Möaer /lnzeiger
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Nr. 204 — 1933
Fulda, Freitag, 1. September
10. Jahrgang
Der Parteikongreß der NSDAP, feierlich eröffnet.
gedenken an die toten Kämpfer. — Nationalsozialismus und Faschismus. — Ehrung des unbeugsamen Führers. — Hitlers Proklamation. — Die Welt horcht auf: Diplomaten aus 30 Ländern in Nürnberg.
(Funkberichte des „Anzeigers".)
Rudolf Hetz spricht:
Nürnberg, 1. Sept. Im Anschluß an einen Pressempfang begaben sich die Journalisten mit den Parteitag- jeilnehmern zu der Eröffnung des großen Parteikongresies in die in reichem Schmuck sich darbietende große F e st - halle, die bis auf den letzten Platz dicht besetzt war.
Wie bekanntgegeben wird, hat der Kongreß infolge der zahlreichen Redner, die zu Wort kommen sollen, eine weitere Ausdehnung erfahren, so daß für Sonn- ebend vormittag und Sonntag nachmittag noch Sitzungen vorgesehen sind.
Als die Begeisterung, mit der der Führer Mols Hitler begrüßt wurde, sich gelegt hatte, nahm
i der stellvertretende Führer Rudolf Hetz das Wort zu seiner Eröffnungsrede. Er begann mit falzenden Worten:
„Ich eröffne den Kongreß des 5. Parteitages der NSDAP., des ersten Parteitages nach der Machtergreifung durch den Nationalsozialismus. Ich eröffne den Kongreß des Sieges. Allem voran stelle ich das Gedenken an untere Toten. Ich bitte Sie, I sich zu ihren Ehren von den Plätzen zu erheben."
em Trommelwirbel
Der Stabschef gedachte der über 40 000 SA.- und S.-Männer, die in ihrer Liebe zu Deutschland verwun- Ä wurden und verlas sodann unter leih
: Namen der Hunderte von Toten, die für die national- ' 'alistische Erhebung, ermordet von Reaktion, Reichs- Mner und Rotfront, starben. Unter dem Stabschef steht CS.-Fahnenträger, mit der Blutfahne vom 9. 11. 1923 âhdem der Stabschef geendet, trat ein SA.-Mann vor Ä rief: „Sie marschieren im Geist in unseren Reihen «it".
Heß^fortfahrend: „Ich begrüße ehrfurchtsvoll die als Mngäste unter uns weilenden Angehörigen der ^fal lenen der Bewegung. Ich begrüße die übrigen M st e der Nationalsozialistischen Partei und die K ä m p - in der Nationalsozialistischen Partei." Der stelloertrc- ■* Führer begrüßt sodann die R e g i e u n g s v e r t r e - und vor allem auch die B e r t r e t e r d« s F a f ch i s - Zus., Die Tatsache, daß zwei hervorragende Führer der Ristischen Partei nach Nürnberg abgordnet wurden, gelten wir als neuerlichen Beweis der freundschaftlichen «ziehungen zwischen den beiden großen Bewegungen «utjdjlartbs und Italiens. Die Freundschaft ist bestimmt «ch die Gemeinsamkeit der Grundlage ihrer Idee unb Ölungen: des gesunden Menschenverstandes.
34 möchte den Nationalsozialismus und den Faschismus geradezu als den in politische Formen gegossenen gesunden Menschenverstand bezeichnen.
ist auch bekundet das gemeinsame Interesse an der Er- Eung des Friedens. Denn wäre es mit dem gesunden «nschenverstand vereinbar, wenn Völker, die in fried- MN Ausbau Leistungen vollbringen, welche die übrige «lt in Staunen versetzen, den Krieg wünschen? Nein! können nur eins wünschen, daß siè Sicherheit erhalten ^eniiber solchen Staaten, in denen der gesunde Menschen- 'Mnd offensichtlich noch nicht regiert.
L ^elch eine Wandlung gegenüber den früheren Kongres- I 11 der NSDAP. Die vergangenen Kongresie waren Ingresse der schärfsten Verneiner des damaligen iMtes; dieser Kongreß ist der Kongreß der leiden- iMstlichsten Bejah er des neuen Staates. Einst lAten die Kongreßteilnehmer eine gesunde, kraftvolle und siegreiche Bewegung unter der Führung Adolf Hit- auf. Die Tatsache, daß die Mehrzahl der gleichen unter der gleichen Führung den neuen Staat bauen, uns die Gewißheit, daß auch er gesund und kraftvoll Iwird. Er wird umso gesünder sein, je mehr das Volk ihm steht. Und niemand im In- und Auslande, der darauf erhebt, ernst genommen zu werden, wird IMeiten, daß unser Volk hinter diesem Staate steht. Kongreß ist somit als die modernste Volks - Lautung zu bezeichnen, so wie das heutige iL^tschland die modernste Demokratie der darstellt, deren Führung, im Polke wurzelnd, ge- I Ä durch das Vertrauen der Mehrheit des Volkes, sich I zur Führung aus eigener Kraft erworben hat. I Ln Führer! Sw waren uns als Führer der Partei der des Sieges. Wenn andere wankten, blieben Sie I i Wenn andere zum Kompromiß rieten, blieben ""beugsam. Wenn andere den Mut sinken ließen, ver- ®’c neuen Mut. Wenn andere von uns gingen, IP« Sie die Fahne entschlossener denn je —, bis die I LV des Staates den Sieg kündete. Unb wieder tragen I V Fahne voran. Als Führer der Nation sind Sie uns ■ tL^ni des Endsieges. — Mir grüßen den Fii h - I w in ihm die Zukunft der Nation. Stimmen Sie I ein in den Ruf „Adolf Hitler und Dssttichlands
Gauleiter Julius Streicher
hielt sodann eine kurze Begrüßungsrede. Er sprach von bem großen deutschen Wunder, das geschehen sei, seit die Nationalsozialisten das letzte Mal in Nürnberg tagten. Während die ersten Reichsparteitage noch unter den Augen volkfeindlicher Machthaber vor sich ghen mußten und unter dem Terror des Untermenschentums marschierten, marschieren morgen die braunen Bataillone in deutscher Freiheit durch die Frankenstadt. Diese Freiheit herbeizuführen ist uns durch den von uns geführten Kampf gelungen. Die Treue, mit der wir alten Nationalsozialisten Len Führer begleitet haben, so sagte Streicher, hat uns den Segen des Himmels gebracht. Der Gauleiter dankte dann für die hohe Ehre, die der Stadt Nürnberg mit der Ernennung Ler Stadt des Reichsparteitages zuteil werde und gelobte, daß das fränkische Volk des neuen Deutschlands Lurch unverbrüchliche Eefolg'schaftstreue in Not und Gefahr zu feinem Kanzler stehen werde. Der Redner schloß mit Lem begeistert aufgenommenen Ruf: „Es lebe der Führer, es lebe das deutsche Volk!".
Sonderzug mit Berliner Diplomaten nach Nürnberg abgefahren.
Berlin, 1. Sept. Der Sonderzug, der die Vertreter von 30 Ländern aus der ganzen Welt, die auf Einladung der Parteileitung der NSDAP, an dem Parteitag in Nürnberg teilnehmen, nach Nürnberg bringt, ist heute morgen um 8.15 Uhr vom Anhalter Bahnhof abgefahren. Die ausländischen Gäste wurden im Empfangsraum des Bahnhofes im sogenannten Fürstenzimmer von SS.-Gruppenführer Erbprinz zu Waldeck als dem Vertreter der Partei und dem
Die Proklamation des Führers.
Auf dem Kongreß wurde dann oom bayer. Innenminister Wagner die Proklamation Les Führers verlesen, in der es, ausgehend vom Novemberverbrechen 1918, heißt:
Duß Deutschland schlimmen Zeiten entgegenging, hatten di meisten sehr wohl ersannt ; daß die Machthaber des Novemberstaates teils zu schlecht und teils auch zu unfähig waren, um unser Volk erfolgreich führen zu können, hatte der Großteil ber sogenannten nationalen Intelligenz innerlich begriffen. Allein, daß die Ueberwindung dieses neuen Regiments nicht mit den Kräften erfolgen konnte, die seit 50 Jahren vor dem Angriff des Marxismus dauernd zurückgewichen waren, um in der Stunde ber höchsten Not jammervoll vor ihm zu kapitulieren, wurde nicht erkannt. Vielleicht lag es auch mit im Wesen der persönlichen Ueberal- terung der früheren nationalen politischen Führung der Nation. Sie konnten und wollten die Zeiträume nicht anerkennen, die nötig sind zur Wiederhrstellung der Kraft des Volkes.
Das schied uns Nationalsozialisten von der bürgerlichen intellektuellen Welt, daß wir klar die Voraussetzungen für eine Ueberwindung des Marxismus erkannten und danach auch handelten.
Die erste Voraussetzung aber ergab sich aus der Erkenntnis, daß man eine Macht, die gewillt ist, mit Terror den Geist zu töten, nicht bricht in der frommen Meinung, durch Geist allein den Terror überwinden zu können. Die Anwendung nur geistiger Kampfmethoden hat solange einen Sinn, als alle Teile des Volkes sich bereitwilligst den Resultaten eins solchen geistigen Ringens unterordnen. In dem Moment aber, in dem der Marxismus die Parole in die Massen schleuderte: „Und willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein", wurde ein Faustrecht proklamiert, dem der Geist sich entweder mit gleichen Waffen wiedersetzt oder seinen Einfluß verliert und damit geschichtlich belanglos wird. Es ist ein Trugschluß zu glauben, daß man mit Parteigebilden, die jahrzehntelang mit mehr oder weniger geistigen Waffen gefochten hatten, nun plötzlich heroische Taten würde vollbringen können.
Es ist dies auch der Grund, weshalb man bei alten und abgestandenen Organisationen niemals denken darf, eine neue Führung könnte mit ihnen ganz andere Taten vollbringen. Im Gegenteil, jeder Versuch, den bürgerlichen Parteien eine ihnen nicht arteigene Führung zu geben, muß zum Zwiespalt zwischen Leitung und Anhängern führen. Die Auseinandersetzung mit dem Marxismus erforderte daher von Anfang an eine Organisation, die ihrem ganzen Wesen nach für diesen Kampf erzogen war. Das aber brauchte seine Zeit.
Indem der Nationalsozialismus seinen Appell zur Bildung einer neuen Bewegung an die breite Masse unseres Volkes richtete, mußte er aber den zuerst wenigen gewonnenen Menschen suggestiv den Glauben einbrennen, einst die Retter des Vaterlandes zu werden. Menschen, die ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen .Herkunft nach meist nur einen untergeordneten, ja nicht selten gedrückten Mann einnahmâ/ mußten politisch die Leber- Beugung erhalten, bet einst die Führung der Nation zu
Gesandten Graf Bassewitz, dem Chef Les Protokolls, empfangen. Der Zug setzt sich zusammen aus einem Salonwagen der Reichsregierung, 6 Schlafwagen 1. Klasse, zwei Speisewagen und einem Liegewagen 3. Klasse, in Dem eine SS.- Mannschaft zur Begleitung mitfährt. Zur Erleichterung ihrer Reife sind mehrere Abteile als Diktierräume für die Diplomaten eingerichtet, außerdem würd ein besonderer Raum für einen Arzt zur Verfügung gehalten. Die ausländischen Gäste genießen während der Tage die größte Bequemlichkeit, die man ihnen bieten kann. Die Verteilung der Plätze im Schlafwagen ist so organisiert, daß jeder Diplomat ein ganzes Abteil für sich hat.
Auch auf den übrigen Bahnsteigen herrscht schon seit den frühen Morgenstunden Hochbetrieb. In kurzer Reihenfolge wurden eine Anzahl Sonderzüge abgefertigt, die die Berliner NSBO.-Mitglieder unb andere Teilnehmer am Parteitag aus Berlin nach Nürnberg bzw. in die Umgebung bringen.
Gewaltiger Zugverkehr nach Nürnberg.
Die Besucher des Parteitages aus Hessen-Nassau und Oberhessen können erst Dienstag zurückfahren.
Frankfurt a. M., 31. Aug. Infolge des gewaltigen Zugverkehrs anläßlich des Reichsparteitages in Nürnberg ist von der Reichsbahndirektion die Rückfahrt der Züge aus deyr Bereich der Gruppe Hesien (Provinz Hesien- Nassau und Oberhessen) erst aus Dienstag,'den 5. September festgelegt worden. — Der Führer der SA.-Eruppe Hesien Pg. Beckerle bittet daher alle Arbeitgeber und Behörden den teilnehmenden SA.-Männern, die also erst am Mittwoch, den 6. September ihren Dienst wieder antreten können, im Interesse dex nationalen Sache keinerlei Schwierigkeiten machen zu wollen.
repräsentieren. Die bürgerliche Welt fand stets nur Spott und Hohn für unsere Methode, der kleinen Bewegung, den, wie man meinte, überheblichen Größenwahn einzupflanzen, einst das Deutsche Reich zu führen. Und doch war der fanatische Glaube an den Sieg der Bewegung die Voraussetzung für jeden wirklichen späteren Erfolg. Unsere Massenversammlungen dienten nicht nur der Gewinnung neuer Anhänger, sondern vor allem der Festigung und moralischen Stärkung der schon Gewonnenen.
Daher sind auch die Parteitage der nationalsozialistischen Bewegung nie zu vergleichen gewesen mit jenen Zänkereien streitsüchtiger Parlamentarier, Partei- und Gewerkschaftssekretäre, die den Parteitagen anderer Organisationen ihren Stempel aufprägten. Der Sinn der nationalsozialistischen Parteitage war, 1. dem Führer der Bewegung die Möglichkeit zu bieten, zur gesamten Parteiführung wieder persönlich in Beziehung zu treten; 2. die Parteigenossen erneut mit ihrer Führung zu verbinden: 3. alle gemeinsam in der Zuversicht des Sieges zu stärken und 4. die großen Impulse geistiger und psychologischer Art für die Fortführung des Kampfes zu geben.
Nach einem kurzen Ueberblick über die bisherigen Parteitage sagt der Führer weiter u. a.:
Um in der Bewegung Las Gefühl für die ehrwürdigen Traditionen unseres Kampfes zu erwecken, werden wir für alle Zukunft die Reichsparteitage an dieser Stelle feiern.
Fortsetzung unter „Letzte Nachrichten".
Sonstiges aus Nürnberg in Kürze.
Im Rahmen des heute eröffneten Reichsparteitages der NSDAP, in Nürnberg fand ein Empfang der Weltpresse statt, auf dem der Reichspressechef der NSDAP.. Dr. Dietrich, bedeutsame Ausführungen über Geist und Wesen des Nationalsozialismus machte.
Gestern fanden in Nürnberg bereits eine Reihe Sondertagungen statt. Solche fanden statt für die Abteilung Deutsche im Auslande, die Presse, den nationalsozialistischen Lehrerbund, den NS.-Aerztebund und die Juristen.
Hohe Auszeichnungen.
Bon Blomberg Generaloberst — Goring mit dem Charakter des Generals der Infanterie ausgezeichnet.
Amtlich wird mitgeteilt: Der Herr Reichspräsident hat mit sofortiger Wirkung den HerrnReichswehrminister, General der Infanterie von Blomberg, zum G e n c r a l o b e r st befördert.
Er hat ferner im Rahmen anderer Beförderungen den preussischen Ministerpräsidenten und Hauptmann a. D. Göring, Ritter des Pour le mérite, in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste in Krieg und Frieden den Charakter als G c n e r a l ber Infanterie verliehen mit der Berechtigung zürn Tragen der Uniform des Reichsheeres.