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Nr. 147 — 1933
Fulda, Dienstag, 27. Juni
10. Jahrgang
Wie lange noch wehrlos?
Göring fordert Polizeiflugzeuge.
Zum Schutz gegen Überfälle aus der Luft.
Reichsminister Göring gewährte einem amerikanischen Pressevertreter eine Unterredung im Anschluß an die Nherfliegung Berlins durch fremde Flugzeuge.
Das Reichsministerium für Luftfahrt werde, so erklärte er, alles daransetzen, um wenigstens ein paar Poltzetflugzeuge bauen zu können. Diese Flugzeuge sind unbedingt notwendig.
„In ganz Deutschland besitze ich", so fuhr der Minister fort, „nicht ein einziges Flugzeug, das ich zur Abwehr und Verfolgung hätte aufsteigen lassen können. Der gestrige Vorfall bat gezeigt, wie wehrlos Deutschland ist. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen können jederzeit kommunistische Flugzeuge zum Beispiel aus der Tschechoslowakei oder Polen nach Deutschland kommen.
Ist es nicht geradezu grotesk, daß eine Großmacht im Herzen Zentraleuropas so wehrlos ist? Ich will mein Äußerstes tun, um durch Verhandlungen mit den anderen Mächten klarzustellen, daß man Deutschland auf dem Gebiete der Luftverteidigung wenigstens ein Minimum zubilligen muß. Dann bin ich durchaus bereit, aus Bomben- und Angriffsflugzeuge anderer Art zu verzichten."
Es sei lächerlich, solange von „Abrüstung" zu sprechen, als nicht grundsätzlich sestgelegt sei, daß Deutschland Luftverteidiguugsmittel zugestanden seien.
„Ich werde", so erklärte der Minister, „gegen die ,alsche Behauptung, vielmehr gegen die L ü g e protestieren, daß Heer und Flotte für die Verteidigung Deutschlands ausreichen."
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Frankreich verdächtigt die Neichs- regierung!
Aus Anlaß des Überfalls fremder Flugzeuge auf Berlin.
Die Überfliegung Berlins durch ausländische Flug- -enge und der Abwurf von Propagandazetteln wird aus nur zu begreiflichen Gründen von der gesamten Pariser Presse mit gemachter Skepsis ausgenommen. Die Blätter sprechen wie auf Befehl von
Die Aktion in Bayern.
Die Abgeordneten der BBp. sestgenommen.
Umfangreiches Material bei den Haussuchungen gefunden.
Der Polizeipräsident in München teilt mit: „Wie schon berichtet wurde, hat die bayerische Polizei vor einigen Tagen bei den Funktionären der B a y e r isch e n B o l k s p a r t e i Haussuchungen vorgenommen, da be- gründete! Verdacht bestand, daß die BVP. in engster Fühlung mit der Dollfuß-Regierung und der Helmwehr in Österreich stehe und daß sie für das Verbot der NSDAP, in Österreich mit verantwortlich sei. Bei den Haussuchungen wurde umfangreiches Material gefunden. , _,,
Auf Grund des Ergebnisses der vorläufig gesichteten Schriften sah sich die bayerische Politische Polizei genötigt, die Festnahme der Reichs- und Landtagsab- geordneten der BVP. sowie weiterer wichtiger Funktionäre in ganz Bayern anzuorduc». Die Festnahmen wurden inzwischen durchgeführt."
Nach einer Meldung aus Bamberg wurde auch der Parteiführer der Bayerischen Volkspartei, Prälat Leicht, in Schutzhaft genommen.
Der Münchener Polizeipräsident teilt u. a. weiter mit: Die Untersuchungen haben ergeben, daß der politische Katholizismus bestrebt ist, in jeder Weise die Anord - nungen der Regierung 3 u sabotieren und ihr sogar e n t g e g e n z u a r b e i t e n. Es ist ferner festgestellt worden, daß Versammlungsverbote umgangen und daß verbotene Wehrorganisationen illegal weiter- geführt werden. Es wurden Nachrichten durch Herausgabe illegaler Zeitungen systematisch verbreitet, wodurch der Greuelpropaganda und der Verbreitung unrichtiger Meldungen Tür und Tor geöffnet sind.
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Entgegen anderslautenden Meldungen ist auch der Deutfchüationale Bund des gewerblichen Mittelstandes verboten worden.
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Im Verlauf der Aktion gegen die SPD. wurden im ganzen Reich Hunderte von sozialdemokratischen Funktionären in Schutzhaft genommen.
War die Roten an Diäten schluckten.
50 Millionen Mark in 14 Jahren.
Mit der Ausschaltuna der S 0 z i a ld e mo k ra tie aus den deutschen Parlamenten sind für den ^taat auch beträchtliche Einsparung e n verbunden. Mit Wirkung vom 23. Juni hat bekanntlich jede Diâtenzavlung an die bisherigen sozialdemokratischen Mitglieder des Reichstags und der Landtage, der Kreistage, der
oben von einem „Geistergeschwader", für dessen Vorhandensein keinerlei Beweis angeführt werden könne. Der Gr u n d für diese gesucht skeptische Einstellung wird von den Blättern selbst gegeben, indem sie der Befürchtung Ausdruck geben, Deutschland könnte nunmehr in Genf mit besonderem Nachdruck
die bisher verweigerte Gleichberechtigung fordern.
Ohne nur wenige Jahre zurückdenken zu wollen, wo von Frankreich aus Flugzeuge mit antifaschistischen Propagandazetteln nach Rom flogen, bestreitet die Presse eine derartige Möglichkeit für Deutschland.
Das der französischen Regierung nahestehende große Pariser Blatt „Temps" hat sogar die Unverschänüheit, die Möglichkeit anzudeuten, daß „einige hochmoderne deutsche Flugzeuge im Auftrag der Reichs- regicrung Berlin überflogen" hätten!
Die Einstellung der Pariser Presse ist so durchsichtig und zeigt in ihrer Einheitlichkeit so deutlich den
Einfluß französischer amtlicher Stellen, daß der Zweck einwandfrei klar liegt. Die französische Presse kann vielleicht die Franzosen, aber nicht die Welt, vergessen machen, daß von ausländischen Fliegern schon wiederholt über fremden Ländern Flugzettelpropaganda getrieben wurde, und daß gerade die Franzosen auf diesem Gebiet besondere „Leistungen" auszuweisen haben.
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polnisches Flugzeug über deutschem Gebiet
Im Kreise Militsch (Schlesien) wurde das polnische Zivilflugzeug „S. P. — A. E. H." gesichtet. Es flog in 20 bis 40 Meter Höhe von Freyhan an der Eisenbahn entlang bis Rackelsdorf, Kreis Militsch. Es nahm dort Kurs nach Westen und flog bei Judenfurth wieder über die Reichsgrenze nach Polen. Es handelt sich um ein offenes zweisitziges Sportflugzeug, in dem sich zwei Per- foneu befanden. Über deutschem Gebiet hat sich das Flugzeug 10 b i s 12 Minuten aufgehalten. Eine Genehmigung zum Einflug in dys Reichsgebiet hat die Besatzung nicht besessen.
Magistrate, Gemeindevertretungen usw. aufgeoort. Damit ist für diese internationale Partei eine Geldquelle versiegt, die in den letzten 14 Jahren, sehr zum Schaden des deutschen Volkes, in überreichem Maße geflossen ist. Nach einer Berechnung haben allein die sozialdemokratischen Reichstagsmitglieder vom Tage des Zusammentritts der Nationalversammlung an bis zum 22. Juni d. I. nicht weniger als 16 Millionen Reichsmark an Diäten geschluckt. Rechnet man dazu die Bezüge der Sozialdemokraten in den Landtagen und den ungezählten parlamentarischen Körperschaften der Provinzen und Gemeinden, so kommt man schätzungsweise auf eine Summe von 3 5 Millionen Mark, von denen
ein ansehnlicher Teil ausschließlich den Zwecken der marxistischen Volksvergiftung gedient
hat. Weiter muß man die Diäten in Betracht ziehen, die die Kommunisten bis kurze Zeit nach den letzten Wahlen bekommen haben. Im Reichstag sind es seit 1920 unter Einrechnung der USPD, etwa 7,5 Millionen Mark. Die Summer der gesamten staatlichen Bezüge, die diese parlamentarischen Funktionäre des Bolschewismus in Deutschland bezogen haben, ist mit 15 Millionen Mark eher zu niedrig als zu hoch begriffen. Insgesamt sind also 5 0 Millionen Mark den Marxisten in 14 Jahren zugeflossen.
Die Aktion gegen die SPD.
Durchführungsbestimmungen Görings.
Ministerpräsident Göring hat in seiner Eigenschaft als preußischer Innenminister Durchsührungsbcstlmmun- gen zu dem Betätigungsverbot gegen die SPD. erlaßen.
Darin wird u. a. bestimmt, daß unter das Betatl- gungsverbot alle Mitglieder des Reichstages, des Preußischen Landtages und des Staatsrates sowie der anderen parlamentarischen Körperschaften in den Gemeinden und Gemeindeverbänden usw. fallen, die selbst Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei sind oder die aus Grund von Wahlvorschlägen der Sozialdemokratischen Partei gewählt worden sind. Die Polizeibehörden bzw. Kreisbehörden haben solchen Personen, die heute noch als Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei den Volksvertretungen und Gemeindevertretungen angehören, durch polizeiliche Verfügung aufzugeben, sich der weiteren Ausübung der Mandate zu enthalten. Diese Behörden müssen ferner den Stellen die in den Gemeinden und Gemeindeverbanden usw die Auszahlung von Tagegeldern und anderen Bezügen der Volksvertreter durchführen, durch Polizei- verfügung aufgeben, derartige Auszahlungen an sozialdemokratische Mitglieder zu sperren.
Das Staatsbegräbnis für die erschossenen SA-Männer in Köpenick.
Flaggen auf Halbmast. — Gewaltige Anteilnahme.
Anläßlich des feierlichen Staatsbegräbnisses für die in Ausübung ihres Dienstes an Volk und Vaterland von marxistischer Mörderhand gefallenen Köpenicker SA-Männer, des Sturmführers Gleuel und des SA- Mannes Apel, setzten am Montagmittag in der Reichs Hauptstadt alle öffentlichen Behörden und Dienststellen die Flaggen auf Halbmast.
Die Leichen der beiden SA.-Männer wurden mittags vom Köpenicker Krankenhaus nach dem Sturmlokal Seidler am Uhlenhorst übergeführt. Ganz Köpenick stand im Zeichen der Trauer für die beiden Ermordeten. Der Überführung wohnte eine gewaltige Menschenmenge bei, die
mit entblößtem Haupt und erhobener Hand
die toten SA.-Männer aus ihrem letzten Wege grüßte. Die Särge, die mit der Hakenkreuzflagge und den Mützen der Erschossenen bedeckt waren, wurden begleitet von je vier Kameraden vom Sturm 1/15.
Im Sturmlokal fand eine ergreifendeToten- feier statt. Sechs Sturmkameraden der Gefallenen und zwei Polizeibeamte hielten neben der Standarte und der Sturmfahne die Totenwach t. Zwischen Lorbeerbäumen leuchteten die Büsten der beiden SA.-Männer hervor. Neben den Angehörigen waren zu der Feier die
Vertreter der Regierung und Behörden, die Sturmkameraden der Ermordeten, die Führer der SA. und der in gewaltiger Zahl teilnehmenden Verbände, die sich auf dem nahen Sportplatz gesammelt hatten, erschienen. An der Spitze der staatlichen Vertreter sah man Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels.
Oberpfarrer Krause legte seiner Predigt das Bibelwort zugrunde: „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." Mit uns trauert, so führte der Geistliche aus, das wieder- e r w a ch t e D e u t s ch l a nd. Millionen deutscher Männer und Frauen
ballen heute die Fäuste im heiligen Zorn
über eine ruchloseSchandtat, durch die wieder einmal zwei der Treuesten aus der großen Schar der tapferen, sturmerprobten SA. dahingerafft worden sind. Ungezählte Hände erheben sich zum letzten Abschiedsgruß an die beiden Märtyrer der heiligen Sache unseres Volkes, erheben sich zu dem Schwur: „Euer Blirt soll nicht u m s 0 n st geflossen sein. Wir wollen euch folgen auf dem Wege zur Pflicht!"
In dem Geist hingebender Treue, so schloß er, die diese Männer bis zum Tode beseelte, bekennen wir uns in dieser Stunde des bitteren Abschieds zu dem Ruf, zu dem sie sich so oft bekannt haben: Die Fahne hoch! Harmoniumspiel und Chorgesänge umrahmten die schlichte Feier.
Dann setzte sich unter Trommelwirbel und mit Traucrmusik der gewaltige Zug in Bewegung zum Friedhof. Eine unübersehbare Fülle herrlicher Kranzspenden wurde mitgcfüljrt. Schweigend und mit erhobener Hand standen die Massen zu beiden Seiten des langen Weges, der durch ganzKöpeniü zum Friedhof führte.
Vorau schritten SA. und SS., Abordnungen der Polizei im Stahlhelm, zahlreicher anderer nationaler Vereinigungen, der Jugendverbände und der Fachschaften aus staatlichen und privaten Behörden.
Den weit über hundert umflorten Fahnen, die geschlossen im Zuge mitgeführt wurden, folgten zu Fuß die Vertreter der staatlichen Behörden, mit Reichsminister Dr. Goebbels an der Spitze. U. a. sah man auch Prinz August Wilhelm von Preußen im Trauergefolge. Dem von SA. - Männern geleiteten Leichenwagen folgten die Wagen mit den nächsten Anverwandten der Gefallenen. Eine nach Tausenden zählende Menschenmenge schloß sich dem Zuge an
Kurze politische Nachrichten.
Die vom Statistischen Reichsamt für den 21. Juni berechnete Großhande l s richtzahl stellt sich auf 93,0. Sie ist gegenüber der Vorwoche (92,9) wenig verändert.
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Der italienische Präsident der Internationalen A r b e i t s k 0 n f c r e n z hat in herzlichem Tone namens der Konferenz Deutschland eingeladen, an den kommenden Sitzungen wieder teilzunehmen, „um im Internationalen Arbeitsamt den Platz zu bewahren, der Deutschland als großem Industrieland und durch die Rolle, die cs im europäischen Leben spielt, zukommt".
Unzulässiges Vorgehen eines Betriebsrats.
Gummersbach. Die Belegschaft eines Tertilbetriebes im benachbarten Becke hatte Lohndisserenzen mit ihrem Arbeitgeber. Ehe der Kreisleiter der NSBO. seine Entscheidung getroffen hatte, setzte der Betriebsrat den Betrieb eigenmächtig still und berief eine Belcgschastsversammlung, in der zum Streik aufgefordert wurde. Daraufhin nahm der Kreisleiter der RSB2. Gummersbach den gesamten Betriebsrat in Schutzhaft. Die Verantwortlichen werden dem Schnellrichter votgeführt werden.