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Nr. 201 — 1933
Fulda, Dienstag, 29. August
10. Jahrgang
Bon Tannenberg zum Niederwald
Tag der Nation.
Nach Ost und West ist am Sonntag das deutsche Volk gewallfahrtet. In Ostpreußen, am Tannenberg- denkmal, hat man die unübersehbare Menge, die in Der näheren und weiteren Umgebung des Schlachtfeldes ausmarschiert war, nicht einmal schätzungsweise zählen können. Und am Niederwalddenkmal, dort, wo Rahe und Rhein zusammenfließen, standen etwa 80 000 Saardeutsche und mit ihnen 100 000 Brüder aus dem Reich zusammen und leisteten mit unserem Kanzler vor aller Welt erneut den Schwur: die Saar bleibt deutsch! In der Ostmark und in der Westmark am gleichen Tage zwei ungeheure Kundgebungen für des Reiches Einheit — wie symbolische Klammern wollen sie erscheinen, die der Welt draußen die eherne Geschlossenheit des politischen Willens in Deutschland, wie es unser Führer nannte, zu beweisen hatten.
In der Ostmark wurde der feierliche Staatsakt dann zugleich zu einer ergreifenden Dankesbezeigung der Nation für ihr Staatsoberhaupt und ihren siegreichen Führer im Weltkrieg. Die schöne Initiative des preußischen Ministerpräsidenten Göring knüpft in der Tat an beste altpreußische Tradition an. Immer haben eS die preußischen Führer als eine Ehrenpflicht angesehen, die Helden ihrer Zeit auf sichtbare Weise besonders zu ehren und mit ihnen und in ihnen zugleich ihre Mitkämpfer auszuzeichnen. So hat es schon Friedrich der Große gehalten, der seinen in vielen Schlachten besonders dusgezeichneten Generalen Domänen übergab. So wurden nach den Befreiungskriegen Blücher, Hardenberg, Gneisenau, Tauentzien, Uorck, jW»» und Kleist durch Dotationen in Form von j Landbesitz geehrt. Und König Wilhelm I. nahm diese I Wne Sitte sowohl 1866 als auch 1871 wieder auf; nach I tau Kriege mit Österreich wurden Bismarck, Roon, Mt!e, Herwart »on Bittenfeld, von Steinmetz und Vogel von Falckenstein durch Äre Geschenke geehrt, und nach dem Deutsch-Fran- Mschen Kriege gehörten Bismarck, Roon, Moltke noch kiilmal, ferner Prinz Friedrich Karl und andere Generäle zu den also Bedankten.
Es ehrt die politischen Führer Deutschlands und ihr schönes Verhältnis zu dem greisen Marschall und Präsidenten selbst, wenn sie diese gute alte Tradition wieder ausnahmen, die zudem ein beschämendes Versäumnis Weber gutmachte. Und wer wollte nicht glauben, daß unser Hindenburg jene Ehrung und jenes Geschenk nicht »>èl lieber aus der Hand eines endlich wieder geeinigten Volkes und seiner wahrhaft nationalen Führer i ^igegennahm als von Vertretern politischer Parteien, i iw die der Begriff Deutschland und Vaterland 13 Jahre sung erst in zweiter Linie existierte und die überdies bei I Saigon „parlamentarischen Verhandlungen" über ein ! WdjeS Ehrengeschenk der Welt das so oft gebotene Schauspiel widerwärtigen Gezänks und Hin- und Her- I Sandelns wieder nicht erspart hätten! Und wer anders 1118 überzeugte deutsche Männer hätte Hindenburg I Wi ehrenden Beinamen des „Alten vom Preußenwalde" I Wen können!
. Das deutsche Volk aber und seine nationalen Führer Wien, daß dieses Ehrengeschenk an den großen Marschall des Weltkrieges und den unermüdlichen väterlichen Begier des Reiches die eigentliche, wirkliche Größe unserer tiefen Verehrung, unserer Liebe und unseres unauslöschlichen Dankes für unseren Hindenburg nur W’ö e u t e n kann. Das deutsche Volk muß über diese Senkung hinaus seinem ehrwürdigen Reichspräsidenten w<f) immer festere Einigung unter seinen erwählten unbanalen Führern jederzeit das zum Ausdruck bringen, °as Hindenburg in der ganzen Nachkriegszeit immer ""uder in Reden, Sprüchen und Ansprachen gefordert einig zu sein!
. Es war ein weiteres schönes Symbol für das wieder- eeinte Deutschland, daß sein Volkskanzler von der erdenden Feier am Tannenbergdenkmal zu der großen Kundgebung am N i e d e r w a l d d e n k m a l eilte unb so M durch diese äußere Geste sichtbar den deutschen Osten ^.dem deutschen Westen verband. Die vielen Zehn- aulende von Saarländern, die aus ihrer von Frankreich hängten Heimat herbeigeeilt waren, hatten es nicht gehabt, ihre 700 000 Landsleute bei dieser großen Kundgebung zu vertreten: viele von ihnen hatten 01,11 Men französischer Ingenieure auf a 4 'M Frankreich ausgeplünderten saarländischen OT. mit auf den Weg nehmen müssen, sie mürben nach entlassen werden, Drohungen ferner von h)Äe.ten Kommunisten und Marxisten, man Uni I Heimkehrer vom Niederwalddenkmal totschlagen.
Sonderzüge, die sie an den Rhein bringen sollten, ? no$ On letzten Augenblick vor der Abfahrt aus siici,, "Z^äebiet in ausgesprochen schikanöser Weise durch- • Nichts hat sie hindern können, zu kommen.
f e schönere innere Erhebung, keine größere Kräfti- nebm °'^ten diese Kämpfer von der Saar mit nach Hause Ad n m ?lë des deutschen Volkes Kanzler und Führer ben to ’ Hitler unter sich zu sehen und seine flammen- feben W Zu hören. Gerade mit der Betonung des deut- Korb»» ntsstandpunktes sprach er das aus, was der ver- Eidln,». rochier Paul Warncke für die Saarländer in die
„Schwört und sprecht:
Recht bleibt Recht, Wahr bleibt wahr, Deutsch die Saar!"
Und Adolf Hitler sprach ihnen und allen Deutschen wie mit jedem seiner Worte, so vor allem auch mit der Forderung aus dem Herzen: „Wenn Verträge heilig sein sollen, so nicht nur für uns, sondern auch für unsere Gegner!"
Der 27. August, der diese beiden Wallfahrten des deutschen Polkes sah und seine Gelöbnisse in Ost- und West hörte, dieser Tag setzt die große Linie der Einheitskundgebungen fort, die mit dem 30. Januar begann und über den 21. März in Potsdam zu dem 1. Mai auf dem Tempelhofer Feld führte. Er hat die Überzeugung verstärkt, die sich schrittweise im Ausland Bahn bricht, daß man es nicht mehr mit Parteien, nicht mehr mit irgendwelchen politischen Klüngeln zu tun hat, sondern nur noch und für alle Zeit mit der deutschen Nation!
P. A. R.
Der Staatsakt am Tanncnbergdenkmal.
Reichspräsidem von Hindenburg, Reichskanzler Hitler und Ministerpräsident Göring bei der Tannenbergseicr im Hofe des Tannenbergdenkmals während der Ansprache des Oberpräüdenlcn Koch.
Sesuch Rusts in Frankfurt a. Al.
Im Anschluß an die S a a r k u n d g e b u n g in Rüdesheim stattete der preußische Kultusminister Rust der Stadt Frankfurt a. Main einen Besuch ab. Der Minister besichtigte die Universität, das soziologische Forschungsinstitut und die Räume der Akademie der Arbeit. Im Anschluß daran fuhr Minister Rust zu dem Sport lag er der Frankfurter Studentenschaft in Oberursel,' das er eingehend in Augenschein nahm. Abends nahm Minister Rust an den Hans-Sachs-Fest- spielen auf dem Römerberg in Frankfurt teil.
Hitler spricht her der Saartuudgehmkg.
Widerhall aus dem Ausland.
Ein überblick über die Auslandspresse zeigt, welchen st a r k e n Eindruck die großen deutschen Kundgebungen am Tannenberg- und am Mederwalddenlmal in der Welt gemacht haben.
Vielfach, u. a. auch in A in e r i k a , haben sich die großen Tagesblätter von ihren Berliner Korrespondenten spaltenlange Berichte telegraphieren lassen. Auch Jiebt man im Zusammenhang mit den Schilderungen der Feier in Ostpreußen viel das Bild Hindenburgs. Die amerikanischen Blätter unterstreichen u. a. besonders, daß der Kanzler von sich sagen dürfe, er habe
fünf Sechstel Deutschlands hinter sich.
Das Blatt „Newyork Herold" schreibt, die beiden mächtigen Demonstrationen hätten die Welt über die deutsche Förderung nach Revision des Versailler Vertrages in Kenntnis gesetzt.
In der e n g l i s ch c n Presse wird besonders die Saarkundgebung groß aufgemacht. Die Blätter verweisen auf die herbeigeeilten 80 000 Saardeutschen, auf die durch die beiden Kanzlerreden entstandene stürmische Begeisterung der Massen, auf die
neuen Bekundungen des deutschen Friedenswillens unb des Strebens nach einem Einvernehmen mit Frankreich sowie auf die Selbstverständlichkeit, daß, wie es Adolf Hitler ansdrückte, weder Deutschland aus das Saargebiet noch das Saargebiet auf Deutschland verzichten könne. Ferner unterstreichen die englischen Blätter die nationalpolitische Bedeutung der Ehrung Hindenburgs durch die Dotation.
Während die Montagmorgen-Ausgaben der Pariser Blätter noch verhältnismäßig sachliche Berichte über die beiden großen deutschen Kundgebungen brachten, zeigt sich in den Pariser Abendblättern bereits das Einschwenken auf eine zweifellos wie immer vom französischen Außenministerium ausgegebene Parole: man trägt Verstimmtheit zur Schau, ohne Rücksicht auf die klaren Worte Hitlers gerade gegenüber Frankreich.
Bezeichnend für die französische Berichterstattung ist u. a. die Tatsache, daß das Pariser „Journal" seine in der Sonntagabend-Ausgabe gebrachte Schilderung von den machtvollen Kundgebungen in der Montagausgabe e r - heblich g ekürzt hat, um dem französischen Leser die Wucht und Bedeutung der beiden Feiern nicht allzu deutlich werden zu lassen. Dafür schwatzt man trotz der Friedensworte des Reichskanzlers von „germanischem Be- Herrschungswillen"! Frankreich setzt damit die lange Reihe der Bekundungen seines bösen Willens fort
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Rotes Masks im Gaargebiet.
Klägliche Gcgenkundgebungcn trotz französischer Begünstigung.
In den Stunden der deutschen Saar-Kundgebung am Niederwalddenkmal hatten die Kommunisten und Sozialdemokraten im ganzen Saargebiet Gegenkundgebungen aus die Beine zu bringen versucht. Es kamen jedoch nur ein paar bescheidene Umzüge von insgesamt wenigen tausend Personen zusammen, wobei Frauen und Kinder das Hauptkontingent stellten. Es kann auch für die Teilnehmer kein Vergnügen gewesen sein; denn alle Orte im Saarland hatten die schwarz- weiß-roten und die Hakenkreuzfl a ggen gesetzt und die Straßen mit ihnen geschmückt.
Die Kommunisten und Marxisten demonstrierten übrigens trotz des von den Franzosen ausgesprochenen Uniformverbotes in ihren Uniformen. Einer ihrer Hetz' redner verstieg sich zu der kindischen Drohung, man müsse „den letzten freien deutschen Landes zipfel gegen den Hitlerismus wenn nötig milder Waffe i n der Hand verteidigen"! Die saarländische Bevölkerung selbst verhielt sich gegenüber diesem roten Rummel völlig ablehnend.
Große vaterländische Gedenkfeier in Güffebiefe an der Ober.
Küstriner Pioniere wiederholen den hi sto rischen Brücken schlag. \
3n Güstebiese an der Oder fand die 175-Jahrfcicr des OderübcrgangsFricdrichsdesGroßcn statt, welcher einst die Voraussetzung der Schlacht von Zorndorf bildete. Von nah und fern, aus den Kreisen Königsberg (Nm.), Lebus, Oberbarnim und auch in großer Zahl aus Berlin waren Tausende von M e n s ch e n zusammengeströmt, um die Wiederholung des geschichtlichen Vorgangs, den das 3. Preußische Pionierbataillon Küstrin an der historischen Stätte vorführte, zu erleben. Die Zahl der Gäste betrug gegen 18 000.
Nach einem Militärkonzert unter den Birken des Kriegerdenkmals fuhren i n 2 5 Minute n die Pioniere eine Brücke zusammen, auf der dann die gewaltige Masse der Menschen, an der Spitze d e r K ö n i g m i t s e i n e n Generälen, Soldcucn und Pferden, voui linken ans rechte Ufer kam, die an der Stelle Aufstellung nahm, von der einst Friedrich den Oderübergang leitete. Dort hieß der Amtsvorsteher von Güstebiese die Festversamui lung willkommen. Die Hauptrede des Festtages hielt Oberleutnant von Kramer, ein Husarenoffizier aus der Umgebung Mackensens, der darauf verwies, daß dieselben Husaren vor 175 Jahren den Sieg von Zorn- dorf herbeigeführt hatten. Er gab dann einen überblick über die krieasgeschichtüchen Erüoniüü.