Zulöaer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa- und Haunetal-Zuldaer Kreisblatt
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Nr. 191 — 1933
Fulda, Donnerstag, 17. August
10. Jahrgang
3ur Klärung des Reichstagsbrandes.
Mekannles Material zum Reichstagsbrand?
Schreiben des Oberreichsanwaltes an den Schweden Branting und den Franzosen Rolland.
Für den Herbst steht bekanntlich der Beginn des Prozesses gegen die Reichstagsbrandstifter bevor. Der O b erreich s a n w a l 1 hat nun an den schwedischen Rechts ainvalt Branting und an bett französischen Schriftsteller Romain Rolland Schreiben gerichtet, in denen er sie bittet, ihm das ihnen angeblich zur Berfügung stehende „Material" zur weiteren Auswertung zu übersenden. . ,
Wie die dänische sozialdemokratische Zeitung „Sozialdemokraten" im Juli meldete, hatte Rechtsanwalt Branting gegenüber einem Berichterstatter behauptet, er sei Mitglied einer „Kommission international anerkannter Juristen", die demnächst im Haag ein Gutachten darüber abgeben würde, was in der Reichstagsbrand-Sache von ihnen „für recht und richtig" erachtet werde, und zwar auf
Untrügliche Besserungszeichen.
Anhaltende konjunkturelle Vefferung der Mirtschastslage.
Die Beschäftigung der Industrie nahm im ersten Halbjahr 1933 in fast allen Zweigen beträchtlich zu. Die Zahl der beschäftigten Arbeiter ist gegenüber dem saisonmäßigen Tiefpunkt im Januar um 15 Prozent gestiegen. Die Gesamtzahl der tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden hat sich sogar u m 25 P r o z c n t e r h ö h 1; die Wirtschaftsbelebung ist also noch stärker, als aus der Zunahme der Beschäftigtenzahl hervorgcht. Dementsprechend ist auch die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit eines Arbeiters von 6,7 Stunden im Januar auf 7,2 im Juni gestiegen.
Die Beschäftigung steigt zwar in jedem Jahr in den Frühjahrsmonaten. Indes ist die Zunahme dieses Mal stärker als in den letzten Jahren; sie kann also aus saisonmäßigen Gründen allein nicht erklärt werden. Die Entwicklung seit Januar 1933 stellt vielmehr eine konjunkturelle Besserung der Wirtschaftslage dar, die in beträchtlichem Umfang durch die Maßnahmen der Reichsregierung zur Arbeitsbeschafftcng bedingt ist.
Am stärksten hat sich der Fahrzeugbau belebt. Durch die Steuererleichterungen für Kraftfahrzeuge hat sich der Absatz besonders von Kraftwagen so erhöht, daß die Beschäftigung der Kraftwagenindustrie fast den Stand von 1 9 2 9 erreicht hat. Der Saisonanstreg hält auch viel länger an als in den Vorjahren; während der Höhepunkt in den früheren Jahren im Mai erreicht war, ist die Beschäftigung in diesem Jahr noch im Juni gestiegen. Auch in der F a h r r a d i n d u st r i e ist dre Zunahme beträchtlich, schwächer dagegen in der Kraftrad- industrie.
Innerhalb der Verbrauchsgüterindu str l e ist die größte Belebung in den Industriezweigen fest- Ulstellen, die Hausrat und Gegenstände für den W o h n b e d a r f Herstellen. In dieser Gruppe ist die Beschäftigung so stark gestiegen, daß fast der Beschäftigungs- Hand von 1931 wieder erreicht worden ist. Die Belebung dürfte in beträchtlichem Umfange auf die Maßnahmen der Reichsregierung für Arbeitsbeschaffung zurückzufuh- ren sein, die im Gegensatz zu früheren Aktionen so breit angelegt sind, daß sie auch die Geschäftstätigkeit der Ver- Hraucksgüterindustricn (Ehestandsdarlehen) unmittelbar beeinflussen. Nur wenig geringer ist die Zunahme in der Bekleidungsindustrie. — Im Einklang damft steht der
Rückgang der Zahl der Konkursanmeldungen, der gegenüber dem ersten Halbjahr 1932 etwa 43,4 Prozent betrug, für die Vergleichsverfahren wgar 76,0 Prozent. Der Anteil der mangels Maße abgelehnten ^onkursanträge an der Gesamtzahl der neuen Konkurse beträgt 18,4 Prozent im ersten Halbjahr 1933 gegenüber 36,2 Prozent im gleichen Zeitraum des Vorlahres; die Konkurseröffnungen sind also erheblich starker zuruck- gegangen als die restlosen Zusammenbruche. Diese Erscheinung darf nicht in vollem Umfang als eme Verschärfung der Zusammenbrüche überhaupt gedeutet werd en, da d'e Zahl der mangels Masse abgelehnten Konkursantrage nach den bisherigen Beobachtungen den Konjunkturschwankungen weniger ausgesetzt ist als die der er offne en
Der starke Rückgang der Konkurse und Vergleichsverfahren ist aber andererseits anundfur sich noch t» Zeichen einer Besserung der Wirtschaftslage. Zeiten Vierteljahr 1933 - besonders im Juni — ist der Ruck- Sana der eröffneten wie auch der mangels gelehnten Konkurse und der Vergleichsversahre a ^ngs so stark, daß er auch als Ausdruck einer Zun h °es wirtschaftlichen Vertrauens zu werten ist.
Der Rückgang der Wechselproteste.
^ ersten Halbiabr 1933 gegenüber der gleichen Dena, r.»
Grund „tatsächlicher Aussagen aus erster Hand ttnb Berichte". Der Oberrcichsanwalt legt selbstverständlich Wert darauf, dieses den deutschen Behörden noch unbekannte „Material* ebenfalls fennengut einen, um es bei der Führung der Anklage verarbeiten zu können — sofern es sich wirklich um wahre und zweckdienliche Angaben handeln sollte und nicht etwa um irgendwelche Erfindungen oder gar böswillige Behauptungen aus irgendwelchen Emigrantenkreisen.
Der französische Schriftsteller Romain Rolland seinerseits hatte in einem an den deutschen Botschafter in Paris gerichteten Schreiben erklärt, er müsse die als Mittäter bei der Reichstags-Brandstiftung beschuldigten Bulgaren nach den ihm vorliegenden Erkundigungen für unschuldig halten. Der Oberreichsanwalt bittet auch ihn um Überlassung seiner Unterlagen, um den Sachverhalt restlos aufzuklären und etwa für die Unschuld der Angeklagten vorliegende Anzeichen nachprüfen zu können.
Die deutsche Anklagebehörde hat damit alle Möglichkeiten zur völligen Klarstellung des Falles ausgenutzt. Es wird sich ja nun herausstellen, was an den Behauptungen der Herren Branting und Rolland dran ist.
zeit betrug der Anzahl nach 42,2 Prozent und dem Gesamtbetrag nach 57,2 Prozent. Der Durchschnittsbetrag je Protestwechsel ist von 182 auf 135 Mark gesunken, die Protestquote von rund 6 pro Tausend auf rund 3 pro Tausend. Die niedrigen Zahlen der Wechselproteste in den letzten Monaten stehen mit dem auf anderen Gebieten deutlich sichtbaren Zeichen der wirtschaftlichen Belebung, im Einklang.
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Der vorstehend wiedergegebene Bericht über die Entwicklung des Arbeitsmarktes in Deutschland widerlegt klar die wirtschaftlichen Grenel mel dun - gen, mit denen gewisse Teile des Auslandes noch immer gegen das nationale Deutschland wühlen zu dürfe,» glauben. Immer wieder liest man in ausländischen Blättern, die deutschen Berichte über den Rückgang der Arbeitslosenzahlen seien „gefälscht" und die Abnahme der deutschen Ausfuhr sei nicht zu leugnen. Nun, der vorstehende Bericht beweist mit unwiderleglichen Zahlen und Sachangaben, daß und warum die Arbeitslosigkeit in Deutschland tatsächlich in einem so erstaunlichen Maße zurückgegangen ist, wie man es noch zu Brünings Zeiten für unmöglich gehalten hätte, klnd daß die deutsche Ausfuhr zurückgcgangen ist, hat bisher noch niemand in Deutschland bestritten, aus dem einfachen Grunde nämlich, weil es der nationalen Regierung Hitler wirtschaftspolitisch zuerst auf das Wichtigste, auf die Stärkung des Binnenmarktes, ankommt. Gerade die aber wird ebenfalls durch den vorstehenden Bericht klar bewiesen.
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0er Kamps geht weiter!
Ausnubung des ostpreußischc« Arbcitssicgcs.
Oberpräsident Koch hat aus Anlaß des Abschlusses des Kampfes gegen d i e A r b e i t s l o s i g k e r 1t n Ostpreußen drei Aufrufe, und zwar an d»e Arbelter- schaft und die Bauern Ostpreußens sowie an d»e Bchördenchefs erlassen. .
In dem Aufruf an die Arbeiterschaft Helpt es u. a.: Die Arbeitsschlacht, die Wir in diesem Monat schlagen, muß auch in den nächsten Monaten und Zähren weiter durchgekämpft werden« Diese Arbeitsschlacht ist nur ein Schritt auf dein Wege zu dem uns vor Augen stehenden Ziel. Der Weg zu diesem Ziel ist hart. Soweit ich die Härte mitbern kann, wird das geschehen, aber wir alle müssen zusammen diese harte Zeit durchschreiten.
Der Aufruf a n d i e Bauern endet mit den Worten: Wenn unser Führer sich zu dem Grundsatz bekannt hat: „Der Bauer ist das Fundament des Staates", so gilt dieses Wort ganz besonders für unsere Provinz Ostpreußen. Ich habe das Vertrauen, daß auch für das Bauerntum die Stunde seiner wirtschaftlichen und damit seelischen Sicherung bald schlagen wird.
In dem Aufruf an alle Be h ö r d e n ch e j s in Ostpreußen heißt es n. a. Schwieriger als das hinter uns liegende Werk ist das Ziel, das noch vor uns liegt, nämlich den erreichten Erfolg auf der ganzen Linie zu erhalte»» und ein Z u r ü ck f l n t c n der Arbeitslosen, insbesondere im Winter soweit Wie möglich zu verhindern. Ich rufe in dieser Stunde erneut die Behörden auf, mir wie im vergangenen Monat bei dieser Arbeit treu, einmütig und opferwillig zur Seite zu stehn».
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, /Freund und Helfer des deutschen
Arbeiters!"
Ehemalige ostpreußische Erwerbslose danken Ober- präsident Koch.
Iw Königsberger Oberpräsidium kamen 38 Vertreter der Kreise Ostpreußens zusammen, um dem Oberpräsidenten und Gauleiter Koch ein Glück
wunschschreiben zu übermitteln. Es handelt sich hierbei um ehemaligeArbeitslosc,die durch das Arbeitsbeschaffungsprogramm Lohn und Brot erhielten. In dem Glückwunschschreiben heißt es u. a.:
Wenn am heutigen Tage aus allen Kreisen der Provinz Vertreter der deutschen Arbeiterschaft nach jahrelanger Erwerbslosigkeit endlich wieder in Lohn und Brot gekommen sind und damit einer verheißungsvollen Zuknnft entgegengeführt wurden, vor Ihnen stehen und den Dank aller ostpreußischen Arbcits- kameraden für dieses Werk aussprechen wollen, so geschieht das mit dein Bewußtsein, in Ihnen, hochverehrter Gab- leiter und Oberpräsident den Freund und Helfer des d e u t s ch e n A r b e i t e r s gu wissen, dessen lang- j ä h r i g e r K a m p f um die Eingliederung des deutscher» Arbeiters in den Produktionsprozeß durch den Erfolg des heutigen Tages eine Genugtuung gefunden hat. Der ostpreußische Arbeiter wird Ihnen diesen Tag nicht vergessen und durch treue Gefolgschaft gegenüber dem Führer des deutschen Volkes, Adolf Hitler, und seinem ostpreußischen Gauleiter Erich K o ch zu danken versuchen.
Glückwunschtelegramm Hindenburgs an Oberyräsibent Koch.
Der Reichspräsident hat an den Oberpräsidenten und Gauleiter K c ch folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: Für Ihre Meldung von der überwim bung der Arbeitslosigkeit in der Provinz Ostpreußen danke ich Ihnen herzlich st. In aufrichtiger A^» - erkenn»ng Ihrer Arbeit beglück»vünschc ich Sic zu diesem schönen Erfolg auf dem Wege der Gesundung unseres Wirtschaftslebens.
Gebt Land als Spende der Arbeit!
Ein Aufruf des GauleitersPommern.
Die Bauleitung Pommern der NSDAP, veröffentlicht einen Aufruf, in dem die Großgrundbesitzer aufgefordert werden, Land als Spende der Arbeit zu geben
In dem Aufruf heißt es: In diesem Jahre mußte d»e Pomlnersche Landgesellschaft Stettin zwangsweise mit ihrem gesamten Apparat das Siedlungswerk ruhen lassen, ba sein Land zur Verfüg u ti g stand. Erst im Juli d. J. hat sie 12 006 Morgen zur Siedlung über- nelzmen können. Die Pommersche Landgesellschaft ist in der Lage, 100 000 Morgen jährlich zu verarbeiten. Schon im eigennützigen Interesse muß der Gro ß- g rund besitz Land zur Siedlung bereitstellen. Das Wirtschaftsleben unserer Provinz wird aufblühen, Absatz für die eigenen Produkte des Großgrundbesitzes wird da sein. Schließlich sorgt er für h c i m i f ch e A r b e i t e r, da er auf die Siedlerkinder als Hilfskräfte wird rechnen können. Wir erwarten, daßderGroßgrundbesitzcinc ähnliche Opferbereitschaft wie alle übrigen Wirlschafts- kreise an den Tag legt. Dazu gehört, daß er die Spende der Arbeit als Landabgabe ausfaßt. Gerade hinsichtlich des Bodens gilt: Gemeinnutz geht vor Eigennutz.
„Österreich zu drei Vierteln nationalsozialistisch.
Beobachtungen eines unbefangenen Ausländers.
Über das Anwachsen des Nationalsozia- l i s m u s i n Österreich berichtet das Schreiben eines Engländers an den „Daily Telegraph". Der Einsender, Lonsdale Deighton, berichtet, daß er während seines knrz lichen Aufenthaltes in Österreich eine große Zahl Menschen aller Stände und Berufszweige nach ihrer polftlschen Gesinnung befragt habe. Ihre Ansicht gehe, ^'e er fcststcll mußte, dahin, daß 7 5 P r o z e n t der osterrelchftche», Bevölkerung Nationalsozialisttf 4 eingestellt s . Er selbst sei schließlich zu dem Schluß gekommen. ban Österreich nationalsozialistisch werden würbe.
Der Reisende, der diese Beobachtungen aus ^sterrciw da fcTfreimütig im Londoner „Daily Telegraph1 Andert, hat als Engländer sicher keine Veranlassung für bie nationale Bewegung in Österreich gu werben^ cr ift^ ieben Verdacht einer irgendwie gefärbten Schilderung er haben. Um so deutlicher geigt sè Schilderung, warum ber österreichische Bundeskanzler Dollfuß bte im Sep tember fälligen W ahlen durch den Versuch der Anschaltung der Nationalsozialisten zu seinen Gunsten been» flussen und damit die Willkürherrschaft seiner Minder Heitsregierung auch für die Zukunft sichern mochte
Die Führer der Deutschen Evangelischen Kirche bei Staatssekretär pfundtner.
In Vertretung des beurlaubten Reichsinnenministers Dr. Frick empfing der Staatssekretär Pfundtner die Herren der einstweiligen Leitung der Deutschen Eangclischcn Kirche, und zwar den Vorsitzenden, ^andcsbischof Wehrkreispfarrer Müller, ferner Professor Fezer Tübingen, Präsident Koopmann-Aurich, Landes- bischof Schössel-Hamburg und Professor Schumann- Halle a. d. Saale, die sich in ihrer Eigenschaft bem Reichs Innenminister vorstellen wollten. Bei dieser Gelegenheit wurden auch die Evangelische Kirche betreffenden Tragen delvrochen.