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Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Iulöa- und Haunetal Fuldaer Kreisblatt
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Nr.
202 — 1933
Fulda, Mittwoch, 30. August
10. Jahrgang
Das Programm für Nürnberg.
Das endgültige amtliche Programm für den Reichsparteitag der NSDAP, in Nürnberg ist jetzt aufgestellt. Es beginnt nach dem Empfang des Führers am Mittwochabend um 8.30 Uhr im Rathaussaal Jn Nürnberg mit einer Rede Hitlers. Gleichzeittß finden in Nürnberg und Fürth Standkonzerte statt. Am Donnerstagnachmittag findet eim große Reihe von Hondertagunge» statt. Abends sind wieder Staud- konzerte vorgesehen. Der große Parteikongreß beginnt am Freitag mit einem Presseempfang, dem sich die Eröffnung des Kongresses anschließt. Es wird eine Proklamation des Führers verlesen. Am Nachmittag spricht Hitler auf einer Kulturta g u n g. Abends findet eine Festaufführung der „Meistersinger" im Opernhaus statt. Am Sonnabend beginnt um 18 Uhr
der mit
vormittags der AmtSwalterappell auf der Zcppelmwiefe. Am Nachmittag findet die Kundgebung der Hitlerjugend im Stadion statt, bei der Führer eine Rede hält. Abends ist ein Volksfest Niesenfeuerwerk.
Am Sonntag beginnt um 8 Uhr vormittags mit dem Erscheinen des Führers der Appell der SA. im Luitpoldhain. Auch dabei hält Hitler eine Rede.
Am der
Nachmittag wird der große P a r t e i k o n g r e ß in Festhalle mit einer großen politischen Rede Hitlers fortgesetzt. Der Rundfunk überträgt einen großen Teil der Verhandlungen, der Konzerte der Standkapellen und der
Kundgebungen der Amtswalter und der SÄ.
Stabschef Röhm traf in Nürnberg mit seinem Stabe in mehreren Autos ein, um sich von dem Fortgang der Vorarbeiten zum Parteitag zu überzeugen und neue Aw Ordnungen zu geben. Ferner weilten der Reichsführer Der SS., H i m m l e r , und Innenminister Adolf Wagner in Nürnberg, um die getroffenen Absperrung^ md Sicherheitsmaßnahmen der SS. und Polizei zu prüfen.
èlaatsstftelâr Funk über Hindenburg und Hitler.
Die Ankunft der Ostland-Treuefahrer in T r a - lehnen gestaltete sich zu einem besonderen Fest. Der Gesuch der Reichsfahrer wurde zusammen mit dem Besuch des in Trakehnen geborenen Staatssekretärs im Propagandaministerium, Walter Funk, besonders gefeiert. Der Staatssekretär wurde zum Ehrenbürger der Stabt Trakehnen ernannt.
Sichtlich ergriffen dankte der Staatssekretär für die ihm erwiesene Ehrung und betonte in seiner Ansprache, alle diese Ehrungen, müsse er verweisen an den Mann, der heute der Führer Deutschlands sei, an Adolf Hitler, Staatssekretär Funk wies dann daraus hin, daß der Sonntag ein historischer Tag für Deutschland und ins- desondere für Ostpreußen gewesen sei.
Es sei ein symbolhafter Augenblick gewesen, als am «onntag am Tannenbergdenkmal Hindenburg mit stânen in den Augen beide Hände Adolf Hitlers genommen und gedrückt habe, um ihm für Ms zu danken, watz er in all diesen Monaten geschaffen habe.
Nie Verringerung der amerikanischen Anbauflächen.
Der amerikanische Landwirtschaftsminister, Wallace, "ersiigte, daß die Landwirte in den Vereinigten Staaten p Prozent der bisherigen Anbaufläche unbestellt Mien müssen, um die von der Regierung ausgesetzte Mmie von 28 Cent je Bushel zu erhalten. Das Land- Mtschaftsministerium berechnet die sich daraus ergebende -ernünderung der Anbaufläche auf 9 600 000 Acres "Acre gleich 40,47 Ar) bzw. auf l 2 4 M i l l i o n e u « e i z e n b u s h e l s für das Erntejahr 1934.
Fleischabgabe in Rußland neu geregelt.
Die Sowjetregierung hat eine Verordnung über die ^ure gelung der Fleischabgaben an den ^aat erlassen. Nach dieser Verordnung wird die Mchtabgabe von Fleisch gegen das Vorjahr herab- MH Das abzuliefernde Fleisch ist in Form von eoendem Vieh zu liefern. In der Regel sind die Normen m die P r i v a t b a u e r n höher als die für die K o l- "tiv.bauern. Nichteinhaltung der Ablieferungs- An wird mit Geldstrafen bestraft. Unrichtige oder ver- Mgerte Angaben über den Viehbestand werden als Sabotageakte behandelt.
Ruhepause in den englisch-russischen Bertrags- verhandlungen.
London, 30. Aug. Morning Post berichtet, in den eng- ^'russischen Verhandlungen über einen neuen Handels- ?ttnfl sei eine Ruhepause eingelegt worden. Der neue '^lövertrag werde für die Sowjetregierung viel weni- ^ ästig sein. Deshalb passe den russischen Delegierten. J M cb Meister b« Mtv«B«Bung èoW, ^* " ^"ölunz der DerhaNdlungen ganz ausg^eichnot.
Zum Kriege gerüstet.
Frankreichs „Kriegsßadt"
an der deutschen Weßgrenze.
Der französische Ministerpräsident Daladier ist soeben von einer längeren Besichtigungsreise, die er längs der riesigen Befestigungen an der französischen O st g r e n z e machte, zurückgekehrt. Er hat sich dabei mit größter Genugtuung darüber ausgesprochen, daß Frankreich alles getan habe, „um die französischen Ostgrenzen vor jedem Handstreich (!) zu schützen".
Welchen ungeheuren Umfang und welche Stärke diese französischen Ostbefestigungcn haben und in welchem Grade sie tatsächlich
eine Angriffsbasis darsiellen, das plaudert offenherzig der „Petit Parisien" aus, der bekanntlich sehr gute Beziehungen zur französischen Regierung unterhält. Er vergleicht die stark befestigte Grenzzone mit einer „K r i e g s st a d t" und sagt dann, man müsse sich eine Front von mehr als 10 0 Kilo m e t er, die zwölf Kilometer von der Grenzlinie selbst entfernt verläuft, vorstellen. Sie sei mit einer un- unterbrscheuen Reihe von einzelnen Befestigungswerken ausgefüllt, die sich nur durch verschiedenartige Zügelung des Geländes bemerkbar machen.
Man könne von einer phantastischcu unterirdischen Stadt sprechen, von einer Festung unter der Erde, die gegen die fürchterlichsten Kampfmittel Wideèstand leisten könne. Ein ungeheurer Stahlpanzer sei tief in die Erde versenkt und lasse nur hier und da Schießscharten hervortreten, die mit Geschützen aller Kaliber versehen feien. Jede dieser Panzerturmkuppeln wiege mindestens 30 000 Kilogramm. Die unterirdische Stadt,
die m »dern c „Stad t d eS K riegeS",
liege hundert Meter unter der Oberfläche. Sie verfüge über eine Eisenbahn mit verhältnismäßig bequemen Wagen, die die unterirdische Stadt mit D-Zuggeschwindig- keit durchliefen.
Unter der Erde sei alles vorgesehen, damit ganze Heere monatelang dort leben könnten. Im Gelände selbst seien auch künstliche Abgründe vorgesehen, damit aii- greifende Tankwagen sich dort verfingen. Außerdem sei eine Vorrichtung getroffen, um das Gelände in wenigen Stunden zu überschwemmen.
Grohe Rede Dr. Goebbels' zum Abschluh der Ostland-Treuefahrt.
Gewaltige Kundgebung in Königsberg.
Im Königsberger Schloßhof hatten sich abends um 10 Uhr die Ostland-Treuefahrer zu einer großen Kundgebung, in deren Mittelpunkt eine Rede des Reichspropagandaministers Dr. Goebbels stand, versammelt. Die Begrüßungsansprache hielt der Führer der Ost- preußcn-Treucsahrt, Staatssekretär Funk, der u. a. ausführte:
Wir Ostland-Treuefahrer haben in diesen Tagen Großes erlebt. Ostpreußen ist zu neuem Leben erwacht, es lebt, nachdem es jahrelang schwer daniedcrlag. Das verdankt es in erster Reihe dem O b e r p r ä s i d e n 1 e n Koch. Wir sind voll von Bewunderung über das, was wir in Ostpreußen erleben konnten, und wir werden diesen Geist, der heute Ostpreußen erfüllt, mitnehmen ins Reich und werden überall bekunden, daß hier im deutschen Osten
Wunderbares vollbracht ist. Staatssekretär Funk schloß mit einem dreifachen Sieg-Heil auf Ostpreußen utib seinen Oberpräsidenten.
Obcrprâsident Koch,
der als zweiter Redner sprach, dankte zunächst Reichsminister Dr. Goebbels, Staatssekretär Funk und allen Ostland-Treuefahrern für ihr Kommen. Er führte dann weiter u. a. aus:
Wenn wir auch bereit sind, friedlich uns unsere Arbeit und unser Brot zu schaffen — mit dem gleiche«
Langenau Erbsitz des Reichspräsidenten.
Das Rittergut Langenau ist dem Reichspräsidenten vom preußischen Staat zum Geschern geurrchl worden. Unser Bild zeig: das Herrenbaus des Rilterautes.
Aushebungen in Österreich ab l Oktober.
Die Mitteilung des österreichischen Heeresministers Paugoin, daß noch in dieser Woche eine neue Wehrordnung für Österreich veröffentlicht würde, fmdet in der österreichischen Presse stärkste Beachtung. Sie sieht darin eine Wandlung von grundsätzlicher Bedeutung und meint, der moralische Wert liege in der Beseitigung der Disqualifikation, die in der bisherigen Einschränkung der Wehrfähigkeit Österreichs gegeben gewesen sei.
Die Blätter berichten, daß die A u s h e b u n g c n für das neben dem Bundesheer in Aussicht genommene Pflichtheer bereits am l. Oktober begännen. Es kämen junge Leute mit dem erreichten 21. Lebensjahr in Betracht. Die Dienstzeit werde im allgemeinen sechs Monate, für die Spezialwaffen zwölf Monate betragen.
In England wird die neue Wehrordnung ebenfalls besprochen. Der „Daily Telegraph" sagt, daß Österreich damit
unter Zustimmung der Westmächte die militärischen Bestimmungen des Friede ns vertrag es durchbreche, und bezeichnet die Heeresreform als den ersten Schritt zur allgemeinen Wehrpflicht in Österreich. In anderem Zusammenhang sagt übrigens „Daily Telegraph", daß England für eine neue Anleihe an Österreich nicht zu haben sein würde.
Verstärkung der Tiroler Garnisonen.
Außerdem „Sicherung der Grenze gegen Bayern".
Wie der „Tiroler Anzeiger" aus zuverlässiger Quelle erfährt: werden die österreichischen Militärgarni- fönen in einigen Orten Tirols in nächster Zeit bedeutend verstärkt werden. Ein Bataillon Bundesheer ist bereits aus Wien in St. Johann in Tirol und wird dort stationiert. In den nächsten Tagen mirb auch die Garnison Kufstein verstärkt. In eine Reihe von anderen Orten werden gleichfalls Heerestruppen gelegt werden.
Gleichzeitig wird in der allernächsten Zeit der Stand der Heimatwehr-Hilfspolizei durch Neu- ausmusterung aus Heimatwehrformationen bedeutend vergrößert werden. Diese neugebildeten Hilfsformationen seien „zur Sicherung der Tiroler Grenze gegenüber Bayern" bestimmt
Fanatismus und der gleichen Leidenschaft werden wir, wenn man Ostpreußens Grenze an tasten sollte, den letzten Tropfen unseres Herzblutes für die Verteidigung des letzten Quadratmeters unserer Heimat drangeben."
Der Redner schloß mit einem Sieg-Heil auf den Reichsminister Dr. Goebbels, der dann u. a. erklärte:
Die Rede des Reichsminiflers im Schloßhof.
Wir Nationalsozialisten sind hier in Königsberg nicht immer s o empfangen worden wie am heutigen Abend. Es, gab Zeiten, da sah man lieber, wenn lv i r gingen, als wenn wir kamen, und selbst das Weggehen wurde uns manchmal noch schwer gemacht. Vor zwei Jahren, wenn wir hier sprachen, da wurden im letzten Augenblick unsere Vorträge verboten und auf dem Bahnsteig wurden wir noch mit Gummiknüppeln bearbeitet. Die Zeiten sind vorbei.
Man kaun es sich heute faum u o ch v o r st c l l c n , daß cs noch nicht ein Jahr her ist, daß der damalige Reichskanzler Dr. Brüning versuchte, Ostpreußen wieder für das System zurückzugewinnen. Allerdings war es ein kläglicher und aussichtsloser Versuch, denn der Instinkt dieser einfachen Gruppe Volkes hatte längst erkannt, daß das Novcmberrcgime schon im Verfall war, daß sich längst im Lande andere Kräfte und andere Willensbewegungen gebildet hatten, die das Reich auf erhobenen Händen trugen und in denen und in deren Wirken dieBürgfchaftlagsüreinc schönere Zukunft unseres Landes.
Und als in die Klänge des Niederländischen Dank- gebets die ostpreußischen Glocken hineinlâutcten, da war cs überall in Deutschland, in Nord und Süd und Ost und West freudige und stolze Sicherheit geworden: Nun geht unser Stern auf, nun wird der mechanische Akt der Machtübernahme vom 30. Januar vom Volk in feilten Mil- lionenmaffen gesegnet und von hier ab fängt eine neue Epoche deutscher Geschichte an. Der 5. März brachte dann die Entscheidung, und diese Entscheidung war so groß und so überwältigend, daß die Regierung der nationalsozialistischen Revolution nun auch im Rücken gedeckt vom Vertrauen des ganzen Volkes damit aufougeu konnte, die großen schwebenden Zeitfragen von Grund auf und prinzipiell zu lösen.
Sie brauchte sich nicht mehr damit zufrieden zu geben, die Probleme an der Außenfläche abzutastsn Sie konnte