Zul-aer Anzeiger
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Nr. 179 — 1933
Fulda, Donnerstag, 3. August
10. Jahrgang
Me 3mMWe» in lei ReWmMM.
Jie Zungfaschisten
im Berliner Rathaus.
Empfang durch den Oberbürgermeister.
Die italienischen I u n g f a s ch i st . n wurden von der S t a d t B e r l i n im Festsaal des Rathauses feierlich empfangen. Vor dem mit der italienischen Trikolore und den deutschen Farben geschmückten Rathaus hatte eine Abteilung der Hitlerjugend mit Musik und Abordnungen der SA. Aufstellung genommen, und eine große Menschenmenge wohnte dem An- und Abmarsch der Jungsaschistcn bei. Zu dem Empfang im Festsaal hatten sich neben dem italienischen Botschafter C e r u t t i Oberbürgermeister Dr. Sahm. Bürgermeister Maretzky und andere Herren eingefunden. Oberbürgermeister Dr. Sahm hielt, nachdem die über 400 Jungfaschisten in dem mit der italienischen Trikolore geschmückten Saal Aufstellung genommen hatten, eine Ansprache, in der er u. a. sagte: Die Jugend fühlt ja in instinktiver Sicherheit, ov es einer gut mit ihr meint. So könnt ihr gewiß sein, das; ihr hier i n Berlin gleichgestimmte Herzen findet. Unser großer Volkskanzler Adols Hitler hat end) in München empfangen und eindringlich das herzliche lind freundschaftliche Verhältnis Deutschlands zu dem faschistischen Italien betont. Hier in Berlin wie überall, wo ihr in Deutschland gewesen seid, oder wohin ihr noch kommen werdet, wird euch zur Gewißheit werden, daß Führer u n d Nation eins sind, daß also die Worte, die der Führer zu euch gesprochen hat, für alle Deutschen Geltung haben. Wenn ihr durch Berlin und Potsdam geführt werdet, dann habt ihr Gelegenheit, Vergleiche a n - zu stellen. Völker, die befreundet sind, sollen voneinander lernen, um in enger Gemeinschaft den großen Zielen, der Menschheit zu dienen.
.Der Oberbürgermeister schloß mit den Worten:
Ich wünsche sehr, daß dieser e r st e Besuch italienischer Jugend in Berlin nicht der letzte sein w i r d', und ferner, daß auch zwischen I ta l i e n u n d Deutschland ein S ch ü l e r a u s t a » s ch verabredet wird, um die beiden befreundeten Nationen einander immer näher zu bringen.
Anschließend an den Empfang im Rathaus legte vor Beginn Per Rundfahrt eine O f f i z i e r s a b o r d n u n g der italie n i s ch e n Gäste am Ehrenmal Unter den Linden in feierlicher Handlung einen prächtigen Kranz nieder.
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Italiens Jugend bei Dr. Goebbels.
Festlicher E m p'f a n g d e r A v a n g u a r d i st e n im P r o p a g a n d a m i n i st e r i u m.
Den italienischen Jungsaschistcn wurde im Reichs Ministerium für Bolksaufklärung und Propaganda durch den Reichsminister Dr. Goebbels selbst, die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden und die Führer der «ationalsozialistischcn Organisationen aller Art ein großartiger Empfang bereitet, der wohl als der Höhepunkt de» Aufenthalts der Gäste angesprochen werden kann.
Vom Brandenburger Tor aus zogen die Jungfaschisten in ihrer kleidsamen Gala u n i f o r m unter Vorantritt der eigenen Kapelle über die Linden und durch die Wilhelmstraße am Palais des Reichspräsidenten und an der Reichskanzlei vorbei zum Ministerium. Auf dem ganzen Wege bildeten S Ä. -Männer ein dichtes Spalier und dahinter stand, Kops an Kopf gedrängt, das Publikum, das die Jungfaschisten
mit begeisterten Hëilrusen grüßte.
Vom Balkon des Ministeriums wehte neben den deutschen Flaggen die italienische Trikolore. Vor dem Ministerium hatte die Hitlerjugend mit ihrer Kapelle und die SS -Stab sw a ch c tm Stahlhelm Aufstellung genommen. Dann marschierten die Gäste in die Räume des Mi nistetiünls, die bald dicht besetzt waren.
oro>u>Kmj,;jNer Dr Göe b b cl 8, von den Juna faschisten b c geistert bejubelt, begrüßte zunächst den italienischen Botschafter Cerutti und den Führer der italienischen Jugendabordttung, Gigli, sowie die "bmgeu Offiziere. Nachdem die Faschistenhymne, von einer SS - Kapelle gespielt verklungen war, nahm Reichsminister Dr. Goebbels das Wort zu folgender Ansprache:
. „Ich möchte Sie nicht am Anfang diese» mehr in eichter Weise gedachtem Nachmittags ,ml emer politr chen Rede langweilen. Ich nehme auch an, daß ^ie m - eutsch- lond so viel Reden gehört haben, das; Sie sich ungesahr vorstellen können, wie das junge Deutschland arbeitet, denkt und empfindet. Lassen Sic n 11 d) deshad) ,u Ihnen Wir ein paar ganz wenige Sätze sprechen: ^d) wünsche, M Sie sich in unserem Lande in o h l s u h l c n 'Me i ab Sie einen Einblick gewinnen in die große A n sba ^ arbeit, die das junge nationalsozialistische Dent chland Ä leisten sich anschickt! Ich habe bei meinem Besuch n Ihrem Lande Gelegenheit gehabt, die großen ut- H“? 9 C " das faschistischen Italiens in den vergangenen nam ^ leniienzulcimcu und zu studieren. " Wnnâ^'^^âstd jurüdgcfommeii mit dem seh l
daß mein Land möglichst bald anch d Hohe r K u l 1 u r erreicht, die Italic n ,chon erreicht hat. zu lammen als junge, LMpfmdungöfählgerc he i V " uns. Sie sehen eine junge Generation an der Macht
mit dem ehrlichen Willen, daS Land wieder nufzu- b a u c n und den Staat wieder als gleichberechtigtes- Glied in den Kreis der Nationen zurückzuführen. Dieses junge Deutschland ist Italien und seinem bewunderungswürdigen Führer dankbar dafür, daß er in einer Zeit für unsere Rechte ein getreten ist, als das noch unpopulär war und unpopulär machte. Diese Dankbarkeit zu einem kleinen Teil bei Ihrem Besuch in Deutschland und vor allem in Berlin zum Ausdruck zu bringen, ist uns ein angenehmes Bedürfnis. Ich wünsche, daß Sie dieses junge Deutschland kennen und verstehen lernen und daß daraus sich eine Freundschaft dieser beiden Völker entwickelt, die auch für kommende schwere europäische Krisen durch halten wird.
Ich bitte Sie, von der warmen Sympathie der deutschen Regierung uüd des deutschen Volkes für Ihre Regierung, Ihr Land und Ihre Bewegung überzeugt zu sein und mit mir einzustimmen in den Ruf: Ihr Laud
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Der Flieger ves Reichskanzlers .erhält hohe italienische Auszeichnung.
Flugkapitän Baur, der . bekannte. . und bewahrte Flugzeugführer, der schon im vergangenen Jahre Adols Hitlers große Dentschlandflüge führte und beute alle Flugreisen des Führers durchführt, ist mit dem Orden „Corona d'Jmlia" und dem Rang eines „Cavaliere" ausgezeichnet worden.
Italien, sein König, seine faschistische Bewegung und Ihr bewundernswerter Führer Mussolini — Sieg-Heil!"
Für die italienischen Gäste brachte sodann deren Führer Gigli Hochrufe auf Deutschland ausi
Das Deutschlandlied beschloß die mit einem längeren geselligen Zusammensein der jungen italienischen Gäste mit ihren deutschen Kameraden verbundene Empfangsfeier. Bei seinem Ruudgana durch die Räume des Ministeriums wurde Minister Dr. Goebbels von den Jungsaschistcn, die ihn mm Teil schon von seinem Besuch in Italien her persönlich kannten, a u f d a s lebhafteste begrüßt.
Der Minister nahm dann den Vorbeimarsch der Gäste ab, um sich anschließend mit dem italienischen Botschafter und den Offizieren der. Avanguardistcu auf deu Saison des Ministeriums zu begeben, wo ihnen die Menge begeistert znsubcltc. Von dieser Stelle aus entbot Dr. Goebbels den durch die Wilhelmstraße abmarschicreu- dcn Gästen auch seinen Abschiedsgruß.
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Bei dem Empfang bei Dr. Goebbels überreichte noch Der Führer der Jungfaschisten, Gigli, dem Reichspropa- gandaminister das goldene Ehrenzeichen der Opera N a z i o n a l e B a l i l l a. Darauf brachte er ein Hoch auf den Minister aus.
Gebt dem Handwerk Aufträge!
Tic Fest- und Werbewochc des deutschen Handwerks.
"Nachdem in den letzten Wochen der Reichsstand und der Reichsverband des deutschen Handwerks bic_ ersten Vorbereitungen für die in der Zeit v o in 15. b i s •21. Oktober unter dem Motto „Se gen der A r b e i t s b e f ch a f f u n g i in k l e i ne n" in ganz Deutschland stattfindende F.e st - u ii b W e r bewo ch c des Handwerks getroffen haben, sind jetzt an die Organisationen im Lande Richtlinien für diese Veranstaltung gegeben tvorden. Die Vorarbeite n der Organisationen haben am ersten August begonnen. Das deutsche Handwerk will mit eigener Tatkraft an der Fertigstellung des Baues des deutscheu Hauses mitarbeiten, zu dem Reichskanzler Ä d o l s H i t l e r das Gerüst ausgestellt hat.
Hauptaufgabe der .Handwerker-Organisationen in der Oktober-Woche ist die M o b i 1 i f i e r u u a v v n Ä u s - tragen, die in deu letzten Jahre» ans Mangel an Vertrauen, ans Mangel an Geld und mich wegen über» schätzung der dabei anfzuivendenden Kosten liegengebtieben sind. D c u i s. ch c Qualitätsar b c i t wirb wieder zu ihrem Rechr komnien und das fast gänzlich verschwundene Kunsthandwerk zu neuem Leben erwachen. Der Handwerker wird unter Beweis stellen, daß er imstande ist, wahre Qualitätsarbeit würdig seiner Vorfahren zu leisten.
Arbeitsheschaffung ist Vertrauens- Maffung.
Es ist jetzt gerade ein Jahr her, als Deutschland im besonderen und die Welt im allgemeinen auf dem tiefsten Punkte ihres wirtschaftlichen Niederganges angekommen war; natürlich läßt sich das erst hinterher feststellen, während unmittelbar im August 1932 selbst jede Hoffnung auf eine Besserung oder zum mindesten auf ein Aufhören des weiteren Hinuntersinkens aufgegeben worden war. Wenn man doch von Hoffnungen sprach, so wurde das achselzuckend als eine Vermessenheit betrachtet. Jetzt, also hinterher, wissen wir, daß diese Wende in der K r i s e n e n t w i ck l u n g , die freilich immer noch kein unbedingtes Auswärts herbeiführte, nicht so deutlich sichtbar wurde, daß die unmittelbar später versuchte „Jnitial- züudung" oder „Ankurbelung" der Wirtschaft von oben her nicht einen wirklichen Dauererfolg erreicht hat und erreichen konnte. Zwar ist, wie gesagt, zunächst ein gewisser Erfolg erzielt worden, doch ging schon in den Winter- monaten wieder viel von dem verloren, was erreicht worden war.
Um so deutlicher spürt man daher den Unterschied zwischen heute und damals. Daß sich besonders nach dem 1. Mai, dem „T a g der Arbeit", bie besten und die stärksten Kräfte der nationalen Erneuerung auf das Gebiet der Arbeitsbeschaffung konzentrierten, daß man mit äußerer und innerer Energie über die zahlreichen äußeren und inneren „Wenn" und „Aber" früherer skeptischer Zeiten hinwegging, ja h i n w e g s p r a n g , war die recht eigentliche llrfadje dafür, daß jene Energie nun nicht etwa bloß einzelne kleine Schichten der Wirtschaft in entsprechende Bewegung setzte, sondern tief hinunter i n alle Kreise der Wirtschaftenden gedrungen ist und bringen konnte. Man hatte sich jahrelang den Kopf oder vielmehr die viel zu vielen Köpfe über die Methoden, die Finanzierung und die Ziele der Arbeitsbeschaffung zerbrochen und infotgedessen den Brei verdorben, noch ehe man ihn auf das Feuer gestellt hatte.
An die Stelle des Zweifels, m der Hoffnungslosigkeit von früher stellte sich erst auf leisen Sohlen, dann tapfer und zuversichtlicher auftretend nie ü b e r z e u g u u g ein, daß es nun doch vorwärtsgehe mit einer Arbeitsbeschaffung, die weit hinausging über das saisonübliche Maß. Hinzu kam die zweite Überzeugung^ daß es and), zwar langsam, aber doch sichtbar, mit der 11 n.j u n ktu - r e l l e n Beschäftigung in der Wirtschaft aufwärtsgehe. Man wollte, — und da war auch ein Weg zu sehen! Daß nun unter einer energiegeladenen Führung dieser Weg mit schnellen Schritten zurü^gelegt würde und zu Erfolgen führte, wie man sie in fernen kühnsten Träumen nicht geahnt hätte, hat nun einen Enthusiasmus hervorgerufen, der seinerseits wieder die feste Grundlage für die Arbeitsbeschaffung, nämlich das Vertrauen auf unsere weitere wirtschaftliche Entwicklung wie mit Betonklötzeu verstärkt hat. Arbeitsbeschaffung ist Bert r a u e n s - s ch a f f u n g und umgekehrt. Ist die Arbeitsbeschaffung nur etwas Äußerliches geblieben, etwas nur „Wirtschaftliche s", baun stände sie auf schwankender Grundlage, die wohl säum von Dauer sein würde. Was erst diese Grundlage festigt uud auch für die kommende Zeit tragfähig macht, das sind V e r i r a u e n s k l a m m e r n , die die mit der Arbeitsbeschaffung gelegten Grundsteine Zusammenhalten.
Durch Arbeitsbeschaffung zur Pertrauensschaffung zu kommen, ist gewiß auch das Ziel des a m er i k a n i s ch e n Strebens und Experimentierens. Ganz anders aber wie drüben sieht der Weg aus, der für D e n ! s ch l a u d gewählt und vorgezeichnet worden ist. diicht Währung s e u t w c r i u n g und Spekulation, auch nicht eine planmäßige Zerstörung des Unternehmungsgeistes der Arbeitgeber durch staatliche Kontrolle bis in den letzten Winkel der Betriebe hinein, nicht planlose Kredit- ausdehnung oder gewalttätige Preis- und Lohnregulic- rung sind die Etappen unseres Weges, sondern das gerade Gegenteil von all diesem. Verzicht auf jedes Experimentieren — das steht über dem Eingang zu diesem Wege, während Roosevelt ja erklärt hat, er würde vor immer neuen Experimenten durchaus nicht zurück schrecken!
Mißglückte Experimente fuhren aber nur zu neuen, noch schwereren Vertrauenserschütteruugen, und darum können wir Deutsche hoffen, daß wir ruhigen Schritts, ohne hin und her zu springen, zu dem Ziele der Vertrauensschafsung als dem ersten Haltepunkt gelangen, um dort deu endgültigen Neuaufbau unserer nationalen Wirtschaft zu beginnen und zu vollenden.
Friedliche kirchliche Zusammenarbeit.
Eine neue Bekanntmachung Staatssekretärs Pfundtner.
Der Bevollmächtigte des Reichsministers des Innern für bie Überwachung der unparteiischen Durchführung der Kirchcnwahlcn erläßt folgende Bekanntmachung:
Der kirchliche Wahlkampf hat für die Gcmeindeglicdcr in ihrer Gesamtheit mit dem 23. Juli b. I. seinen Ab schlnß^ gefunden. Auf Gruud der bisherigen Wabl Ergebnisse wird sich die Bildung der höheren kirchlichen Pertretungskörper reib u n g s l o s vollziehen. Ich gebe der Erivarttiüg Ausdruck, daß nunmehr ber Wille zu Friedlicher kirchlicher Zus a m m e na r b c 11 überall Platz greift. Die im ordnungsmäßigen Verfahren Gewählten stehen hierbei unter dem Schutz der Reichsregierung. gez. Staatssekretär Pfundtner."