Zulöaer ^n^cigcr
SSS" Tageblatt für Rhön UN- Vogelsberg &£ÄÄ Zulöa- un- Haunetal »Zul-aer Kreisblatt Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Re-aktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ❖ Zernsprech-flnschluß Nr. 1989 Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachöruck der mit* versehenenArtikel nur mitQuellenangabe „Zul-aerFnzeiger'gestattet.
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Nr. 176 — 1933
Fulda, Montag, 31. Juli
10. Jahrgang
Krönung des Festes.
Turnfest in Stuttgart.
Der Wettkampf der deutschen Stämme
Tas Turne« der Kreise wurde auf der großen Festwiese in Stuttgart den ganzen Tag über fortgesetzt. . Tie Zahl der Teilnehmer war recht verschieden. Sie Michtete sich weniger nach der Größe unb Mitgliederzahl bcr Kreise als nach ihrer Entfernung vom Festort. Es ist selbstverständlich, daß die Schwaben mit rund 15 000 Teilnehmern den größten Prozent- sc. tz stellten, dann folgten die S a ch s e n mit 10 000. an muß feststellen, daß das Turnen der 18 Kreise einen Rüb erwältig enden Eindruck hinterließ. Die R Schöpferkraft konnte sich in ausgiebiger Weise betätigen. V Die Übungen wurden gewertet. Dafi Die Urteile fast alle „gut" oder „sehr gut" ausfielen und von berufenen Fachleuten abgegeben wurden, war ein Beweis für die unermüdliche und zielbewußte Arbeit in den Turnvereinen.
Sondervorführungen
bildeten den Abschluß des Kreisturnens. Die Anteil- nah m e gerade an dieser Hochschule deutscher Turnkunst übertraf alle Erwartungen. Bei den Darbietungen schoß die W e st f a l e n r i c g c am Reck unbedingt den Vogel ab. Was da an Leistungen und waghalsigen Abgängen geboten wurde, grenzte ans Unwahrscheinliche. Der Beifall wuchs zum Orkan, als zwei Turner im Mühlenschwnng, in Riesenwellen gleichzeitig ums Reck wirbelten. Sehr schön waren die Vorführungen der Hamburger Turnerschaft von 1916, und hervorgehoben zn werden verdient die Ganschule des Bremer Turngaues. Das
Turnen der tausend Frauen
war ein hohes Lied von deutschem Turnertum itttd deutschem Frauentum, dem die Frauenturnwartin Else Schröder in ihrem Vorspruch auch Ausdruck gab. Im Lichte der Tiefstrahler wurden die Freiübungen ein ââMkrB. Bild.und gaben einen Vorgeschmack für das, einen am Sonntag erwartet. — Dann folgten Vorführungen der Musterturnschule Loges aus Hannover, die mit ihren großartigen Darbietungen die Menge zu immer neuem Beifall hinriß und bis zum Schluß der Veranstaltung in der späten Abendstunde fesselte. Mit einem geschlossenen
k Aufmarsch der Turnerjugend,
Turner unb Turnerinnen, begann Sonnabend vormittag rni vofe des Reuen Schlosses die Morgenfeier der Turner- zugend. Der Jugendturnwart Thilo' Scheller hielt eine Ansprache. Er betonte, daß die Jugend noch reiche Ent- wicklungsmogllchkellen vor.sich habe. Dr. Neuendorfs, der de* DT., habe die Jugend den Weg öum Volke. In dem neuenFührer ' uon^^schammetz unb Osten, begrüße er, so erklärte der Redner, den Führer Adolf Hitler Hierauf ®en am Rednerpult der neue Whrer der D^ von ^,'?"”, und Osten, d8 »d-inqlich-»°°," Gitt "i!-"d^°.2 , ''â>>"-. ®il dem ' $urncrqiu6
Dr. Goebbels spricht auf der Rationalen I Feierstunde der deutschen Turner.
L Eiu unvergeßliches Er l ebnis für bie Teilnehmer.
Im Rahuien des Deutschen Turnfestes fand in den späten Abendstunden des Sonnabends in Stuttaart cu-e Nationale Feier st u n d c statt, wie sie wob noch keine deutsche Stadt bisher erlebt hat. 350 000 Tei Wmcr dieser Weihestundc, neben 150 000 Turnern und Turnerinnen 200 000 Zuschauer! Tausende von Fahnen flatterten im Abendwind. ^ayneu Zunächst zogen die Turnerinnen, gefolgt von den Bugenbturnern und Turnerinnen, in die Festwiese ein unter dem Trommelwirbel der Turnerkapellen Fünf- ? r g Säulen waren es, zu je 300 Bierereihen. Wie eine Schlange ivand sich die Heeressäule ans den Platz. An- uahernd 5 0 0 0 Turncrfahnen wurden herèin- gcbracht, stürmisch begrüßt von den Zuschauern Inzwischen waren auch Tausende von Fackeltrü- 6 e r n aufmarschiert, die die gesamte Festwiese um- wumten.
D^. Die Feierstunde begann mit dem Gesang des Liedes purster auf zum Streite". Dann sprach Direktor Dr A e u e n d o r f.
Hindenburgs Grüße.
_ Der Reichsfportführer und Führer der Deüt- Wen Turnerschaft, von Tschammer und Osten, Wttete danach seine Ansprache mit der Mitteilung ein, daß M dein Reichsp r ä f i d e ulen von Hind e rr b u r g Mmens der Deiltschen Turnerschaft ein Treuge'löb- s entboten habe, auf das der Reichspräsident folgender- mnßen geantwortet habe:
"Den zum Deutschen Turnfest vereinten Turnern und ^Urnerinnen aller deutschen Gaue und des Auslandes »bhW P lr ^ ' $ für das freundliche Meingedettken uiifprLa Uas Gelöbnis, ihre ganze Kraft in den Dienst Vaterlandes zu stellen. Ich erwidere D r dem Wunsche, baff ihr Zusammensein edank e n der S ch i â s a l s v e r b u » de u -
heil aller Deutsche« fördern und damit Deutschlands Wiederaufstieg dienen möge."
Das Telegramm wurde mit stürmischem Beifall auf- genommen. Mit dem Appell, an die Zukunft unseres Vaterlandes zu denken, verband dann von Tschammer und Osten in seiner Rede einen besonderen Gruß an vie Turner aus dem A u s l a n d e. Er versicherte, oaß wir mit ihnen aus ewig und ungeteilt verbünde n bleiben. Nachdem er den Vertretern von Reich und Län- vern Grüße entboten hatte, ergriff
Reichspropagandaminister Dr. Goebbels
vas Wort, der r i e s i g e n B e i f a l l fand. Dr. Goebbels führte in feiner Ansprache, die auch im Rundfunk über- lragen wurde, u. a. aus:
Deutsche Männer und Frauen, Turner und Turnerinnen aus allen deutschen Gauen und jenseits unserer Grenzen! Es ist ein eiaentümliches Gefühl, wenn man
Geräteturnen und Fahnenschwingen auf dem Turnfest.
Unser Bild gibt einen jwönen Ausschnitt aus den F raue n f r c i ü b » n st e n mit Turnersahnen wieder.
aus dem stillen Mußefrieden der Wagnerstadt Bayreuth in das bunte Gewimmel der Württembergischen L a n d e s h a u p t st a d t kommt. Drüben die klarste und heroischste Darstellung deutscher Seele unb deutscher Kultur, — hier die machtvollste Demonstration deutscher Kraft und deutscher Einigkeit, — beides insgesamt
ein leuchtendes Beispiel der unerschöpflichen Vielgestaltigkeit deutschen Lebens,
deutschen Wirkens und deutscher Schöpferkraft. So geschwächt und so erkrankt wir an unserer körperlichen Kraft aus dem furchtbaren Weltringen zurückkamen, — furchtbarer noch war die seelisch e K r a n k - heit, die mit dem 9. November 1918 über unser Volk hereinbrach, die die Gemüter und die Geister und bie Herze« vergiftete, die die Klassen und die stäube und die Konfessionen aufspalletc und die ganze Nation zu einem Tummelplatz machte für die geistigen Experr- mentierkuttststücke einer land-, a r t - und n a l i o n- f r emde n Rass e. Aber zur gleichen Zeit erhob auch wieder
der unsterbliche deutsche Lebenswille
sich aus Not und Gefahr. Darüber waren wir uns von allem Anfang an klar: Der Körper wird nur gesunden können, weiln die Seele ivieber gesund ist. Drüben m Bayreuth wirkte der unsterbliche Meister deutscher Musik und wurde von seiner Zeit nicht verstanden. Er war es, der das Wort prägte: Deutsch sein heißt eine Sache um ihrer selbst willen tun.
Meine Turner und Turnerinnen, auch am Anfang Ihrer Bewegung stand ein Rian«, den man zu seiner Zeit nicht verstand, nicht verstehen wollte unb nicht verstehen konnte, den man — furchtbare Parallele zu den Erfahrungen, die wir selbst in der jüngsten Bergailgen- Heit machten — in die Gefängnisse steckte, weil er seinem Deutschen Volk den unsterblichen Impuls fernes Lebens einhauchen wollte: der T u r n v a t e r I a h «.
Es war die Sehnsucht des 'M e i st e r s v o n a y reut h nach dem e i « i g euVol k, dem er die göttlichen Gaben seiner K u n st zu Füße« legen wollte. Und ev war die unerfüllte Sehnsucht Ihres T u r n v a t e r s H a h n, die Kraft der deutschen Ration zusammenzubaUeu, um sie dem deutschen Schöpfergeist dienstbar zu machen. Beider Männer Sehnsucht blieb unerfüllt. Hatte ihre Zeit sie verstanden, dann schritten wir heute an der ^btye aller Weltvölker, wir wären heute die Nation der Nationen.
Jetzt aber stehen sich in Deutschland nicht mehr gegen über Geist und Kraft, nicht mehr Proletarier nnd Burger. Nicht mehr klafft zivischen den deutschen Stämmen bie Mainscheide, nicht mehr antwortet ein Deutscher, wenn man ihn fragt, was er sei, Bürger oder Proletarier oder Katholik oder Protestant, sondern diese Frage wird beute zum erstenmal in unserer 2000jährigen Geschichte von bb Millionen beantwortet mit einem Satz: W i r | i u b Deutsche! (Stürmischer Beifall.) m .
Ich habe den Auftrag, Ihnen den G ruh der R e i ch s r e g i e r u ng zu entbieten. Die Reichsreglermig bekennt sich zu euch, wie ihr euch zu ihr bekennt. Tu Reichsregierung sieht in eurem machtvollen Ausmarick eine Demonstratio« deutscher Kraft und deutscher Lebenswillens, und sieht in eurer stolzen Vergangenheu eine fortlaufende und nie zerreißende
ArbtilSstont und Verbandszugehörigkeil
Der Treuhänder der Arbeit für das Wirt- schaftsgebiet Westfalen, Dr. Klein, hat die folgende Anordnung erlassen: „Wie ich festgestellt habe, sind in den letzten Tagen verschiedentlich Versuche gemacht worden, A r bester und namentlich Angestel l t e zum Beitritt zu einem der in der Deutschen Arbeitsfront zusammengeschlossenen Verbände — zum Teil unter Setzung eines bestimmten Termins und Androhung von Gewaltmitteln — zu veranlassen. Durch diese Einzelaktionen, die in keiner Weise den Verlautbarungen der Reichsregie- rung entsprechen, wird der A r b e i t s s r i e d e erheblich gefährdet uub Beunruhigung in die Belegschaft getragen.
Ich weise mit besonderem Nachdruck darauf hin, daß diese Aktionen mit den Bestrebungen zur Herstellung des Wirtschaftsfriedens in Widerspruch stehen und unter allen llmftänben zu unterbleibe n habeu. Die Androhung von Gewaltmitteln, der Aushang von Anschlägen oder das. Verteilen von Flugblättern, bie den gekennzeichneten Inhalt haben, sind u n z u l ä s s i g."
Kette von Solidarität und Kanteradschafts- bewusttseiu.
Das Gefühl der Kameradschaft, das Gefühl der Solidarität, das Gefühl ' der Schicksalsgemeinschaft, es ist in unseren braunen Kolonnen so zu Hause gewesen, wie es in euren marschierenden Gliedern zu Hause ist.
Jetzt missen Sie, daß an der Spitze des Reiches ein« Regierung steht, die Kraft nicht fürchtet, die Kraft will, die Kraft motorisiert, die Kraft organisiert, die Kraft einsetzt für den Aufbau unseres Reiches.
Die Welt versteht uns noch nicht; vielleicht auch kann sie uns nicht verstehen. Ihr, die ihr von jenseits der Grenze zu uns gekommen seid, ihr wißt ein Lied davon zu singen, wie verständnislos, manchmal seindlich die Welt der' großen limwälzung in Deutschland gegenüber- steht. Ich aber sage euch, meine Bolksbrüder:
Laßt den Mut nicht sinken!
Es sind noch keine sechs Jahre her, da stand man uns auch in Deutschland noch feindlich gegenüber. Dieses glühende Deutschland wird auch bald den eisigen Boykott sprengen, den die Welt um uns zu legen versucht. Darin allerdings unterscheiden wir uns von den Regierungen, die uns vorangingen: wir sind nicht der törichten Hoffnung, daß die Welt uns helfen könne oder wollte. Wir gehen deshalb auch nicht mit nuferem Elend und mit unserer Not in der Welt hausieren, betteln nicht um Kredite und um Almosen.
Wir wollen mit unserer Not selbst fertig werden. (Stürmischer Beifall.)
Wir haben die Absicht, unsere Arme zu rühren und unsere Geister auzuspanuen und die Ärastströme des Landes zu einer einzigen Energieballung zusammenzuwerfen. Wir haben die Absicht, die Welt durch unsere Leistungen zu überzeugen.
Diese Regierung wird mit eiserner Faust das Problem der Arbeitslosigkeit auf affen, wird dieses Problem zum Zcutralprobleni des ganzen deutschen Lebens machen. Sechs Monate rütteln wir an de« Fundamenten dieser Trutzburg Not, und in sechs Monaten ist es uns gclum gen, zwei Millionen Menschen wieder Arbeit zu geben und sie bamit auch wieder glücklich zu «lachen. (Lebhaftes Bravo und Händeklatschen.)
Wir haben der Zwietracht den Dolch mitten ins Herz hineingestoße«, wir haben aus den Klassen und Ständen und Konfessionen wieder ein Volk geschmiedet, und ich glaube, es ist deshalb nicht überheblich, wenn ich Sie bitte, in dieser feierlichen Nachtstunde Ihre Gedanken hinüberwandern zu lasse« nach Bayreuth zu jenem M a n n, der dieses historische Werk vollbracht, der uns wieder zur Bolkwerdung zurückführte und der uns den Weg zeigte zu neuer deutscher K rast und neuer deutscher E h r c. Das ist nötig, wenn wir vor der Welt bestehen wollen.
Die Ketten beginnen zu fallen! Tic Schmach weicht!
Wir erheben uns stärker und größer den jemals zuvor. Ich weiß es: Vielfach ist R o t und H u n g e r zu Gast. Aber, diese Regierung hat alles getan, was men sch e n- m ögli ch war, um die Not zu lindern oder ganz zu beseitigen, und deshalb habe ich als Vertreter dieser Regierung auch das Recht, von Ihnen 311 fordern: nicht v e r z weif eln ! Kampfentschlossen her zu uns! Wieder flattert über dem Reich eine stolze Fahne, ivieber ist das Reich in einem Willen geeint, wieder ist das Reich eine Ballung von Kraft nnd Energie und L-tol; und Zllkunfts- willen. Reiht euch ein, beim wir marschieren in die Zukunft hinein!
Hub so senden wir aus dieser mitternächtlichen Stunde unseren Gruß nach Neudeck an den großen, greifen Sachtvalter der deutschen Nation —, so senden wir unseren Gruß nach Bayreuth an den strahleude« Fahne« träger des deutschen Volkes — und so sehen mir in diesen beiden Männern symbolisiert unsere Vergangenheit, unsere Gegenwart und unsere Zukunft und bringen unsere Sehnsucht nach bem freien Reich und unseren Glauben an die Ehre und Größe unseres Volkes zum Ausdruck, indem mir rufen: Das Reich, fein Schirmherr, der Gcucralfcld marschall unb Reichspräsident, sein Bannerträger, der Kanzler des Volkes: S i e g - H e i l!
Die Versammlung stimmte in das ausgebrachte dreifache Sieg-Heil begeistert ein. Das- Deutschland- und das Horst Wessel-Lied beschlossen die feierliche Kundgebung.