Zul-aer /lnzerger
SSÄwS Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
*Xi2Ä Zulöa- und Haunetal. Zulöaer Kreisblatt
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Druck: Friedrich Ehrenklav, Lauterbach i. H.
Nr. 169 — 1933
IFulda, Samstag, 22. Juli
10. Jahrgang
Neue Ziege über die Arbeitslosigkeit
Der erste Arbeitsamtsbezirk frei von MeèâM.
Beim Oberpräsidium in Königsberg traf folgendes gemeinsames Telegramm des Arbeitsamtsvorsitzenden in Lyck und der Landräte in L ö tzen und Johannisburg ein:
„Kreis Lösten und I o h a n u i s b u r g heute frei von Arbeitslosen. Mindestens 150 Vermittlungen. Der Arbeitsamtsbezirk Lyck wird danach am Montag, dem 24., als erster deutscher Arbeitsamtsbezirk frei von Arbeitslosen sein. Darüber hinaus beschäftigt er rund 3500 jugendliche Arbeitskräfte aus dem Reich."
Die ganze Provinz Ostpreußen ist von einer Opferwilligkeit und B e g e i st e r u n g erfaßt, die sich nur mit der
Erhebung des Jahres 1813 vergleichen läßt. Die Meldungen über den günstigen Fortgang des Angriffs gegen die Arbeitslosigkeit überstürzen sich. Der „G e n e r a l st a b" im Oberpräsidium muß sich fortwährend der stündlich sich ändernden Lage anpassen, damit jede Störung vermieden wird. In den nächsten Tagen werden Kreise mit besonders schwieriger Arbeilsmarktlage an Ort und Stelle in Angriff genommen. Hier will man auch die letzten Wohlfahrtserwerbslosen bis zum Eintritt des Frostes in Arbeitsstellen unterbringen. Daneben laufen die systematischen
Vorbereitungen für die Winterarbeiten.
Um die exakte Durchführung der Transporte von Arbeitskräften zu sichern — es handelt sich bei der Mehrzahl um ostpreußische Landleute, die jahrelang ohne Arbeit gewesen sind und die nun planmäßig in Arbeitsstellen auf dem Lande nntergebrächt werden —, sind Verhandlungen mit der Reichsbahndirektion eingeleitet. Die Stellung von S o n d e r z ü g e n für die Beförderung von Arbeitsfreiwrüigen ist vorgesehen. Rührend ist die Freude und die Begeisterung bet Arbeitslosen selbst, die mit allen Kräften am Gelingen des großen Werkes niithelfen.
Wie wir erfahren, werden in den drei Tagen bis Montag abend wahrscheinlich noch zehn weitere Kreise hin- zukommen, die das Ende der Arbeitslosigkeit melden, falls durch örtliche Verhandlung und Behandlung nicht gar noch eine weitere Beschleunigung eintritt.
Görings Dank an Oberpräsideni Koch.
Der preußische Ministerpräsideni Göring hat an das Oberpräsidium der Provinz Ostpreußen solgendes Telegramm gesandt:
„Kämpen, Sylt. Oberpräsident. Dank für herrliche Nachricht über Fortschreiten unserer Offensive gegen Schrecken der Arbeitslosigkeit. Bin überzeugt, daß Ihrer Tatkraft gelingen wird, ganz Ostpr e u ß e n wieder Arbeit zu beschaffen. Zu diesem Bestreben werde ich stets an Ihrer Seite sein. Heil H i t l e r! G ö r i n g, Ministerpräsident."
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Dr. Ley vor der schlesischen Arbeiissront.
Hiiiiderttaiiscnde marschieren mit.
Der Aufmarsch der schlesische» Arbeitsfront in Breslau war der größte Aufmarsch, den die schlesische Hauptstadt je gesehen hat. In Abständen von zehn Minuten trafen Sonderzüge aus allen Teilen der Provinz ein. Zum erstenmal sah man in den Scharen der Festteilnehmer auch die Arbeitgeber.
Der NSBO.-Landesleiter Ost, Kul isch, e r ö f fu e te d i e R i e s e n k u n d g e b u n g. Es komme nicht darauf au, daß überhaupt, sondern daß'für ein großes Ziel marschiert werde. Das Ziel sei jetzt nach der Überwindung der Klassengegensätze und der inneren Zwietracht erreicht. Der Kampf werde so lange fortgeführt werden, bis die große Aufgabe, die Adolf Hitler am 1. Alai gestellt habe erfüllt fei, nämlich
bis der Arbeiter für das deutsche Vaterland zurückerobert
sei. Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, hielt dann eine mit stürmischem Beisall aufgenommene A n s p r a ch e. Einleitend sprach er über den Begriff der Revolution. Während das Wort Revolution im marxistischen Sinne nur Schrecken und Terror bedeutete, gebe es eine wahre Revolution, die wie ein Frühlingsbrausen über ein Volk hinwehe und alles Ungesunde, Schlechte und Gemeine aus ihm heransreiße. Die wahre Revolution habe jetzt das deutsche Volk erlebt unb mit ihr den Sozialismus, den die früheren Machthaber nur im Munde führten, wahrgcmacht.
Das Merkmal des wahren Sozialismus sei Opferfrvudigkeit.
Das Opfer zerbreche nicht ein Volk, sondern erhebe es. Reben der SA. und der Parteigenossenschaft habe anch der RSBO.-Kamerad große Beweise seiner Opferwillig- keit gegeben. Unerhörten Terror habe er i n b e n Betrieben erleiden müssen und sei trotzdem standhaft geblieben. Er als Führer der Deutschen Arbeitsfront stehe nicht hier, um große Versprechungen zu machen. Nicht eine Wirt
s ch a f t s k r i s e oder sonstige wirtschaftliche Erscheinungen hätten das deutsche Volk brotlos gemacht, s o n - d e r n allein seine Ehrlosigkeit.
Zum Schluß sprach O b e r p r ä s i d e n t und Gauleiter von Schlesien, Helmut Brückner. Seiner Rede stellte er den Ausspruch des Führers: „Wir müssen den ä r m st e n unserer Volksgenossen höher stellen als den König ein es anderen Landes!" voran. Genau so ärmlich und klein wie die Partei habe sich auch die NSBO. heraufarbeiten müssen. Sie habe nur zu ihrer jetzigen machtvollen Größe aufsteigen können, weil sie an ihrer Spitze Führer von unbestechlichem Charakter habe. Wie die großen Leistungen der nationalsozialistischen Revolution in der ganzen Welt Anerkennung und Beachtung gefunden hätten, so werde sich die deutsche Arbeiterschaft unter der Führung solcher Männer ebenfalls die Achtung erringen, die ihr gebühre.
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Ardeltslofenzah! sinkt immer mehr.
40 000 kamen in der ersten Julihälfte wieder zu Arbeit und Brot.
Nach dem Bericht der Reichsaustalt für die Zeit vom I. bis 15. Juli hat sich im Gegensatz zu der Entwicklung der letzten Jahre der N ü ck g a n g d e r A r b e i t s l o s i g- keit in der ersten Julihälfte fortgesetzt. Insgesamt ist
Henderson kam zu Hitler
Sie Münchener Staaismänner- besprechung über die Abrüffnngssrage.
Amtlich wird aus M ü n ch e n mitgeteilt.
Donnerstag abend fand zwischen 20 und 21 Uhr im Hotel Regina-Palast in Gegenwart -desMe r ch s »H-feen Ministers die Zusammenkunft zwischen dein Reichs- k a n z l e r und dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz, Henderson, statt. In 'der Unterhaltung wurden die in den Besprechungen in Berlin noch offengeblleben cn Punkte eingehend erörtert.
Hierzu erfährt die Telegraphen-Union von unterrichteter Seite noch folgendes: Durch die Besprechungen in Berlin und in München, in welchen der deutsche S t a n d p u n kt zu den von Herrn Henderson bei der Vertagung der Abrüstungskonferenz in Genf fixierten Punkten ei n gehend dar gelegt wurde, ist die Möglichkeit gegeben, mit dem Ziele der Erreichung eines Abkommens den Meinungsaustausch über die Ab- rüstungssrageu f o r t z u s e tz e n. Die von Herrn Henderson in Berlin der Presse gegenüber als wünschenswert bezeichnete Zusammenkunft zwischen dem Reichs, k a n z l e r und Daladier dürfte noch eine weitere diplomatische Vorbereitung erforderlich macken.
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Hendersons Abschied von München.
Der Präsident der Abrüstungskonferenz, Henderson, reifte von München nach P a r i s ab. Zu seiner Verabschiedung hatte sich auf dem Bahnsteig der deutsche Reichsaußeumiuister Freiherr von Neurath ein- gefunden, der sich noch bis zur Abfahrt des Zuges mit dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz unterhielt. Legationsral Kordt begleitet den Präsidenten Henderson im Auftrag des Deutschen Auswärtigen Amtes bis zur französischen Grenze.
Zu der Besprechung H i t l c r - H c n d c r s o n in München schreibt die „Bayerische Staatszeitung" u. n.: Wenn den Bemühungen Hendersons zur Fortsetzung der abgebrochenen Genfer Beratungen w i r k.l ichAussicht a u s E r s o 1 g beschiedcn zu sein scheint, so haben zu dieser Wendung einzig undallein die Berliner und Ai ü n ch e ii e r E r st e b n i s s e beigetragen, und darin liegt die Bedeutung der Besprechung zwischen Henderson und Hitler.
Der Umstand, daß der Präsident der Abrüstyngs- konferenz in Berlin und München ein offenes Ohr für die Notwendigkeit einer Fortsetzung der Abrüstungsbestrebungen gefunden hat, nachdem er sich in Paris den bekannten grundsätzlichen Vorbehalten der französischen Außenpolitik gegenüber gesehen hatte, liefert der anf- horchonden Welt den Beweis der p o l i t i s ch c n Redlichkeit des neuen Deutschland. Das Ausland erkennt, daß Deutschland jetzt endlich w c i ß , was es will, und daß hiifter diesem einigen Willen die Überzeugung der ganzen Nation steht. Deshalb konnte Henderson vertrauensvoll zu Hitler kommen.
Göring: Viererpakt, die Plattform für eine Annäherung.
Dem Danktelegramm Mussolinis an Ministerpräsident Göring ging folgendes Telegramm des preußischen Ministerpräsidenten an den Duce vorauf.
„Euer Exzellenz beglückwünsche ich von Herzen zu der Unterzeichnung des Viermächte-Paktes. Ich weiß aus eigenen Verhandlungen, mit welcher Leidenschaftlichkeit
von Ende Juni vis Mitte Juli die Zahl der bei den Arbeitsämtern gemeldeten Arbeitslosen um weitere 2 9 0 0 0 auf 4 8 2 8 0 0 0 gesunken. Dabei ist zu beachten, daß durch die Sonderaktion für die Angehörigen der nationalen Verbände rund 1 1 0 0 0 Arbeitnehmer in dieser Zeit erstmals sich bei den Arbeitsämtern neu meldeten. Unter Berücksichtigung dieses Neuzuganges aus dem Streife der sogenannten „unsichtbaren Arbeitslosigkeit" in den Kreis der statistisch erfaßten Arbeitslosigkeit ergibt sich, daß in der ersten Julihälfte rund 40 0 0 0 Arbeitslose wieder in die Wirtschaft ciugegliedert worden sind.
Ganz allgemein ist zu beobachten, daß in zunehmendem Maße Arbeitslose sich jetzt bei den Arbeitsämtern melden, die bisher den Vermittlungseinrichtungen der Reichsanftalt f e r n st a n d e n. Dafür spricht auch die Tatsache, daß die statistisch erfaßte Abnahme der Zahl der Arbeitslosen (— 29 000) lediglich dem Rückgang der Zahl der Hauptunterstützungsempsänger in der Arbeitslosen- ve-rsicherung (— 10 000 auf 4 00 000) und der Krisenfürsorge (— 19 000 auf 1 291 000) entspricht, während sicher auch aus dem Kreise der Wohlfahrtserwerbslosen Abgänge in größerem Umfange tatsächlich stattgefunden haben.
Nach den Statistiken der einzelnen Landesarbeitsämtcr ergibt sich ferner nicht nur für die vorwiegend landwirtschaftlichen Bezirke sondern auch für Bezirke mit mehr industriellem Charakter wie Westfalen, Rheinland und Sachsen eine sehr beachtliche Besserung der Arbcitsmarkt- lage, die auf einen konjunkturellen Aufstieg hindeutet.
Euer Exzellenz sich für das Zustandekommen eingesetzt haben, um dadurch der drohenden internationalen Verwicklungsgefahr entgegenzutreten. Durch Ihr Werk ist jetzi die Plattform für eine Annäherung geschaffen. Die Atmosphäre ist bereinigt. Ich bin überzeugt, daß Euer Exzellenz sich jetzt mit gleicher Energie dafür einsètzen werden, daß der Pakt zu einem tatsächlichen Erfolg führen wird. Mit aufrichtigen Grüßen Hermann Göring."
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Englands wachsendes Verständnis für das neue DentMano.
Britischer Krcuzerbefuch i» Kiel.
Anläßlich des Besuches des englischen Schul- k r e u z e r s „Frobisher" in K i e l fand ein Frühstück zu Ehren . der Gäste bei dem Stationschef, Vizeadmiral A l b recht, statt. In seiner Bearüßungsansprache betonte Vizeadmiral Albrecht u. a. folgendes: Er möchte die Gelegenheit benutzen, um den Dank der Reichs- m a r i n e auszusprechen für die freundschaftliche und kameradschaftliche Aufnahme, die die Schiffe unserer Marine stets in englischen Häfen gefunden hätten. Es sei das erstemal, daß in Kiel seit der nationalen Revo- l " t i o n ausländische Kriegsschiffe zu Besuch weilten.
Das deutsche Volk habe unter der Führung des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten aus friedlichem und verfassungsmäßigem Wege die nationale Erhebung durchgeführt, und er begrüße es besonders, daß die e n g - l i scheu K a m e r a d e n sich nun hier überzeugen könnten, daß die G r e u c l b c r i ch t e, die teilweise in ausländischen Zeitungen verbreitet worden seien, auf Unwahrheit beruhten.
Unmittelbar darauf antwortete der Kommandant des englischen Schulkreuzers „Frobisher.", H. A. Forster, und dankte für die freundlichen Begrüßungsworte. Er betonte, daß er sehr erfreut sei über den herzlichen Empfang, der ihm und seiner Besatzung hier in Kiel zuteil geworden sei. Der Kommandant äußerte sich dann sehr sympathisch über die Entwicklnng im neuen Deutschland, dem vom englischen Volk a r o ß e s V e r ft ü n d n i s entgegengebracht werde.
GeheimsiHung bei Ministerpräsident Göring.
Auf Sylt hat beim Ministerpräsidenten Göring eine Gcheimsibung stattgeftindcn, an der bei preußische Justizminister Kerrl, der Staatssekretär nn preußischen Justizministerium, Freisler, der Staats- sekretär im preußischen Staatsministerium, Körner, der Ministerialdirektor im preußischen Ministerium detz Innern
c 9 c' der Ministerialdirigent im preußischen „Hinftcnum des Innern, Fischer, und Ministerialrat ^.icls vom Geheimen Staatspolizciamt tcilgcnvmmen haben.
Außerordentliche Sitzung der SA.- und SS.-Obcrgruppen- uiid -Gruppenführer.
Ministerpräsident Göring hat den Stabschef der 2'0> Preußischen Staatsrat RöH m, gebeten, zum Sonnabend, dem 22. Juli 1933, 2.30 Uhr nachmittags, sämtliche SA.- und SS. Obergruppen- und -Gruppenführer, soweit sie nicht in ihrer Eigenschaft als Staais- beaiute bereits befohlen sind, zu einer außerordentlichen Sitzung nach Berlin ciuzubcrusen.