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Zul-aer /lnzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zul-a- und Haunetal * Zul-aer Kreisblatt Re-aktion und Hefchästsftelle: Königstraße 42* Zernsprech-^nschluß Nr. 2989

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Nr. 149 1933

Fulda, Donnerstag, 29. Juni

10. Jahrgang

Konferenzen bei Hindenburg.

Einkommen nur sich selbst zu erhalten hätten. Es müsse gelingen, die Frau wiedr dem Ehe- und Familienleben und den häuslichen Pflichten, den Mann aber wiedr dem Beruf zuzuführen.

Reichskanzler Hiller reift nach Äeudeü.

Vortrag beim Reichspräsidenten.

Wie mitgcteilt wird, wird sich Reichskanzler Hitler in den nächsten Tagen nach N e u d e ck begeben zu einer Aussprache mit dem Reichspräsidenten über die mit dem Rücktrittsgesuch des Reichsministers Dr. Hugenberg zusammenhängenden Fragen.

Staatssekretär Dr. M e i ß n e r ist in Neudeck ein- getroffen. Er hat dem Reichspräsidenten über die innenpolitische und außenpolitische Lage, über die Selbstauslösung der Deutschnationalen Front und über das Rücktrittsgesuch Dr. Hugenbergs Bericht er­stattet. Uber die Frage der Neubesetzung der durch den Rücktritt Dr. Hugenbergs freigewordenen Ämter sind Ent­scheidungen noch nicht getroffen. Man nimmt an, daß der Staatssekretär Dr. Meißner nach seiner Rückkehr zunächst dem Reichskanzler über die Auffassungen des Reichs­präsidenten Bericht erstatten wird.

Die Selbstauslösung der DNZ.

Die Beratungen, die am Dienstag und auch schon am Montag über die Selbstauslösung der Deutschnatio­nalen Front und gleichzeitig über das Rücktrittsgesuch Dr. Hugenbergs an den Reichspräsidenten stattgefuuden haben, sind auf allen Seiten in großer Sachlichkeit geführt worden. Der Reichskanzler hat sich an den Ver­handlungen persönlich beteiligt und auch absichtlich persönlich das Abkommen mit den Vertretern der frühe­ren Deutschnationalen Front unterzeichnet. Dadurch wird die besondere Garantie zum Ausdruck ge­bracht, die der Reichskanzler für die Durchführung des ^Mommens übernommen hat.

In dem Abkommen sind auch noch Vereinbarungen über andere mit der Selbstauslösung der Dentschnatronalen Front zusammenhängenden Probleme getroffen.

Es ist von nationalsozialistischer Seite nach Abschluß der Verhandlungen festgestellt worden, daß die^ welt- tragende Bedeutung dieses großzügigen Beschluße, i en guten Willen der leitenden Persönlich­keiten der ©eutf ^nationalen 5 rgnt er­kennen lasse und daß dieser gute Wille bei der N^DAP. hoch anerkannt werde. Die Tatsache, daß es künftig nur eine große Front, nämlich die Front aller icbafrenöcn Deutschen, mit Ausnahme der Zentrumspartei, gebe, fei für das Schicksal entscheidend. Diese Feststellung ist auch in den parteiamtlichen Korrespondenzen der NSDAP, gemacht.

Kampf dem völkischen Verfall!

Gesetzentwurf zur Verhütung erbkranken Nachwuchses.

Reichsminister Dr. Frick über die neue Familiengesetzgebung.

Im Reichsministerium des Innern fand die erste Sitzung des Sachverständigenbeirates für Bevolke- rungs - und Rasfefra gen statt, der von Retch^- miuister Dr Frick zusammenberufen worden ist. Reichs- Minister Dr. Frick eröffnete die Sitzung mit emer grund- legenden Rede, in der er u. a. ausfnhrte, Deutschland gehöre zu den Ländern, die nach dem Kriege den bedrohlichsten Ausfall an Geburten zu verzeichnen gehabt habe. Nur die ländlichen Gemeinden hätten noch einen geringen Geburtenüberschuß, der aber Nicht ausreiche, um den Verlust in den deutschen Städten hi ersetzen. Neben der bedrohlich zunehmenden erbbw- kogischen Minderwertigkeit müßten wir in gleichem Maße 6ie fortschreitende Rassenmischnpg und

Rassenentartung unseres Volkes

wit Sorge verfolgen. Die früheren Regierungen hätten den Mut nicht aufgebracht einen grundsätzlichen Wandel herbeizuführen. Die Ursachen dunes völkischen Verfalls ^gen darin, daß die große Zahl von Erwerbsloien und »Mor Volk meine, daß sich alles zum Guten wenden werde kenn sie wieder Arbeit erhielten. Es sei aber irrig, zu tauben, daß damit allein das deutsche Volk im Herzen Europas zu retten sei. .

.. Die Folgen des bisherigen liberalistischen Wn1- Kaftssystems sei die Verstädterung unb d te In­dustrialisierung Deutschlands gewesen. Damit habe die Entwicklung zum Individualismus, zum Klasfen- anrpf, zum M a r r i s m u s u n d z u m K o nt m u n i ; tn u s begonnen. Die Mechanisierung der Arbeit, die wirft ühastliche Versklavung und die marxistische Wirtschaft nach um ^^e hätten den Zerstörungsprozeß vollendet der unser Volk an den Rand des Abgrundes gebracht habe. Hand in Hand damit sei der

. sittliche Verfall âseres Volkes gegangen. So sehe der Mann heute in

Das presse-Lcho zur Selbstauslösung der DAF.

Die Selbstauslösung der Deutschnationalen Front, das Freundschaftsabkommen mit der NSDAP., das Rück- trittsgesuch Hugenbergs werden in der Berliner Presse überwiegend als ein Beweis für das Ende der alten Parteien und für den Schlutzpunkt einer Entwicklung an­gesehen, die früher oder später zu einer Entscheidung drängte.

Zur Selbstauslösung der Deutschnationalen Front schreibt der Völkische Beobachter, die Führer der NDF. hätten mit diesem bedeutungsvollen Beschluß einer Entwicklung Rechnung getragen, die nicht mehr aufzuhalten ist und deren Fortgang zum Besten des deutschen Volkes in immer weiteren Kreisen erkannt wird. Die früheren Angehörigen der TNF. reihten sich damit der großen nationalsozialistischen Freiheits­bewegung ein. Jetzt stehe einzig und allein das Z e n i r u m noch abseits, um sich in unfruchtbarer Verständnislosigkeit einer Entwicklung zu widersetzen, die bisher alle Widerstände erfolgreich überwinden konnte und weiter überwinden wird.

Tie D e u t sch e Z ei t u n g schreibt, die große Volksbewegung des neuen nationalsozialistischen Reiches und der totale Staat sei erreicht worden. Das deutsche Volk dürfe allen Beteiligten dankbar sein, daß sie diesen Schritten in diesem Augenblick getan habe.

Die Deutsche Allgemeine Zeitung unterstreicht, daß bie Gedankenwelt des Nationalsozialismus und die des politischen Gebildes, das die Deutschnationale Volkspartei unter Führung Hugenbergs geworden war, eben doch aus entgegen­gesetzten Weltanschauungen beruhte». Mit Hugenberg verlasse eine starke und eigenwillige Persönlichkeit die wirtschaftlichen Ministerien.

Im Berliner Bürfen-Courier heißt es, die Deutschnationalen hätten mit ihrer Selbstauslösung und Ein­gliederung in den Nationalsozialismus die in ihnen zweifellos Vorhände neu Werte bem neuen Geist Deutschlands überantwortet.

Im Berliner Tageblatt wird der Schritt Hugcn- als Liu Signal für das Ende der alten Parteien über­haupt angesehen und betont, daß man sich auch i n Z en - trninskreisen über diese Bedeutung des Vor­gangs klar sein dürfe. Bereits gestern seien auch führende Zentrumspolitiker zu einer Aussprache über die für alle Parteien gleichmäßig ernste Lage versammelt gewesen.

Was das Ausland sagt.

Im A u s l a n d e hat die neue Wendung der deutschen Innenpolitik v i e l f a ch ü b e r r a s ch t. In der französischen Presse wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Ereignisse jetzt auf einenKriegszustand" zwischen den Nationalsozialisten und den katholischen Parteien hinaus! anfen. Dabei wird vielfach die Haltung Hugen­bergs im Ausland, und zwar sowohl in Frankreich wie in England, falsch eingeschätzt. Es werden aus dem Rück­tritt Dr. Hugenbergs und der Selbstauslösung der Deutsch- nationalen Front Folgerungen gezogen, die den Tatsachen nicht entsprechen. Diese falschen Behauptungen werden durch die weitere innenpolitische Entwicklung sehr bald richtiggestellt werden.

seiner Frau nur den Lebenskameraden, aber nicht mehr die Mutter feiner Kinder. Infolgedessen sei es kein Wunder, daß Abtreibung und Geburtenverhinderung unser Volk zum Absterben brächten. Bei der überaus starken Belastung unseres Volkes mit Steuern, Sozral- abgaben und Zinsen dürften wir uns der Erkenntnis nicht verschließen, daß der Staat an einen Umbau der gesamten Gesetzgebung und eine Verminderung der Lasten für Minderwertige und Asoziale heranzugehen haben wird.

Was wir bisher ausgebaut hätte», sei eine über­triebene Personenhygicne und Fürsorge für das Einzel- lndividuum ohne Rücksicht auf die Erkenntnisse der Ver­erbungslehre, der Lebensauslese und der Rasse,«Hygiene. Diese Art modernerHumanität" und sozialer Fürsorge für das kranke, schwache und minderwertige Individuum müsse sich für das Volk im großen gesehen als größte Grausamkeit auswirken und schließlich zu seinem Unter- ^"VrfMüenn der Staat und das Gesundheitswesen als Kern ihrer Ausgaben die Vorsorge für die noch nicht geborenen anstrebten, könnten wir von einer neuen Zeit und von einer aufbauenden Bevölkerungs­und Rassenpolitik reden.

Die wissenschaftlich begründete Vererbungslehre gebe uns nach der Entwicklung im letzten Jahrzehnt die Mog- lichkeii, die Zusammenhänge der Vererbung und der Aus­lese und ihre Bedeutung für Volk und Staat kmr zu erkennen.

Sic gebe uns damit aber auch das Recht und die sittliche Pflicht, die schwer erbkranken Personen von der Fortpflanzung a u s z u s ch a l t e n. Infolgedessen habe er sich entschlossen, einen Gesetzentwurf zur Verhütung des erbkranken Nachwuchses vorzulegon, den er im Anschluß an die heutige Sitzung zu prüfen bate.

Die bisherigen St euerer Mäßigungen, die für die heute schon geringe Kinderzahl der überhaupt Einkommensteuer-pflichtigen in Frage künien, machte nur etwa ein Zehntel der gesamten Steuernachlasse überhaupt aus. Man behandele also, steuertechmsch ge­sehen, das Kind schlechter als diejenigen, die mit ihrem

Die vorhandenen gesetzlichen Bestimmungen seien aus ihre samilienfeindliche Wirksamkeit hin nachzuprüfen und eine s a m i l i e n f r c u n d l i ch e G e s e tz g e b u n g sei in Angriff zu nehmen. Es müsse ermöglicht werden, für Ein- kommcusteuerpflichtige durch stärker gestaffelten Steuer- Nachlaß in Prozenten der Steuer einen fühlbaren Aus- gleich zu schassen. Ebenso müßte die Besoldung der Beamten nach dem Familienstande und der Kinderzahl noch wirksamer abgestuft werden. Es müßte etwa aus- gegangen werden von dem Gehalt, das ein Beamter zur Unterhaltung von drei bis vier Kindern benötige, um cs je nach der Kinderzahl nach unten und oben zu staffeln.

Bei Angestellten und Lohnempfängern gebe es nur die Möglichkeit, den Ausgleich durch

Ausgleichskassen

zu schaffen, in die alle nach Maßgabe ihres Einkommens Beiträge zu zahlen hätten. Dies brauche keine Mehr­belastung für den Staat und die Betriebe zu bedeuten.

Unser Volk sei im Bauernstande verwurzelt und die Erhaltung der erbgesunden deutschen Bauernfamilie sei letzten Endes ausschlaggebend f ü r b en Volk s - bestand. Der Boden müsse wieder Teil eines Fami­lienrechts und unter staatlichen Schutz gestellt werden. Als Gegengabe aber müsse der nationalsozialistische Staat von den Herren dieses Bodens verlangen, daß sie ihm eine ausreichende Zahl gesunder Nachkommen zur Verfügung stellten. Es gelte daher, die Siedlung so zu gestalten, daß eine ausreichende Kinder zahl durch steuerliche und erbrechtliche Bestimmungen gesichert werde.

Die Seele der Frau müsse zum Kinde ytrüdfinben. Tas sei nur möglich durch Erneuerung des Denkens der Frau und durch Lösung der Frauenfrage. Die Frau müßte aus ihrer wirtschaftlichen Not befreit und ihr wie den Kindern ausreichender Schutz gewährt werden. Der Mann aber müßte zur Pflicht der Familiengründung erzogen werden.

Die Aufklärung über Erbgesundheitspflege und Rassenkunde müsse zur rassenhygienischen Erziehung der Jugend und des gesamten Volkes ausgebaut werden, um sie für die Eheschließung vorzubereiten. Um diese Er­kenntnisse zu vermitteln, sei die Umbildung des Reichs­ausschusses für hygienische Polksbelehrung in einen solchen für Volksgesundheitsdieust angeordnet worden.

BeSruHSprozesse gegen

Generaiiandschafisdirekior v. Hippel-

In Königsberg i. Pr. begann der Prozeß gegen den Generallandschaftsdirektor von Hippel. Der Generallandschaftsdirektor steht einmal unter der Anklage des Betruges zum Nachteil des Reichsfiskus. Der anschließend stattfindende zweite Prozeß setzt sich aus zwei Einzelfällen zusammen: Abhalten anderer Personen vom Bieten bei der Versteigerung des Gutes Lischkau im Kreise Wehlau (insoweit ist auch der Sohn von Hippel, Gerd von Hippel, mitangeklagt) und Betrug gegenüber den Eichlerschen Eheleuten nach der Ersteigerung des Gutes. Weitere Prozesse gegen von Hippel sollen bereits im Juli verhandelt werden.

Auflösung der Giaaispartei.

Die Reichsführung der Deutschen Staatspartei gibt folgende Erklärung ab:

Die Deutsche Staatspartei wird hiermit auf« gehoben. Sämtliche Landesverbände, Wahlkreise, Organisationen, Ortsgruppen sowie alle Nebenorgani­sationen haben damit zu bestehen aufgehört.

Neue Landräie in Preußen.

Ter Amtliche Preußische Pressedienst teilt aus dem Bereich der allgemeinen und inneren Verwaltung u. a. folgende Perso- nalveränderungen mit:

Ernannt sind: zum Landrat in Seelow: Rechtsanwalt von Nassau, daselbst; zum Landrat in Hanau: Kreisleiter Löser, daselbst; zum Landrat in Kassel: Büroinspektor Lengemann, daselbst.

Beauftragt sind: kommissarisch mit der Verwaltung folgen­der Stellen: Landrat in Osterode (Oftpr.): Kreisleiter Kratz, daselbst; Landrat in Cosel: Regierungsassessor Bischoff, daselbst: Landrat in Wanzleben: Landrat von Windheim in Gardelegen.

Vertretungsweise mit der Verwaltung folgender Stellen sind beauftragt: Landrat in Pillkallen: Gerichtsassessor Gunia in Königsberg; Landrat in Lötzen: Hauptmann a. D. Speidel in Fischhausen; Landrat in Bischossburg: Regicrnngs- und Forstrat Freiherr von Liininck in Gumbinnen; Landrat in Knritz: Gerichtsasscssor Dr. Conti in Berlin: Landrat in Görlitz: Atajor a. D. von Volkmann in Breslau: Landrat in Grottkau: Provinzial-Landtagsabgeordneter Klings, daselbst: Landrat in Mansfeld: Lehrer Wege in Hettstedt; Landrat in Verden: Hauptmann a. D. Dr. Weber in Adendorf; Landrat in Münster: Landrat Dr. Boeckenhoff in Warburg; Landrat in Warendorf: Rechtsanwalt Querfeld in Münster; Landrat in Fulda: Tierarzt Dr. Burkhardt in Sontra; Landrat in Wesel: Staatsanwalt Dr. Müller in Essen.

In den Ruhestand versetzt sind: Oberpräsident i. e. R. Dr. Thon in Kiel; Regierungsvizepräsident i. e. R. Dr. Masur in Hannover.

Überwiesen ist: Landrat i. e. R. Fenner von Fenneberg in Beckum an das Oberpräsidium in Magdeburg.