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Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda.
Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.
Nr. 143 — 1933
Fulda, Donnerstag, 22. Juni
10. Jahrgang
Die nationalsozialistische Revolution
in einer neuen Phase ihrer Entwicklung: Deutschnationale Kampfringe verboten. Eingliederung des Stahlhelms in die Wehrverbände der N. S. D. A. P.
Alle -eutfchnaiionaLen Kampfringe aufgelöst und verboten.
Wegen Zersetzungsgefahr durch Linkselemente.
Der amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: „Aus Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 in Verbindung mit § 14 des Polizeiverwaltungsgesetzes hat der preußische Minister des Innern diè Kampfringe der deutsch nationalen Front (früher Deutschnatio- nale Kampsstafseln) einschließlich ihrer sämtlichen Formationen, sowie die im Bismarckbund zusammen- gcschlvfsenen Jugendgruppen im Gebiete des Freistaates Preußen aufgelöst und verboten.
Das Verbot ist erfolgt, weil die angestellten Ermittlungen einwandfrei ergeben haben, daß kommunistifche und sonstige staatsfeindliche Elemente im größten Umfang Aufnahme in die Formationen der deutschnationalen Kampfringe gefunden haben. Die Kampfringe bildeten bei der Sachlage eine erhebliche Gefahr für die Sicherheit des Staates und der Bevölkerung. Die getroffene Maßnahme war deshalb zur Abwehr der von diesen zersetzten Organisationen für die öffentliche Sicherheit und den inneren Frieden drohenden Gefahr notwendig."
*
Wie aus Frankfurt an der Oder gemeldet wird, wurde nach der Versammlung der Kreisgruppe der DNF. ein Teilnehmer der Versammlung, der frühere Angehörige der KPD. und des Reichsbanners, Arbeiter Walter Korsing, nach vorheriger Auseinandersetzung mit Mitgliedern einer nationaleu MüLUjsarron er» 7$ p s s c n. Die erforderlichen Ermittlungen schweben
Auf das ganze Reich ausgedehnt.
Die Aktion gegen die Deutschnationalen Kampfringe ist im ganzen Reich, nicht nur in Preußen erfolgt. Es handelt sich dabei, wie von zuständiger Stelle erklärt wird, um eine Aktion, die sich deshalb als notwendig cr- wies, weil in den Kampfringen 6 0, 7 0 oder mehr Prozent Kommunisten n it b Marxisten stellenweise festgestellt werden konnten. Es hat sich herausgestellt, daß gegenrevolutionäre Elemente sich in den Kampfringen sammelten. Das in Hamburg bei der Aktion gegen die sozialdemokratische Geheimsitzung beschlagnahmte Material hat den
Beweis
für eine derartige Sammlung gegenrevolutionärer Elemente erbracht. Der blutige Zusammenstoß, der sich in den letzten Tagen in Frankfurt (Ober) ereignete, hat ferner bewiesen, daß, wenn nicht von staatlicher Seite ein Eingriff erfolgte, Selbsthilfeaktioncn gegen die Kampfringe erwartet werden mußten.
Die Aktion richtet sich, wie ausdrücklich betont wird, nicht gegen die Deutsch nationale Front, sondern lediglich gegen die Kampfringe, und zwar aus Ticherheitsgründen. Gegen den Stahlhelm ist keine der- ndige Aktion unternommen worden.
Über die Zusammenarbeit zwischen NSDAP. und Stahlhelm iuerben bekanntlich gegenwärtig Erwägungen ausgestellt, die zwischen dem Reichskanzler und dem Reichsarbeitsminister gepflogen werden. Der Stahl- h c l m kann nicht in einer Linie mit dem Kampfring genannt werden.
Die Maßnahmen störungslos durch- gesührl.
Die Aktion gegen den deutschnationalen Kampfring ist, wie von zuständiger preußischer Stelle mitgeteilt wird, nach den bisher vorliegenden Meldungen überall r n h i g v e r l a u f e n. Festnahmen sind nur insoweit er- solgt, "als tatsächlich hochverräterisches Material auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten vorgefunden worden ist. Über
die Gründe,
Me zu der Aktion geführt haben, werden von preußischer Seite noch folgende Mitteilungen gemacht: .
Die Beobachtung der sogenannten Kampfstaffeln war schon seit einiger Zeit im Gange. Dabei wurde immer Weber festgestellt,' daß die K o m nt u niste n u n b Sozialdemokraten den vielfach auch gelungenen Versuch »rächten, in die Organisationen der deutschnatio- len Kampfstaffel zu gehen, da sie keine andere Möglichkeit sahen, sich in ihrem Sinne zu betätigen. Die Untersuchung hat die Richtigkeit dieser Auffassung ergeben.
Bezeichnend ist ein Vorfall am Skagerraksage gewesen, an dem in Berlin eine etwas über â Mann starke dentschnationale Kampfstaffel aufmar- iWert war. Nach der Feier wurden die Mitglieder dieser Kampfstasfei festqestellt wobei sich ergab, daß 1 4 0 M a n n o>s zum 5. März dieses Jahres aktiv in der kommunistischen bzw. Sozialdemokra ti - Äcu Partei, im Reichsbanner, in der Roten Hilfe, Frerdenkerverbänden usw. tätig waren. Dress Feft- aeuunaen hat das Geheime Staatsvolireiamt in seiner
Kartet treffen können. Weiterhin hat das 82. Polizeirevier in Berlin eine Namensliste vorliegen gehabt, die insgesamt 35 Namen enthielt. Dabei hat sich Herausgestetti, daß bei 18 von den genannten 35
belastende Akten
vorhanden sind. Bei zwei Mann ließ sich eine gewisse Feststellung nicht treffen, weil die Adressen offenbar nicht stimmten, während über die restlichen 15 Mann nichts mehr bekannt war. Als besonders bezeichnend wird die Tatsache angesehen, daß die 18 Mann zum Teilerheb- l i ch v o r b c it r a f t und.
Nie Eingliederung des Stahlhelm in die NGNAp.
Die Reichspressestelie der NSDAP, teilt mit: „In einer heute (Mittwoch) stattgefundeuen Besprechung zwischen dem Herrn Reichskanzler, dem Herrn Reichsarbejtsminifter S e l d t e, dem Herrn Reichs- w e h r m i n i st e r und dem Sperrn Vizekanzler von Papen wurde folgendes vereinbart:
Zur Sicherung der Schlagkraft der nationalsozialistischen Revolution gliedert sich der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten in die nationalsozialistische Bewegung in folgender Weise ein:
a) Der Kernstahlhelm bleibt wie zuvor der Führung des Bundessührers unterstellt.
b) Der Bundesführer verbietet von jetzt ab den Mit- g liebern des Kernstahlhelm jede andere Parteizugehörigkeit als die zur NSDAP.
c) Der Führer der NSDAP. Adolf Hitler gibt somit die Mitgliedschaft des Stahlhelm zur NSDAP, frei.
d) Der Jungstahlhelm tritt neben SA. und SS. und wird dem Obersten SA.-Führer unterstellt. Der »Scharnhorstz wird in die Hitlerjugend cingegliedert.
e) Der Jungstahlhelmführer von Morozowicz tritt zum Stabe des Obersten SA.-Führers.
Berlin, den 21. Juni 1933.
gez. Adolf Hitler, Franz S e l d t c."
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Ein Befehl Getöse«.
Der Bundesführer des Stahlhelm erläßt folgenden Befehl:
Die nach dem siegreichen Durchbruch der nationalsozialistischen Revolution nachträglich betriebene Ausbreitung und das Verhalten des Kampfringes junger Deutschnationaler, dessen Vorhandensein und Zweck auch bem Stahlhelm stets unverständlich war, hat heute eine Aktion ausgelöst, deren Notwendigkeit im Sinne der nationalsozialistischen Staatsidce gegen jede Reaktion anerkannt werden muß. Darum befehle ich entsprechend meinen Fehrbelliner Ausführungen gegen jede Reaktion: der Stahlhelm steht heute und zukünftig zu Adolf Hitler und in der Front der nationalsozialistischen Revolution. gez. Franz Seldte.
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Schrader-Braunschweig verzichtet.
Auf Übernahme des Amts als Landesverbandsführer des Stahlhelm.
Vom Stahlhelm, Landesverband Braunschweig, wird gemeldet: Die in einem Teil der braunschweigischen Presse verbreitete Nachricht, daß Herr Schrader das Amt des Landesverbandsführers bereits übernommen habe, ist falsch. Herr Schrader hat auf die Übernahme des Amtes verzichtet.
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Der braunschweigische Minister des Innern hat eine Bekanntmachung erlassen, nach der sofort sämtliche im Lande Braunschweig bestehenden Landes-, Bezirks- und Ortsgruppen des Jungdeutschen Ordens, des Wehrwolfes und des Tannenberg-Bundes aufgelöst werden. Die Wiedererrichtung der Gruppen ist verboten.
Ein anderer Fall hat sich in Breslau zugetragen, wo eine sogenannte Jägerabteilung gegründet worden ist, in die ebenfalls Sozialdemokraten und Reichsbannerleute Aufnahme fanden. Zum Leiter dieser Abteilung ist ein Mann bestellt worden, gegen den bereits ein Strafverfahren wegen krimineller Angelegenheiten cingeleitet worden ist.
Das Tragen der grünen Hemden sowie der Abzeichen der deutschnationalen Kampfstaffel ist nach dem heutigen Verbot . der Kampfstaffel selbstverständlich untersagt."
Im Rahmen der Aktion gegen den deutschnationalen Kampfring wurde am Mittwoch vormittag der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Timm fest genommen, später aber wieder freig ela ssen. Auch die Geschäftsstelle des Deutschnationalen Bundes des gewerblichen Mittelstandes wurde einer Durchsuchung unterzogen.
In B e r l i n wurden im Laufe des Mittwochs zahlreiche deutschnationale Kampfstaffelführer festg en o mm en. Mehrere hundert Kommunisten, die Kampfstaffeluniform angezogen hatten, wurden der Staatspolizei Luaefübrt.
Unter Den in Berlin festgenommenèn deutsch- nationalen Kampfstafselführern befinden sich u. a. der deutschnationale Kampfstaffelführer Sedlaczek, der Redakteur bei der „Deutschen Zeitung" ist. Auch der bei der gleichen Zeitung tätige Redaktionsvolontär Hugenberg, ein Neffe des Reichsministers Hugenberg, wurde festgenommen. Ein weiterer Neffe Hugenbergs gehört ebenfalls zu den Festgenommenen.
Bei der im ganzen Reich unternommenen Aktion gegen die deutschnationalen Kampfringe wurde ferner in Stuttgart der Kampftrupp, der Kampfbund für den gewerblichen Mittelstand sowie die deutschnationale Betriebszellenorganisation aufgelöst, in Baden der Deutschnationale Kampfring, der Jungdeutsche Orden, der Wehrwolf und die Deutschvölkische Freiheitspartei verboten. Desgleichen mürben in Anhalt und Braunschwei a die deutschnationalen Kampfringe anfaelöst.
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Deutschnationaler Einspruch bei Göring.
Wegen Haussuchungen bei Abgeordneten.
Der Vorsitzende der deutschnationalen Reichstagsfraktion hat an den Reichstagspräsidemen Göring nachstehendes Telegramm gerichtet: „Preußische Polizei hat heute bei einer Anzahl deutschnationaler A b - ge o r d n e t e r Haussuchungen borgenommen. Namens der deutschnationalen Reichstagsfraktion erhebe ich gegen diese Verletzung der Abgeordnetenimmnnilät hierdurch E i n s p r u ch. Schmidt - Hannover, M. b. R."
Auch der Stellvertretende Führer der Deutschnatio- nalen Front, Dr. von Winterfeldt, hat an Ministerpräsident Göring ein Telegramm gesandt, in dem er gegen die Haussuchungen bei Mitgliedern der Deutschnationalen Front und bei den deutschnationalen Geschäftsstellen sowie bei Reichstags- und Landtagsabgeardneten Einspruch erhebt.
Aktion gegen die Vayerische VoikSpartei.
Zur Feststellung ihrer Verbindung mit den Christlich- Sozialen Österreichs.
Die, Polizeidirektion München teilt mit: „In letzter Zeit haben die Verdachtsmomente, daß führende Persönlichkeiten der Bayerischen Volkspartei im Zusammenhang stehen mit den letzten Ereignissen in Österreich, insbesondere mit dem vor wenigen Sagen dort erfolgten Verbot der NSDAP., so verdichtet, daß es dringend notwendig erschien, die Verbind u n g zwischen der Bayerischen Volkspartei und den Christlichsozialen sowie der Heimwehr in Österreich restlos festzustellen.
Die bayerische politische Polizei hat daher eine einheitliche Aktion gegen die Funktionäre der Bayerischen Volkspartei in ganz Bayern cingeleitet und bei ihnen sowie in den wichtigsten Büros der Partei eine Suchung nach belastendem Material vorgenommen. U. a. wurden auch die Räume der Fraktion der Bayerischen Volkspartei im Landtag, des Bayerischen Kurier und des Wirtschastsbcirates durchsucht.
Das beschlagnahmte Material wird zur Zeit noch gesichtet. In Einzelfällen, bei denen Widerstand erfolgte oder Verdunkelungsgefahr besteht, mußte zu F c st - nab nt e n geschritten werden."
„Das Deutschtum erlebt seine Renaissance."
Gömbös berichtet begeistert über seinen Besuch bei Hitler.
Im Ungarischen Abgeordnetenhaus ergriff Ministerpräsident Gömbös das Wort zu einem Bericht über seine Berliner Reise. Er erklärte, er fei aus Einladung des Reichskanzlers nach Berlin gereist und müsse feststellen, daß Hitler und die nationalsozialistische Bewegung ganz Europa außerordentliche Dienste geleistet hätten, indem sie es vor der kommunistischen Gefahr bewahrt hätten. Er habe eine Organisation im Deutschen Reich gesehen, auf die er niemals gerechnet hätte. Das Deutschtum erlebe seine Renaissance. Das Deutsche Reich sei ein Faktor, mit dem die ganze Welt rechnen müsse. Er stelle m i t Freuden fest, daß die gesamte Politik Hitlers im Zeichen des Friedens und der Gleichberechtigung der Völker stehe.