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Zul-aer /lnZeiger

SSS-S Tageblatt Mr Rhön unö Vogelsberg L«N^^^ Zulöa- unö Haunetal. Zulöaer Kreisblatt Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Reöaktion unö Geschäftsstelle: Königstraße 42 Zernsprech-Rnschluß Nr. 2989 Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachöruck üer mit * versehenen Artikel nur mit QuellenangabeZulüaerflnzeiger'gestattet.

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Nr. 174 1933

Fulda, Freitag, 28. Juli

10. Jahrgang

Fahnen über Stuttgart.

Giuiigari im Zeichen des größten europäischen Turnfestes.

Weltstadt für eine Woche.

Das 15. Deutsche Turnfest hat begonnen. Stutt­gart, Schwabens schöne Hauptstadt, ist eine andere Stadt geworden. Nicht nur durch den äußeren, festlichen Schmuck. Schon die Tatsache, daß sich die

Einwohnerzahl nahezu verdoppelt hat, gibt ihr ein anderes Gepräge. Der Autoverkehr hat W e l t ft a d t v e r h ä l t n i s s e angenommen. Der gesamte Straßenbahnverkehr wurde umorganisiert, kaum eine Straßenbahn fährt die gewohnte Linie. Alle tragen vorn das SchildFestplatz". Am Tage der Banner- "bergabe bildete sich in einer der Hauptstraßen eine

Straßenbahnwagenschlange" von rund drei Kilometer

Länge. Die Polizeistunde ist a u f g e h o b e n. Theatervorstellungen beginnen um 11 Uhr, KinoVor­stellungen um 3 Uhr nachts. An den beiden Hauptfesttagen schließen die Ladengeschäfte um 5 Uhr, die meisten Betriebe machen am Sonnabend zu, die Ämter haben andere Kassenstunden, die Markttage sind verlegt, die Zeitungen erscheinen nachts mit Sonderausgaben, Polizei, SA. und SS. sind in riesigen Scharen auf- geboten, um den gewaltigen Verkehr zu regeln. An Plätzen, an denen sonst nie ein Perkehrsschutzmann steht, sind jetzt drei und vier postiert. Für Strecken, auf denen man sonst mit der ältesten Kutsche fünf Minuten braucht, hat man jetzt mit dem flottesten Sportwagen eine halbe Stunde Fahrzeit nötig. Mit einem Wort: Stuttgart steht köpf!

Ungeheuer ist die Begeisterung und tätige A n - teilnahme der gesamten StuttgarterBevölke- rung am Turnfest, die sich nicht nur in Worten, sondern auch in großer Opferbereitschaft in der Bereitstel­lung von Quartieren äußert. Das ist eincë der schwierigsten Probleme. Hotels und Gasthöfe von Stutt­gart und Umgebung reichten natürlich bei weitem nicht aus, die Massen aufzunehmen. In ganz Stuttgart und Umgebung ist kein Haus, kaum eine Familie, die nicht ihre Turnfe st g ä st e hat. Ein bekannter Stutt­garter Zeichner hat sich bereit erklärt,

so viele Gäste aufzunehmen, als sich unterbringen lassen wollen.

Sein schön gelegenes Atelier ist eine einzige Schlaf- stätte für fünfzehn Turner geworden.

Das ist Stuttgart am ersten Turnfesttag! Das heißt, das ist eigentlich nur das Drum itnb Dran. DasAlles- beherrschende" im Bild und im Leben der Stadt ist

das einzigartige Festgewand,

das sich Stuttgart angelegt hat. Seit Monaten geht die Parole:Stuttgart muß die schönste Fest- st a d t w e r d e n." Die neue Zeit kam diesem Leitspruch, der von den Einwohnern mit Begeisterung aufgegriffen ° noch entgegen. Nun prangt Stuttgart in den garben von Tausenden von Fahnen, von - D^I^d'Nfvon Fähnchen, von aber Tausenden von H ânpelketten. Das abgebrauchte Wort vom Fahnenmeer rft diesmal wirklich am Platze. Nicht nur, daß fast an jedem «daus mehrere Fahnen hängen. In den Straßen, durch die die Festzuge kommen, sind in Abständen von acht bis zehn Meter riesige ,Fahnenmasten errichtet, die mit den Zahnen der Turnerschaft behängt sind. Auf dem Hinden burgplatz, dem Platz vor dem Hauptbahnhof, wurde eine haushohe Säule, mit einer.Turnerfigur gekrönt, errichtet. In die Königstraße, die Hauptstraße der Stadt, sllhrt einT r i u m p h b o g e n", der das Zeichen der Zürner, die bter 1, trägt. In Abständen von fünf Meter k und auf oem Gehweg Fahnenstangen aufgerichtet und ab- I wechselnd rote und weiße Fahnen aufgezogen. Das Ganze I ivwd ergänzt durchLampenketten". Stuttgart hat noch I nie ein so festliches Kleid getragen.

I m Der erste Haupttag des Turnfestes, an dem das I B u N d e s b a n N e r von Köln gebracht und den Stutt- I garter Turnern übergeben wurde, brachte der Statu von 8 Stunde zu Stunde eine beträchtliche P e r m ^ b - I rung der Bevölkerung.

Alle Viertelstunden lief ein Sonderzug ein, oft auch zwei hintereinander, dann nämlich, wenn die Beteiligung von auswärts so stark wurde, daß ein Sonder f Zug nicht mehr genügte. Es werden vermutlich rund ^hunderttausend Menschen mehr nach Stütt- I hart kommen, a l s g e m e l d et wurden. So haben bei- fprelsweise die Sachsen 15 000 Turner angekündigt, und - letzten Augenblick meldeten sie, daß 30000 (!) kommen. I ZNd N U N hat das T U r N f e st begonnen. Auf dem I fahnenübersäten Schloßplatz wurde das Bundesbanner an den Oberbürgermeister der Stadt, Dr. S t r ö l i n , über- I geben. 1 5 Kanonen schlüge verkündigten den An- - sang des Festes.

*

5000 Fahnen zogen in den Stuttgarter Schloßhos ein.

Die offizielle Eröffnung des Deutschen Turnfestes.

Ech^spprtführer von Tschammer und Osten eröffnete ^ttiiyptbgbenb im Schloßhof zu Stuttgart offiziell

das 15. Deutsche Turnfest, dessen Rahmenkämpfe aller­dings schon am Montag begonnen batten.

Die Eröffnungsfeierlichkeit, in deren Mittelpunkt traditionell die Übergabe des Bundesbanners stand, ge­staltete sich vor vielen Tausenden von Menschen, die die Straßen zum Schloßhof und den Hof selbst umsäumten, zu einem erhebenden Erlebnis. Die Einholung des Banners vom Bahnhof war ein T r i u m p h z u g. Mit ihm zogen 5000 Fahnen in den Schloßhos ein.

Als Erster bestieg Dr. Obermeyer, der Vor­sitzende des Hauptfestausschusses, das Rednerpult. Seine Ansprache war von Glockengeläut begleitet. Nach ihm sprach Direktor Professor Dr. Neuendorff, der bis-

Tcr offizielle Anfang des Deutschen Turnfestes.

Mit der feierlichen Einholung des Bundes- b a u n ers der Deutschen T u r n e r s ch a f t die aus unserem Bilde dargestellt ist und seiner Übergabe an die Stadt Stuttgart nahm das 15. Deutsche Turufest seinen offiziellen Anfang.

beuge Führer der DT., von der Wandlung im politischen Leben, das auch das Leben in der DT. in so wunderbarer Weise beeindruckt habe. Dr. Neuendorff bat dann von Tschammer und Osten, das 15. Deutsche Turnfest von Stuttgart offiziell zu eröffnen. Die Eröffnungsrede des Reichssportführers, von starkem Beifall begleitet, klang in die Worte aus:

Ein Volk, ein Geist, ein Führer."

Oberbürgermeister Nieser- Köln, der das Banner vom letzten Turnfest in Köln bis zur Stunde aufbewahrt hatte, übergab dann dem Oberbürgermeister Stuttgarts, des neuen Festortes, die Fahne. Oberbürgermeister Dr. S t r ö l i n - Stuttgart gelobte, sie der ruhmreichen Tra­dition der Dentschen Turnerschâft gemäß zu bewahren.

Die Eröffnungsfeier klang in eine Rede des württem- bergischen Reichsstatthalters M u r r ans, der an die Zeiten Jahns erinnerte und mit einem dreifachen Tieghe i l auf den Reichspräsidenten von Hinden­burg, den Reichskanzler Adolf Hitler und das deutsche Vaterland schloß. Die Feswersammlung fang dann entblößten Hauptes das Horst-Wessel-Lied und das Deutschlandlied.

Die Wettkämpfe haben begonnen.

Am ersten Wettkampftage stellte sich das rechte Turn- ivetter ein: die Sonne strahlte vom blauen Himmel und sandte unerbittlich ihre Strahlen, so daß das Therm o- Meter bald unerwartete Höhen erreichte. *30 Grad und mehr im Schatten wurden gemessen. Trotz­dem fanden die Kämpfe unter riesiger Beteiligung der Bevölkerung statt. Die Spieler begannen mit den Vor- kämpfen im Schlagball, Faustball, Handball und Fußball. Die Tennisschläger traten in Aktion. Bei den Fechtern machten die Degenkämpfer den Anfang und bei der Bade­insel in Untertürkheim wurdest die ersten Vorspiele im Wasserball ausgetragen. Aber das alles stand zurück gegenüber den Mehrkämpfern. Am Vormittag turnte die Kreisgruppe I, in der die Turner aus Pommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Hannover, Braunschweig, Oberweser - Ems, Rheinland, Baden, Schwaben, Sachsen, der Pfalz und dem Ausland zu­sammengefaßt sind. Eine besondere Anziehungs­kraft hatten die Wettkämpfe der Turnerinnen.Die Jugend zeigte bei ihren Mannschaftskämpfen hervor­ragende Leistungen. Übrigens traf auch der Lehrgang für Leibesübungen des Reichs Heer es und der R e i ch s m a r i n e , Wünsdors und Flensburg-Mürwick, im Sonderzug in Stuttgart ein. Zum erstenmal nimmt Reichswehr und Reichsmarinc an einem Turnfest teil.

Oie Glimme vom Himmel."

Eine besondere Überraschung erhielt das Turnfest dadurch, daß der bekannte Flieger Wolf Hirth sich vom Flugplatz Böblingen über die Feststadl schleppen ließ und in riesigen K urvcn über das F e st g e l ä n d e kreiste. Aus einem eingebauten Kurzwellensender berichtete er der latschenden Menge über seine Eindrücke. Erregte schon die S1 i m m e aus de in H i in m e l" besondere Aufmerksamkeit und Bewunderung, so fand das über einen in die Maschine eingebauten Langweüensender laufende Zwiegespräch zwischen bem Sprecher des süd­deutschen Rundfunks und dem Segler am Himmel noch größere Beachtung. Nach glücklicher Landung fand er stürmischen Beifall für seine Leistung.

Wie man der Arbeitslosigkeit zu Leibe geht.

Die großen U.nsicdlungsplänc des Obcrpräsivemen Koch.

Im Oberpräsidium in Königsberg fand eine für die weitere Gestaltung des Kampfes gegen die Arbeitslosigkeit Ostpreußens bedeutsame Konferenz statt. Ober­prä s i d e n t K o ch führte u. a. aus:Die deutsche Presse meldet, daß in Ostpreußen 30 Kreise der Arbeitslosigkeit Herr geworden sind. Was unmöglich schien, ist Wahrheit geworden, und auch die

völlige Beseitigung der Erwerbslosigkeit in dieser Provinz

wird zu dem angegebenen Termin geschafft werden. Seit Jahr und Tag haben wir in dieser Provinz gekämpft und gearbeitet, um die innere G l e i ch s ch a l t u n g der Behörden, der Bewegung und der Bevölkerung vor­zunehmen. Jetzt ernten wir die Früchte dieses vorbe­reiteten Kampfes. Der seelische Aufbruch der Nation ist da. Es ist wieder unsere Pflicht, R ü ck schlüge im Winter zu vermeiden. Bis zur Stunde ist nicht ein ein­ziger Pfennig aus besonderen Mitteln angesetzt worden. Wir haben das Geld vor allem in den Boden gesteckt, so daß der Ertrag der nächstjährigen Ernte schon wesentlich gesteigert werden kann.

15 000 Erwerbslose aus dem Westen sind bereits nach Ostpreußen gekoinmen und haben Arbeitsstellen gefunden. Wir müssen die Voraussetzungen dafür schaffen, daß noch in diesem Fahr 100 000 bis 150 000 Erwerbslose aus dem Westen hier angesetzt wer­den können.

Im Reiche wird an manchen Stellen behauptet, wir hätten unsere Erfolge dadurch erzielt, daß wir den ost- preUßischen Wald niedergelegt haben. Wir, die wir hier in Ostpreußen leben, wissen, daß an dieser Behauptung kein wahres Wort ist." Ferner hob der Redner hervor, daß das Systemhalbe Unterstützung und halber Lohn" fallen muß. Es muß dahin kommen, daß

jeder zum Tariflohn Arbeit erhält.

Nicht Stadtrandsiedlungen '.vollen wir aufbauen, denn das sind bolschewistische 'BrutMtten, sondern D o r f r a n d s i e d l u n g e n Der historische Vorgang hat begonnen, das Gesicht des deutschen Volkes

vom kapitalistischen Westen zum sozialistischen Osten zu gestalten. Ich habe mich ehrlich gefreut über die starke Bereitschaft des industriellen Westens zur Mithilfe. Es soll hier keine ü b e r k a p a z i i ä i geschaffen^ werden, sondern oberster Grundsatz muß fein: für jede Fabrik, die hier entsteht, muß eine im Reich verschwinden. Es liegen bereits zahlreiche Angebote ans dem Reich vor von der Industrie, die bereit ist, dort ihre Zelte abzubrechen und sie hier wieder aufzuschlagen. Der Deutschen Arbeits­front erwächst die gigantische Aufgabe der richtigen An- ivcndung der

Landesplanung mit dem Ziel der Dezentralisation.

Wir werden Mittel und Wege finden, die neu­geschaffene Industrie lebensfähig zu erhalten.

Die Pläne für die A u t o st r a ß e n werden auch Ost­preußen berücksichtigen und für Ostpreußen sofort ans gearbeitet werden. Bereits ist, bildlich gesehen, der erste Spatenstich der großen Straße KönigsbergDanzig getan worden, deren Bau rund

30 000 Menschen Jahre hindurch Arbeit geben wird. Besonders hob der Oberpräsident hervor, wenn 1,5 Mil­lionen Esser mehr in Ostpreußen vorhanden sind, könne man mit gutem Gewissen dem Bancr anraten, Vered e - l u n g s w i rt s ch a f t zu betreiben. Solange er jedoch keine Absatzmöglichkeiten vor sich sah, war dieser Rat nur ein Verbrechen am Bauern.

Deutsch - italienische FreundschaßL- kundgedung in München.

In M ü n ch c n gab der bayerische Ministerpräsident Siebert den mit der B a l i l l a - I u g e n d nach München gekommenen italienischen Gästen einen Empfang, an dem it. a. auch Botschafter Cerutti, Reichsstatthalter v. Epp, der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß und der Reichsführer der SS., Himmler, teilnahmen.

Ministerpräsident Siebert betonte bet der Be­grüßung, der Empfang der italienischen Jugend durch den Führer sei ein symbolische r A k 1 gewesen, der

das Zusammensein und Sichnäherbringen

des künftigen Italien und des künftigen Deutschlands versinnbildlichen sollte. Der italienische Botschafter Cerutti erwähnte, daß die Vorstellung der Avan guardisten vor dem Reichskanzler eigentlich f ü r Berlin vorgesehen war. Aber vor ein paar Tagen habe er dem Reichskanzler den Vorschlag gemacht, ihm die jungen Italiener in M ü n ch e u vorzustellen, von wo seine Bewegung den A u s g a n g genommen habe. Wie der Empfang der italienischen Jugend durch Hitler, so sei auch der Gruß Mussolinis an Deutschland und seine Führer symbolisch.

Wir wollen, so schloß der Botschafter, daß unsere Jugend nicht allein Italien, sondern auch die anderen Länder kennt, besonders ein Land w i e D c u t s ch land, wo dasselbe Regiment herrscht wie in Italien. Wir glauben, daß auf diese Weise die V e r b i n d u n a zwischen den beiden Ländern und Völkern am engsten zu gestalten ist.