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Zulöaer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1.70 NM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag: Christinn Seipel, Fulda. Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt

Reöaktlon und Geschäftsstelle: Königstraße 42 v Zernsprech-flnsthluß Nr. 2989

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Nr. 190 1933

Fulda, Mittwoch, 16. August

10. Jahrgang

Rekordleistungen der Reichsbahn.

Ungeheure Muschentransporle.

Nach Trier, zum Deutschen Turnfest und zum Nürnberger Parteitag.

Parteitage, Versammlungen und Feste haben in diesem Sommer der Reichsbahn Gelegenheit zu Leistungen gegeben, wie sie seit den Jahren des Weltkrieges mcht mehr wieder vorgekommen sind. . .

Die Ausstellung des H e i l i g e n R o ck s i n T riet, der etwa eine Million Menschen in durchschnittlich weiundzwanzig Zügen j e T a g herangefuhrt werden müssen, ist eine organisatortsche Leistung von b^ deutendem Ansmatz. Die tägliche Zugzahl steigert sich teilweise bis zu siebenunddreitzig Zügen. Immerhin ver­teilt sich aber diese Bewegung auf etwa sechs Wochen. ,

Bedeutend konzentrierter und daher auch sehr viel schwieriger war die Leistung zu dem S t u t t g a r t e r Turnerfest, etwa 250 000 Teilnehmer auf der Eisenbahn aus allen Gegenden Deuftchlands im Zeit­raum von etwa zwei bis drei Tagen nach der ^eftftabt Stuttgart heranzuführen. Daneben lies an den Festtagen noch ein gewaltiger Verkehr der Zuschauer aus der näheren und weiteren Umgebung Stuttgarts, der noch einmal dieselbe Zahl erreichte.

Alle bisherigen Bewegungen aber werden übertroffen von den Transporten zu dem

Parteitag der NSDAP. in Nürnberg.

Der Neubau des Mittelstandes.

Die stmorgamfaiion des Kampsbundes für den gewerblichen Mittelstand.

Der Reichsleiter des Kampfbundes für den gewerb­lichen Mittelstand, Dr. von Renteln, hatte die bis­herigen Gankampfbundleiter aus dem Reich noch Neuen­ahr'zu einer außerordentlichen Besprechung eingeladen. Diese galt der Umorganisierung des bisherigen Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand gemäß den Anordnungen des Leiters der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley. Wie für die A r b e i t n e h m e r d r e N S B O., ivird bekanntlich ähnlich für den gewerblichen Mittelstand eine nationalsozialistische Handwerks-, Handels und Gewerbetreibenden-Organisation (NS. Ha.- G.O.s geschaffen als Gesamtverband des Handwerks, Handels und Gewerbes des ganzen Reiches, die in der großen deutschen Arbeitsfront vertreten sein soll. Aus­genommen werden in diese Organisation nur Volks­genossen, die vor dem 1. Mai 1933 Kampfbundmitglied ivaren. Zu der gleichen Zeit wird ein Gesamt- Verband v o n H a n d e l, H a n d w e r k u n d G e - tv e r b e (G. H. G.) geschaffen. In diesem Spitzenverband sind alle deutschen Spitzenverbände des gewerblichen Mittelstandes organisiert.

Die bisherigen Ziele des Kampfbundes für den gewerblichen Mittelstand, die neben der Schulung und Er­ziehung auch wirtschaftliche Erfolge für den Mittel­stand erstrebten, sind abgelöst worden und konzentrieren sich jetzt auf die Erziehung des Mittelstandes im Geiste des Führers Adolf Hitler. Stabsleiter Sohns wurde zum Reichsschulungsleiter der NS. Ha. G. O. und des G.H.G. ernannt.

Auf der Tagung hielt Pg. Dr. v o n R e n t e l n eme mehrstündige Rede, in der er u. a. sagte, daß nach der Auseinandergliederung des Kampfbundes des gewerb­lichen Mittelstandes

neue große verantwortungsvolle Aufgaben den jetzt geschaffenen Organisationen bevorständen. Die Tage des Kampfes um die Eroberung der Macht seien vorbei. Jetzt handele es sich darum, durch die Er- i e h u n g der H a n d w e r k e r , Handel s - und Gewerbetreibenden zur Idee Adolf Hit­lers den Gedanken der nationalsozialistischen Volks­bewegung fest in diesen wichtigen Teil des deutschen Vol­kes zu verankern. Pflicht jeden Mitgliedes beider Orga­nisationen sei daher

Selbsterziehung, Wirken und Werben im nativnal- sozialistischen Sinne,

Nm unter Hintanstellung der eigenen beruflichen und fach­lichen Sonderintereffen das Ethos der natlonalsozlattstt- schen Wirtschaftsaliffassung in die Tat umzusetzen. Nicht b'e Wirtschaft allein dürfe der Ansatzpunkt zur Umgestaltung der Dinge sein, sondern die national- â i a l i st i s ch e Haltung des Menschen i N d e r Wirtschaft sei das Ausschlaggebende.

*

Restlose Beruhigung der Wirtschaft.

Die Pflicht der Einzelhandelsbettiebc.

.. Staatssekretär F e d e r hat in Vertretung des Rerchs- ^sichaftsininisters an die Schriftleitung des Fachblattes -'Überblick-, Organ des Reichsverbandes der Mrttc - Großbetriebe des Deutschen Ernzel- standels- in Beantwortung einer Anfrage em Schrei­ben neridHet. worin es heißt, daß nach der Auffassung

Nicht weniger als 33 5 ooo Nationalsozialisten sind von der Neichsparteileitung für den Transport mit der Eisenbahn aus allen Gauen Deutschlands angemeldet. Es gilt, diese Hunderttanseude innerhalb zwei und drei Tagen nach Nürnberg heranzuführen und sie in etwa ein oder anderthalb Tagen wieder der heimischen Arbeits­stätte zuzuführen. Nicht weniger als 15 0 0 Fahr­pläne für Voll- und Leerzüge und Lokomotivfahrten mutzten aufgestellt werden, etwa

350 Sonderzugparks

müssen zusammengestellt werden. Die Züge werden nach den Porbahnhöfen Nürnbergs geleitet, wo die Teilnehmer ihr Quartier finden werden. Es ist unmöglich, diesen gewaltigen Zugpark aus den Gleisanlagen Nürnbergs, selbst unter Zuhilfenahme des grotzen Rangierbahnhofs, abzustellen, denn sie bedecken eine Gleislänge etwa von Frankfurt (Mains bis Bruchsal. Die großen Bahnhöfe im Umkreis von bis zu 100 Kilometer um Nürnberg, wie Regensburg, Würzburg, Ingolstadt, müssen zu Hilfe genommen werden. Der Transport der Güter dars wäh­rend dieser Bewegung nicht behindert werden. Er muß auf Umwegen der großen Persouenbewegung aus dem Wege fahren und dennoch pünktlich sein Ziel erreichen.

Man darf der Organisation der Reichsbahn und der Tüchtigkeit ihres Personals zutrauen, daß sie auch dieser Ausgabe im vollsten Matze gerecht werden wird und damit das Ihre zu dem Gelingen dieses deutschen Volkstages beiträgt.

des Reichswirtschaftsministeriums für die Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels kein Anlaß besteht, in ihren Dispositionen zurückztzbalten in der Befürch­tung, daß wirtschaftspolitische Eingriffe in den nächsten Monaten eine starke Beschränkung der Unternehmungen herbeiführen.

Das Reichswirtschaftsministerium trägt für eine rest­lose Beruhigung der Wirtschaft Sorge. Es erwartet andererseits von allen Unternehmungen, daß sie durch ver­trauensvolle Disposition den Wiederaufbau der deutsche« Wirtschaft fördern.

Unbeschadet einer späteren grundsätzlichen Lösung der Großbetrie bsfraae im Einzelhandel werden in den nächsten Monaten alle Maßnahmen dem großen Ziel untergeordnet werden müssen, allen Volks­genossen Arbeitsplätze zu beschaffen. Der Reichsverband als Spitzenorganisation der Mittel- und Großbetriebe des Deutschen Einzelhandels hat deshalb die Pflicht, alle seine Mitgliedsfirmen nachdrücklichst auf­zufordern, ihre Umsatzkraft durch eine stetige und langfristige Auftragserteilung in den Dienst des Wiederaufbaus der Wirtschaft zu stellen.

Verleumder Scheidemann muß sich selbst der Lüge bezichtigen.

Freilassung seiner in Schutzhaft genommenen Verwandten.

Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit:

Der ins Ausland geflüchtete ehemalige Reichskanzler S ch e i d e m a n n hatte befanntlid) in derNew Bork Times" einen wüste n Hetzartikel veröffentlicht, in dem er sich nicht scheute, selbst militärische Interventionen gegen Deutschland zu fordern. Daraufhin sind auf Ver­anlassung des Geheimen Staalspolizeiamtcs die in Deutschland lebenden Verwandten Scheidemanns in Schutzhaft genommen worden. Inzwischen hat Schei­demann in einer öffentlichen Erkl ä r u n g den unter seinem Namen erschienenen Artikel als eine Fäl­schung hinzustellen versucht. Gleichzeitig haben die auf Grund dieses Vorfalls in Schutzhaft genommenen Ver­wandten bargetan, daß sie sofort nach Erscheinen des Heyartikels ihre Beziehungen zu Scheidemann a b - gebrochen und auch derNew Aork Times" ihren tiefsten Ab scheu über das landesverräie- rische Verhalten ihres Verwandten zur Kenntnis ge­bracht haben.

Die vom Geheimen Staatspolizeiamt getroffenen Maßnahmen haben somit erreicht, daß Scheidemann in aller Öffentlichkeit von seinem eigenen Machwerk a b - gerückt ist. Die in- und ausländische Presse hat bei dieser Gelegenheit zur Kenntnis nehmen können, wie ein sozialdemokratischer Emigrant seine Verleumdungen gegen Deutschland selbst Lügen strafte. Aus Grund dieser Feststellungen hat die Geheime Staatspolizei die in Schutzhast genommenen Verwandten Scheidemanns frei- gelassen.

Es ivird in diesem Zusammenhang darauf Hin­geiviesen, da auch in künftigen Fällen m i t u n n a ch - sichtiger Schärfe dnrchgcgrifsen wird, falls ge­flüchtete marxistische Elemente vom sicheren Ausland ans gegen ihr Ehemaliges Vaterland zu Hetzen versuchen.

Alberne polnische Hetze.

Tendenziöse Erfindungen zum Absturz der litauischen Flieger.

Bekanntlich hatte ein aus höheren litauischen Offi­zieren, Flugsachverständigen usw. zusammengesetzter Unter­suchungsausschuß in Kowno einwandfrei feftgestelli, daß der tragische Absturz der beiden litauischen Ozeanflieger in der Nähe von Soldin (Neumark) aus Brennstofsmangel, ungünstiger Witterungsverhältnisse und starke Ermüdung der Flieger zurückzuführen war.

Trotzdem behauptet jetzt plötzlich die polnische Agentur Ceniroradio", daß die Leichen der litauischen Ozean­flieger exhumiert worden seien und daß man bei genauer Untersuchung in dem Körper des einen Fliegersdrei Kugeln gefunden" habe. Außerdem habe man in dem einen Sarg drei Hände gefunden, woraus die polnische Agentur schließt, daß die Leichen der litauischen Flieger von den deutschen Behördenin größter Eile in die Särge gepackt" worden seien. Dieselben törichten Märchen verbreitet anscheinend aus der gleichen Quelle eine rumänische Tageszeitung.

Es ist wirklich beschämend, daß der tragische Tod der beiden litauischen Flieger immer wieder in der törichsten Weise zu einer skrupellosen Deutschen Hetze ausgenutzt wird. Im übrigen fällt es aus, daß aus­gerechnet eine polnische Agentur bei den bekanntherz­lichen" Beziehung zwischen Polen und Litauen so gut über diesen Fall unterrichtet sein sollte.

Unerhörte Knebelung deutscher Zeitungen in der Tschechoslowakei.

EmpfangBerlinerPress^funksverboten!

Die tschechische Regierung hat zu einem neuen Schlag gegen das deuschsprachige Zeitungswesen ausgeholt.

Das Prager P o st m i n i st e r i u m hat einer Reihe deutscher Zeitungen in der Tschechoslowakei die ihnen seinerzeit erteilte Bewilligung zur Aufnahme des von der Nachrichtenagentur Telegraphen-Union Berlin verbrei­teten Presserundfunks widerrufen! Die Tatsache, daß diese Nachricht zuerst in einem sozialdemokra­tischen tschechischen Blatt veröffentlicht wird, zeigt, wer allein an dieser unverständlichen Maßnahme interessiert ist: Das sind niemand anders als

die tschechischen Marxisten,

die offenbar befürchten, daß die von der Telegraphen- Union verbreiteten einwandfreien Tatsachenberichte über das nationalsozialistische Deutschland der marxisti­schen Hetze Abbruch tun könnten. Die Frage ist ferner, was die tschechische Regierung damit erreichen'will, daß sie die Verbreitung der Wahrheit über Deutschland in ihrem Lande unmöglich macht.

DieBegründung" des Verbots

ist dazu wohl doch zu wenig fundiert. Die tschechischen Behörden haben u. a.beanstandet" daß Revisionsreden und Artikel Mussolinis von der TU. wiedergegeben wur­den, ebenso kritische italienische und französische Stimmen, die sich mit der Kleinen Entente und ihrer Politik befaßten! Darin sieht die tschechoslowakische Behörde einenBeweis" für einerevisionistische Propaganda"! Als ob -es journalistisch angängig wäre, Reden des italienischen Ministerpräsidenten mit Stillschweigen zu übergehen . . .

Lang unterdrückte Wahrheiten.

Der Deutsche, der in den letzten Tagen die englische Presse beobachtet hat, kann feststellcn, daß sich An­zeichen für ein besseres Verstehen oder Ver­stehenwollen Deutschlands zeigen. Wir teilten unseren Lesern bereits die Äußerungen des englischen Umverp- tätsprofcssors Beezley im LondonerDaily Telegraph mit. Bemerkenswert ist auch ein Artikel des Berliner Berichterstatters derMorningpost", der seinen Feiern ruhig und sachlich die Gründe auseinanderzusetzen ver­sucht, w a r u m das deutsche Volk sich um Hitler schart. In derTimes" erscheint ein Artikel über die neue deutsche Kultur, die dem Leser zeigt, tote die Heranwachsende Jugend Deutschlands sich von der materialistischen Seite der Lebensauffassung abwendet.

Man müsse

wahrhafte Sympathie

mit den Bemühungen der Zehntaufende junger Deutscher haben die nach 15 Jahren der Erniedrigung für ihr Land wieder den Platz an der Sonne gewinnen ^^Bemerkenswert sind in derTimes" die Zuschriften der letzten Tage von englischen Reisenden, die den Behauptungen über eine angeblich schlechte Behand­lung von ausländischen Reisenden in Deutschland durch Zollbeamte, SA. usw. entgegentreten. So schreibt ein General, der Westdeutschland mit seinem Kraftwagen besucht hat, daß er überall der größten Höflichkeit und dem größten Entgegenkommen begegnet sei. Selbst der sozia- iistischeDaily Herald" kann nicht umhin, anzuerkennen, daß der Angriff auf die E r w c r b s l o s i g k e i t in Deutschland sehr großzügig sei.

Jugendliche machen ihren Vätern Platz.

Wie der PPD. meldet, hat die Werksleitnng der Hohl- und Tonsteinwerke in Schöningen allen Jugend­lichen, deren Väter erwerbslos seien, gekündigt, mit der Maßgabe, daß die erwerbslosen Väter die frei­werdenden Arbeitsplätze übernehmen, während die Jugendlichen im Arbeitsdienstlager Unterkunft finden sollen.