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Nr. 140 — 1933
Fulda, Montag, 19. Juni
10. Jahrgang
SvWr MWekUSsident MM« in Berlin.
Dcr ungarische Ministerpräsident G ö in b ö s ist überraschend mit direktem Flugzeug in B c r l i n angekommen. ßr machte dem Reichskanzler Adolf Hitler einen Höf- lichkeitsbesuch.
Der ungarische Ministerpräsident Gömbös hat sein Amt am 1. Oktober 1932 angetreten, nachdem er bis dahin zwei Jahre als Kriegsminister in Ungarn tätig gewesen war. Gömbös ist deutscher Abstammung. Er steht zu dem ungarischen Deutschtum in enger blntsverwandtschafi- licher Beziehung.
Im Mai dieses Jahres hat Gömbös einen Besuch in Wien gemacht, der genau so überraschend inszeniert wurde wie die jetzige Ankunft in Berlin.
*
Aussprache des Kanzlers mit Gömbös.
Über gemeinsame wirtschaftliche und politische Probleme.
Wie das Außenpolitische Ami der NSDAP. mitteilt, fand in der Reichskanzlei zwischen dem Reichskanzler und dem ungarischen Ministerpräsidenten Exzellenz Gömbös eine Aussprache statt, bei der die gemeinsamen wirtschaftlichen und politischen Probleme zur Diskussion kamen.
Besonders die gemeinsamen wirtschaftlichen Interessen wurden eingehendst erörtert. Es kann fest- gestellt werden, daß gerade aus diesem Gebiete die Zusammenkunft der beiden Staatsmänner von größter Bedeutung war und ein durchaus positiver Erfolg erzielt wurde.
Die Unterhaltung des Reichskanzlers mit dem ungarischen Ministerpräsidenten schloß in überaus herzlicher Weise und tait der Versicherung, daß die beiden Staaten mit den größten Sympathien einander gegenüberstehen.
Ministerpräsident Gömbös besichtigte dann, wie weiter bekannt wird, die Reichshallptstadt. Nachher besuchte Ler, Ministerpräsident Potsdam, anschließend fänd ein Abendessen statt, an dem der Leiter des Außenpolitischen Amtes, Pg. Rosenberg, teilnahm.
Hindenburg gratuliert Horthy.
Der Reichspräsident hat Seiner Durchlaucht dem Reichsverweser des Königreichs Ungarn anläßlich seines Geburtstages ein in herzlichen Worten gehaltenes Glückwunschtelegramm übersandt.
«Wer und Gömbös auf dem mittel- deutWen SA.-Appe!l.
Aber 60 000 Braunhemden in Erfurt.
Aus allen Teilen Mitteldeutschlands waren über 60 000 Braunhemden zu dem großen SA-Appell aus bem Erfurter Flughafen ausmarschiert. Reichskanzler Adolf Hitler traf mit dem Flugzeug eins Als er das Flugzeug verließ und aus der Fahrt zur Stadt wurden ihm begeistertcOvationen dargebracht. In seiner Begleitung befanden sich u. a. Reichsminister Dr. Frick, Alfred Rosenberg und der ungarische Ministerpräsident Gömbös.
Im Festsaal des Erfurter Rathauses fand sich dann eine Versammlung von geladenen Gästen zusammen. O b e r b ü r g e r in e i st c r Tichier dankte dem Kanzler, daß er trotz der riesigen Arbeit der letzten Zeit nach Erfurt gekommen sei. Erfurt sei stolz daraus, und werde dieses Opfer stets zu würdigen wissen. Die Stadt verpflichte sich, im Sinne des Führers rück- haltloszn arbeiten und erflehe für ihn den Segen Gottes.
Adolf Hitler erwiderte, es fei das erstemal, daß er als Reichskanzler einer Stadt einen offiziellen Bestich abstatte. Der Besuch sei ihm diesmal von besonderer Bedeutung, denn in Erfurt sei das Programm einer Partei entstanden, die Deutschland ins Unglück gestürzt habe.
„So wie wir heute Besitz von dieser Stadt ergriffen haben, so haben wir die sozialdemokratische Bewegung, die in Erfurt manifestiert wurde, überwunden. Die Ur-
Massen-Ozeanflug.
Der größte Geschivaderflug der Welt.
Vor dem Start des italienischen
A t l a n 1 i k g e s ch w a d e r s.
Nach den letzten Meldungen vom Sonnabend steht der Start eines italienischen Luftgeschwaders zu fernem großen Nordamerikaflug unmittelbar bevor.
Der große italienische Geschwaderflug nach «ord- amerika wird in
zahlreichen Etappen verschiedener Länge und Schwierigkeit durchgeführt werden. Die erste, 1400 Kilometer betragende Flugstrecke ist die Etappe O r b e t e l l o — A m st e r d a m. Sie größte Schwierigkeit besteht hierbei in der über ft1 e - Sung der Alpen vom Lago Maggiore ans. Es ist das erstemal, daß Wasserflugzeuge in solcher Menge die Alpen überfliegen.
künde dieser schönen Stadt nehme ich besonders freudig und mit ganz besonderem Dank an."
Darauf trug sich der Sander in das Goldene B n ch ein, ebenso Reichsminister Dr. Frick und der 11 n garische M i n i st e r p r äs i d e n t. Inzwischen hatten sich Zehntausende auf dem gewaltigen Friedrich- Wilhelm-Platz zu Füßen des Doms eingefunden, wo Adolf Hitler den
Vorbeimarsch seiner braunen Soldaten abnahm. Als er den Platz betrat, kannte der Jubel der M assen, die teilweise seit den frühesten Morgen- stunden trotz des zeilweife niedergehenden Regens aus- geharrt hatten, keine Grenzen.
Bei dem Appell ans dem Flughafen, zu dem it. a. auch Stahlhelmführer Jüttner, Reichsstatthalter Sauckel, der thüringische Minister Wächtler unb Prinz August Wilhelm erschienen waren, weihte Stabschef Röhm
etwa 200 neue Hakenkreuzfahnen und führte habet u. a. aus:
Die neuen Fahnen sollen euch voranwehen in den Kämpfe it, die noch bevor st ehe n. Denn noch ist eure Aufgabe nicht zu Ende, noch harren neue Kämpfe den braunen Bataillonen. Das Ehrenzeichen dieser Stampfe ist die Einigung aller deutschen Volksgenossen, der Steilst an Vylk und Vaterland im Sinne des Führers Adolf Hitlers. Gerade die nächsten Monate werden b o b e u u d s ch w e r e A uf - gaben bringen: aber ihr werdet sie lösen, wenn ihr bleibt, war ihr immer wäret, und seid:
echte, treue, einfache Soldaten!
Das Thüringer Gautreffen der NSDAP.
Ehrung der tausend ältesten Parteigenossen.
Anläßlich der Eröffnung des G a u p a r t e i t a g e s der N S D A P. Thüringens verfiinbete Rèichsstatt Halter Sauckel in einer bedeutsamen Ansprache die Totalität des Nationalsozialismus für den Thüringer Staat auf einem Kongreß der Amtswalter, SA., SS. und Hitlerjugend in Weimar.
„Ich befehle Ihnen nunmehr", so sagte er. „die Intoleranz gegen alles andere. Es darf in Thüringen für die Zukunft nur einen politischen Glauben geben. xTn§ ist der Glaube an die Idee des Nationalsozialismus."
Das Recht zu dieser Intoleranz nähmen die Nationalsozialisten aus der Notwendigkeit des einheitlichen Denkens und Handelns der gefachten Nation. Mit dem Stempel des Verräters müsse derjenige gebrandmarkt werden, der es wage, die Richtigkeit der nationalsozialistischen Weltanschauung in Zweifel zu ziehen. Ministerpräsident Marschier erklärte, daß voraussichtlich in einigen Wochen das
Hakenkreuz im thüringischen Staatswappen Aufnahme finden solle.
Nach dem Gaukongreß fand die feierliche Ehrung der 1 0 0 0 ältesten Parteigenossen des Landes statt, die, mit Blumen geschmückt und unter den: Jubel der Bevölkerung auf dem Weimarer Marktplatz Aufstellung nahmen. Neichsstatthalter Sauckel und der Stellvertreter des Führers, Heß, ehrten die ältesten Kämpfer. Unter dem Geläut der Glocken wurde den 1000 der silberne Gau 1 ag - Adlcr mit der Inschrift „Für Treue — Gau Thüringen" überreicht.
Ein Ricsenseucrwerk, wie es in Mitteldeutschland noch niemals gesehen wurde, wurde am Vortage des Thüringer Gautreffens in Erfurt auf der mitteldeutschen Kampfbahn veranstaltet, auf der sich zu einer Kundgebung etwa 50 000 Menschen und endlose SA.- und SS.-Kolonnen eingefunden hatten. Als das Hoheitszeichen der NSDAP, aufleuchtete und wie ein Svmbol gegen den Himmel ragte, fand der Beifall der Massen seine Grenzen. Dann formierten sich die braunen Kolonnen zu einem Fackelzug durch die über und über im Fahnenschmuck des neuen Deutschland erglänzenden Straßen der Stadt.
Eine Flughöhe von 4000 Meter wird dazu notwendig sein Die weiteren Etappen sind A m st e r d a nt Londonderry (Irland) 1000 Kilometer; von dort nach Reykjavik (Island) 1500 Kilometer, Cart w right (Labrador) 2400 Kilometer, Shediac (Kanada) 1200 Kilometer, Montreal (Kanada) 800 Kilometer, Chikago 1400, dann schließlich bis Nelvyork 1600 Kilometer.
Die Besatzung jedes Flugzeuges besteht aus vier Mann: Ein Flugzeugführerkoinmandant, ein zweiter Offizier als Flugzeugführer, ein Funker, ein Motorenwärter. Das Geschwader
besteht aus 24 Flugzeugen und ist in acht Gruppen zu je drei Flugzeugen eingeteilt, bic jeweils in Dreieckform fliegen. Als Erkennungszeichen tragen die Flugzeuge je fünf Buchstaben, und zwar als ersten ein großes I und dann die vier ersten Buchstaben des Namens des Kommandanten.
Es brauckit kaum darauf hingewiesen zu werden, daß es sich hier um das bisher größte Flugunter-- nehmen der Welt handelt. Was den Reiseweg betrifft, so wird and) von italienischer Seite betont, daß die Überalterung dieser Zone des Atlantischen Ozeans von Osten nach Westen nur viermal gelungen sei, einmal Köhl und Hünefeld und dreimal dem Flieger von Gronau. Die Erfahrungen von Gronaus liegen jedenfalls auch dem italienischen Unternehmen zugrunde.
Der Z u st r o m der Leute, die beim Abflug vom italienischen Flughafen Orbetello dabei sein wollen, vor allem auch der Verwandten und Freunde der Ozeauflieger, ist so stark geworden, daß folgender Anschlag des Kommandos erschien: „Alle Freunde und Kameraden, die gekommen sind, uns zu begrüßen, hindern unsere Startvorbereitungen und bringen uns Verlust kostbarer Zeit. Wir bitten sie, ihren Beifall für unsere R ü ck k e h r a u f z « h e b e n."
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Deutschlands drittgrößte Talsperre.
143 Millionen Kubikmeter Wasser im Ottinachauer Becken.
Am Sonnabend eröffnete der Reichsverkehrsminister Freiherr Eltz von Rübenach das Staubecken an der Glatzer Neiße bei Ottmachau und übergab damit ein Kulturwerk ersten Ranges seiner Bestimmung.
Die Oder hat in trockenen Zeiten in empfindlicher Weise unter Wassermangel zu leihen, da ihr die natürlichen Wasserspeicher fehlen, wie sie z. B. Rhein und Donau in den Gletschern der Alpen besitzen. Erst 1927 konnte mit der Verlegung der Eisenbahn Ottmachau Patschkau aus dem Beckengebiet heraus ein Teil der Arbeiten im Rahmen des ersten Arbeitsbeschaffungsprogramms in Angriff genommen werden.
In der Bauzeit von fünf Jahren sind der gewaltige Damm, der in Deutschland nicht seinesgleichen findet, und die zahlreichen Bauwerke programmäßig fertiggestellt worden.
Der Staudamm, der das Neißetal quer zum Flußlauf absperrt, hat eine Gesamtlänge von etwa 6,5 S ilo m cter, eine Kronenbreite von 5 Meter und eine Sohleubreire bis zu 120 Meter. Seine größte Höhe über dem Gelände beträgt 16 Meter und über der Neißesohle 20 Meter. Im ganzen waren mehr als 7 Millio n e n K ubik nt e t e r B o d enmassen zu bewegen.
Als weiteres großes Bauwerk ist der Grund- a b l a ß zu erwähnen, der unmittelbar neben dem alten Neißelauf errichtet wurde. Er bat in erster Linie den Zweck, die Abgabe des Wassers aus dem Becken zu regeln. Das Wasser ivirb in sechs großen Bctonstellen, die bis zu zehn Meter hoch und 6 Meter breit sind, unter dem Damm hindurchgeführt. Mit dem Grundablaß ist ein Kraftwerk verbunden. Das Becken hat einen Gesamtinhalt von 143 Millionen Kubikmeter und ist damit die drittgrößte Talsperre Deutschlands.
In Ottmachau waren bis zu 3000 Mann gleichzeitig auf der Banstelle beschäftigt.
Baldur von Schirach Zugendführer des Deutschen Reiches.
Verfügung des Reichskanzlers Hitler.
Der Reichskanzler hat mit sofortiger Wirkung verfügt: Es wird eine Dienststelle des Reiches errichtet, die die amtliche Bezeichnung „Jugendführer des Deutschen Reiches" trägt. Zum Jugendführer des Deutschen Reiches wird der Rcichsjngcndsührer der NSDAP., Baldur von Schirach, ernannt.
Der Jugendführer des Deutschen Reiches steht an der Spitze aller Verbünde der männlichen und weiblichen Jugend, auch der Jugendorganisationen vonErwachfencn- verbänden. Gründungen von Jugendorganisationen bedürfen seiner Genehmigung. Die von ihm eingesetzten Dienststellen übernehmen die Obliegenheiten der staatlichen und gemeindlichen Ausschüsse, die ihre Aufgaben unter unmittelbarer Mitwirkung der Jugendorganisationen vollziehen.
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Wie von der neueingerichteten Pressestelle des Jugendführers des Deutschen Reiches mitgeteilt wird, wurde die Geschäftsstelle des von Admiral von Trotha geführten G r o ß d e n t s ch e n Bundes in Berlin besetzt. Es wurde Material beschlagnahmt. Die Geschäftsstelle wurde geschlossen. Die Maßnahme wird damit begründet, daß der Großdeutsche Bund verschiedentlich eine unmittelbar gegen die Hitler-Jugend gerichtete feindselige Haltung an den Tag gelegt habe.
Admiral von Trotha richtete gegen diese Maß- nahme an den Reichskanzler und an den preußischen Ministerpräsidenten P r o t e st t e l e g r a m m e.
Die neue Danziger Regierung.
Zehn Nationalsozialisten und zwei Zentrumsleure.
Die P e r h a n d l u n g e n itber die Bildung der' neuen Danziger Regierung sind abgeschlossen worden. Der neue Senat wird sich aus zehn Nationalsozialisten und zwei Zentrumsleuten zusammensetzen. Die Verhandlungen zwischen der NSDAP, und den Deutsch-' nationalen sind ergebnislos verlaufen. Man nimmt jedoch an, daß die Deutschnationalen auch so der neuen Regierung gegenüber eine >v o h l m o 11 c n b e Hal - t u n g an den Tag legen werden.