Einzelbild herunterladen
 

Iulöaer ^n^cigcr

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1.70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» »«^

i A für auswärtige Auftraggeber 0.25 Mk., für

Zulöa- und Haunetal. Zulöaer Krersblatt $ 0ÄriJw M

Reüaktion und Gefthästsstelle: Königstraße 42 Zernfprech-Rnsthluß Nr. 5W für hiesige Auftraggeber berechnet. Bei Rech- NachSruck ârr mit * versehene» flrttkel nur mit «ltziânangab« .Lslöaer N«z«tg»r'-»aaaM. NUNgsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.

Nr. 142 1933

Fulda, Mittwoch, 21. Juni

10. Jahrgang

Erregung in Oesterreich.

Alarmzustand in Wien.

Schwere Geld - und Arre st st rasen angedroht.

In W i e n ist sofort nach dem Beschluß des Minister- rats gegen die NSDAP, die Polizei und die Garnison in Alarmzustand versetzt worden.

In der Verordnung der Bundesregierung gegen die NSDAP, werden Zuwiderhandlungen mit einer Geld­strafe bis zu 2000 Schilling oder mit Arrest bis zu sechs Monaten bedroht. Diese Strafen können jedoch auch gleichzeitig verhängt werden.

Auch der Versuch wird als strafbar erklärt. Straf­fällige, die nicht österreichische Staatsbürger sind, sind nach dem Schubgesetz (d. i. Ausweisung) zu behandeln.

Drei Minister enthielten sich der Stimme.

Innerhalb der österreichischen Regierung war keines­wegs Einstimmigkeit über das Verbot erzielt worden. Wie man erfährt, haben sich bei der entscheidenden Abstimmung iin Mini st errat drei Minister der Stimme enthalten, und zwar die beiden Vertreter des Landbundes sowie der Sozialdemokrat.

Es erhebt sich nun die Frage, ob der Ministerrats­beschluß rechtsgültig ist, da bestimmungsgemäß die Ministerratsbeschlüsse einstimmig gefaßt werden müssen.

Verhaftungen in Krems.

Wie aus Krems an der Donau berichtet wird, sind im Zusammenhang mit dem am Montag verübten An­schlag auf die Assistenzkompagnie insgesamt neunzehn Personen verhaftet worden. Unter ihnen befindet sich der Scharführer der Nationalsozialistischen Partei, Mosel, der beschuldigt wird, die Tat begangen zu haben.

Das Befinden der bei dem Anschlag Verletzten ist zufriedenstellend. Es wird angenommen, daß auch die Schwer verletzten mit dem Leben davon­kommen werden.

AW der steirisKe Heimasschuls verboten.

In einer Verlautbarung zu dem Wiener Mimster- ratsbeschluß wird sestgestcllt, daß auch der 'ft e i e r i s ch c H e i m a t s ch u tz v e r b o t c n ist.

In einer halbamtlichen Veröffentlichung des Sicher­heitsministers Fey zur Auflösung der Nationalsozia­listischen Partei wird auch ausdrücklich gesagt:Im Inter­esse der Bevölkerung und der Sicherheit des Staates konnte die Regierung nicht weiter warten und hat darum über meinen Antrag das Verbot und die Auflösung der Nationalsozialistischen Partei und aller ihrer Hilfs- und Ncbenformationen in Österreich sowie des steirischen Heimatschutzes (Führung Kammerhofer) verfügt."

*

Die steierischen Heimwehren haben sich bekanntlich schon vor einiger Zeit von den unter Führung des Fürsten Starhemberg stehenden Heimwehren losgesagt und sich der NSDAP, angeschlossen, da sie den Starhem- bergschen Kurs, das heißt den Kurs des Kabinetts Doll­fuß, nicht länger mitmachen wollten. Zum Unterschied von den Starhembergschen Formationen, deren Führer für seine Westlerische, französisch orientierte Einstellung be­kannt ist, stehen die steierischen Heimwehren auf streng nationalem Standpunkt im besten deutschen Sinne.

Kabineii Gottsuß scheut hie Kritik.

Die NSDAP.-Prcsse mundtot gemacht.

Die Wiener Pressepolizei vertritt zu dem Verbot jeder Betätigung der nationalsozialistischen Blätter gegenüber den Erwartungen, die man bisher gehegt hatte, die Auf- fassung, daß ein Erscheinen von Partei - blättern gegen das Verbot des 9Jt i u i ft e r == rats verstoße. DieDeutsch-Österreichische Tages­zeitung" hatte den UntertitelHauptblatt der National­sozialistischen Partei" in der neuen Nummer bereits ab­gelegt und in ihrem Leitartikel diesen Schritt mit dem Verbot der Betätigung der Partei begründet, Trotzdem ist sie b e s ch l a g n a h m t worden und wird nicht mehr erscheinen können, ebenso wie die anderen nationalsozialistischen Tagesblätter und die illustrierten Zeitschriften.

*

Wie in Wien amtlich mitgeteilt wird, ist die Münchener Ausgabe des Völkischen Beobachters für Österreich verboten worden, nachdem bekanntlich schon vorher die Süddeutsche Ausgabe auf ein Jahr ver­boten worden war.

*

Neue ach : Keine Einmischung.

Rcichsautzenministcr gtDr. ° ° n R c it r o111D Dai W Blättermeldungen zufolge in einer Unterredung 3 lischen Pressevertretern zu dem Borge h e n Ö i reich s gegen die NationalsozraUstlsche Parte, W folgt geäußert:Wir denken nicht daran, uns m d^e Angelegenheiten Österreichs einzumlschen. J j folgen selbstverständlich von außen die Entwicklung, beabsichtigen aber nicht einzuschreUen. Unsere ganz Sympathien sind mit dem österreichischen Volke: Aber ^te handelt es sich um eine Angelegenhert, d,e die Österreicher selbst mit ihrer Regierung abzumachen haben.

Bahusreveè bei Wien.

Haltlose Beschuldigungen der Wiener Presse.

Die Wiener Presse bringt in großer Aufmachung Nachrichten über einen geplanten Eisenbahn­anschlag, der von den Blättern ohne jeden Anhalts­punkt einfach den Nationalsozialisten zugeschoben wird. Aus der amtlichen Verlautbarung der Generaldirektion der Österreichischen Bundesbahnen geht jedoch hervor, daß die Sache weit weniger gefährlich war, als dies in den Blättern dargestellt wird. Es wird darin gesagt, daß in der Nähe von Rodaun bei Wien versucht worden sei, durch ei ne Sprengung den Bahnkörper zu beschädigen. Der Schaden sei ganz gering­fügig. Der Verkehr habe durch den Vorfall keinerlei Störungen erlitten.

*

Dollfuß mußie mit NGOAp.-

Fliegern nach London reisen!

Habichts Mitarbeiter Cohrs berichtet.

Zugleich mit Dr. Ha dicht, dem Presseattache der Deutschen Gesandtschaft in Wien, wurde bekanntlich auch dessen Mitarbeiter Cohrs verhaftet. Cohrs, der Mon- taa aus Wien abgeschoben wurde und nun in Berlin ein- getroffen ist, erstattete der Presse Bericht über seine Er­lebnisse in Österreich.

Seine Verhaftung am Dienstag voriger Woche hat sich in ähnlichen Formen zugetragen, wie die Habichts. Die Beamten hätten s e i n e T a s ch e n d u r ch s u ch t und ihm sämtliche darin enthaltenen Gegenstände ab­genommen.

Gegen die Beschlagnahme von bei ihm gefundenen Papieren des Auswärtigen Amtes habe er sich energisch verwahrt, wobei er mit den Beamten in ein Handgemenge gekommen sei.

Diese Papiere seien ihm schließlich nach Rückfrage beim Bundeskanzleramt belassen worden. Darauf habe man ihn

in eine Berbrecherzelle abgesührt.

Er sei acht Tage lang in der Zelle eingesperrt gehalten worden.

Als Bundeskanzler Dollfuß nach London im Flug­zeug reisen wollte, sei die Flughafenverwaltung ersucht worden, nur eine Flugzeugbesatzung zu stellen, die der Regierung nahestcht. Die Flughasenverwaltung habe dar­aus geantwortet, daß das unmöglich sei, denn auf dem Flugplatz gebe es nur Nationalsozialisten. Dollfuß habe schließlich mit nationalsozialistischer Flug­zeugbewachung nach London fliegen müssen. Die Be­satzung habe sich s ch r i s t l i ch verpflichten müssen,keinen Sabotageakt" zu begehen und Dollfuß auch nicht aus dem Wege über Deutschland nach London zu bringen.

Auf dem Flugfeld in Aspern fei er bei seinem Abflug mit Blumen überschüttet worden. Die zu seinem Abschied erschienene Menge habe immer wieder versichert, daß der K a mp f in Österreich fortgesetzt werde.

Aus der roten Lügensabril in Prag.

Die in der tschechischen Hauptstadt Prag er­scheinende marxistische ZeitungSozial­demokrat" berichtet, daß sich in den Konzentrations­lagern in Deutschlanddie Todesfälle häuften". Ferner wird behauptet, daß die Toten zur Untersuchung nicht freigegeben würden und daß die Angehörigen erst nach er- solgter Beisetzung von dem Tode Kenntnis erhielten..

Hierzu wird von amtlicher Stelle mitgeteilt, daß die Behauptungen, die in Form einer Verdächtigung gehalten seien, typische Lügen Meldungen der bereits in der ganzen Welt samttsam bekannten Prager Lügensabrik darstellten.

Es sei in diesem Zusammenhang darauf hingewresen, daß vor längerer Zeit eine größere Zeitung in Schlesien eine Einladung an alle Pressevertreter der Tschecho­slowakei gerichtet

hat, um verschiedene Konzentrationslager in Deutschland zu besichtigen. Der größte Teil sei dieser Einladung ge­folgt und habe sich von dem einwandfreien Zustand der Konzentrationslager und der tadellosen Behandlung der Gefangenen überzeugen können. Bezeichnend sei, daß die Vertreter der sozialdemokratischen Presse diese Einladung o h n e Beg ründun g abgelehnt haben.

Verfahren gegen v, Rohr eingestellt.

Gleichzeitig mit den Presseangriffen gegen Staats­sekretär v. Rohr, worin ihm vorgeworfen wurde, bet der Umschuldung seines Gutes nicht korrekt verfahren zu sein, war eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Stettin eingereicht worden. Ter Obcrstaatsanlvalt Stettin hat nunmehr das Verfahren eingestellt, da sich keiner­lei A n h a l t s p u n k t c für strafbare Handlungen weder des Herrn v. Rohr noch anderer amtlicher Personen er­geben haben. .

Staatssekretär v. Rohr hat gegen dre Urheber der un­wahren Behauptungen sowie gegen, eme Reche vvn Zer- tungen, in denen sie verbreitet waren, Strafantrag gestellt.

Die deutsche Absage in Gens.

Aus der Arbeitskonfcrenz.

DieInternationale der Arbeit", vor vierzehn Zähren als ein Teil des Völkerbundstatuts geschaffen und im Internationalen Arbeitsamt verwirklicht, hat mit dem Völkerbund zweierlei gemeinsam: Hier wre dort wurden riesige und infolgedessen überaus kostspielige Organi- sationen aufgebaut und hier wie dort kam bei Dieser Arbeit" so gut wie nichts heraus. Dazur wurde aber tn Genf um so mehr debattiert, um die praktuche Erfolg­losigkeit dieses Treibens in Genf ein bißchen zu verhüllen. Die Führung dabei ebenso natürlich die maßgebendsten und bestbezahlten Posten - hatten die französischen Ge­werkschaftsdelegierten marxistischer Stiftung inne, Die in ihrem eigenen Lande politisch wirklich nicht viel zu be­deuten haben! Aber in Genf auf dem Jnternatiotialeu Arbeitsamt den Mund um so weiter auftaten! ^ie Eng­länder und Belgier taten dabei eifrig mit und man war, einschließlich der deutschen Vertreter, so ziemlichunter sich", weil auch die etwa anwesenden deutschen Arveit- nehmerdelegierten aus den Christlichen Gewerkschaften kaum als ernsthafteStörenfriede" austraten und daher auch nicht als solche empfunden zu werden brauchten.

Schon die italienischen Arbeitervertreter haben jahrelang darum kämpfen müssen, überhaupt bei den Sitzungen des Internationalen Arbeitsamtes zugelassen zu werden. Sie wurden von der dortigen marxistischen Front lange Zeit glatt abgewiesen, alsFaschisten" näm- Üch' Lehnt doch die italienische Organisation der Arbeit den Klassenkampfgedanken und den Demokratismus der marristischen Internationale schroff ab, - und das ist eine Todsünde wider denGeist" von Genf! Allmählich haben sich die Italiener aber doch hineingearbeitet und dadurch wenigstens einen Teil der ihnen von Rechts wegen zustehendcn Positionen erkämpft. Daß sich die gleichen Widerstände auch gegenüber der neugeschaffenen Deutschen Arbeitsfront erheben würden, war von vornherein anzu- nehmen, besonders da auch auf den Arbeitsamflouse- renien in Genf die internationalen politischen Ver­hältnisse und Strömungen stets einen überaus starken Einfluß auf die dortigeArbeit" ausgeübt haben und daher der Weltkampf gegen Deutschland und seine nalio- nale Erneuerung sowohl von der allgemein politischen, wie von der marristischen Seite her in Genf stärksten Widerhall finden mußte.

Das alles ist denn auch prompt geschehen und Die deutschenpolitischen Flüchtlinge" sorgten ihrerseits auch mit für die Verstärkung dieses antideutschen Echos. Der Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley hatte also gleich nach dem Zusammentritt der Konferenz des Arbeitsamtes einen sehr schweren Stand als deutscher Arbeitnehmer-Delegierter. Die Angriffe prassel­ten nur so auf die ganze deutsche Hitler-Bewegung her­nieder, und das früher gegen Italien aufgesührte ^picl vollzog sich nun auch gegenüber der deutschen Arbeitnehmer­gruppe, während es bezeichnenderweise bei der anderen, der Arbeitgebergruppe nicht zu derartigen Anpöbelungen des nationalen Deutschland kam, geschweige denn bei den Regierungsvertretern. Auch jetzt versuchte man also^die deutschen Arbeitervertreter von jeder wirksamen :ei! nähme an der Konferenz fernzuhalten, aber das gelang beim doch nicht! Man konnte die Vertreter von vielen Millionen deutscher Arbeiter nicht so leicht und einfach mundtot machen, wie man sich das vorgenommen hatte. Aber er­reicht wurde von den Gegnern doch immerhin, daß man unseren Vertretern nur einen Teil der früher von uns innegehabten Position bei den Ausschuß-Arbeiten ein­geräumt hat. Und im übrigen rächte sich die gegnerische Seite für diese halbe Enttäuschung dadurch, daß sie für ihre Anpöbelungen der bcutfdicn Arbeiterbewegung von heute immer schwereres Geschütz auffuhr von dem Präsidenten der Gesamtgruppe dabei ebensowenig behin­dert wurden wie von den Leitern der Kommissionen. Die deutsche Delegation war also diesem Trommelfeuer ohne jeden präsidialen Schutz ausgesetzt und konnte sich ihrer Haut nur mit den eigenen Kräften wehren.

Was daher kommen mußte, kam schließlich: Als sich diese antideutsche Einstellung des Präsidiums immer wie­der und in einer ganz besonders drastischen Form doku- mentierte, hat die deutsche Delegation endlich und berech­tigterweise die Geduld verloren und erklärte, sie verlasse die Konferenz und werde nicht eher wieder an ibr teilneh- men, als die amtliche Zurückweisung der Anpöbelungen, Beleidigungen und Lügen erfolgt, die sich die marxistische Mehrheit in der Arbeitnehmergruppe uns Deutschen gegenüber leisten zu dürfen geglaubt hat. Die deutsche Delegation hat die Erledigung ihrer Beschwerden keines­wegs überstürzt, sondern sie hat lange gewartet, ob und wann endlich das Präsidium sich bewogen fühlte, seine Pflicht auch der deutschen Delegation gegenüber zu erfüllen. Erst als sie sah, daß hierin nichts geschah, und erst, als sie einen besonders schlimmen Fall krassester Par­teilichkeit des Präsidenten erleben mußte, hat sie die selbst- verstäudlichen Folgerungen daraus aewaen. Natürlich

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Vei Freudenstadt im Schwarzwald stürzte ein AuZflngS- autobus mit 43 Blinden eine hohe Böschung hinnv. Fünf Blinde wurden auf der Stelle getötet, mehrere verletzt.

* Die österreichische Regierung hat auch den steirischen Hellnatschutz, der sich der NSDAP, angeschlossen hatte, her,

* Die älteste Kommunistin Klara Zetkin ist in Russland gestorben.