Zul-aer /Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
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Nr. 167 — 1933
Fulda, Donnerstag, 20. Juli
10. Jahrgang
Bor den Kirchenwahlen
Deuischer evangelischer Christ!
Das Wählen hat im Führerstaat des Dritten Reiches seinen Sinn verloren. Wenn dich dennoch der Führer selbst zur K i r ch e n w a h l ausrust, so verlangt er von dir eine innere Entscheidung.
Dn hast zwei Wege vor dir.
Du kannst auch weiterhin Evangelium und Volkstum ohne Zusammenhang neben- und gegeneinander stehenlassen. Du wirst diesen selbstmörderischen Weg aber nicht wählen.
Du wirst der großen Frage Gottes an dich d i c Antwort geben, welche die E i n h e i t von Evange - l i u m u n d V o l k s t u m auf alle Zeiten besiegelt. Der Versuch, den Partcihader ausleben zu lassen, ist ein Verbrechen vor der Geschichte. Du wirst diesen Versuch rücksichtslos Niederschlagen.
Steh aus, du V^olk der Reformation! Achte Unterschiede, die fein mögen, gering. Sprich ein gewaltiges Ja und bekenne:
Ich will ein einiges deutsches und evangelisches Volk sein!
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Die evangelische Kirche im neuen Staal. Wehrlrcispfarrcr Müller über die Kameradschaft in der Kirche.
In einer wegen Überfüllung polizeilich gesperrten Niesenversammlung in München sprach der Führer der Glaubensbewegung Deutsche Christen, Wehrkreispfarrer Müller, über „Die evangelische Kirche im neuen Staat". Der Redner berichtete einleitend, wie er bereits im Jahre 1920 mit H i t l e r zusammenkam, den er als einen tief religiösen und go1tesglä»lbigen Deutschen kennengelernt habe. Der Nationalsozialismus sei den Deutschen Christen
. Waâ^mi dit. Zukunft und Gottvertrauen.
Es handle sich um keine Partei im alten Sinne, sondern um eine Volksbewegung, hinter die sich die Deutschen Christen rückhaltlos stellen. Die politische Einigung des deutschen Volkes bedinge auch eine einige deutsche evangelische Kirche an Stelle der Zersplitterung in 28 Landeskirchen. Viele Pastoren sprachen heute eine Sprache, die das Volk nicht mehr verstehe. Gewiß bedürfe es einer äußeren Form, aber der I n h a l t müsse
lebendiges, frohes und starkes Erleben in Gott sein. Sonst nütze die Form nichts. Der Führer Adolf Hitler wolle keine Einmischung des Staates in die Kirche. Aber er könne auch nicht dulden, daß sich hinter dem Kreuz Christi eine staats- und volksfeindliche Reaktion verkrieche, die den Weg zum Herzen des Volkes verlege. Der Ruf der Stunde gehe dahin, daß das Volk wieder seine Kirche lieben lernen soll. Die Kirche soll ihre Türen weit aufmachen für die frohe Botschaft von einem gnädigen und barmherzigen Gott. Von der Kameradschaft in Staat und Reich müßten wir sur Kameradschaft auch in der Kickse kommen. „Gott helfe unserem Führer, unserem Vaterlande, unserem Volk und unserer Kirche."
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Kirche von heute und morgen.
„Ich hasse, was da staubig, Nur an das Frische glaub' ich."
seiner Lieblingsfarbe eing, nach dem Geschmack der K
Vor Jahren wurde einmal in einer Lübecker Mädchenschule das Aufsatzthema gestellt: „Welche Farbe wünsche ich mir für die Einbanddeckel meiner Schulbücher?", und den Kindern wurde aufgegeben, ihre Farbenwünsche im einzelnen zu begründen. Nun begann ein lustiges Schreiben. Denn jedes Kind wollte das Buch, das ihm im Unterricht die geringste Sorge und die größte Freude machte, in seiner Lieblingsfarbe eingebunden wissen. So wurden (je nach dem Geschmack der Kinder und ihrer Begabung) alle nur denkbaren leuchtenden Farben: Rot, Grün, Blau, Gelb, Violett usw. für das Lesebuch, das Geschichtsbuch, das Singbuch, sogar fürs Rechenbuch und für die französische Grammatik begehrt. Nur beim Religionsbuch herrschte eine seltsame Einmütigkeit. Denn in der ganzen Klasse gab es nur zwei verschiedene Wünsche: Grau sollte das Buch ein, weil es so langweilig, — oder schwarz, weil sein Inhalt so traurig ist.
Wer bis hierher gelesen hat, der fülle sein Herz mit echtem, deutschen Zorn gegen ein „tintenklecksendes Säcu- lum", gegen Stubengelehrte auf Kathedern und Kanzeln, gegen eine Zeit, die wider Wissen und Willen das Frischeste und Lebendigste, das Froheste und Stärkste, was es auf dieser Welt gibt, umgebogen hat in eine traurige, langweilige und verstaubte Angelegenheit Hand aufs Herz, lieber Leser: Hättest du nicht auch den grauen oder schwarzen Deckel gewählt?
Nicht einen Augenblick wollte ich mehr Pastor sein, wenn ich eine traurige langweilige Sache zu vertreten hasse, was da staubig, nur an das Frische glaub ich." Das Evangelium ist keine Jammerpost, sondern eine „gute Nachricht", eine Freudenbotschaft. In meiner Bibel steht das Gebot zur Freude: „Ich habe dir geboten, daß du getrost und freudig seist". Wer das Ee- kennt und dazu die Gotteskraft zu seiner Erfüllung, lebber aber lebt als ein Kümmerling und anderen Religion beibringt als eine traurige langweilige Sache, der ist
nicht besser als ein Dieb oder Ehebrecher und als einer, der andere zu solchen Verbrechen verleitet.
Freude brachte einst Jesus zu den Verzagten und Traurigen, nicht etwa Trauer in fröhliche Herzen. Paulus mahnt: „Freuet euch in Gott allwege: „Selbst in Trauer alle Zeit fröhlich!" — ist seine Parole. Wenn zu den Predigten des Kirchenvaters Augustin Zehntausende strömten, schgeschah es, weil der Mann ihnen das Größte und Aller- gewisseste verkündigte, den lebendigen Gott als aller Schätze edelsten Hort. So war es bei dem heiligen Franz von Assisi, so bei Martin Luther, so ist es heute bei unserm Führer und Kanzler, der, wenngleich Katholik und Nicht-Theologe, gerade den evangelischen Deutschen ein gewaltiger Volksprediger von Gottes Gnaden geworden ist. Wer hat so tieffromme, bekennende Worte gefunden vor einer Welt von Hörern wie er in Königsberg, im Reichstag und auf dem Tempelhofer Felde?
Wenn ein jetzt zu Ende gehendes Zeitalter die christliche Freudenbotschaft so verkündigte, daß das Volk in der Regel jedenfalls heraushörte, es handle sich um eine Jammernachricht, wenn man das Spannendste und Bewegendste so sagte, daß es zumeist unter gähnender Langeweile begraben wurde, so wundern wir uns garnicht, daß unter solchen Verhältnissen Volk und Kirche einander fremd geworden sind und sich heute innerlich kaum noch berühren.
Ausbau der Arbeitsfront
Eingriffe von ASSO.-Giie-ernngen in die Wirtschaft untersagt.
Der Preußische Staatsrat Walter S ch u m a n n , M. d. R., hat als Führerder N SBO. jeden Eingriff von NSBO.-Glicderungcn in die Wirtschaft und in die Verbände der Arbeitsfront untersagt. Um Störungen der planmäßigen Aufbauarbeit der Führung der NSBO. und der Arbeiterverbände ein für allemal zu unterbinden, werden Zuwiderhandlungen mit sofortigem Ausschluß aus der NSBO. geahndet.
Der Zusammenschluß der gesamten deutschen Arbeiterschaft in den Arbeiterverbänden sollte, wie das Amt weiter erklärt, für jeden deutschen Arbeiter eine selbstverständliche Ehrenpflicht fein; ein unmittelbarer Zwang zum Beitritt soll dagegen besonders dann nicht erfolgen, wenn er gegen die guten Sitten verstößt. Marxistischen Funktionären von einst ist der Zutritt verwehrt; Deutschlands Arbeiterschaft ist damit ein für allemal vor diesen Elementen geschützt.
Nicht mehr „von Pontius zu Pilatus"!
Eine Anordnung des Führers des Gesamtverbandes der Deutschen Arbeiter und der N S B O., des Preußischen Staatsrats Walter Schuhmann, M. d. R., beschäftigt sich mit der Abfertigung von auskunftheischenden Mitgliedern in den Geschäftsstellen der Arbeitsverbände und der NSBO. Niemand solle die Geschäftsstellen anders verlassen als in dem Bewußtsein, daß ihm geholfen sei. Auf keinen Fall darf es Vorkommen, wie einst bei gewissen früheren Behörden, daß hilfesuchende Kameraden „vo n Pontius zu Pilatus" geschickt werden, ohne daß ihnen ihr Recht werde. Es sollen überall Stellen für Auskunft und Verkehr vorhanden sein, die den Hilfesuchenden sofort an die richtige Abteilung leiten.
Würdigung ehrenamtlicher Arbeit.
Der Führer des Gesamt Verbandes der Deutschen Arbeiter, Walter Schuhmann, M. d. R., hat in einer Anordnung an sämtliche Amtswalter der Arbeitersäule erklärt, daß in ganz starkem Ausmaß wieder zur e h r e n a m t l i ch e n T ä 1 i g k e i t im Dienst am Volk zurückgekehrt werden müsse, dies nicht nur in der NSBO. und in den Verbänden der Arbeitersäule, sondern auch in den öffentlichen Körperschaften, Sozialversicherungs- trägern, gemeinnützigen Anstalten usw., die einst für marxistische Bonzen Futterkrippen gebildet hatten. Deutschlands Arbeitertum müsse den Beweis erbringen, deß es zu opferbereitem Handeln fähig sei: das sei praktischer deutscher Idealismus. Nur wirklich vollbeschäftigte Parteigenossen sollen dementsprechend entlohnt werden.
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Die Llnorganisierien.
Vom Propagandaamt des Gesamtver - v a n d e s der d e u t s ch e n A r b e i t e r wird mitgeteilt:
Das Nachrichtenbüro des VDZ. veröffentlichte Mit- teilnngen über den Anschluß von b i s h e r Unorganisierten an die Deutsche Arbeitsfront. Hierbei wurde erklärt, daß die Mitteilungen ans „führenden Kreisen der Arbeitsfront" herstammen. Das trifft nicht zu. Die Frage des Anschlusses an die Angestellten- säule ist bekanntlich hinreichend geklärt durch die Verfügung des Führers der Arbeitsfront, Dr. Ley, daß Angestellte, die gemäß § 1 Absatz 1 und 2 des Angestelltenversicherungsgesetzes angestellte n v ersicherungs- pflichtig sind, zugleich von der Angestelltensäule umfaßt werden. . ,
Beide haben sich daran gewöhnt, in verschiedenen Welten zu leben, und beide haben dadurch schwersten Schaden genommen. Aus der Kirche ohne Volk wurde ein blutleeres Gespenst, aus dem Volk ohne Kirche wurden Menschen ohne Seele.
Und nun, lieber Leser, verstehst Du, daß Kirche und Volk wieder zusammenkommen müssen wie zu Luthers Zeiten, wo Volksgeschichte Kirchengeschichte und Kirchengeschichte Volksgeschichte war. Nicht soll das jungerwachte Volk an eine „traurige und langweilige" Kirche gebunden werden — nein, jugendfrisch und voll von sprühendem Leben wollen wir die Kirche. Nicht bloß bewahren soll sie, was sie von den Vätern ererbt hat, sondern vorangehend in wagendem Glauben soll sie Richtung weisen und Ziele zeigen.
Diese Kirche, die Kirche der neuen Zeit, sollen die Kirchenwahlen am kommenden Sonntag auf ihre Weise bauen helfen. Für diese Kirche kämpfen die „Deutschen Christe n". Neu soll sie nach dem Willen der „Deutschen
helfen. Für diese Kirche kämpfen die „Deutschen C h r i st e n". Neu soll sie nach dem Willen der „Deutschen Christen" lernen, ihren herrlichen Gottesauftrag am ganzen Volk zu tun, und unser Volk, unsere lieben Deutschen, müssen willig werden, sich von ihrer Kirche dienen zu lassen. Sonst bleibt der herrliche Aufbruch unseres Volkes im Diesseitigen stecken, und wir versagen in dem uns von dem Herrn der Völker gestellten Auftrage, wir werden ihm untreu. Es ist eine große Stunde:
Gott ruft sein Volk in seine Kirche.
Schaade,
Domprediger in LübeL
Für die A r b e i t e r s ä u l e, nämlich den Gesamtverband der deutschen Arbeiter, trifft eine Pflicht zum Beitritt im Gegensatz zu den Mitteilungen des Nachrichtenbüros des VDZ. nicht zu. Ein Zusammenhang zwischen der Zugehörigkeit zu den Arbeitervcrbänden und dem Erwerb des S t a a t s b ü r g e r r e ch t s, wie ihn das Nachrichtenbüro konstruiert, besteht daher nicht. Auch die übrigen Mitteilungen über eine angebliche Werbeaktion der Arbeitervcrbände entbehren jeder Grundlage.
Der zweite ostpreußische Kreis von Arbeitslosen frei.
Der Oberpräsident der Provinz Ostpreußen hat an den Reichspräsidenten, den Reichskanzler und den preußischen Ministerpräsidenten ein Telegramm gesandt, das folgenden Wortlaut hat:
„Der systematische Kampf gegen die Erwerbslosigkeit in Ostpreußen geht weiter: Heute ist der zweite Kreis, Preustisch-Eylau, frei von Arbeitslosem Auch dieser Erfolg wie der in P i l l k a l l e n zeigt, daß es sich nicht um eine Zusallserscheinung handelt, sondern um die Früchte eines zähen und planmäßigen Ringens, das mit allen Kräften fortgesetzt wird. Königsberg, den 19. Juli. Oberpräsidcnt Koch, Gauleiter."
Hitlergruß auch in den Arbeitsämtern.
Der PräsidentderReichsanstaltfürArbeits- Vermittlung und Arbeitslosenversicherung hat an die ihm unterstellten Landesarbeitsämter und Arbeitsämter folgenden Erlaß herausgegeben: „Da die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung durch die Erfüllung ihrer sozialpolitischen Aufgaben besonders stark zu der Verbundenheit zwischen Staat und Volk und der Überwindung der Klassengegensätze beizutragen hat, ist der von der Reichsregierung eingeführte deutsche Gruß als Ausdruck des Gemeingeistes im Geschäftsbereich anzu- »vrnden.
Herzliche Dankesworte Mussolinis an Hindenburg und Aeurath.
Der Reichsaußeuminister Freiherr von N e u r a t h hat folgendes Telegramm vom italienischen Staatschcf Mussolini erhalten:
„Ew. Exzellenz bitte ich, dem Herrn Reichspräsidenten von Hi n d e n b u r g meinen tiefempfundenen Dank für die Botschaft zukommen zu lassen, die er mir durch die liebenswürdige Vermittlung Ew. Exzellenz aus Anlaß der Unterzeichnung des V i e r m ä ch t e p a k t e s zu übersenden geruhte. Sehr verbunden für die von Ew. Exzellenz, als dem tatkräftigen Förderer des erfolgreichen Abschlusses der Unterhandlungen, mir ausgesprochenen persönlichen Glückwünsche, erwidere ich von Herzen den Wunsch, daß sich der in Rom unterzeichnete Pakt zum Wohle Europas fruchtbringend auswirken möge, gez. Mussolini."