Zul-aer /lnZeiger
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Nr. 168 — 1933
Fulda, Freitag, 21. Juli
10. Jahrgang
Die Arbeitsschlacht in Ostpreußen.
Neuer ArbeitHeg in Ostpreußen.
Der dritte Ost Preußen kreis von Arbeits - losen befreit.
Wie der Völkische Beobachter meldet, ist nunmehr auch der dritte Kreis, und zwar der Kreis Niederung in Ostpreußen, erwerbslosensrci. Der Oberpräsident unb Gauleiter Erich Koch hat diese Tatsache wiederum in einem Telegramm an den Herrn Reichspräsidenten, den Herrn Reichskanzler, den Reichsfinanzmini ster, den Rerchsarbeitsminister und an den Staatssekretär im Reichssinanzministcrium, Reinhardt, gemeldet.
Das Telegramm hat folgenden Wortlaut: „Heute Kreis Niederung als dritter Ostpreußenkreis frei von Arbeitslosen. Nach dem Bericht des Landrats will Kreis
Ostpreußens letzte Arbeitslose.
Drei osipreutzische Kreise können sich rühmen, keine Arbeitslosen mehr zu zählen — mit Ausnahme dieser Herren. Es sind nämlich die Beamten des Arbeitsamtes, die nun durch das Ende der Arbeitslosigkeit selbst arbeitslos geworden sind und denen hier vom Obcrpräsidenten Koch für ihre jahrelange mühevolle Arbeit der Dank ausgesprochen wird.
i Niederung in kürzester Frist 800 Arbeitslose aus Tilsit unterbringen, um so mitzuhelfen, auch die Stadt Tilsit binnen zwei Wochen von Arbeitslosen befreien zu können, gez. Koch, Oberpräsident, Gauleiter."
I 9iod) erstaunlicher als die Befreiung des dritten Kreises von Arbeitslosen ist die Tatsache, daß nunmehr das Oberpräsidium in Königsberg mitteilen kann, die Arbeiten für die Arbeitsbeschaffung in Ostpreußen seien so wett gediehen, daß man bis zum 1. August täglich einen neuen Landkreis von Erwerbslosen frei machen könne.
( Mit welchem Eifer in Ostpreußen weiter an der Be- fettlgimg der Arbeitslosigkeit gearbeitet wird, beweist die MTatsache, daß allein an einem Tage in P r - Eylau : einem Städtchen von 3000 Einwohnern, 2 4 3 Arbeits- u vermittelt wurden. Die gesamte ostpreußische Bevölkerung ist von begeisterter Hingabe erfüllt. Selbst die Erwerbslosen sind den ganzen Tag auf den Beinen, um irgendwo Arbeitsstellen ausfindig zu machen, die sie dann den amtlichen Stellen melden können.
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' Dankschreiben des Reichspräsidenten an Oberpräsident Koch.
Seim Oberpräsidenten von Königsberg ist laut Mit- tcilung der Pressestelle folgendes Schreiben des I e i ch s p r ä s i d e n t e n von Hindenburg an den Ober- Präsidenten der Provinz, Gauleiter Koch, eingegangen:
„Herr Obcrpräsidcnt! Für freundliches Telegramm ■ vorn 16. d. M. spreche ich meinen herzlichen Dank aus. £ ^W Meldung von der Beendigung der Arbeitslosigkeit tm Kreise Pillkallen hat mich mit Befriedigung und mit Uder Hoffnung erfüllt, daß auch in den übrigen Teilen Ostpreußens die Arbeitslosigkeit ihrem Ende cntgegcngehen y k"rd. Mit freundlichem Gruß von H i n d e n b u r g."
I Ames Danktetegramm Hindenburgs.
An den Obcrpräsidenten Koch.
8'(1ff em erneutes Telegramm des Obcrpräsidenten I . 0 w ui Königsberg an den Reichspräsidenten, Um welchem mitgeteilt ivird, daß als dritter ostpreußischcr ' ÖGr ^ reis Niederung frei von Arbeitslosen ö• L der Reichspräsident dem Oberprästdenten Koch- ionigsberg folgendes Telegramm übersandt:
ho Ä0/” Sie VieleN DNNk für Ihre Meldung von 4 letumg kwr Arbeitslosigkeit in den Kreisen Deutsch I Ht “ Federung. Wünsche weiter guten E r - s o t g auf diesem Wege."
Atte spenden ArHett!
Staatssekretär Reinhardt im Rundfunk.
Der Staatssekretär int Reichssinanzministcrium, Reinhardt, richtete im Rundfunk an alle Volksgenossen einen Appell, sich an der freiwilligen Spende zur Förderung der nationalen Arbeit zu beteiligen, wobei er u. a. darauf hinwies, daß schon jetzt im Reichsfinanz- ministcrium täglich Berge von Briesen und Telegrammen einlaufen, in denen Volksgenossen aller Stände mitteilen, daß sie bis Ende März 1934 laufend einen bestimmten Hundcrtsatz von bestimmten Bezügen oder Einnahmen als freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit an ihr Finanzamt überweisen lassen. Es sei leider unmöglich, jeden Brief und jedes Telegramm sofort zu be- antworten. Staatssekretär Reinhardt bat deshalb, auf diesem Wege Dank und Anerkennung entgegenzunchmen.
Anschließend griff Staatssekretär Reinhardt aus der großen Zahl der Briefe und Telegramme einige heraus, die besonders aufschlußreich für den Opferwillen der Bevölkerung sind. So hat u. a. ein schwerkriegsbcschädigtcr Parteigenosse, Vater von vier Kindern und selbst arbeitsunfähig, 2,5 Prozent seiner Rente bis Ende März 1934 freiwillig gespendet. Von der Haase-Brauerei Breslau liegt ein Telegramm vor, wonach 10 000 Mark als freiwillige Spende gezahlt wurden und außerdem die gesamte Belegschaft nach einstimmigem Beschluß einen Prozentsatz ihrer Löhne und Gehälter bis auf weiteres zu dem gleichen Zweck zur Verfügung stellt. Ein ähnlicher Beschluß liegt von der Brandenburgischen Dar- lehnskasse für Sachwerte und Hypotheken vor. Die Kran-
Zwischen Rom, Berlin und München.
Unterzeichnung des Konkordats. — Um den Biererpakt. Hitler, Henderson und Neurath in München.
Das Konkordat in Rom unterzeichnet.
In den Räumen der vatikanischen Staatskanzlei wurde das Konkordat zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich durch Vizekanzler von Papen und Kardinalstaatsselretär P a c e l l i unterzeichnet.
Der feierlichen Handlung, die einen der wichtigsten politischen Schritte des jungen Deutschland sestlcgt, wohnten noch bei: Ministerialdirektor Dr. Buttmann vom Reichsittnenministerium und in Vertretung des deutschen Botschafters beim Vatikan Botschaftsrat Klee, sowie Monsignore Pizzardo vom vatikanischen Staatssekretariat.
Vizekanzler vom Papst empfangen.
Nach der Unterzeichnung des Konkordats überreichte Kardinalstaatssekretär Pacelli dem deutschen Vizekanzler von Papen das Großkreuz des Pius-Ordens.
Anschließend empfing Papst Pius XI. den deutschen Vizekanzler in einer Privataudienz, die etwa 20 Minuten dauerte. Bei dieser Gelegenheit stellte Herr von Papen dem Papst den Ministerialdirektor Dr. Buttmann vor, mit dem sich dieser längere Zeit unterhielt.
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Segenswünsche des Papstes.
T e l e g r a m in w c ch s e l z w i s ch e n Papen und Hindenburg.
Vizekanzler von Papen hat an den Reichspräsidenten von Hindenburg aus Rom das nachstehende Telegramm gerichtet:
„Gelegentlich der nach Unterzeichnung des Reichs- konkordats eben stattgehabten Audienz geruhen Seine Heiligkeit der Papst, mir die herzlichsten Wunsche für das Wohlergehen Eurer Exzellenz zugleich mit den besten Segenswünsche für Deutschland auszusprechen.
(gez.) Vizekanzler von Papen."
Der Reichspräsident hat wie folgt geantwortet:
„Bitte Seiner Heiligkeit meinen tiefgefühlten Dank sür gütige Segenswünsche zu übermitteln. Ich verbinde damit meine aufrichtigen Wünsche für das Wohlergehen seiner Heiligkeit.
(gez.) von Hindenburg, Reichspräsident."
Wachsendes Verständnis in England.
Die „Times"-druckt Hitlers „Mein Kamps".
Die „Times" wird zum erstenmal Auszüge aus der autorisierten englischen Übersetzung von Hitlers Buch ,M ein Kamps" veröffentlichen, das bisher der eng- äschen Leserschaft nicht zugänglich war. Die „Times" schreibt dazu: Unsere Auszüge werden cs der englischen Leserschaft ermöglichen, sich mit dem einzigartig konzentrierten Geist des nationalsozialistischen Führers vertraut zu machen und ein g e w i s s e s V e r st ä n d n i s o e r deutscher» Revolution zu erlangen
kenversicherungsanstalt ostdeutscher Handwerkskammern Berlin hat 10 060 Mark als Spende an das zuständige Finanzamt überweisen lassen, während der Aufsichtsrat der Jndustrie-Finanzierungs-Aktionsgesellschaft Berlin eine freiwillige Spende von 20 000 Mark geleistet hat. Zwei Dresdener Rechtsanwälte führen bis zum Jahresende fünf Prozent der an sie zur Auszahlung gelangenden Armenrechtsgebühren als Spende ab. Staatssekretär Reinhardt erläuterte dann nochmals die verschiedenen Möglichkeiten für die Leistung der Spende und schloß mit dem Appell:
„Die Reichsregierung ruft alle Volksgenossen und Volksgcnossinnen, alle Unternehmer und alle Vereine, alle Verbände auf, bei jeder sich bietenden Gelegenheit in Wort und Schrift zu werben für die freiwillige Spende zur Förderung der nationalen Arbeit."
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Zndustriesührer wieder hoffnungsvoll.
Anläßlich einer Aussprache im R e i ch s st a u d der Deutschen Id u st r i e bestand volle Einmütigkeit darüber, daß die großzügigen Maßnahmen der Reichsregierung auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung die Unternehmerinitiative erneut belebt und gefördert haben. Die Vertreter der verschiedensten Industriezweige waren sich darüber einig, daß durch Steuerentlastung und -Vereinfachung, durch organische Zinssenkung, durch För- oerung eigener Kapitalbildung sowie durch Beseitigung bürokratischer Hemmnisse auf dem Gebiet der Sozialpolitik die g r ö ß t e n Möglichkeiten bestehen, den von der Reichsregierung bereits mit sichtbarem Erfolg aufgenommenen Kampf gegen die Arbeitslosigkeit zur vollen Auswirkung zu bringen.
Henderson und Reurath in München.
Zur Aussprache mit dem Kanzler über die A b r ü st un gssragen.
Reichsaußenminister Freiherr von Neurath traf am Donnerstag mit dem FD.-Aug aus Berlin kommend in München ein. Eine Stunde später traf auch der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, von Prag kommend, im Kraftwagen in München ein und stieg mit den Herren seiner Begleitung im Hotel „Bayerischer Hof" ab, das ihm zu Ehren die englische Nationalflagge gehißt hatte. Reichskanzler Adolf Hitler war bereits am Mittwochabend in München anwesend. Vor dem Braunen Haufe, wo die Beratungen über die Abrüstungssrage stattfinden sollen, hatte sich in Erwartung der Staatöministcr eine große Menschenmenge cingcfunden.
Mussolini an Ministerpräsident Göring
Zunr Abschluß des Vicrcrpaltcs.
Der italienische Ministerpräsident M u s s o l i n i har an den preußischen Ministerpräsidenten Göring zum Abschluß des Viererpaktes folgendes Telegramm gerichtet:
„Das mir von Euer Exzellenz gelegentlich der Unterschrift des Paktes für die Verständigung und Zusammen- arbeit der vier Westmächte gesandte Telegramm hat mich sehr erfreut. Wenn ich Ihnen für die an mich gerichteten freundlichen Worte danke, so kann ich nicht umhin, den wirksamen Beitrag in Erinnerung zu bringen, den Eure Exzellenz vom ersten Augenblick an zu den Be- mühungen beigesteuert haben, in denen das Reich mit den anderen beteiligten Regierungen zusammengcarbeitct hat, um die Verhandlungen durch die unvermeidlichen Schwierigkeiten zu jenem glücklichen Ergebnis zu führen, über das wir uns freuen. Ich bin überzeugt, daß mit dem Abschluß des Paktes eine Periode fruchtbarer gemeinsamer Arbeit zur Lösung jener Fragen eröffnet wird, von denen der Frieden und das Gedeihen Europas abhängen."
Gefängnis für früheren Hochschulrektor.
Wegen Untreue und Betruges.
In Königsberg wurde der frühere Handclshoch- schulrektor Dr. HerberiSchlack von der Korruptions- kammer wegen Untreu e in zwei Fällen und wegen fortgesetzten Betruges zu zwei Jahren sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Die Untersuchungshaft angerechnet. Dem Angeklagten wird ferner die Fähigkeit zur Bekleidung öffentlicher Ämter auf die Dauer von drei Jahren aberkannt. Von der Anklage der Amtsunterschlagung wurde der Angeklagte freigesprochen. Die Kosten des Verfahrens fallen, soweit Freisprechung erfolgt ist, der Staatskasse, im übrigen dem Angeklagten zur Last.