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Zul-aer Anzeiger

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Nr. 139 1933

Fulda, Samstag, 17. Juni

10. Jahrgang

Das Urteil im Gereke-Prozeß.

21-Zähre Gefängnis für Dr. Gereke

Und 100 000 Mark Geldstrafe.

Im Prozeß gegen den früheren Reichskommiffar für Arbeitsbeschaffung, Dr. Gereke, verkündete am Freitag­mittag Landgerichtsdirektor Jasper folgendes Urteil:

Dr. Gereke wird zu insgesamt 2^ Jahren Ge­fängnis und 100 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Mitangeklagte F r e i g a n g wird zu 4 Monaten Gefäng­nis verurteilt."

Die Verurteilung Dr. Gerekes erfolgte wegen fortgesetzter Untreue im Falle Verbandszeit- schrift. Im Falle Aufwandsentschädigung sprach das Ge­richt Dr. Gereke frei. Im Falle Hindenburg-Ausschuß wurde das Verfahren auf Grund der Amnestie eingestellt.

Die Verurteilung des Mitangeklagten Frei gang erfolgte ebenfalls im Falle Verbandszeitschrift wegen B-ibilfe zur fortgesetzten Untreue. Das Gericht stellte im Falle Hindenburg-Ausschuß das Ver­fahren gegen den Mitangeklagten ebenfalls auf Grund der Amnestiebestimmungen ein. Beiden Angeklagten wird di- erlittene Untersuchungshaft angerechnet.

Aus der ltrteilsbegründung.

In der Urteilsbegründung heißt es unter anderem: Im Falle Aufwandsentschädigung kam das Gericht zur Freisprechung. Im Herbst 1922 trat Gereke an die Spitze des Preußischen Landgemeindeverbandes. Dank seiner uner­müdlichen Tätigkeit, seiner Arbeitskraft und seiner Initiative gelang es ihm in kurzer Zeit, den damals lose zusammen­hängenden Verband zu einer richtigen kampffähigen Organi­sation zu entfalten, und er scheute nicht Geld und Zeit, auch nicht eigene Mittel, um den Verband anszubauen und ihm über die schlechte Inflationszeit hinwegzubelsen.

Die Anklage wirft Dr. Gereke vor, daß er erklärte, er habe die ihm zustebende Austvandsentschädiaung nicht bekommen und auch sonst kein Entgelt für seine Tätigkeit im Verband erhalten. Der Gesamtvorstand hat im Juni 1928

zur Abdeckung der Aufwandsentschädigung

vom 1. Juni 1922 bis Ende 1928 die Ausschreibung einer Um­lage für Dr. Gereke beschlossen, die fast 76 000 Mark er­brachte. Gereke hat unterdessen 42 000 Goldmark als Gehalt für die Zeit vom 1. Juli 1922 bis Dezember 1925 bekommen und 32 000 Goldmark aus einer im Juni 1924 für die Zeitschrift be­schloßenen Sonderumlage. Gereke war stark politisch tätig. Politik machen kostet aber Geld. Gekämpft bat Gereke für die Interessen des Verbandes, insbesondere für die Interessen der Aarargemeinden. Nach der Überzeugung des Gerichts ist das Geld zu politischen Zwecken entnommen und verbraucht worden. Es bestand für Dr. Gereke

keine rechtliche Pflicht,

diese Entnahme zur Sprache zu bringen. Außerdem wäre die Tat verjährt. Im Falle Aufwandsentschädigung ist Gereke ein Retruq mithin nicht nachzuweisen.

Im Komplex Hindenburg-Ausschuß gibt Gereke zu, daß er die vom Hindenburg-Kuratorium empfangenen Gelder in Höhe von etwa 450 000 Mark mit falschen Be­legen seiner Hilkspcrsoncn abgerechnet bat, darüber hinaus aber noch 29 000 Mark vermittels falscher Belege hat an­sordern lassen. Nach Angabe Gerekes sind in der Politik auch krumme Wege erlaubt und ein Zeuge hat ihm dies be­stätigt. Das Gericht kann sich dieser Auffassung nicht an­schließen.

Auch in der Politik muß Sauberkeit und Anständigkeit herrschen.

Maßnahmen, die gegen das Strafgesetz verstoßen, dürfen nicht borkommen. Aber die Handlung ist vor dem 1. Dezember 1932 begannen.

Die Angaben Gerekes, daß die Mittel aus politischen Gründen zurückbebalten worden sind, und durch die Beweis­

Akademisches Arbeitsdienstjahr.

Arbeitsdèenflpslicht für Studenten verkündet.

Feierliche Einleitung durch Minister R u st.

Zur Verkündung der studentische« Arbeitsdienst- Pslichi, die am 1. Aüg u st d. J. beginnt, fand in Berlin im Beisein der in Massen ausmarschierten Studenten­schaft der Berliner Hochschulen sowie der Spitzen der Hochschulbehörden und eines zahlreichen Publikums eine eindrucksvolle Kundgebung unter freiem Himmel aus dem Opernplatz gegenüber der Universität statt.

Der preußische Kultusminister Dr. R u st verwies auf die Entstehung des Gedankens der studentischen Arbeits­dienstpflicht. Der Student werde nun ein Jahr hinaus- gehen und

mit Arbeitern, Bauer» und Handwerkern körperlich schaffen lernen.

Daneben werde es seine Ausgabe sein, die Verbindung mit jener gewaltigen Volksbewegung herzustellen und zu vertiefen, die vom Staate Besitz ergriffen habe. Es sei eine herrliche Tal der deutschen Akademikerschaft, daß sie von sich aus s r e i w i l l i g auf eine Ausnahme- Heilung verzichte.

Wer in diesen Arbeitslagern versage, habe das Recht «erwirkt, Deutschland als Akademiker zu führen. Nicht Intellektualismus komme Deutschland aus seiner Sen Not heraus, sondern nur durch eine unerhörte Eboraktervrüfuna

aufnahme bestätigt. Gercke bat tatsächlich in dieser Zeit auch schon Beträge zwischen 50- und 100 000 Mark angeboten. Das Gericht ist daher der Überzeugung, daß Gereke tatsächlich

das Geld für politische Zwecke

verwenden wollte. Bis auf eine Entnahme von 80 000 Mark für die Preußenwabl und rund 20 000 Mark für Frau Direk­tor Beck ist auch das gesamte Geld in voller Höbe vorhanden. Bezüglich der 20 000 Mark für Frau Direktor Beck behauptete Gercke, daß die Entnahme auf einem Büroversehen beruhe. Das Gericht hat diesen durch die eidlichen Aussagen des Zeugen Beck unterstützten Angaben Glauben geschenkt.

Hunderttausende von Hindenburg-Geldern sind burd) Gerekes Hände gegangen. Es wäre für ihn eine Leichtiakeit gewesen, hiervon größere Beträge zu seinen oder seiner Ver­wandten Gunsten zu verwenden.

Ein anderes Bild hat die Haupwerhandlung im Falle der Verbandszeitschrift ergeben. Der Angeklagte konnte nach seiner juristischen Ausbildung auch niemals darüber im unklaren sein, daß er um die Wende 1924/25

nicht Eigentümer der Zeitschrift

geworden war. Niemals konnte Gereke im März 1925 vom Verband noch einen Zuschuß für die Zeitschrift fordern, nie­mals sich im April diesen Zuschuß bis zu 30 000 Mark be­willigen lassen. Außerdem war der Bericht Gerekès in der Versammlung eine U n w abrbeii, da er bereits damals große Beträge aus den Einnahmen der Zeitschrift entnommen hatte

Ihm als Juristen war und mußte es vollkourmen Nur sein, daß zur üdertraguna des Eigentums an der Verba, wszettMrift andere Mittel und Wege erforderlich waren, als vielleicht nur ein Intrigenspiel im inneren Vorstand eine Treulgsiakeit, wie cs einzelne Zeugen genannt haben.

Wenn Dr Gereke das Eigentum an der G. m. b. H sich später übertragen ließ und wenn nachträglich sogar die Zeit- schrisr noch in weiterem Umfange auf ibn überging, so war er dabei immer

nur als Treuhänder des Verbandes

zu betrachten. Vom ©efamivcrüanb hatte bis zu diesemProzeß niemand etwas von einer Eigeiltumsübertraauim erfahren. Zu Unrecht bat er aus der Zeitschrift fließende Gelder für üch und seine persönlichen Zwecke verbraucht. Bewußt un­wahr bat er bis in die jüngste Zeit ans Fragen der Vor­standsmitglieder gcanlivortet, die Zeitschrift werfe keine Ge­winne ab, sie trage sich gerade so, zu einem Zeitpunkt noch, wo er bereits über eine Million aus ter Zeitschrift entnommen hatte. Er ist somit der Untreue schuldig.

Die Beweisaufnahme bat ergeben, daß Dr. Gercke große Beträge im eigenen Interesse, besonders

für fein Gut Pressel

verwandt bat. Für das Gut Pressel sind nachweislich 1 7 0 0 0 0 M a r k, schätzungsweise 200 000 Mark, verwandt worden, die aus den Eingängen der Zeitschrift flossen. Außer­dem hat Dr. Gereke einen entfernten Verwandten mit etwa 60 000 Mark unterstützt.

»

Vorher hatte Freigang in seinem letzten Wort u. a. noch erklärt:Ich versichere, daß mir die Tragweite der verschiedenen Vorgänge erst im Herbst vorigen Jahres be- wußt geworden war, und ich meine Angaben Ministerial­rat Schellen und Bürgermeister Lange gegenüber unbeein­flußt gemacht habe. Ich darf versichern, daß ich mit bestem Wissen und Gewissen die reine Wahrheit gesagt habe und bitte um meine Freisprechung."

Gereke will Revision anmelden.

Wie man hört, beabsichtigt Dr. Gercke, gegen das Urteil Revision einzulegen.

Der Haftbefehl gegen Dr. Gereke wird auf« rechterhalten. Dr. Gereke nahm das Urteil ruhig auf und machte sich während der Urteilsbegründung häufig Notizen.

Das deutsche Arbeitslager ist ein Kampfplatz und eine Schule des deutschen Volkes. Es ist ein Kampfplatz gegen Weltanschauungen, um deren Über­windung wir angetreten sind, nämlich gegen die Welt­anschauung des Marxismus und des Liberalismus. Der Marxismus, mag er sich in Prag wieder erneut aufraffen, in Deutschland ersteht er nicht wieder!

Wenir diese Dienstzeit", so rief der Minister aus, einen Sinn haben soll, so muß in den Arbeitsdienst­lagern nur ein Geist herrschen: der Gerst Adolf Hitlers!

So geht hinaus und beginnt euer Werk! Wir stellen diesen Beginn unter das Symbol der Namen S ch l a g e t e r u n d H o r st W e s s e l. Indem Sie heute mitteten und Ihr Werk beginnen, das in ein Deutschland der Freiheit und des Brotes hinüberführen wird, rechtfertigen Sie den Sinn des Opsertodes dieser Männer."

*

praktische Seelsorge im Arbeitsdienst.

Vorschläge D. von Bodclschwinghs.

Zur Frage der Seelsorge im Arbeitsdienst hat Reichs­bischof v. von Bodelschwingh an den Reichs- arbeitsminister S el die ein Schreiben gerichtet, das neben der grundsätzlichen Zielsetzung ein praktisch-organi­satorisches Programm enthält.

Diese Seelsorge solle in anderer Art erfolgen als es trüber in der Armee der Fall aeweserr fei Der Besuch des

Gottesdienstes und die Teilnahme an religiösen Ausein­andersetzungen und Besprechungen solle niesn durch Befehl geregelt werden, sondern Sache der freien Enlschei- d u n g fein. Das bedeute, daß die Kirche in ihren Ver­tretern so wirken müsse, daß die junge Mannschaft, der Nation freudig zu ihr kommt.

Reichsminister Seldte wird in dem Schreiben weiter­hin gebeten, die folgenden Richtlinien zu berücksichtigen: Jede Arbeitsdien stabteilung erhalte minde­stens einen Seelsorger, ebenso nach Möglichkeit die de­tachierten Züge, sofern die Abteilung ständig oder für längere Dauer, an verschiedenen Stellen verteilt^ eingesetzt sei. Als Abteilungsseelsorger kämen nickn nur Theologen, die im Vorbereitungsdienst ständen, also Dekare und Kandidaten, sondern

auch geeignete Laien,

Diakone, Dereinssekretüre. Volksmisfionare, Junglehrer und andere in Frage, über deren seelsorgerische Eignung die Kirche entscheide.

Die Kirche würde daher die von ihr für die seelsorge­rische Arbeit ausgesuchten Leute zum Besuch der staatlichen Führer schule vor schlagen. Ihre Qualifikation zum Besuch der Führerschule erfolge völlig unabhängig von der kirchlichen Qualifikation zum Seel­sorger. Auf diesem Wege solle verhindert werden, daß Seel­sorger in den Arbeitsdienst hineinkämen, die nicht zugleich auch vorbildliche staatliche Arbeitsdienstführer feien.Aus solche Weise werde eine Seelsorge im Arbeitsdienst er­möglicht, die aus stärkster kameradschaftlicher Berührung von Mensch zu Mensch erwachse.

Amerika über die säumigen

Schuldner erbittert

Am meisten über Frankreich.

In Amerika herrscht fast einmütig die Meinung vor, daß aus Grund der gegenwärtigen Lage das Ende des Kriegsschnldenabkommens Tatsache geworden ist. Finnland ist das einzige Land, das die volle Rate bezahlt hat. England, Italien, Tschechoslowakei, Lett­land und Rumänien leisteten lediglich Teilzahlungen auf die Raten. Frankreich, Polen, Belgien. Estland, Ungarn, Litauen und Südslawien bezahlten nicht. Amerika er­hielt weniger als 8 Prozent des an sich fällig ge­wesenen Betrages.

Die Erbitterung in Amerika gegen Frank­reich ist außerordentlich groß. In der amerikanische« Preffe findet man in großer Aufmachung die Erklärung, daß Frankreich keine Kriegsschulden zahle, während die Bank von Frankreich einen Goldbestand von vier Milliar­den Dollar aufweise. Es wird auch dabei hervorgehoben, daß Frankreich England als närrisch bezeichne, weil eS eine Teilzahlung geleistet habe.

*

Das amerikanische Parlament hat sich b l r zum Beginn des nächsten Jahres vertagt, nach­dem es die letzten Vorlagen im Sinne des Präsidenten Roosevelt angenommen hatte. Roosevelt ist damit für die nächsten sechs Monate praktisch Diktator der amerikanischen Wirtschaft.

32 neue Kriegsschiffe.

Der amerikanische Marinesekretär Swanson kündigte ein großes Marinebauprogramm für die nächsten drei Jahre an. Das Programm, für dessen Durchführung 238 Millionen Dollar nötig sind, sieht folgende Neubauten vor: 20 Zerstörer, 2 Flugzeugmutterschiffe, 4 10 000-Tonnen-Kreuzer, 4 Unterseeboote und 2 Kanonen­boote.

Die Baukosten wird Präsident Roosevelt aus dem Fonds für das öffentliche Bauvrogramm zur Verfügung stellen.

Kurzer Währungsfriebe.

Zwischen Amerika, England und F rank reich.

Aus Londoner Konfercnzkreiscn verlautet, daß der Abschluß einesWährungswasfcnstMstandes" für die Dauer der Weltwirtschaftstonferenz als vorläufige Stabi­lisierungsmaßnahme bcvvrsteht.

Der Währungswaffenstillstaud würde darin bestehen, daß der Dollar, das P s u u d und der F r a n c für die Dauer der Kouferen; in ein stabiles Verhältnis gebracht werden, das mittels des englischen oder eines kombinierten Währungsausgleichsfonds ausrechterhalten bzw. vor Schwankungen beschütz! würde. Ein dahin­gehendes Abkommen ist bereits in der Form eines Gentlemenabkoinmens zwischen den Gouverneuren der englischen, amerikanischen und französischen Zentralbank vorläufig vereinbart worden.

über die D a u e r des geplanten Abkommens bestehen anscheinend noch Meinungsverschiedenheiten. Einige Unterhändler befürworten, das Abkommen dem Zoll- ivaffenftiUftanb vollkommen gleichzusetzen, es also b i s zum 3 1. Juli laufen zu lassen. Von anderer Seite wird eine kürzere Frist, nämlich 20 oder 30 Tage, be­vorzugt.

Vorstandsmitglieder des Freidenker-Verbandes mit 700 000 Mark geflüchtet.

Die Vorstandsmitglieder des Deutschen Freidenker-! Verbandes Sievers und Gaul sind seit einigen Taaen unter. Mitnahme von 700 000 Mark flüchtig.