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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg

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Nr. 148 1933

Fulda, Mittwoch, 28. Juni

10. Jahrgang

Rücktrittsgesuch Hugenbergs.

Die Deutschnationale Front löst sich auf und tritt zur NSDAP.

Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, hat Reichsminister Dr. Hugenberg sein Stück, trittsgesuch eingereicht. Die Entscheidung über das Rücktrittsgesuch des Reichsministers Dr. Hugenberg ist für heute, Mittwoch, zu erwarten. Die führenden Persönlichkeiten der Deutschnationalen Front haben nach Rücksprache mit dem Reichskanzler Adolf Hitler und nach Abschluß eines Freundschaftsabkommens mit dem Führer der NSDAP, gestern abend die Selbstauslösung der Deutschnationalen Front beschlossen. Dieser Beschluß wird sofort zur Durchführung kommen.

Die Selbstauslösung der Deutsch­nationalen Front.

Die Reichspressestelle der NSDAP, teilt mit:

Zm vollen Einvernehmen mit dem Reichskanzler und in Erkenntnis der Tatsache, daß der Parteienstaat über­wunden ist, hat die Deutschnationale Front heute ihre Auf­lösung beschlossen. Sie wird bei den nötigen Maßnahmen zur Abwicklung nicht behindert werde».

Die ehemaligen Angehörigen der Deutschnationalen Front werden vom Reichskanzler als voll- und gleichbe­rechtigte Mitkämpfer des nationalen Deutschland anerkannt und vor jeder Kränkung und Zurücksetzung geschützt. Das gilt insbesondere für alle Beamten und Angestellten.

Die wegen politischer Vergehen in Haft befind­lichen ehemaligen Mitglieder der Deutschnationalen Front werden unverzüglich in Freiheit gesetzt und unterliegen keinerlei nachträglicher Verfolgung.

Die Fraktionen des Reichstages und der Landtage der NSDAP, und der bisherigen Deutschnationalen Front sichern eine einheitliche Handlungsweise durch Abordnung von einem oder mehreren Mitgliedern der ehemaligen Deutschnationalen Front in die Vorstände der Fraktionen der NSDAP. (Reichstag und Preußischer Landtag je zwei). Sinngemäß wird in den gemeindlichen Selbstverwaltungs­körpern verfahren.

Vorstehendes ist vom Herrn Reichskanzler unter­zeichnet, sowie von den Herrn v. Winterfeldt, Frhr. v. Freytagh-Loringhoven und Dr. Pönsgen als Vertreter der vormaligen Deutschnationalen Front!

Die französische Presse zum Rücktritt Hugenbergs.

Die gesamte Presse beurteilt bis jetzt nur in Ueber- schriften die Rücktrittserklärung Dr. Hugenbergs als den Sieg der Nationalsozialisten über die Nationalisten der die Auflösung der alten deutschen Konservativen Partei zur Folge habe. Der Berliner Korrespondent desPetit Parisien" schreibt, die nationalsozialistische Regierung sei jetzt von jedem rückständigen Einfluß bei der Durchführung des sozialistischen Teiles ihres Programmes befreit. Der Berliner Korrespondent desJournal" meint u. a., der Rücktritt Hugenbergs und der Tod seiner Partei wurden notwendiger Weise die Oppositionsströmung starken. Nichtsdestoweniger sei nicht zu bestreiten, daß die Hitleran- hänger genügend Reserven hätten, um dem Lande ihre Energie aufzuzwingen.

Adolf Hitler begrüßt die neuen Stahlhelm-Kameraden.

Reichskanzler Adolf Hitler hat einen Aufruf erlassen, in dem es heißt:

Nationalsozialisten,

SA.- und SS.-Männer, Jungstahlhelm!

' Ein seit 14 Jahren unentwegt verfolgtes Ziel ist nun­mehr erreicht. Mit der Unterstellung des Jungstahlhelm unter meinen Befehl als Obersten SA.-Führer sowie der Angliederung des BundesScharnhorst" in die Hitler- Jugend, ist die Einigung der politischen Kampfbewegung der deutschen Nation vollzogen und beendet. SA., So, St. und HI. werden nunmehr für alle Zukunft die e i n - ü i g e n Organisationen sein, die der nationalsozia­listische Staat als Träger der politischen Jugend- und Männererziehung kennt.

Es war verständlich, wenn in den Jahren nach der Re­volution an den verschiedensten Stellen unseres deutschen Vaterlandes der Widerstand gegen die Novemberverrater und ihr unheilvolles Regiment versucht wurde. Unab­hängig voneinander, ohne sich gegenseitig überhaupt zu kennen, standen Männer auf und organisierten Parteien j!?d Verbände zum Kampfe gegen den marxistischen 6taai.

alle haben ohne Zweifel das Beste gewollt.

Allein, wenn Deutschland gerettet worden sollte, dann konnte das nur durch eine Bewegung geschehen, und nicht durch dreißig. Die Zukunft unseres Volkes hängt nicht da- don ab, wie viele Verbände für diese Zukunft emtreten, wndern davon, ob es geling. das Wollen der Vielen *) » e m einzigen. Stilen unte, zuordn- » und t in einer Bewegung schlagfachg zusammenzufassen.

So wie die deutsche Reichswehr einst gezwungen war, trotz aller Berienste der einzelnen Freikorps diese zu be­seitigen, um dem deutschen Volke wieder eine einzige Armee zu geben, so war die nationalsozialistische Bewegung nicht minder gezwungen, ohne Rücksicht auf Verdienst oder Nichtverdienst, die zahllosen Bünde, Vereine und Ver­bände zu beseitigen, um dem deutschen Volk endlich eine einzige einheitliche Organisation seines politischen Willens aufzubauen.

Zahlreiche beste Deutsche haben diese Aufgabe nicht ver­standen und viele andere wollten sie nicht begreifen. Heute ist der Sinn und damit die Notwendigkeit dieses uirgeheu- ren Kampfes für jeden klar, der unser Volk liebt und an seine Zukunft glaubt.

So mußten wir in den zurückliegenden Jahren zahl­reiche Verbände einfach aus diesen Erwägungen heraus zer­schlagen. Und so werden wir auch das Entstehen jedes neuen Verbandes, der wieder nur die alte Zersplitterung fortsetzen würde, verhindern. Die Unabänderlichkeit dieses Entschlusses legt uns aber die Pflicht auf, gerecht zu sein. Wir wollen daher als Deutsche und Nationalsozialisten ehrlich den Unterschied erkennen, der zwischen anderen Verbänden und dem Stahlhelm bestand. Wir wollen zu­geben, daß sich in diesem alten Bunde der deutschen Front­soldaten hrur-üerttausende deutscher Männer zusammen­fanden, die damit dem System entzogen wurden. In der Stunde der Wende des deutschen Schicksals aber bekannte sich der erste Vundesführer zur nationalsozialistischen Revolution.

Nunmehr hat dieser auch die letzte Konsequenz aus der geschichtlichen Entwicklung gezogen und verfügt, daß, ab­gesehen vom Traditionsverband der alten Frontsoldaten, der gesamte junge Stahlhelm in die SA., der Scharnhorst in die Hitlerjugend eingegliedert und mir unterstellt werden.

Meine SA.-Führer und SA.-Kameraden: Dieser Ent­schluß wird einst in der deutschen Geschichte als sehr selte­ner Beweis für ein wirklich großherziges nationales Den­ken gewertet werden. Was sonst vielleicht nach jahre­langen Irrungen oder langen Kämpfen, die wiederum deutsche Kraft verbraucht hätten, gelungen wäre, ist durch die einsichtsvolle Tat eines Mannes, der seit dem 30. Ja­nuar in treuer Verbundenheit neben mir im Kabinett sitzt, entschieden worden. Der weitere Befehl, daß der verblei­bende Traditionsverband der alten Frontkämpfer künftig keine andere Parteizugehörigkeit anerkennen würde, als die zur nationalsozialistischen Bewegung, gibt mir endlich die Möglichkeit, das Verbot der Mitgliedschaft unsererseits aufzuheben.

Angesichts dieser großen Entwickelung drängt esmich, zuerst euch, meinen alten Kampfkameraden der Partei, der SA. und der SS., aus übervollem Herzen zu danken für die grenzenlose Treue, die ihr mir in guten und schlimmen Tagen so viele Jahre hindurch gehalten habt. Eurer Standhaftigkeit ist dies mit in erster Linie zuzuschreiben. Ihr seid erst die fanatischen Kämpfer gewesen gegen das alte System und Ihr seid heute die unerschütterliche Garde der nationalsozialistischen Revolution.

Zum zweiten aber will ich nunmehr auch denen danken, die aus freiem Willen den sicherlich nicht leichten Entschluß des Verzichtes auf ihre stolze Selbständigkeit im Interesse der höheren Gemeinschaft ausgesprochen haben.

Ich begrüße damit zum ersten Male die nunmehr in unseren Reihen mitmarschierenden Kameraden des Jung­stahlhelms. Ich befehle daher auch vom heutigen Tage an sämtlichen Führern, SA.- und SS.-Männern, die in unsere Gemeinschaft eingetretenen Männer des Stahlhelms als Kameraden aufzunehmen und damit einzuschließen in den ewigen Bund, der uns umfaßt und nie gebrochen werden soll. Was immer auch die Vergangenheit an Erinnerungen birgt, für mich und für euch gilt nur die große Zukunft, der wir uns verpflichtet haben.

Wenn es uns gelang, im Laufe vieler Jahre Millionen ehemaliger Marxisten zu bekehren, sie zu uns zu führen und in unsere Reihen aufzunehmen, so muß und wird es uns erst recht möglich sein, nationale Männer, die aus einem anderen Lager kommen, um uns die Hand zum Bunde zu reichen, als Freunde und Kameraden aufzu- nehmen.

Ich erwarte daher von jedem Nationalsozialisten, daß er die Größe dieser historischen Entwicklung erkennt und sein eigenes Verhalten mithilft die neu Hinzugekommenen in kürzester Frist aufs innigste mit uns zu verschmelzen.

SA.-, SS.- und St.-Männer, unsere herrliche national­sozialistische Bewegung und unser deutsches Volk Sieg-Heil!

Adolf Hitler.

München, den 26. Juni 1933.

Der bayerische Wirischastsminister zurückgeireien.

Der bayerische Wirtschaftsminister Graf Quadt hat seinen Rücktritt erklärt wegen der Belastung der Be­ziehungen zwischen den amtlichen Stellen und den politischen Kreisen, aus denen er gekommen ist.

Ministerpräsident Siebert hat ihm Dank und Anerkennung für seine loyale Mitarbeit aus­gesprochen. Die Führung des Wirtschaftsministeriums übernimmt bis auf weiteres der Ministerpräsident.

Brigade Ehrhardt der Aeèchsführung der SG. unterstellt

Kapitän Ehrhardt hat seinen Eintritt in die NSDAP, vollzogen und hat sich mit seinem Wehrverband, der B r i g a d e E h r h a r d t, dem Neichssührer der SS. unterstellt.

Zwei Jahre Bewährungsfrist für neue NGOAp.-Mitglieder.

Die Reichsleitung der NSDAP. Hat folgende vom Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, unterzeichnete Verfügung erlassen: m

Nach dem 30. Jamrar 1933 erfolgten zahlreiche Neu­anmeldungen zur NSDAP. Da eine Gewähr für die unbedingte Zuverlässigkeit der Neuhinzugekommenen im nationalsozialistischen Sinne 'nicht immer gegeben ist, wird verfügt:

Mitglieder der NSDAP., die nach dem 30. Januar 1933 ihren Beitritt erklärt haben, werden einer zwei­jährigen Bewährungsfrist unterworfen. Erst nach Ablauf dieser Zeit wird ihnen an Stelle der Mit­gliedskarte das Mitgliedsbuch als Zeichen der endgülti­gen Aufnahme in die Bewegung ausgehändigt, sofern sie sich bewährt haben. Vor ihrer endgültigen Aufnahme steht ihnen nicht das Recht zu, das Braunhemd zu tragen.

Aufnahmen können nur in außergewöhnlichen Fällen seitens der Reichsleitung auf Antrag der zuständigen Gauleitung genehmigt werden. Von dieser Regelung werden nicht berührt die für die SA. und SS. getrof­fenen besonderen Bestimmungen. Die Verfügung tritt am 1. Juli 1933 in Kraft. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß ein unberechtigtes Tragen des Braunhemdes strafbar ist.

Die Verfügung bezweckt keine Degradierung der neu zur Bewegung gekommenen Mitglieder, unter denen sich eine große Zahl befindet, die nicht der Kon­junktur folgend, sondern aus innerer Überzeugung sich heute zur Freiheitsbewegung des deutschen Volkes bekennen, auf Grund der Erfolge des Führers als Kanzler. Die Verfügung soll lediglich etwa nach der Machtergreifung in die NSDAP, gesandten Provo­kateuren die Arbeit erschweren, sowie die Ge­schlossenheit und Schlagkraft der Bewegung auch für die Zukunft sichern."

Der Ehrenpräsident der deutschen Beamtenschaft bei Adolf Hitler.

Der Reichskanzler empfing den Ehrenpräsiden­ten der deutschen Beamtenschaft, Reichsstatthalter Spren­ger, und seine engsten Mitarbeiter. Im Verlauf der Be­sprechung erhielt der Reichsstatthalter den Auftrag, seine Maßnahmen im Interesse des Ganzen fortzusetzen.

Verbot der oberschlesischcn Zcntrumsprcffe.

Oppeln. Die in Gleiwitz erscheinende obcrschlcsische VolkS- stlmme einschließlich ihrer Kopfblätter ist vom Regierungs- Präsidenten mit sofortiger Wirkung bis zum 10. Juli 1933 ein­schließlich verboten worden. Damit ist die gesamte oberschlcsische Zentrumspresse lahmgelegt worden.

Entlastung des Frühkartoffelmarktes.

Fühlbare Einschränkung der Auslandseinfuhr.

Der steigende Anbau deutscher Frühkartoffeln und die regelmäßig im Frühsommer noch aus der vorjährigen Ernte vorhandenen reichlichen Vorräte an alten Speise- kartoffeln haben es der Reichsregiernug seit langem drin­gend erwünscht erscheinen lassen, die Einfuhr ausländischer Frühkartoffeln, soweit irgend möglich, einzuschränken. Verhandlungen, die zur Erreichung dieses Zieles mit der italienischen als auch mit der belgischen Regierung einge­leitet wurden, haben jetzt eine Verständigung mit beiden Ländern gebracht.

Danach wird für den Monat Juli der bisherige Ver- tragszollfatz von 1,50 Mark nur noch für eine Menge gelten, die 60 Prozent des Durchschnitts der Mengen, die im Monat Juli der Jahre 1931 und 1932 aus den ge­nannten Ländcrit nach Deutschland eingeführt worden sind, nicht übersteigt.

Das gleiche Kontingent gilt auch gegenüber allen inberen Einfuhrländern, insbesondere Holland. Praktisch bedeutet das nette Zollkontingent, daß im Vergleich zum Vorjahre, wo im Juli noch 534 000 Doppelzentner Früh­kartoffeln zum ermäßigten Zollsatz von 1,50 Mark nach . Deutschland eingeführt worden sind, diesmal höch­st ens 300 000 Doppelzentner zu diesem Zollsatz - hereingebracht werden dürfen. Was etwa darüber hinaus eingeführt werden sollte, unterliegt dem autonomen Zoll von 6 Mark.