reichs- wirtschaftsministeriums Bang an der Weltwirtschaftskonferenz in London teil.
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Oie deuische Oeiegaiion für die Weliwirtschastskonserenz.
Reichsaußenminister Freiherr von Neurath traf in Begleitung seines Kabinettschefs, Generalkonsuls Voelkers, und des Attaches Siegfried auf dem Victoria- bahnhof inLondon ein, wo er am Montag die Führung der deutschen Abordnung zur Weltwirtschasts- konferenz übernimmt. Zum Empfang hatten sich auf dem Bahnhof eingefunden der deutsche Botschafter von Hoesch mit den Herren der deutschen Botschaft, von Trendelenburg vom Völkerbund und einige Herren der deutschen Abordnung, die sich zur Vorbereitung der Unterkunft in London befinden.
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Die Delegation wird gebildet von dem Reichsaußenminister von N e u r a t h, dem Neichswirtschaftsminister und Ernährungsminister Dr. Hugenberg, dem Neichs- finanzminister Graf von Schwertn-Krosik, dem Reichsbankpräsidenten Dr. S ch a ch 1, dem Hamburger Staatspräsidenten K r o g m a n n , der der Nationalsozialistischen Partei angehört, und dem nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten Wilhelm Keppler, der auf dem Reichswahlvorschlag der NSDAP. gewählt Wurde. Er ist Mitglied der Handelskammer Heidelberg und seit 1912 als Leiter industrieller Unternehmungen tätig. Der Delegation gehört außerdem noch eine Reihe von Sachverständigenmitgliedern des Reichsbankdirektoriums, Staatssekretäre und Ministerialdirektoren der zuständigen Reichsministerien an.
Führerrat besteht aus den Mitgliedern des Kleinen Führerrats, aus den 15 Verbandsleiter», den Abteilungs leitern Anders, Dr. Denker, Hodenberg, Dr. Kaiser, Dr. Kilian, Klapper, Kurth, Mende, Otto, Raumer, Reichnow, Dr. Schreiter und Dr. Zängel.
Veschästigunssmöglichkeiten für Zung- lehrer im Arbeitsdienst.
Die Reichsleitung für den Arbeitsdienst macht daraus aufmerksam, daß Junglehrer bis zu 25 Jahren im Arbeitsdienst Verwendung finden können, da der Arbeitsdienst für den st a a t s p o l i i i j L c u Unterricht Herren benötigt, die diese Dinge meistern. Man glaubt, daß gerade aus der Junglehrerschaft eine ganze Reihe von Lehrern für diesen Zweck gewonnen werden können. Es kann hinzugefügi werden, daß sich solchen Junglehrern, die sich dem Arbeitsdienst hierfür zur Verfügung stellen, später auch weitere Entwicklungsmöglichkeilen bieten. Es können sich selbstverständlich nur solche Herren melden, die bedingungslos auf dem Robert der Regierung Hitler stehen. Die in Frage kommenden Junglehrer können sich bei den Arbeitslagern melden.
Zusätzliche Arbeitsbeschaffung der Reichsbahn.
Die Aufträge der Reichsbahn aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm 1932 gehen zu Ende. Um eine drohende Verschlechterung des Arbeitsmarktes abzuwen- den, und darüber hinaus zu einer dringend erwünschten Belebung beizutragen, will die Reichsbahn im Anschluß an das Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregie- rung durch eine Kreditaufnahme für weitere Aufträge sorgen. Sie steht wegen der Kreditbeschaffung in aussichtsreichen Verhandlungen mit der Reichsbank. Um bei den Lieferindustrien der Reichsbahn bis zum Abschluß dieser Verhandlungen keine größere Lücken ein- treten zu lassen, hat die Reichsbahn beschlossen, über« vrückungsbestellungeninHöhevondüMil- Honen Reichsmark hinauszugebcn, die auf das demnächst in Kraft tretende Arbeitsbcschaffnngsprogramm angcrechnet werden.
Diese 50 Millionen verteilen sich etwa in folgender Weise: Für die Bestellung von Groß-Lokomotiven 6,2 Millionen Reichsmark, Klein-Lokomotiven 3.8 Millionen Reichsmark. Waaen 15 Millionen Reichs-