Zulüaer /inniger
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Nr. 178 — 1933
Fulda, Mittwoch, 2. August
10. Jahrgang
Prassende Nundfunkdirektoren.
Kormptionsskandal bei der alten Rundsimlgesellschast.
Im Anschluß an den Abbau der Überorganisation in den deutschen Rnndfunkgesellschaflen und den damit im Zusammenhang stehenden Kündigungen von leitenden Angestellten der R e i ch s r u n d s u n k g e s e l l s ch a f i ist es gelungen, in dem Zimmer eines bisherigen Direktors ein geheimes Fach zu entdecken, in bem außerordentlich wichtiges Be l a st u n g s m a t e r i a l für die korrupte Geschäftsführung des ‘ alten Systemrund- fnnks und seines Direktors Dr. M agnus gefunden wurde. Schon das bisher vorliegende Material stößt aus eine unverantwortliche Geschäftsführung der Reichsrundfunkgesellschaft, der Dachgesellschaft der deutschen Rundfunkgesettschasten, dessen erster Direktor Dr. Magnus war, schließen.
So wurde die ungeheuerliche Tatsache entdeckt, daß die leitenden Angestellten der Mirag in eine Lebensversicherung eingekauft waren, deren Präm i e n k o st e n zur Hälfte die Gesellschaft trug. Aus diese Weise waren von den jetzt entlassenen Leitern der Mirag der Intendant Professor Dr Neudeck, sein kaufmännischer Direktor Koll und Dr. Jäger nm je 50 000 Mark, ein vierter leitender Angestellter mit 30 000 Mark und der Prokurist Raedel mit 20 000 Mark versichert. Die G e s a m t b e l a st u n g der Gesellschaft durch diese Lebensversicherungen betrug seit 1026 9000 bis 10 000 Mark pro Jahr. Natürlich galten diese Lebensversicherungen, die ans Kosten der Gesellschaft abgeschlossen wurden, nur für leitende Angestellte.
Aber auch sonst verstanden es die leitenden Angestellten der Mirag, sich auf Kosten der Gesellschaft mit den Hörergeldern reichliche Sondcrvorteilc zu verschaffen. Dies geschah u. a. auf
Berlin begrübt stürmisch die italienischen Zungfaschisten
In der Reichshauptstadt trafen die 411 italienischen Juilgsaschisten von Dresden über Leuna kommend unter Führung ihres Komandeurs Gigli im Sonderzug aus dem Anhalter Bahnhof ein.
Zu ihrer Begrüßung waren aus dem Bahnsteig Staatssekretär Körner. Ministerialrat H a e g e r l vom Rcichspropagandaministerium, Vertreter der italienischen Botschaft, zahlreiche Mitglieder der italienischen Kolonie, Vertreter der Stadt Berlin, und andere Behörden- vertreler. der stellvertretende Gauleiter der NSDAP.
faichilten bei ihrer Ankunft in der Reicbsbauvtnadl.
Groß-Berlin, Staatsrat Görlitzer, und Gebietsführer Erich Jahn von der Hitlerjugend sowie eine Reihe von Führern der SA. und SS., unter ihnen Ministerialdirektor SS.-Gruppenführer Daluege erschienen.
Eine Abteilung der Hitlerjugend und die wache der SS. im Stahlhelm bildeten auf dem Bahnsteig Spalier. Als die Jungfaschisteu dem Zuge entstiegen erscholl lauter Jubel des zahlreichen Publikums, -it Standartcnkapcllc unter Leitung von Lbcrmiinileitcr Fleßburg spielte die Faschistenhymnc.
Nachdem die Offiziere unter den Klangen bc^ a- scntiermarsches die Front der Stabswache der ab- ßeWjrittcn hatten, wurden die Gäste durch Ministenalnit Haegert und Gebietsführer Jahn herzlich willkommen gewißen. Im und vor dem Bahnhofsgebäude hatte um schon frühzeitig
Konto Repräscutationsspcsen.
worauf von den beiden Geschäftsführern Professor Neu- beet und Dr. Kohl erhebliche Summen für die Bewirtung von Geschäftsfreunden und Künstlern liquibieri wurden. Als typische Beispiele seien aus den letzten drei Jahren folgende Reprösentationsausgaben verzeichnet:
Teilnahme an einer Silvesterfeier im „Kaiserhof" 288 Mark, Teilnahme an einer Künstlerredoute 270 Mark, Essen mit dem Rundfunktenor Baumann 200 Marl, Teilnahme am Funkball 310 Mark, Essen mit Dr. Magnus und Ministerialrat Giesecke 132 Mark, Essen mit Staatssekretär Bredow lacht Personen) 599 Mark, Essen im Kurrcsèaurant Bad Lauchstädt 1000 Mark, Rechnung Stadt- küche Leipzig 1000 Mark
Ein besonderes Kapitel bei der Mirag sind ferner die sogenannten Rciseliquidationen und Fahrtauslagen.
Die Ausnutzung dieser Konten erfolgte jahrelang in einer Form, die für die Herren Dr. Kohl und Dr. Neudeck ganz zweifellos zusätzliches Einkommen bedeutete. Perausgabi wurden für dienstliche Reisen in den Jahren: 1930: 48 678 Mark: 1931: 46 351 Mark: 1932: 20 211 Mark. In der .Hauptsache würden diese Spesen von Professor Neudeck und Dr. Kohl üquibiert, die bis zum Jahre 1930 noch Neisetagegelder von 4 0 b i é 50 Mark je Tag erhielten. Es war keine Seltenheit, daß Professor Neu deck und Dr. Kohl in einem einzigen Monat allein an Tagegeldern über moo Mark liquidierten. 'Auch wurden mit den Reisekosten sehr häufig Repräsentationskosten sehr großen Umfanges verbunden. So beliefen sich die Kosten einer Reise von Leipzig nach Dresden und Schandau, am 1. und 2. Juni 193(1, mit 13 Teilnehmern auf 1345,50 Mark. Die Kosten einer Reise nach Eisenach am 10. und 11. Mai 1931 mit zwölf Teilnehmern betrugen 1710 Mark.
Mit diesen Enthüllungen über den Leipziger Kor- rnptionsfkandal ist erst ein verschwindend klei - ne r Teil ans dem Korrnptionssumpf des Systemrundfunks des Novembersystems a u f g e d e ck t worden.
eine nach Tausenden zählende Menschenmenge angesammelt. Vom Bahnsteig bis zum Bahnhofsvorplatz bildete SS. Spalier. Über den Potsdamer Platz und die Bellevuestraßè ging dann der Marsch der Jungfaschisten und Hitlerjugend zur italienischen Botschaft. Den jungen Güsten wurde auf dem ganzen Weg von der Bevölkerung ein überaus herzlicher Empfang bereitet.
Der Empfang in der italienischen Botschaft.
Mit dem Eintreffen der Avanguardisten vor der
italienischen Botschaft setzte in der sonst so stillen, abseits von Großstadtgetriebe liegenden Viktoriastraße am Rande des Tiergartens
regstes Leben und Treiben
ein. Die Stabswache und die Jungfaschisten nahmen ans der Straße mit der Front zum Botschaftsgebäude Paradeaufstellung, bis Botschafter Cerutti erschien und in Begleitung der Offiziere
unter den Klängen der Faschistenhymne
die Front abschritt. Anschließend brachten die Jungfaschisten Hochrufe aus Italien und Deutschland und ihre Führer aus. Dann zogen sic in das Botschaftsgebäude hinein, wo sic der Botschafter mit seiner Gattin empfing.
Ministerialrat Haxgext vom PeichsprapagLnda- ministerium hielt bei dieser Gelegenheit folgende Ansprache:
„Namens der R e i ch s r e g i e r u n g heiße ich Tie in der Reichshauptstadt willkommen. Wie überall in Deutschland, so schlagen auch hier in Berlin Ihnen unsere Herzen entgegen, Ihnen, den Vertretern dieses gleichgesinnten Volkes jenseits der Alpen. Lange Zeit mußten wir Deutschen unter schwächlichen Regierungen leiden, und wir jungen Deutschen haben in i t Sehnsucht nach Rom geblickt, wo M u s s o l i n i mit starker Hand die Geschicke seines Vaterlandes meisterte.
Noch vor wenigen Monaten hätten Sie hier in Berlin nicht unbelästigt über die Straßen gehen können. Der Kommunismus, das bolschewistische Untermenschen tum versuchte, die Herrschaft auf der Straße zu erringen, ohne daß die schwächliche Regierung sich dem entgegen gestcllt hätte. Allein Hitler und seine SA. haben das getan.
Berlin war einer der Brennpunkte in diesem Kampfe. Die lange Liste von toten und mH wer - verwundeten SA.-Wünnern zeugt für den Todes- m u t der Berliner Nationalsozialisten. Ich würde mich herzlich freuen, wenn Sie von diesem Geist in Berlin etwas tennenternen und mit den Berliner Nationalsozialisten Freundschaft schließen würden.
Die Berliner haben nicht zuletzt dazu beigetragen, mit Adolf Hitler jenes Bollwerk gegen den Bolschewismus zu errichten, für das die Nachwelt einmal Adolf Hitler danken wird.
Diese Tai ist zu vergleichen mit jenen großen Kämpfen der Weltgeschichte, die Europa und die abendländische Kultur gerettet haben, wie die Schlachten gegen die Mauren und die Kämpfe gegen die Türken. ^Jch wünsche Ihnen, Kameraden aus Italien, recht schöne Tage hier in Berlin und ein
inniges Verhältnis zu den deutschen Nationalsozialisten.
Haegert und die anwesenden Berliner Kameraden brachten sodann ein dreifaches Sieg-Heil auf die italienischen Kameraden aus.
Botschafter Cerutti
dankte in deutscher Sprache für die liebenswürdigen Empfangsworte. Sie sind, so sprach er, zu den jungen Faschisten gewendet, nach Deutschland gekommen, um Ihre jungen deutschen Kameraden kennenzulernen, und weil der Duce besohlen hat, daß diese jungen Leute die Bekanntschaft der Deutschen machen, und daß sie sehen, was man in Deutschland tut.
Sie sollen diesem Lande die Grüße Italiens überbringen und auch den Wunsch, daß Deutschland immer größer wird und daß cs den Kampf gegen die Feinde der Zivilisation führt und in i t I t a l i e u zusa m m c n auch den Kampf für den Faschismus in der Welt.
Diese Jungen sind nach Deutschland gekommen, weil sic ein sehr großes Interesse haben, das zu sehen, was im Deutschland Hitlers vorgeht. In allen Städten, in denen sie bisher waren, sind sie mit dem Zeichen der größten Freundschaft empfangen worden.
Dafür danken nicht nur meine Landsleute, sondern auch ich selbst spreche diesen Dank im Namen meiner Re gicrung aus. I ch bin überglücklich über den Empfang, den man den Jungen bereitet hat. Ter Botschafter schloß mit einem Hoch auf die Größe Deutschlands und aus den Reichspräsidenten und den Reichskanzler.
Von der italienischen Botschaft aus erfolgte der Ab transporr der Jungfaschisten in neuen, großen Auto mobilen zum H aus der Jugend in Neukölln, wo sich zur Begrüßung wieder eine große Menschenmenge ein gefunden hatte. Aus den Wagen erschollen fortgesetzt die Kampflieder der sangesfreudigen Jungen, deren Grüße überall freundlichst erwidert wurden. Das saubere und behaglich eingerichtete, geräumige Heim wird die Gäste während ihres Berliner Aufenthalts beherbergen.
Italienische Auszeichnung für den Duazevgführer des Kanzlers.
Flugkapi tön Baur, der bekannte und be währte Flugzeugführer, der schon im vergangenen Jahr Adolf Hitlers große Deutschlandflüge führte und heute als Pilot alle Flugreisen des Führers durchführt, ist, wie die NSK. meldet, mit dem Orden „Corona d'Jtalia" und dem Rang eines „cavaliere" ausgezeichnet worden. Baur war lange Zeit auf der Luststrecke Berlin—Rom eingesetzt und bat u. a. auch Ministerpräsident Göring nach Rom gebracht. Der Orden wurde ihm kürzlich in Gegenwart Adolf Hitlers vom Luft fabrtattadjé der italienischen Botscha in Berlin auf dem Flughafen in Tempelhof persönlich überreicht.
Führeriagunq der NSDAP.
Am 4. bis 6. August
Die NSK. meldet: Vom 4. bis 6. August findet in M ü n ch c n bzw. in B e r ch t e s g a d c n eine Führer- tagung statt, auf der u. a. die neue Dienstordnung für die P. O. und der neue Dienstänziig für die politischen Leiter besprochen sotvic organisatorische Fragen behandelt werden. Die Tagung, an der die Reichsleiter, die Gauleiter und die Abtciliingslciter der Obersten Leitung der Politischen Organisation teilnehmen, beginnt am 4. August um 9 Uhr im Sitzungssaal I des Münchener Rathauses und wird am 5. und 6. August ihre Fortsetzung in einem Zusammensein mit dem Führer in Berchtesgaden finden.