Arl-aer Anzeiger
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Nr. 159 — 1933
Fulda, Dienstag, 11. Juli
10. Jahrgang
Brief aus „Naziland."
„Die Zugend hat gesiegt!"
Die Wahrheit über Deutschland bricht sich Bahn.
Der bekannte englische Zeitungsmagnat Lord Rothcrmere veröffentlicht in der „Daily Mail" einen interessanten Artikel, in dem es heißt: „Ich schreibe aus einem neuen Land auf der Landkarte Europas. Es heißt „R a z i l a n d".
Von allen historischen Wandlungen unserer Tage ist die Umformung Deutschlands unter H i t l e r die schnellste, vollkommenste und plötzlichste gewesen. Diese Nation von 65 Millionen steht hinter ihm, einig wie nie zuvor.
Etwas viel Bedeutungsvolleres als eine neue Regierung ist inmitten der Deutschen entstanden. Eine plötzliche Ausdehnung ihres Nationalgefühls ist eingetreten, wie damals in England unter der Königin Elisabeth.
Jugend hat die Befehlsgewalt übernommen.
Ein Strom jungen Blutes belebt das Land neu. Er fließt so stark in den entferntesten Kanälen des Nationallebens, wie bei seinem Herzen.
Auf Besuch in Norddeutschland, finde ich die Anzeichen des neuen Hitlergeistes ebenso offenbar in dem entlegensten Dörfchen wie in den größten Städten. Über die kornbeladenen Felder hinweg sieht man die Naziflagge auf den Dächern einsam liegender Landhäuser wehen. Fast jedes Fahrrad, dem man auf den langen, geraden Landstraßen begegnet, trägt seinen Hakenkreuzwimpel, und durch die malerischen Gassen kleiner Landstädte schreiten die harten, jungen Männer in Braunhemden — wie ihre braungekleideten Gehilfinnen — und haben die Herrschaft über Deutschland von den untauglichen Älteren übernommen.
Selbst Sechziger, begrüße ich dieses der Welt so ge- gegebene Beispiel. Ich trete für das Recht der Jugend auf Herrschaft ein. Mussolini hat die höchste Gewalt in Italien im Alter von 39 Jahren erreicht. Seine Mitarbeiter waren noch jünger. Sie zusammen haben ihr Land zum bestregierten in Europa gemacht. Ich baue fest darauf, daß Hitler, der im Alter von 43 Jahren zur Macht gelangt ist, ähnliche Erfolge in Deutschland erzielen wird.
Ich lege es allen jungen Briten und Britinnen dringlich nahe, den Fortgang der Naziherrschaft in Deutschland aufmerksam zu verfolgen. Sie dürfen sich nicht durch falsche Darstellungen durch die Gegner dieser Bewegung irreleiten lassen.
Die einfache, ungeschminkte Vaterlandsliebe Hitlers und feiner Gefolgschaft bringt unsere Salonbolschewisten und Kulturkommunistcn w große Aufregung. Sie haben einen
lärmenden Verleumdungsfeldzug gegen das ausgenommen, was sie „Nazigreuel- t a t e n" nennen, was aber — wie jeder Besucher Deutschlands schnell selbst entdeckt — nur aus ein paar wenigen, vereinzelt dastehenden Gewalttaten besteht, wie sie in einem Volk, das anderthalbmal so groß ist wie unseres, unvermeidbar sind, die man über verallgemeinert, ver- vielsücht und übertrieben hat, um den Eindruck zu erwecken. als wareNaziherrschaft eine blutdürstige Tyrannei.
Das Eisenbahnunglück bei Apolda und weitere Eisenbahnunfälle im Ausland.
Die Todesopfer m Eiseubchunglöcks
Ein amtlicher Bericht der Eisenbahndirektion.
Die Zahl der Todesopfer der Eisenbahnkatastrophe bei Apolda hat sich auf fünf erhöht.
Wie das Apoldaer Krankenhaus mitteilt, befinden sich zur Zeit noch zehnFrauen und sechs Männer in ärztlicher Behandlung. Von ihnen sind drei schwer verletzt, alle haben Schädelbrüche erlitten. Von den anderen Passagieren sind sieben Personen mittelschwer verletzt, die übrigen leicht. Erfreulicherweise besteht bei keinem der Verletzten mehr Lebensgefahr, so daß sich die Zahl der Todesopfer voraussichtlich nicht erhöhen wird.
Die Reichsbahndirektion Erfurt gibt einen amtlichen Bericht über das Unglück heraus, in dem es u. a. heißt: „Zunächst wurde angenommen, daß eine Verwerfung des Gleises infolge der ungewöhnlichen Hitze die Ursache des Unglücks sei. Ob diese Vermutung zutrifft, steht noch nicht fest. Dagegen spricht, daß an der Unfallstelle d c r b e st e u n d st ä r k st e O b erbau liegt, der bei der Reichsbahn verwendet wird. Dieser Oberbau ist einer der stärksten der ganzen Welt. Die Gleisanlage an dieser Stelle ist im Juni durch den Oberbaumeßwagen besonders genau untersucht und als vorzüglich befunden worden. Auch der ^orstand des Bctricbsamtes Weimar hat sich noch zwei ^age vorher von der guten Gleisanlage überzeugt, «ysrgenbruelcbe Unregelmäßigkeiten sind von Sen zahlreichen tocbneHjügen, die kurz vorher die Unfallstelle passiert baben. nicht bemerkt worden.
Aber die geringfügigen Fehlgriffe einzelner Nazis werden untertauchen in der F ü l l e derWohltaten, die das neue Regime schon heute Deutschland bringt.
Allen voran ist da die Befreiung des Landes von der Herrschaft jener muffigen, stets kuschenden deutschen Republik zu nennen, die ganz und gar kein Ansehen, kein Selbstvertrauen und sogar keine Selbstachtung hatte, ltberdies aber fiel das deutsche Volk rasend schnell unter die
Bevormundung durch artfremde Elemente.
In den letzten Tagen des vorhitlerischen Regiments gab es zwanzigmal soviel jüdische Regierungsbeamte in Deutschland wie vor dem Krieg. Israeliten mit internationalen Bindungen hatten sich in Schlüsselstellungen der deutschen Vcrwaltungsmaschine eingeschmuggelt.
Von solchem Schimpf hat Hitler Deutschland befreit. Durch Mobilisierung der Jugend zur Unterstützung einer kraftvollen Nationalpolilik hat er schon jetzt eine verzagende, verbitterte Nation zu einer hoffnungsfreudigen, auf ihre Zukunft vertrauenden gemacht.
In England ist die Einflüsterung weit verbreitet worden, die Nazis wären finstere junge Raufbolde, die mit Terror über eine eingeschüchterte, empfindliche Bevölkerung herrschten. Das ist
eine glänzende Verdrehung der Tatsachen.
Ich habe mich mit eigenen Augen und Ohren überzeugt, daß die Sympathien der überwältigenden Masse der deutschen Bevölkerung aus selten dieser Organisation wackerer junger Patrioten stehen.
Nichts hat die Welt heute so nötig wie Realismus. Hitler ist ein Tatsachenmensch. Er hat sein Land aus der fruchtlosen Leitung durch zaudernde, halbherzige Politiker gerettet. Er hat seinem nationalen Leben den unüberwindlichen Geist sieghafter Jugend eingeflößt.
Deutschlands „unbekannter Soldat".
Ein schwedischer Gelehrter über Reichskanzler Hitler.
Der schwedische Universitätsprofessor Frederik B ö ö k veröffentlichte in zwei Ausgaben der dänischen Zeitungs „Berlinske Tidende" kürzlich einen interessanten Artikel über Adolf Hitler.
„Alle Nationen", so beginnt der schwedische Gelehrte seinen Aufsatz, „die am Weltkriege teilgenommen haben, ehren den unbekannten Soldaten. In Paris weilt er unter dem Triumphbogen, in London schläft er seinen ewigen Schlaf unter dem schwarzen Marmor des Westminster, aber in Berlin residiert er im Reichs- k a n z l e r p a l a i s in der Wilhelmstraße.
Deutschland ist das einzige Land, wo der unbekannte Soldat nicht ein Toter, sondern ein Lebender ist.
Er ist Frontsoldat, der Namenlose, der sich aus der Vergangenheit gerissen und durch das Begehren von Millionen das Ruder des Staates ergriffen hat."
Er sei Soldat gewesen in der Uniform und sei Soldat gewesen in der Arbeitsbluse, im gewaltigen Heer der Arbeiter. •
Am Montag früh wurden die Untersuchungen durch üvci Kommissare der Hauptverwaltung der Deutschen Rclchsbahngesellschaft fortgesetzt.
. Für ein Attentat liegen keinerlei Anzeichen vor.
Für ein solches wäre die durchaus übersichtliche Unfallstelle unmittelbar vor dem Bahnhof Nieder-Trebra auch denkbar ungeeignet.
Am Schauplatz der Eisenbahnlalastrophe von Apolda.
Interessant sind die eigenartig verbogenen Eisenbahnschienen, die auf unserer Aufnahme deutlich im Vordergrund zu sehen sind.
*
Der „Fliegende Schotte" entgleist.
Auf einen Güterzug aufgefahren.
In der Nähe von Carlisle lief der Edinburgh- L o n d o.n - E r p r e h z u a. der „Fliegende Schotte". auf
einen Ellterzug auf. Fünf Personen wurden schwer, zehn weitere leicht verletzt. Die Lokomotive und mehrere Wagen des Expretzzuges entgleisten und stürzten um, so daß der Verkehr auf beiden Gleisen stillgelegt war.
*
Eisenbahnkatastrophe in Spanien.
Zwei Tote und 4 7 Verletzte bei Schnellzugentgleisung.
In der spanischen Provinz Galizien ereignete sich ein schweres Eisenbahnunglück, wobei zwei Personen getötet und 47 zum Teil schwer verletzt wurden. Ein Reisender wird noch vermißt. Der Madrider Schnellzug entgleiste aus unbekannter Ursache etwa 40 Kilometer vor La Coruna.
Das Unglück ereignete sich bei der Tunneleinfahrt in der Nähe von Curtis. Unter den 47 Verletzten befinden sich l 0 S ch w e r v e r l e tz t e. Innerhalb von acht Tagen ist dies das dritte Eisenbahnunglück in Spanien. Die Zahl der Verwundeten ist damit in einer Woche bei der Eisenbahn auf über 100 gestiegen.
Der neue Dollar und der alte Taler.
Auch die allerklügsten Leute hätten es nicht für möglich gehalten, daß am Ende der vierten Londoner Konferenzwoche die Entwertung des amerikanifchenDollar die des englischen Pfund Sterling eingeholt hätte, wenn nicht schnell dieses Pfund Sterling — weiter nach unten „manipuliert" worden wäre! Der Dollar hat also bei diesem Wettrennen nach dem Ziel der schlechteren Währung das Pfund noch nicht erreichen können, aber man darf die Zuschauer daran erinnern, daß der amerikanische Präsident sich von seinem Repräsentantenhaus und dem Senat das Recht der völligen Handlungsfreiheit gegenüber dem Dollar zuerleilen ließ bis zu einer Entwertungsgrenze von 50 Prozent. Bis zum Ende vergangener Woche hatte man den Dollar schon um 30 Prozent heruntergedrückt und, was man vor ein paar Monaten, als in Amerika mit den Währungsexperimenten begonnen wurde, im Hinblick auf gewisse Äußerungen Roosevelts noch für sehr unwahrscheinlich, ja für unmöglich halten durfte, nämlich eine völlige Durchführung jenes Entwertungsrechts, ist jetzt auf dem „besten Wege", Wirklichkeit zu werden. „Der Dollar nur noch einen Taler wert", hieß es am Sonnabend an den deutschen Börsen. Er war sogar noch ein bißchen weniger wert! Allerdings hatte unser guter, alter, längst verschwundener Taler zuletzt bloß noch einen Silberwert von 1,80 Mark, — aber dem Dollar kann es passieren, daß er auch noch auf diese Tiefe herunterrutscht, wenn nämlich aus der „kontrollierten Inflation" Amerikas eine gar nicht so unmöglich erscheinende Panik wird und der Dollar den Händen des amerikanischen Präsidenten und der Herren des ihn beratenden „Gehirntrusts" entgleitet.
Washington und seine etwas stark „professionale" Währungspolitik muß es freilich zu verhindern suchen, daß die Dollarentwicklung in einem allzu raschen Tempo erfolgt. Denn sonst hat die ganze Geschichte keinen Zweck und erreicht auf keinen Fall das so heiß erwünschte Ziel einer tatsächlichen Preissteigerung auf dem amerikanischen Binnenmarkt. Sondern bei, allzu jähem und allzu tiefem Stürzen des Dollars ist die naturgemäße Folge nur eine außerordentlich starke Erschütterung des Vertrauens zur Währung im amerikanischen Volke selbst. Daß sich die Spekulation mit ihren unsauberen Händen, die Roosevelt doch gerade davon fernhalten wollte, in diese ganze Entwicklung hineingemischt hat, macht den amerikanischen Präsidenten die zügelnde Kontrolle auch nicht ganz leicht. Da kann dann über Nacht „der Teufel los" sein, wie man cs kur; nach Roosevelts „Regierungsantritt" mit der amerikanischen Beamtenkrise erleben mußte: sie warf mit einem einzigen scharfen Stoß alles über den Hausen, was sich Roosevelt und seine damaligen Berater so schön zurechtgezimmert hatten und was schließlich beim Verlassen des Goldstandards für den Dollar sehr unfreiwillig endete.
Auf der Londoner Konferenz aber, die nicht mehr leben kann, jedoch zu sterben sich nicht entschließen wollte, mag der Kampf zwischen Dollar und Pfund Sterling nur die äußere Erscheinung für ein Ringen hinter den Kulissen sein. Und zwar für ein Ringen, das eigentlich schon von Anfang an auf dieser Konferenz statt- gefunden hat: etwa zwischen Amerika und England in dem Sinne, den Präsidenten Roosevelt unter Druck zu setzen und ihn zu einer baldmöglichen Stabilisiern ngdesDollar zu nötigen! Die Offensive des abrutschenden Dollar hatte den Engländern so etwas wie die verlorengegangene Handlungsfreiheit in der Kontrolle ihrer Währung wiedergegeben, ohne daß man nun diese aber für einen Entscheidungskampf mit Amerika bis aufs Messer nutzen will. Nein, man hat sich die Verständigung mit Amerika zum Ziel gesetzt! Schon deswegen, weil große Teile der englischen Kolonien und Dominions mehr am währungspolitischen Schicksal des Dollar aus handelspolitischen Gründen interessiert sind als an dem des Pfund Sterling. Auch die Pariser Konferenz der „Goldwährungsländer" veröffentlichte eine Erklärung, die in durchaus friedlichem Geiste verfaßt und nur auf Defensive eingestellt ist.
Deutschland war auf dieser Konferenz nicht vertreten, ebenso wenig wie das bei den bisherigen Sonderberatungen der „Goldländer" geschehen ist. Aber die leitenden Herren der wichtigsten Notenbanken — also auch die der Bank von England und der amerikanischen Bundesbank — werden sich demnächst in Basel bei der