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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal Fuldaer Kreisblatt
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Nr. 152 — 1933
Fulda, Montag, 3. Juli
10."Jahrgang
Wer gegen jede Störung der Ordnung.
Der Reichskanzler spricht auf der SA.-Iührertagung in Reichenhall.
In Bad R e t ch e n h a l l begann, wie die NSK. meldet, die große SA. -Führertagung, zu der aus dem ganzen Reiche sämtliche höheren SA.- und SS.» Führer erschienen waren, um zum erstenmal seit der staatlichen Neuordnung von der inneren Geschlossenheit der braunen Sturmbataillone der deutschen Revolution Zeugnis abzulegen. Der Führer, Reichskanzler Adolf Hitler, wurde bei seinem Eintreffen von der Bevölkerung stürmisch gefeiert. Nach Begrüßung durch Stabschef Röhm ergriff der Führer das Wort zu einer großen, nahezu dreistündigen Rede, in der er grundlegend und richtungweisend das Wesen der deutschen Revolution und die Aufgaben ihrer Träger umriß.
Einleitend führte er aus, daß diese Revolution nur Mittel zu einem höheren Ziel fei, uub zwar zum Zwecke der Erhaltung und Sicherung des Lebens unseres Volkes. Zwei Arten von Revolutionen kenne die Geschichte: solche der Ideen und solche der bloßen Gewalt. Auch bei weltanschaulichen Revolutionen müsse irgendeine Explosion Stockungen der Entwicklung beseitigen und Raum schaffen' für die neue als richtig erkannte Ideenwelt. Jeder geistigen weltanschaulichen Revolution habe die
Erziehung und Formung der Menschen zu folgen, zu dem Ideal, das dieser Revolution ihren Sinn gab. Nur dann könnten Revolutionen als gelungen angesehen werden, wenn sie neben ihren Trägern auch der Zeit den Stempel ihres Geistes und ihrer Erkenntnisse aufprägten. Der neue Staat sei dann ein Phantasieprodukt, wenn er nicht einen neuen Menschen schaffe. Seit zweieinhalbtausend Jahren seien, mit ganz wenigen Ausnahmen, nahezu sämtliche Revolutionen gescheitert, weil ihre Führer nicht erkannt hätten, daß das Wesentliche einer Atevotution nicht die Machtübernahme, sondern die Erziehung der Menschen fei.
Es sei selbstverständlich, daß Revolutionen Erschütterungen mit sich brächten, doch es komme darauf an, daß die beseitigte Staatsgewalt von einer n e it e n Autorität abgelöst werde. In diesem Zusammenhang zog der Führer einen vergleichenden Rückblick auf die großen Revolutionen der Weltgeschichte.
Die Revolution der nationalsozialistischen Bewegung habe
die Bedeutung des Rasseproblems erkannt. Die Fragen des Führertums, des Sozialismus, der Autorität usw. gingen alle auf die gleiche Wurzel des Blutes und des Volkstums zurück. Unsere Revolution könne ihren letzten Sinn nur darin haben, diese Erkenntnisse zu verwirklichen und nach ihnen das Leben des deutschen Volkes zu g e st a l t e n. An Stelle der aus rein ökonomischen Gesichtspunkten heraus gebildeten bürgerlichen politischen Führungsschicht müsse wieder eure art- und blutmäßig bedingte politische Führerauslese aufgebaut werde«. Sozialismus sei nichts anderes als natürliche Ordnung eines Volkes nach seinen angeborenen Fähigkeiten.
Gelinge es uns, eine solche politische Führerschicht heranzubilden, die aus Blut und Herkunft, aus Fähigkeit und Veranlagung den Anspruch habe, zu führen, dann werde die deutsche Revolution für Jahrtausende das Gesicht der deutschen Zukunft prägen.
Aus diesen grundsätzlichen Erkenntnissen ergebe sich das konkrete Ziel unserer Revolution: Ordnung i m Innern als Vorbedingung zur Entfaltung der Kraft nach außen.
Folgende Phasen der nationalsozialistischen Revolution
seien zu unterscheiden: l. Die Vorbereitung des Kampfes. 2. Die Erringung dessen, was mit der Totalität des Staates bezeichnet wird: die nationalsozialistische Bewegung müsse diesen Staat zum Träger ihres Geistesgutes machen. 4. Die Lösung des A r b e i t s l o s e n p r o b l e m s, auf die heute alle Kräfte konzentriert werden müßten. Sie sei für das Gelingen unserer Revolution letzten Endes ausschlaggebend.
Aber auch die Lösung dieser Frage habe zur Voran s s e tz u n g die E r z i e h u n g des deutsche« Menschen im Geiste des Nationalsozialismus. Das sei die vornehmste Aufgabe der SA.-Führung, deren Verantwortung jährlich Hunderttausende junger Menschen anvertraut würden.
Die SA.-Führcr müßten eine Garde bilden, die un erschüttcrlichcr Träger unserer Gedankenwelt sei, damit nun hier aus das ganze Volk dann durchdrungen werden könne. Spartanische Einfachheit und Härte gegen sich selbst müsse die Führer auszeichnen, damit der Geführte sich willig und gern der Autorität untcrorduet.
Nach der Machtübernahme gelte es nun, auch alle Willensträger der deutschen Revolution, insbesondere die politischen Kampf verbände zu einer Einheit zu verschmelzen. SA. und Stahlhelm haben sich jetzt zu fernerem gemeinsamem Kampf die H â n d c g e - re i ch t. Es gebe dabei nicht Sieger und Besiegte. Sieger dürfe allein nur das d e u t s ch e V o l k fein. Um die kommenden schweren Zeiten zu meistern, müßten sie zu einer verschworenen Gemeinschaft werden, die auf Leben und Tod z u s a m m e n st e h 1. Dieses Heer
politischer Soldaten der deutschen Revolution wolle nie- mals unser Heer ersetzen oder in Konkurrenz zu ihn: treten.
Das Reichshecr allein sei Waffenträger der Nation.
Er sei überzeugt, daß die Armee von sich aus auf dem Boden der Weltanschauung des neuen Staates st e h e und jederzeit zu seinem Schutze von ihn treten werde.
Nochmals auf das Verhältnis von SA. und Stahlhelm eingehend, wandte sich der Führer an die anwesenden Stahlhelmführer. Er erwarte, daß sie dem Bunde s o beitreten, wie er zwischen i h m und dem Stahlhelmführer S e l d t e beschlossen worden sei.
Gemeinsam mit den SA.- und SS.-Kameraden seien sie berufen, stahlhart, kühn, zähe und beharrlich, aber auch in unerschütterlicher und eiserner Disziplin zum Führer, den großen Gedanken der nationalsozialistischen Revolution bis zum endgültigen Siege weiterzutragen. Wenn alle so handelten, wenn alle Führer der SA., SS. und des Stahlhelms sich ihrer Verantwortung bewußt seien, sehe er mit völliger Ruhe in die Zukunft.
Der Führer schloß seine von ungeheuerer Gedankentiefe und Willenskraft getragene Rede mit einem besonderen Dank an die S A. u n d S S. für ihre beispiellosen Opfer und ihren Kampf, dem das deutsche Volk so viel zu verdanken habe.
„Unser deutsches Volk, unser Deutsches Reich und unsere nationalsozialistische Bewegung — S i e g H e i l1"
Sichtlich ergriffen trat nun Stahlhelmführer
Neichsarbeitsminifter Geldte
Herzu und gab ein zugleich erschütterndes und erhebendes Treuegelöbnis ab.
„Adolf Hitler habe den größten Vertrauensbeweis gegeben, den ein Mann überhaupt geben könne. Er habe alle Schleier von seiner Seele gezogen und das ganze Lieben und Sorgen seines Herzens für das ganze deutsche Volf willenlos den Kameraden offenbar', und dafür danke er ihm. Er sei bis zum Ende des vorigen Jahres des Führers Gegenspieler gewesen, fein Gegner aber nie! Er sei aus Wunsch des GeneralseldmarschaÜs am 30. Januar 1933 nüchtern und kritisch ins Kabinett eingetreten. In den fünf bis sechs Monaten gemeinsamer Arbeit habe er erkannt, daß Adolf Hitler recht habe, und stehe nun im Glauben und voll Vertrauen hinter ihm. Er bringe ihm dieses Zutrauen entgegen, solange er atme. Sieg Heil, Adolf Hitler!" schloß er seine Ausführungen.
*
Anläßlich der Eröffnung des SA.-Führertages hatte zuvor noch Stabschef Röhm in seiner Begrüßungsansprache u. a. gesagt: Der 1. Juli sei
9er Kanzler begrüßt die neuen Reichsminister.
Das Ergebnis der Ministerbesprechung.
In der Ministerbesprechung am Freitagnachmittag begrüßte der Reichskanzler zunächst die neuernannten Minister, den Rcichswirtschaftsminister Dr. Schmitt und den Rcichsernährungsministcr R. Walter Darrs sowie den stellvertretenden Parteiführer der NSDAP., Rudolf Heß, der ebenfalls zum erstenmal an einer Ministerbesprechung teilnahm.
Der Reichskanzler sprach sodann sein Bedauern über den Rücktritt des bisherigen Reichswirtschafts- und Ernährungsmtnistcrs Dr. Hugenberg aus, dessen verdienstvolles Wirken in der ocutschcn Politik und insbesondere im Rcichskabinctt er noch in einem Schreiben zum Ausdruck bringen werde.
Der Reichskanzler berichtete dann über seinen Besuch beim Reichspräsidenten in Neudeck und hob hervor, daß er besonders erfreut gewesen sei über die Frische und das guteBcfindcn des Reichspräsidenten, der dem Reichskabinett die besten Grütze und Wünsche übermitteln ließ.
Übernahme der frei gewordenen preußischen Ministerien durch Darre und Schmitt.
Der preussische Ministerpräsident Göring teilte mit, daß aus seinen Vorschlag vom Reichskanzler als Reichs- siatthaltcr für Preußen der Reichswirtschaftsministcr Dr. Schmitt zum preußischen Minister für Wirtschaft und Arbeit und der Reichsernährungsminister Darrs zum preußischen Landwirtschaftsminister ernannt worden sind.
Das Rcichslabinctt genehmigte die Ernennung des Diplomingenieurs Gottfried Feder zum Staatssekretär im Rcichswirtfchaftsministcrium und erklärte sich damit einverstanden, daß der bisherige Ministerialdirektor im Rcichswirtschaftsministerium Dr. Posse zum zweiten Staatssekretär im Reichswirtschaftsministerium vorgeschlagen wird.
ein historischer Tag
in der Geschichte der deutschen Revolution, weil er die straffste Zusammenfassung aller dem Geiste nach soldatischen Kräfte der deutschen Erhebung unter einheitlicher Führung zum weiteren Kampf für eine glücklichere Zukunft unseres Vaterlandes dokumentiere. Das Re ichs Heer habe Deutschlands Sicher- h e i t zu gewährleisten und die Grenzen des Reiches zu schützen. Die SA., SS. und der Stahlhelm seien dagegen i m I n n e r n die Garanten der deutschen Revolution und gleichzeitig die große
Schule für die deutsche Jugend zur Erziehung in wehrhaftem und nationalsozialistischem Geist. In kameradschaftlicher Verbundenheit mit der Wehrmacht werden die braunen und feldgrauen Sturmsoldaten ihren Kampf weiterführen bis zum großen einmaligen und ausschließlichen Ziel, das für alle gemeinsam heiße: Der nationalsozialistische deutsche StaatderEhreundKrast.
Stahlhelmführer Seihte hatte danach seiner Freude über die Einladung zu dieser gemeinsamen Führertagung Ausdruck gegeben und erklärt, die Zwecke und Ziele des Stahlhelm seien letzten Endes mit denen des Nationalsozialismus so eng verbunden, daß es nichts Trennendes zwischen Stahlhelm und SA. geben könne. So käme er mit seinen Kameraden vom Stahlhelm zu den braunen und schwarzen Kameraden von der SA. und der SS. in der Überzeugung, daß beide sich nicht nur äußerlich zum Heile des Vaterlandes finden würden.
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über die Rede des Reichskanzlers auf der SA.- Führertagung in Bad Reichenhall wurde ein bayerischer halbamtlicher Bericht ausgegeben, der eine noch nicht mitgeteilte wichtige Stelle aus der Rede enthält:
Danach erklärte Hitler, er werde rücksichtslos und brutal jeden Versuch unterdrücken, den R c - aktion oder andere Kreise machten, die heutige Ordnung zu stürzen. Er werde aber auch rücksichtslos sich gegen eine sogenannte zwciteRcvolution wenden, da eine solche chaotische Salgen haben könnte.
Was in den letzten fünf Monaten erreicht worden sei, das sei so ungeheuerlich viel, daß man es oft nicht begreifen könne. Man müsse in Ehrfurcht vor den gewaltigen Erfolgen der nationalsozialistischen Bewegung jetzt alle Kraft daran setzen, diese Erfolge zu sichern durch weltanschauliche Festigung der Massen.
Wer sich gegen die nationalsozialistische Staatsgewalt auflehne, der werde hart angepackt werden, ganz gleich, wo er sich befinde.
Rcichsbankpräsident Dr. Schacht berichtete schließlich über die am Sonnabend in Kraft tretende Regelung des Transfers der Zinsen und Amortisationen der ausländischen Anleihen, wie sie auf Grund der Londoner Verhandlungen mit den Auslandsglâubigcrn nunmehr stattfindct. Das Reichskabinett b i i l i g t c die Vorschläge des Rcichsbanlpräsidcntcn, und der Reichskanzler dankte Dr. Schacht im Namen des Reichskabinctts für seine unermüdlichen Bemühungen, der vorhandenen Schwierigkeiten Herr zu werden.
„Der Sund von Potsdam wurde
in Aeubeck für immer besiegelt.
Die NSK. schreibt zum Besuch des Reichskanzlers A d o l f H i t l e r in R e u d e â u. a. folgendes:
Der Besuch des Reichskanzlers Adolf Hitler beim Reichspräsidenten in Neudeck ist nicht nur bedeutsam wegen der notwendigen politischen Entscheidungen, die dort getroffen bzw. bestätigt wurden, sondern zum mindesten ebenso bemerkenswert im Hinblick auf den freundschaftlichen Geist und die Einmütigkeit der Auffassungen, von denen diese Zusammenkunft im Hause des Reichspräsidenten in besonderem Maße beherrscht war.
Der Bund von P o t s d a m ist in Neudeck, mitten im Zeichen der klaren und folgerichtigen Entwicklung, die unser innenpolitisches Leben seitdem genommen hat und nehmen mutzte, für immer besiegelt worden.
Der Reichspräsident von Hindenburg und der Reichskanzler Adolf Hitler haben durch ihr in Neudeck besiegeltes Vertrauensverhältnis dem ganzen deutschen Volke ein leuchtendes Bcispicl dcr Einigkeit gegeben, das alle Deutschen verpflichtet, ihnen nachzucifcrn im Dienst am neuen Staat und in Treue zu denen, die zu seiner Führung berufen- sind.
Reichsminister Darrè übernimmt sein Amt.
Reichsminister Pg. D a r r é übernahm die Geschäfte im Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft.