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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- unö Haunetal .Zul-aer Kreisblatt

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Nr. 165 1933

Fulda, Dienstag, 18. Juli

10. Jahrgang

Das deutsche Volk wird seines Schicksals Herr werden!"

Goebbels-Rede im Rundfunk.

Reichsminister Dr. Goebbels hielt über alle deut­schen Sender eine Rede im Rundfunk über das Thema Volk an der Arbeit", in der er u. a. ausführte:

A d o l f H i t l e r ist nun fast ein halbes Jahr an der Macht. Das von ihm geführte Reichskabinett hat am ver­gangenen Freitag die letzten dringlichsten Gesetzentwürfe durchberaten und angenommen und damit den ersten Abschnitt der inneren Aufbauarbeit zu einem vor­läufigen Abschluß gebracht.

Man braucht nicht zu übertreiben, wenn man be­hauptet, daß das Kabinett Hitler int vergangen halben Jahr mehr an staatspolitischen Taten verwirklicht hat als alle anderen ihm vorangegangenen Regierungen int Ver­lauf der verflossenen 14 Jahre deutschen Nicdcrbruchs und deutscher Schande.

Der Partei staat gehört endgültig der Ver­gangenheit an und wird nie wieder von den Toten auferstehen. Die nationalsozialistische Bewegung hat sich, allein und auf ihr eigenes Recht zur Macht gestützt, sieg­reich durchgesetzt. Auf ihr ruht die zentrale starke Auto­rität, die in Hitlers Person vereinigt ist. Das Reich wird von einer Stelle aus regiert, und eine Sabotage feiner Aufbauarbeit kommt nirdendwo mehr in Frage. Daß Hitler den P a r t e i e n st a a t überwand und das ganze deutsche Volk in einem Willen und in einer Tatbereitschaft zusammenschloß, das ist vielleicht

die größte historische Leistung

der vergangenen sechs Monate. Die Reinigung des Br­am tenstandes von Menschen, die seiner nicht würdig sind, ist zwar noch nicht beendet, aber auch hier werden wir bald schon zu einem gewissen Abschluß kommen und damit auch in dieser Beziehung die allgemeine Ruhe, 2 t.cher.heZlunb Stabilität, die ja driugrud vonnöten ist, erreicht haben

Revolutionen sind nicht Selbstzwecke, sondern nur MittelzumZweck. Selbstzweck ist die Erhaltung des Lebens unseres Volkes und des Fortbestandes unserer nationalen Rasse. Revolutionen, die zur Anarchie treiben, verdienen diesen Namen nicht.

Wahre Revolutionen zerstören nur, waS zerstört wer­den muß, nicht waS zerstört werden kann, und lediglich, um Platz für daS Neue uud Notwendige zu schaffen. Die Regierung hält ein wachsames Auge über jene getarnten bolschewistischen Elemente, die von einer zweiten Revolution sprechen in einem Zeitpunkt, in dem das Volk und die Nation sich eben anschicken, die Er­gebnisse uu s e r e r Revolution für das nächste Jahr hundert zu sichern und auszubauen.

Hitler hat unsere Revolution genau im richtigen Augenblick aufgefangen. Nachdem wir den Staat mit seiner ganzen Machtfülle besitzen, haben wir es nicht mehr nötig, P o s i t i o n e n mit Gewalt zu erobern, die gesetzmäßig unser eigen sind. Kommissare sind nötig, wenn das Tempo der Revolution weiter anschwillt und die Gefahr besteht, daß im Drang der Entwicklung die Sicherheit des öffentlichen Lebens durch offenstehende Lucken entgleitet. Je mehr das Regime sich f e st i g t, um ° überflüssiger werden sie. Hat man die Gesetz­mäßigkeit absolut in der Hand, dann hat der letzte Kommissar das Feld zu räumen.

Kurz bevor wir zur Macht kamen, schrien noch unsere G e g n e r:Ern halbes Jahr an der Regierung, und ihr leid verloren." Die ganz Schlauen unter ihnen meinten sogar, man solle es einmal mit uns probieren, um uns damit ein für allemal unschädlich zu machen. Wir wissen nicht, ob sie h e u t e auch noch dieser Meinung sind Tas deutsche Volk hat es mit »ns probiert, und unschädlich gemacht wurden nur unsere Feinde.

Die ganze Ration schenkt Hitler ihr Vertrauen.

Die Regierung weiß, daß sie des Polkes bedarf, wenn sie ;um Ziele kommen will. Sie hat um des Volkes missen nach einem groß angelegten Plan den Krieg gegen die Zeitkrankheit der Arbeitslosigkeit eröffnet. Sie hat dabei Mut und Kühnheit bewiesen, und es ist ihr in nner Kraftanspannung ohnegleichen gelungen, die ! ch w i n d e l n d e Ziffer der Erwerbslosigkeit

in einem halben Jahre um zwei Millionen zu senken.

_ Hier siegt das Zentralproblem unserer Arbeit, selbst auf die Gefahr hin, daß die eine oder die andere gutgemeinte Theorie dabei zu kurz käme, müssen auch und ie> anders für die nähere und weitere Zukunft alle Ener-

an Staatsführung und des Volkes auf diese eine ; r o ß e Aufgabe konzentriert bleiben. Gelingt uns, sie zu lösen und daswirdundmußuus l e l r n g e n dann ist uns

der Dank des ganzen Volkes gewiß, »nd keiner wird dann mehr danach fragen, ob wir auch »us professorale und illusionäre Bedenken genügend Rück- rcht genommen hätten.

Es ist dieser Regierung gelungen, Steuererleich­terungen zu schaffen, keine neuen Lasten zu dekretieren und trotzdem die Leistungen für die Armen und Ärmsten nicht zu vermindern. Sie weiß sehr wohl, daß noch große Not in Deutschland zu Hause ist, aber sic hat demgegenüber ein gutes Gewissen, denn sie hat kein Mittel unversucht gelassen, um der Not zu steuern und den Menschen wieder Arbeit zu neben.

Auch die Welt wird auf die Dauer an dem Ernst, mit dem diese Regierung ans Werk gegangen ist, nicht teilnahmslos vorbeigehen können. Hitler hat den

aufrichtigen Willen zum Frieden der Welt.

'Wenn die Welt uns noch nicht versteht, so soll sie doch

wenigstens A ch t u n

Achtung haben vor der nüchternen S a ch - mit der wir unsere eigenen schweren Probleme

zu lösen versuchen, ohne dabei bei anderen Staaten herumzubetteln und unsere Sorgen bieder­ma n n i s ch vor der Welt zur Schau zu tragen. Der auf­rechte Stolz, mit dem wir mit unserer Not zuhause selbst fertig zu werden versuchen, wird auf die Dauer bei den ehrlich Meinenden in anderen Völkern nicht ohne tiefen und nachhaltigen Eindruck bleiben können.

Wenn diese Regierung was vor ihr noch keine andere, selbst nicht eine vom Z c n t r u m ge­führte, fertig brachte sich eben anschickt, unverwischbare Klarheit zu schaffen zwischen Staat und Kirchen und diese Klarheit in feierlichen Verträgen zu sanktio­nieren, so ist das ein Zeichen dafür, w i e e h r l i ch sie um den Frieden im Lande selbst und in der Welt besorgt ist.

Diese Welt allerdings sicht vor sich nicht mehr ein Deutschland, in Dutzende von Parteien und Meinungen zerrissen, sondern einen geschlossenen StaatderDiszi- plin und der Autorität, geführt von einer zen­tralen Macht, die sich auf das ganze Volk berufen kann. Und gearbeitet haben mir: vom Kanzler und Führer angekangen bis zum letzten Straßenkehrer.

Dieses ganze Volk hat am ersten Mai nicht nur die Arbeit als Ethos geehrt, es hat sich ihr mit der ganzen leidenschaftlichen Inbrunst, deren es nur fähig ist, Hin-

Der Pakt von Rom

Hindenburgs Glückwünsche

zum Diermächte-akk.

Ter Reichspräsident an den Reichskanzler und Mussolini.

Amtlich wird mitgeteitt: Der Herr Rcichspr â fi - d c n t hat, nachdem ihm der Rcichsaußcnministcr über die Unterzeichnung des Vrermächtepaktes Vortrag gehalten hatte, folgendes Telegramm an den Reichskanzler geschickt:

»»Für die mir durch den Rcichsaußcnmi nister über­mittelte Nachricht von der erfolgten Unterzeichnuna

Dir Unterzeichnung des Viererpaktes.

Jin Palazzo Venezia, dem Amtssitz des Duce, wurde setzt der B i c r e r p a k t von den Botschaftern Deutschlands. Englands und Frankreichs sowie von Muffolini unter» zeichnet. Unser Photograph bat den historischen Moment der Unterzeichnung durch den Duce, den Urheber des Paktes, festgehaltcn.

des V i e r m ä ch t. p a k t c s sage ich Ihnen meinen besten Dank. Gleichzeitig spreche ich Ihnen zur Vollendung dieses wichtigen Vertragswerkcs meine herzlichsten Glück­wünsche aus."

Der Reichsaußci».,»mister hat auch von Neudeck aus an den italienischen Regierungschef nach- folgendes Telegramm übermittelt:

Der Herr Reichspräsident von Hinden- a u r g, dem ich von der heute erfolgten Unterzeichnung des Vicrmächtcpaktcs Meldung erstattet habe, hat mich be- luftragt, Euer Exzellenz zum Abschluß dieses wichtigen, der Initiative Euer Exzellenz entsprungenen Vertrags­wertes seine herzlich st en Glückwünsche zu über» «titeln. Ich verbinde diese Äußerung mit dem Ausdruck «einer eigenen herzlichsten Glückwünsche und mit dem wünsche, daß dieses Werk zum Segen Europas sich aus- vtrfen möchte.

*

Mussolinis Nank an Hiiler.

Ist Beantwortung des Telegrammes, das Re ichs- â nzle r Hitler anläßlich der Unterzeichnung des V'.ernrächtepaktes an den italienischen Regierungschef gesandt hatte, bat Mussolini an Hitler aedrabtet:

gegeben. Zwar ruhen noch Millionen Hände, aber schon fiebern sie danach, eingesetzt zu werden beim Neubau von Volk und Reich. Das ist es auch, was uns alle so glücklich macht: zu wissen, daß wir

von der Liebe und vom Vertrauen des ganzen

Volkes getragen

lind, und daß das Volk bereit ist, mit uns zu schaffen und ans Werk zu gehen. Gibt es ein imposanteres Bild, als daß diese Nation, vor kurzem noch aus tau­send Wunden blutend, nun ihr Schicksal in die Hand nimmt und mit der Rot der Zeit auf ihre Art fertig zu werden versucht!

Dafür gebührt dem deutschen Volk der ganze tief­gefühlte DankderRe ichsregierung, den ich hier, auch im Namen des Kanzlers und Führers zum Ausdruck bringen möchte. Das deutsche Volk verdient cs, daß Brot arbeitet und schafft. Mit seinem unbesiegbaren man sich seiner annimmt und für seine Freiheit und sein Lebenswillen wird es seines Schicksals Herr werden. Es muß nurzusammenhalten und sich auf seine eigene Kraft besinnen!

MutundSelb st vertäuen gehören dazu, wenn die Nation weiter wie in den vergangenen sechs Monaten zusammensteht, wenn sie i n Treue und Disziplin die Arbeit des Führers unterstützt und fördert, wenn sie vor der Größe der unser harrenden Aufgaben nicht zurückschreckt, dann wird uns das schwere Werk ge­lingen. Dann werden wir

den verehrungswürdigen Feldmarschall und Präsidenten

für die Hochherzigkeit seines Entschlusses und die tiefe Weisheit, mit der er segnend seine Hand über uns hält, einen besser en Dank abstatten, als das durch Worte möglich ist: durch die Tat eines in allen Stämmen und Ständen geeinten deutschen Volkes, das vor der ganzen Welt wieder Ehre und Achtung genießt.

Snbem ich Ew. Eizellen; für die herzlichen, mir an­läßlich der Unterzeichnung des Viererpaktes für Verständi­gung und Zusammenarbeit telegraphierten Worte danke, ist es mir angenehm, Ihnen zu bestätigen, daß ich in dem vollen, mir von Ew. Eizellen; erwiesenen Verständnis für die Ziele, die meiner Initiative zugrunde liegen, und in der von der Reichsregierung und von Ew. Erzellen; persönlich geleiteten Zusammenarbeit einen der Haupt­gründe für den glücklichen Abschluß der mühsamen Verhandlungen sehe. Die zwischen unseren beiden Ländern bestehenden Beziehungen der Freundschaft werden in der Atmosphäre des Verständnisses und der Zusammenarbeit, die der Pakt von Rom zwischen den vier Westmächten im Interesse des Friedens und des europäischen Wiederaufbaues schafft, neuen Anlaß zur Entwicklung finden.*

Hendersons Mission in Berlin.

Der am Montagvormittag in Berlin eingetroffenc Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, stattete noch am gleichen Vormittag dem Reichsaußen- minister einen offiziellen Besuch ab. Die für Montag nachmittag angesctzlen Besprechungen finden zwischen H enderson und dem R e i ch s a u ßc n m i n i st e r im Beisein des Reichswehrministers von Blom­berg und des Führers der deutschen Abordnung in Genf, Botschafter Nadolny, statt.

Ter Präsident der Abrüstungskonferenz hat sich nach Auffassung aller unvoreingenommenen Beobachter der Genfer Abrüstungsverhandlungen stets mit Eifer und Be­harrlichkeit für den Erfolg der Abrüstungskonferenz ein­gesetzt. Henderson darf daher eines freundlichen Emp­fanges in Deutschland, das einseitigabgerüstet ist, gewiß sein. Es ist zu hoffen, daß seine Besprechungen in Paris, Rom und London von Erfolg gekrönt sein werden. Der Enderfolg dieser Besprechungen hängt allerdings davon ab, ob Frankreich seinen ablehnen­den Standpunkt gegenüber der Abrüstung aufgibt. Da Henderson als Träger des Abrüstungsgedankens zweifel­los über der Sache steht, darf man erwarten, daß er den französischen Bestrebungen tatkräftig gegenübertritt.

Im Zusammenhang mit dem Hiersein Hendersons in Berlin darf die deutsche Öffentlichkeit daran erinnert wer­den, daß unter der Außenministerschaft Hendersons seiner­zeit die R ä u m u n g s f r a g e erst entscheidend ins Rollen gekommen ist. An den Verhandlungen über die vorzeitige Räumung war der damalige Außenminister Henderson maßgebend beteiliat.

*

Henderson berichtet Neurath.

Unter Vorsitz des Rcichsaußenministers Freiherr von Neurath wurden in Berlin am Montagnachmittag die Verhandlungen mit dem Präsidenten der Abrüstungs­konferenz, Henderson, ausgenommen. An der Be­sprechung nahmen teil außer Henderson der Generalsekretär Aghnides, auf der anderen Seite der Reichswchrministcr, Botschafter Nadolny, Staatssekretär Milch sowie Geheim­rat Frowein. Bei diesen Besprechungen erstattete Hender­son über seine bisherigen Verhandlungen in den anderen Hauptstädten Bericht. Die Verhandlungen werden am Dienstag fortgesetzt werden.