Iulöaer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg Iulöa- unö Haunetal ♦ Zul-aer Kreisblatt
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Nr. 206 — 1933
Fulda, Montag, 4. September
10. Jahrgang
Vas Gelöbnis der 160000 Amtswalter.
Der Führer an die Amtswalter.
Ihre hohe Ehre und unerhörte Verpflichtung.
Die Rede des Führers vor den Amtswaltern hat folgenden Wortlaut:
„Parteigenossen! AmtSwalter der politischen Organisation!
Viele von Ihnen blicken nunmehr auf einen jahrelangen harten Kamps zurück. Das Ergebnis dieses gewaltigen Ringens steht heute sichtbar vor uns. Die Nationalsozialistische Partei ist der Staat geworden und ihre Führer sind heute die vor der Geschichte verantwortlichen Leiter des Deutschen Reiches. Damit erhält die Partei der Opposition von einst nunmehr die Aufgabe der Erziehung des deutschen Menschen zum Bürger des neuen Staates. Sie, meine Amtswalter, sind vor Gott und unserer Geschichte dafür verantwortlich, daß durch diese politische Erziehung der deutschen Menschen zu einem Volk, einer Idee, zu einer Willensäußerung niemals wieder ein November 1918 in der deutschen Geschichte möglich wird.
In 14 Jahren hatte unser Volk Gelegenheit, am eigenen Leibe zu spüren, und damit kennenzulernen, welchen Unsegen dre Uneinigkeit bringt, was vom Kampfe der Klassen und Stände, der Berufe, der Konfessionen, der Stämme und der Länder untereinander für das deutsche Volk zu erwarten ist. 14 Jahre haben uns gezeigt, welches das Ende sein wurde, wenn dieser Wahnsinn der Selbstzerfleischung länger andauern würde. Wir wollen daraus lernen und wir haben daraus gelernt. An Stede her 50 und 100 Fähnchen in unserem Volke hat sich
siegend eine Fahne erhoben, ein Symbol lheilrufe, Beifall). Was uns jahrelang als Traumbild imschwebte, ist Wirklichkeit geworden: das Symbol fier Klasseneinigung des deutschen Volkes ist das ' Symbol des neuen Reiches geworden und damit Panier res deutschen Volkes. Wir haben nunmehr die Aufgabe, eine eherne Form
A bilden, die jeden Deutschen in sich aufnimmt und mit ihrem Geist erfüllt. An dem Tage, an dem wir endgültig die Macht übernommen hatten, da war noch nicht das Mze deutsche Volk durch die Schule unserer Erziehung gegangen. Aber keiner von uns dachte damals, daß etwa mit der bloßen Machtübernahme die Mission der Bewegung ihr Ende gefunden hätte. Wir alle wußten, daß es galt, auch das, was noch nicht zu uns gehört, für »ns zu gewinnen. Wir wußten weiter, daß das, was I begonnen wurde, nur Bestand haben kann, wenn man "unter aufs neue darum kämpft. „Was du ererbt von beinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen."
Dieser Grundsatz muß mit ehernen Lettern cin- »tteiilmet werben in die Tradition unserer Bewegung.
Die Luitvoldliallc während der Eröfinuna des Partclkonarcffes.
der kostbarste Besitz auf dieser Welt ist das eigene und um dieses Volk wollen wir ringen und wollen kämpfen, niemals erlahmen und niemals ermüden, ^als verzagen und niemals verzweifeln.
I Was Jahrtausende vor uns bestand, wird auch die lenden Jahrtausende bestehen können.
Sie sind als Träger der politischen Organisation verzichtet,
jene Führerhierarchie
LW, die wie ein Fels unerschütterlich im Getriebe Lebens unseres Volkes steht. Es ist Ihre Pflicht, zu sorgen, daß jeder Deutsche, gleich welchen yimeg und welcher Herkunft er sein mag, durch dic,c SMtyntlicß politische Schule, bereit Repräsentanten hindurchgeführt wird. Wir wissen, daß unsere heute noch die stille Hoffnung haben, mertetdü i >^"setzung erreichen zu können, was sie durch Putsch d Revolte niemals wieder erreichen werden. Wir haben Wti Riegel vorgeschoben. Die Art unserer Orgam-
sation, die keine Bestimmungen kennt und keine Wahlen, die
nur Autorität, Disziplin, Verantwortung und Unterordnung
kennt, diese Art unserer Organisation verhindert es, daß irgend jemand hoffen kann, sie jemals zu zersetzen. Wir haben den Schlüssel gefunden, der für alle Zukunft den Feinden unseres Volkes das Tor versperren wird. Wir müssen daher diese Prinzipien als ewig gültige hochhalten und dabei durch die Kerntruppe unserer Wellanschauungsorganisation, durch die Partei, durch den Führerstaat das Beispiel geben, daß kein Deutscher glaubt, etwas Außerordentliches zu tun, wenn er das tut, was der Bewegung zu tun heilige Pflicht ist. Je mehr unser Volk von dieser Bewegung geformt und getragen wird, um so mehr rückt sie in den Mittelpunkt der allgemeinen Betrachtung.
Alle Blicke konzentrieren sich auf sie. Sie muß sich dessen bewußt sein, und insbesondere müssen ihre Führer diese hohe Ehre, aber auch diese unerhörte Verpflichtung, die darin liegt, begreifen. Die Bewegung wird der ganzen Nation vorbildlich vorangehen, so daß wir nicht nur die Führung besitzen, weil wir die Macht haben, sondern daß wir die Macht haben, weil wir zu Recht die Führung sind. (Stürmische Heilrufe.)
In wenigen Tagen werden Sie wieder in das Leben des Alltags und damit in den laufenden Kampf der Be- wegung zurückgekehn sein. Die große Tagung ist damit beendet, der Kampf beginnt wieder. Wir sind eine junge Bewegung und wissen, daß nichts in vierzehn Jahren vollendet sein kann. Wir bauen auf die Zeit und rechnen mit laugen Etappen.
So wie wir uns heute hier getroffen haben, werden wir uns in zwei Jahren und wieder in vier Jahren und in sechs Jahren treffen, und so wird diese Bewegung sich in zwanzig, in 80 und in hundert Jahren treffen bis in alle Zukunft. (Stürmische, immer tvicderkehrcrrde Heil- rufe.) Wir haben ein Samenkorn in unser Volk gesät, das ewige Früchte tragen soll und niemals mehr zu vergehen bestimmt ist, wenn nicht das deutsche Volk wieder in Uneinigkeit zerfallen soll und damit in Schwäche und Tod.
So wollen wir denn heute mit dem Gelöbnis auseinandergehen, die Prinzipien, die Gedanken und Ideen härter und schärfer als bisher zu vertreten, mutig und tapfer zu sein, ausdauernd und zäh, so daß, wenn wir uns in zwei Jahren Wiedersehen, wir zurückblicken können auf eine Zeit fruchtbarer und erfolgreicher Arbeit. Die aber, die dann diese Bewegung immer stärker vor sich sehen werden, werden dann einsehen, daß sie alle Hoffnung begraben müssen, diese Bewegung und das deutsche Volk noch einmal zerstören zu können.
Der Führer schloß seine Rede unter ungeheurem Zubel mit dem Rufe: »ES lebe unsere Beweauna. cs
lcbc unser deutsches Volk, es lebe unser Deutsches Reich! Sieg-Heil! Sieg-Heil! Sieg-Heil!"
Der Aufmarsch der 160000 Amtswalter.
Durch Nürnbergs Straßen zogen am Sonnabend seit 5 Uhr früh in endlosen Reihen die braunen Kolonnen der Amtswalter, Blumen an Uniformen und Mützen, mit unzähligen Musikkapellen unb Gesang und Fahnen über Fahnen, die immer zu Hunderten zu- sammengcstellt sind. über kilometerlange Anmarsch- straßen, von denen jede mit Fahnen und Girlanden übersät einer T r i u in p h st r a ft e gleicht, geht der endlose Zug der Amtswalter. Dazwischen Hitlerjugend, die zum Stadion nahe der Zeppelinwiese marschiert.
Je mehr man sich der Zeppelinwiese nähert, einem riesigen, von Nadelwald umschlossenen Rechteck mit Tribünen ringsum, desto gewaltiger wird der Eindruck von diesem Aufmarsch der Amtswalter der VO und der
NSBO., der sich durch seinen gewaltigen Umfang und durch vorzügliche, sorgfältig vorbereitete Organisation auszeichnet. Die große H a u p t t r i b ü n e, der Standplatz von 3000 Fahnen der Ortsgruppen der NSBO., hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Tribünenaufbau am Tage der Nationalen Arbeit auf dem Tempelhofer Feld. In der Mitte erhebt sich das weithin sichtbare
silberne Hoheitszeichen: der Adler.
Der Adler ist zwölf Meter hoch. Die Spannweite seiner Flügel beträgt 16,5 Meter.
Durch die Eingangstore zieht Abteilung um Abteilung mit Musik ein, während sich die 35 OOÖ Personen fassenden Tribünen am Rande mit Publikum füllen. Gegen 10 Uhr sind die 160 000 Amtswalter beinahe vollzählig versammelt. Durch riesige Lautsprecher gibt Propagandasenator Batzer-Danzig Anweisungen für den Anmarsch.
Das Riesenfeld ist durch einen 30 Meter breiten freien Raum in zwei Teile geteilt, jeder wiederum durch Gänge in sieben Blöcke von je 18 Meter Breite getrennt. Die Verbundenheit mit den deutschen Brüdern in Danzig kommt darin zum Ausdruck, daß eine SA.- und eine SS.-Kapelle aus Danzig den musikalischen Teil der Veranstaltung bestreiten, nachdem auf ein Kommando die vielen einzelnen Musikkapellen verstummt sind.
Insgesamt sind 11 000 Fahnen zusammengeführt, ein Fahnenwald, wie man ihn wohl noch nirgendwo und «irgendwann zu sehen bekommen hat.
Wenige Minuten nach 10 Uhr wird durch die Lautsprecher das Kommando gegeben: „Achtung, Amtswalter, st i l l g e st a n d e n !" Der Prösentrermarsch erklingt. Stürmische Heilrufe. Der F ü h r er betritt die Festwiese unb schreitet durch die Reihen der Amtswalter. Vor der Tribüne erstattet Dr. Ley Meldung von dem Aufmarsch der 160 000 Amtswalter. Dann schreitet der Führer die Reihen der Kriegsbeschädigten ab. Der Befehlshaber der Riesenkundgebung, der Danziger Propagandasenator Baltzer, bringt ein dreifaches Hitler-Heil auf den Führer aus. Unter den Klängen des Kadenweiler Marsches erfolgt der Einzug der Fahnen.
Dann sprach der Führer.
Kongreß des Sieges.
„Ich eröffne hiermit den Kongreß des Sieges." Es war ein stolzes Wort, mit dem des Führers Stellvertreter, Rudolf Heß, den eigentlichen Parteitag der NSDAP. in Nürnberg entfettete. Aber diese Worte waren, wie die ganze Ansprache von Rudolf Heß, wie die große Proklamation Adolf Hitlers, die dann verlesen wurde, wie alle Reden und Kundgebungen dieser einzigartigen politischen Veranstaltung, nicht so sehr Ausdruck eines irgendwie überschäumenden Triumphgefühls, sondern eben der eines ruhigen, voller Genugtuung auf das bisher Geleistete zurückblicken- den Stolzes.
Hätte Adolf Hitler nicht seit beut 30. Januar als Reichskanzler schon so viele geschichtlich gewordene Belege für seinen Grad als Staatsmann gegeben, so wäre diese Proklamation, dieses am Sedantage veröffentlichte historische Dokument schon für sich allein ein Zeugnis, wie es der oberste politische Beamte des Reiches und Führer eines großen Volkes sich nicht besser ausstcllen konnte. Nirgends ein Wort triumphierender ubcrbcblidh feit. Adolf Hitler, der arme Beämtcnsohn, der Gefreite des Weltkrieges, der mittellose Einzelgänger, der Alaun ohne „Beziehungen", der gleichwohl aus dem absoluten Nichts eine unser ganzes Volk heute erfüllende nationale Bewegung zu schaffen wußte, dieser Mann bleibt auch an dem Tage, da er von Nürnberg aus das Werk von fünfzehn kampferfüllten Jahren überblickt, der ernste Kämpfer, der seine Zeit hat, bei Erreichtem stehen- zubleiben, sondern schon längst wieder in ruheloser Vorausarbeit den Unterbau für die weitere Entwicklung des neugeschaffenen nationalen Reiches schafft. Bei aller berechtigten Genugtuung über das Unglaubliche, was ent halbes Jabr der Regierung Hitler aus einem verzweifelten Deutschland gemacht hat, wurde dieser Mann selbst in feiner stets wachen Selbstkritik die Geste des Triumphators ablehnen; nur ein Mann von dieser für das Vaterland arbeitenden Selbstprüfung kann einen Satz schreiben Ivie den: „Die Bewegung darf nur von einer einzigen Angst erfüllt fein, daß einmal eine Zeit kommen konnte, die Uns entweder der Unwahrhaftigkeit ober Gedankenlosigkeit zeiht." Gerade diese tiefernste Auffassung von seinen staatsmännischen Aufgaben bat diesen Mann und sein ganzes Wollen mit so wahrhaft volkstümlich tut besten Sinne des Wortes gemacht. Und das Pariser Blatt „Ordre" hat in der Tat in noch viel tieferem Sinne recht, als es selbst weiß, wenn cs schreibt: „Die Volkstümlichkeit Hitlers und des Nationalsozialismus ist gewaltig. Die ungeheure Mehrheit der Deutschen stimmt nicht aus Angst, sondern aus vollem Herzen dem Willen ihrer Führer zu."
Diese ganze Nürnberger Tagung der NSDAP., drc heute nicht nur das deutsche Volk als solches repräsentiert, sondern „Trägerin des deutschen Schicksals" ist, wie es der Führer treffend nannte, diese Tagung verlief von bet ersten bis zur letzten Stunde auf einer Höhe der politischen Einheit, daß cs schwer ist, da noch besondere Höhepunkte berausstellen zu wollen. Und doch fanden sich die besonderen Gipfelpunkte in jener Proklamation und dann in jener hochbedeutfamen kulturpolitischen Rede des Führers. Man soll diese beiden Dokumente nicht kommentieren oder