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Zul-aer Anzeiger

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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg» Zulöa- und Haunetal »Zul-aer Kreisblatt

Reâaktion und Geschäftsstelle: Königftraße 42 Zernsprech-slnschluß Nr. 2484

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Nr. 184 1933

Fulda, Mittwoch, 9. August

10. Jahrgang

RMsmWßen im MMMMM.

Alsred Traun und Genoffen

im Konzentrationslager.

Auf Veranlassung der Geheimen Staatspolizei sind Die in die Korruption sasfärc beim Rundfunk verwickelten früherenGrößen" Alfred Braun, Direktor Mag n ii s, Intendant Flesch und Ministerialrat a. D. Gieseke in Schutzhaft genommen und in das Kon­zentrationslager Oranienburg übergeführt worden. Der frühere Direktor Knöpfte wurde in Oberhof ^genommen und nach Berlin übergeführt. Da er einen Slcrvenzusammenbruch erlitten hat, ist er zur Zeit im Staatskrankenhaus untergebracht worden.

Der ehemalige Reichskommissar, Staatssekretär a. D. Bredow hat an das Reichsministerium für Volksauf- tlüriing und Propaganda ein Telegramm gerichtet, in dem er erklärt, daß um den Rundfunkhochverdiente Männer" verhaftet und in ein Konzentrationslager ge­bracht worden seien. Er fühle sich mit diesen Männern verbunden und bitte um die gleiche Behandlung. Die Bezeichnunghochverdiente Männer" für die Herren Braun, Felsch, Magnus, Gieseke und Knöpfke beruht offen­bar auf einem Druckfehler. Es soll wohl heißenhoch­verdienende Männer", denn diese Herren haben sich ihreVerdienste" um den Rundfunk mit vielen hunderttausend Mark bezahlen lasten.

Die Festnahmen stehen im Zusammenhang mit der Aukdeckuna der unaebeuren Verschleuderuna öffentlicher

Auflösung der Stlsspolizei in Preußen.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteitt, hat der preußische Ministerpräsident und Minister des Innern, Göring, die Hilfspolizei, nachdem sie ihrer Zweck­bestimmung in vollem Umfange gerecht geworden ist, m i t dem August 1933 ausgelöst. Eine weitere Ausbildung findet daher nicht mehr statt. Die bisherigen Runderlassc treten mit Ablauf des 15. August 1933 außer Gültigkeit.

Sstlergruß in den preußischen Schulen.

Der preußische Kultusminister hat eine Verfügung erlassen, wonach in den preußischen Schulen sich Lehrer » u d S ch ü l e r gegenseitig und untereinander mit Hand- hcbcn zu grüßen haben. Es werde von jedem Deutschen erwartet, daß er diesen Gruß ohne Rücksicht darauf, ob er Parteimitglied sei oder nicht, als S y m bot des neuen Deutschland anwende. Den Schülern wurde diese Verfügung zum Beginn des ersten Schultages nach den großen Ferien während der Schulaufangöfeiern bckanntgegcbcu.

Kurze politische Nachrichten.

Im Monatsdurchschnitt Juli 1933 stellte sich die vom Statistischen Reichsamt errechnete R i ch t z a h 1 der Großhandelspreise auf 93,9 (1913 = 100); sie ist gegenüber dem Vormonat (92,9) um 1,1 Prozent gestiegen.

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Der bisherige Ständige Stellvertreter des General­direktors der Deutschen Reichsbahn, Dr. jur. Tr. rcr. pol. e. h. Wilhelm Weirauch, ist auf seinen Antrag ton seinen Dienstgeschäften entbunden und zunächst be­urlaubt worden An seine Stelle tritt der bisherige Präsi­dent der Reichsbahndirektion Köln, Wilhelm K l c r n - u> a n n. Der Reichspräsident hat die Ernennung Klein- ^anns bestätigt.

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Einem Aufruf des Ehrenpräsidenten der deutschen Beamtenschaft Pg Sprenger, folgend, hat die B e - u ni t e n a b t e i l u n g d c r R S D A P. innerhalb der ge- untcn Beamtenschaft eine Sammlung für dieOpfer der Arbeit" in die Wege geleitet. Vor etwa drei Wochen 'onntcii bereits 150 000 Mark für dieOpfer der Arbeit" ubgcführi werden. Weitere 150 000 Mark sind am Diens- ^6 überwiesen worden. Die Sammlung dauert fort

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Es besteht Veranlassung daraus hinzuweisen, daß es fettlos ist, dem R e i ch s w i r t s ch a s t s m i n, ste - u m Kredit- und Unterstützungsgesnche vorzulegen, da diesem Mittel zur Gewährung von Darlehen oder Bcl- , feu nicht zur Verfügung stehen. Ebenso ist die Vernntt- "Ng von Krediten oder die Befürwortung von Anträgen 'ei Kreditinstituten nicht möglich.

Mehrere deutsche Turner aus dem Saar- Gebiet, die an dem Deutschen Turnfest teU- flenommen hatten, sind nach ihrer Rückkehr von Stuttgart ? das Saargebiet von der französischen Dlrektwn der ^aargruben entlassen worden. Wie von zuständiger Wischer Stelle mitgeteilt wird, wird die Angelegenheit i?chgeprüft. Wenn die Untersuchung abgeschlossen wird der Öffentlichkeit davon Kenntnis gegeben

Gelder und der u n g c r c ch t f e r t t g t c n Bereiche­rung ans K o st e n der L f s e n t l i ch k e i t durch die Fcstgenommenen. Zur Inhaftnahme der Rundfunkgrößen wird noch ergänzend niitgeteilt, daß die Überführung ins Konzentrationslager notwendig gewesen sei wegen der Empörung der Öffentlichkeit. Man habe für die persönliche Sicherheit der Schädlinge Vorsorge treffen müssen. Im übrigen könne es für sic nur dienlich sein, wenn sie sich im Konzentrationslager an primitivere Ver­hältnisse gewöhnen würden.

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Meder drei marxistische Größen im Konzentrationslager.

Dafür sechs Verführte entlassen.

Das Geheime Staatspolizeiamt hat die drei früheren Reichstagsabgeordneten K ü n st l e r, Heilmann und Ebert, den ehemaligen Chefredakteur der sozialdemokra­tische-Brandenburger Zeitung" und Sohn des ersten Reichspräsidenten, in Schutzhaft genommen. Die drei Personen wurden in das Konzentrationslager Oranien­burg eingeliefert, wo die gesamte Belegschaft zu ihrem Empfang antrat. Für diese drei prominenten Marxisten werden sechs verführte Arbeiter, die sich bisher in Schutzhaft befanden, aus dem Oranienburger Kon­zentrationslager entlassen werden.

Bevorzugte Behandlung von Schwerkriegsbeschädigten.

Auf Wunsch Adolf Hitlers.

Der Reichskanzler hat aus Anlaß eines Einzel- falles den Wunsch ausgedrückt, daß der Schwerkriegs­beschädigte von allen Behörden und Dienst- st e l l e n mit der ihm gebührenden Rücksicht behandelt lvird. Dementsprechend hat der p r e u ß i s ch e F i n a n z- minister, zugleich im Ramen des Ministerpräsidenten, die nachgeordneten Behörden durch besonderen Rund- erlaß ersucht, hiernach zu verfahren und diesen Erlaß den ihnen unterstellten Beamten bekanntzugeben.

Von den Pionicrübungcn an der Weser.

An Stelle der Manöver, die aus Sparsamkeitsgründen in diesem Jahre ausfallen, werden Trup p e nÜbungen durchgeführt, unter denen die Pionierüb u n g en an der Weser besondere Beachtung verdienen. Im Mittel­punkt der Übungen steht die Überwindung der Fluß- abschnitte, die an die Pioniere hohe Anforderungen stellt. Unser obiges Bild schildert die Verankerung der Seile für die Fähre.

Eine eindeutige und selbstverständliche Aniwort.

Das Echo in Paris und London.

Auf die Vorstellungen der Botschafter Frankreichs und Englands in Berlin wegen der gespannten deutsch-österreichischen B e z i e h n n g c n hat die Rcichsrcgicrung eine eindeutige Antwort ge­geben. Sie enthält die selbstverständliche Fest­stellung, daß eine Anwendung des Viermächtcpaktes in Angelegenheiten, die Deutschland und Österreich berühren, nicht in Betracht komme. Sic hat ferner die sachlich be­rechtigte Feststellung getroffen, daß von Verstößen gegen die bestehenden Verträge der Reichsregierung nichts be­kannt ist, und die Aktion abgelehm. . .

Das Echo in Frankreich und England aus diese Ant­wort zeigt, daß besonders die französischen Blätter unumwunden einen diplomatischen Ak i ß g r i s f zugebcn. Besonders die Bernfnng ans den Vi e r e r p a k t .wird in jeder Beziehung als eine Ungeschicklichkeit bezeichnet. In der Londoner Presse gehen die Ansichten über die Haltung der Reichsregierung zu dem französisch-englischen Schritt anseinander. Während einige Blätter die Antwort der Reichsregierung als eineHerausforderung" be­zeichnen zu müssen glauben, sind andere der Meinung, daß der Reichskanzler trotz der schroffen Antwort zu mäßigen wünsche.

Die Vorbereitung des Reichsyarteitages derASDAP.

Oberbürgermeister Liebel-Nürnberg berichtet.

Der Nürnberger Oberbürgermeister Willi Liebel hielt eine Rundfunkansprache über die Vorberei­tungen für den R e i ch s p a r 1 e i t a g , in der er u. a. ausführte: Nur wenigen Hunderttausenden von den Mil­lionen und aber Millionen, die teilnehmen möchten, werde dies gestattet werden können. Den anderen allen aber werde Gelegenheit gegeben werden, am Rundfunk diese herrlichen Tage mitzuerleben. Fieberhaft müsse Tag und Nacht gearbeitet werden, um in den wenigen Wochen, die noch zur Verfügung stehen, die Riesenarbeit zu be­wältigen. Die Leitung der gesamten Organisation der Vorbereitung des Reichsparteitages liege in Händen des Reichsinspekteurs Schmeer von der Obersten Leitung der PO. Dieser Organisationsleitung des Reichspartei- tages unterstehe auch das Quartieramt der Politischen Organisation, das die Erfassung" sämtlicher Massen-, Hotel- und Privatquartiere in Nürnberg und Umgebung bereits durchgeführt habe. Die Versendung der an­nähernd 3 0 0 0 0 Quartierzettel an die Gau­leitung erfolge noch im Laufe dieser Woche.

Die Aufmarschleitung der Herbstparade der SA., die im Laufe des Parteitages am Sonntag, dem 3. September, in Gestalt einer Paradeaufstellung auf dem neugestalteten Aufmarschgelände im Luitpolv-Hain und eines Vorbei­marsches in Zwölferreihen auf dem Adolf-Hitler-Platz stattfindet, habe der Münchener Polizeipräsident, SA.- Obergruppenführer Schneidhuber.

Hunderte von arbeitslosen Parteigenossen konnten zur Durchführung der Vorarbeiten schon eingestellt werden und Dutzende von Handwerksmeistern haben bereits um­fangreiche Aufträge erhalten. Zur Versorgung der Massen- quartiere und der Zelte der SA., SS. und HI. mit Stroh werde bereits jetzt mit einem Gesamtbedarf von 40 000 Zentnern Roggenstroh heuriger Ernte gerechnet. Für die Errichtung von Tribünen würden 4000 Festmeter Holz benötigt. Die Umgestaltung des Luitpold-Hains und die Vergrößerung der Tribünen erfordern allein crwa 7000 Taaesschichten für Erdarbeilen.

Gute Fortschritte der ArbeitSWIacht

Von allen Seiten laufen neue Meldungen ein über den c r f o l g r e i ch e n K a in p f g e g e n d i c A r b c i t s- losigkeit und über das Freiwerden immer neuer Kommunalverbände von Arbeitslosen. Besonders auf­schlußreich ist die Statistik über die Zunahme der Be­schäftigten vom Januar bis Juni 1933 in den einzelnen Landesarbeitsamtsbezirken. Danach haben Beschäftigung wiedergefunden zum Beispiel in Ostpreußen < 9 000, in P o m m ern 70 000, in Westfalen 121 000, tu Schlesien 159 000, in B ayern 214 000. An der Spitze steht Brandenburg mit 277 000 Wieder- beschäftigten, wobei besonders zu berücksichtigen ist, daß die Stadt Berlin hierbei einbezogen ist, in der die durch die Landwirtschaft anderwärts erzielte faifonmäßige Ab­nahme der Arbeitslosigkeit keine Rolle spielt.

Völlig frei von Arbeitslosigkeit sind erneut folgende Bezirke: die Landkreise Haveln und Kehdingen (Stade), die Inseln Fehmarn und Land Ratzeburg, der Landkreis Grevesmühlen (Mecklenburg) und der Kreis Fraustadt (Grenzmark). Von den 110 Landgemeinden des Kreises Schweiditz im Regierungsbezirk Merseburg sind 80 frei geworden, von den 146 Wcslprignitzcr Ge­meinden sind es 119.

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Die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversichcrnng mußte Mitte Juli die Ver­mittlung von L a n d h e l f e r n sperren, da wertere Mittel zunächst nicht zur Verfügung standen, obwohl die Nachfrage bei den arbeitslosen Jugendlichen und den Landwirten sehr groß war. Wie wir von nnterrrchtetcr Seite hören, hat jetzt das Reichsfinanzministerinm neu e Aki 1 tel für diesen Zweck freigcmacht, die es ermöglichen, bis zu rund 20 0 0 00 Landhelfer mit staatlichen Zuschüssen unterzubringen, nachdem bereits Mitte otiH insgesamt 145 000 Landhelfer Stellung gefunden hatten.

Heue WirischastSbettiebe der Gemeinden werden nicht mehr errichtet.

Der preußische Minister des Innern bat an die Nachgeordneten Behörden folgenden R und- erlaß gerichtet:

Die wirtschaftliche Betätigung der Ge­meinden und Gemeindevcrbände hat in der Nachkriegszeit in zahlreichen Fällen einen U m s a n g angenommen, der in den Kreisen der Privatwirtschaft zu oft b c g r ü n - detcn Klagen Anlaß gegeben hat; namentlich in der Inflationszeit haben Gemeinden und Gemeinde- verbände Wirtschaftsumernchmungen auf dem Gebiete der Industrie, des Handels, des Handwerks oder des Verkehrs begründet oder sich an derartigen Unternehmun­gen beteiligt, ohne daß ein öffentlicher Zweck für eine derartige Wirtschaftsbetätigung der Gemeinden vorlag. Gegen eine Fortsetzung dieser Entwicklung bestehen unter wirtschaftspolitischen Gesichtspunkten erheb­lichste Bedenken.

Ich erwarte daher, daß die Gemeinden und Gemeinde verbände insbesondere im Interesse des gewerblichen M i t t e l st a n d e s von jeder Einrichtung neuer wrrt- schLfÜicher Betriebe -der der Übernahme neuer Betriebs­zweige durch bestehende Betriebe Abstand nehmen.