zulöaer Anzeiger
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Nr. 210 — 1933
Fulda, Freitag, 8. September
10. Jahrgang
vas Ehrenmal der ltriegsfreiwilligen.
Langemarö, Mahnmal der Ration.
Seldte bei der Weihe des Langemarck-Ehrenmals in Naumburg.
Der Stahlhelm-Stu deuten ring Lange- m a r ck weihte im N a u m b n r g e r Bürgergarten das E h r e n m a l für die vor Langemarck gefallenen studentischen Kriegsfreiwilligen. Zu der Feier, zu der auch die Reichswehr eine Ehrenkompagnie entsandt hatte, war neben zahlreichen anderen Ehrengästen auch der deutsche Kronprinz erschienen. Die Weihe- rede hielt
Rcichsarbcitsminister Seldte.
Er erinnerte an die Errichtung des Studentenmales am Bergfried der Wacheuburg vor 25 Jahren. Heute schreiben wir, so führte er aus, an diesen Betonbunker das Wort Langemarck, das Wort, das symbolisch geworden ist für Geist und Haltung des gesamten Kriegsstudentengeschlechts von 1914 bis 1918. Immer wird das Wort Langemarck wie eine einsame Fackel am n ä ch t l i ch e n Himmel stehen und für die alten und jungen Kameraden eine ungeheure Mahnung sein, ein tiefer Begriff des Dankes und ein ewiger Begriff des verpflichtenden Beispiels. Heute, in diesem Jahre der nationalen Erhebung und des nationalen Durchbruchs, ist das Wort nicht mehr nur ein Wort der Erinnerung, sondern ein lebendig gewordener Begriff. Wir können heute sagen, daß
die Opfer nicht umsonst gewesen
sind. Unter der Führung Hindenburgs und Hitlers ist die gesamte Nation ans den Gräben wieder aufgestiegen und zum Vormarsch angetreten. Das soll kein Marsch sein in den Krieg der Waffen, sondern ein Auftzruch -ergänzen Nation aus den Schlämmtrichtern der Nachkriegszeit, aus den Fesseln und Drahtverhauen roter khstcme hin zu einer Zeit, da wir mit Begeisterung,
Vorfeldgefechte für Genf.
Mngskonlrolle nur bei Abrüstung
Paris über Norman Davis erbost.
In eineinhalb Wochen tritt in Genf das Büro der .Abrüstungskonferenz" zusammen und schon zeigt die Pariser Presse wie auf Kommando Verärgerung über den amerikanischen Sonderbotschafter Norman Davis, obwohl er nach seinem gegenwärtigen Londoner Besuch auch wieder in Paris vorsprechen wird. Die Pariser Presse hat nämlich ihren Lesern eingeredet, Amerika stimme hinsichtlich der Kontroll- und Sicherheits- srage vollkommen mit Frankreich überein. Jetzt aber stellt sich heraus, daß Davis in London dem englischen Außen- Minister Sir John Simon erklärt hat, Amerika werde eine Rüstungskontrolle unterstützen unter der
Voraussetzung, daß gleichzeitig ein gewisses Maß von tatsächlicher Abrüstung erfolgt.
Tas ist also genau das Gegenteil der französischen Bestrebungen, die bekanntlich, um von dem Thema der Abrüstung abzulenken, unter Zusicherung aller möglichen neuen Sicherheitsgarantien ein von Frankreich bestimmtes Kontrollsystem erst einmal mindestens fünf Jahre Ung „sich bewähren" lassen wollen, bevor Frankreich überhaupt über praktische Abrüstung und Gleichberech- 'Nng verhandeln will.
Der amerikanische Sonderbotschafter trifft aljo in Paris auch heute noch auf dieselbe Haltung Frankreichs, i die es schon vierzehn Jahre lang einnimmt: das starre Narren ans dem M a ch t st a n d p n n k 1 unter dau- ^nbem Vertragsbruch gegenüber dem Versailler ptat, dem Volkerbundstatut und dem Lausanner Ab- I Mmen. Man weiß nicht, was sich Norman Davis noch seinem bevorstehenden Besuch in Paris verspricht
Deutschlands Standpunkt.
I Deutschland hat, wie von unterrichteter Stelle erklärt Wird, es n i e m a l s a b g e l e h n 1, eine Kontrolle an- I Nehmen. Aber es wird sie nur unter der Voraussetzung I Lehmen, daß sie sich
gleichmäßig gegen alle
I Bivirkt. Eine solche Gleichmäßigkeit besteht aber nicht, I!°l°nge nicht auf der Gegenseite effektiv ab gerüstet I yben ist. Eine Kontrolle, die den gegenwärtigen I Mungsstand zum Gegenstand hat, ist völlig .sinnlos. I Kontrolle, die auf der einen Seite nur die Hoch- I rateten Staaten mit allen Rechten sieht und ans der I Ktten Seite die abgerüsteten Staaten nur mit Ver- I Wtungen, würde ein Hohn auf das Siet der Ab- I Mngskonserenz sein.
Neue Verlreier Oeuischlands im Ausland.
^schaftcr und Gesandte von Hindenburg ernannt.
k Nuii$ wird mitgeteilt: Reichspräsident v. H i n d e n- h. $ tat ernannt: den Vortragenden Legationsrat v o n ' "en zum Gesandten in Belgrad: den Gesandten in
Opferfreudigkeit, Tapferkeit und Vaterlandsliebe und wiederum mit neugewonnener harter Erkenntnis des Lebens durch unserer Hände Arbeit und durch eisernen Willen unserem Volfe ein besseres und würdigeres Leben in Freiheit erringen wollen.
Nach der Weihcrede wurde das Denkmal, ein schlichter Betonklotz, der in großen lateinischen Buchstaben die Inschrift „Langemarck" trägt, in die Obhut der Stadt Naumburg übergeben. Nach Mitternacht folgte auf dem Naumburger Marktplatz ein Vorbeimarsch, dem sich der Große Zapfenstreich anschloß.
Weihevoller Augenblick bei der Einweihung des Langemarck Ehrenmals.
Oslo, Freiherrn von Weizsäcker, zum Gesandten in Bern; den Generalkonsul in Schanghai, Frei Herrn Rüdtvon Collenberg - Bödigheim, zum Gesandten in .Mexiko; den Botschafter in Ankara, Nadolny, zum Botschafter in Moskau.
Reichspräsident von Hindenburg hat zur Disposition gestellt: den Gesandten in Budapest, von Schoen, den Gesandten in Kabul, Schwörbel, den Generalkonsul in Newyork, K i e p, den Generalkonsul in Chikago, S i m o n.
Reiser Druck auf die Saarabüimmong.
Deutsche Landjäger werden durch Franzosen ersetzt.
Nach einer Meldung aus Saarbrücken hat die Sm ar- k o M M i s s i o N in letzter Zeit wiederholt A u s l ä N d e r in das Landjägerkorps eingestellt. Sie beabsichtigt mit dieser Einstellung auch noch weiter fortzufahren unb so allmählich aus dem rein deutschen Landjägerkorps ein internationales Korps zu bilden.
Der Zweck einer solchen Maßnahme ist klar. Man kann natürlich mit einem solchen Korps bei einer späteren Abstimmung ganz ausgezeichnet operieren. Deutscherseits kann eine solche Maßnahme unter kein e n 11 m - ständen hingenommen werden. Sie würde einen
Bruch des Saarstatuts bedeuten. Das Landjägerkorps ist eingesetzt worden zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung im Saargebiet. In einem solchen Korps haben Ausländer nichts tu suchen.
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Eine unglaubliche Zumuiung.
Luxemburgische Polizeibeamte zur Bespitzelung der Saarbevölkerung?
Im Zusammenhang mit den im Saar g e b i e t umlaufenden Meldungen, daß die Regie r u n g s k o m - Mission beabsichtige, den deutschen Polizeikörper mit Ausländern zu durchdringen, wird weiter besannt, daß die Regierungskommission jetzt aud) die luxe m - b u r g i s ch c R e g i erung gebeten hat, einen Kommissar und fünf Brigadiers zu benennen, die als Kriminalbeamte in Saarbrücken eingestellt werden sollen! Dafür hat die Regierungskommission bereits einen Betrag von 600 OOO Franc zur Verfügung gestellt.
Die Regierungskommission beabsichtigt demnach, einen sogenannten politischen Überwachungsdienst innerhalb der rein deutsch c n Bevölkerung einzurichten. Das wäre geradezu eine ungeheuerliche Maßnahme!
Die Regierungskommission wird sich darüber klar sein müssen, daß trotz der anerkannten Disziplin der Bevölkerung sich zwischen den neuen Beamten und den Bewohnern des Saarlandes Reibungen nicht vermeiden lassen werden. Sie wird weiter einsehen müssen, daß sie gerade das Gegenteil von dem erreicht, was sie erreichen möchte.
Eine Mission des deutschen Sports.
In der programmatischen Rede, die der Reichssport- sührer von Tschammer und Osten vor der deutschen Sportpresse gehalten hat, finden sich folgende bemerkenswerte Sätze: „Wir können nicht anders, als auch jetzt immer wieder erklären, wie notwendig es scheint, sich an einem Großteil in Deutschland auftretender internationaler Kämpfer ein gutes Beispiel zu nehmen. Sie betrachten ihre Reise als eine Ausgabe zur Repräsentation ihres Vaterlandes, sie kämpfen für das Ansehen ihres Landes, dem sie angehören, und benehmen sich dementsprechend. Ich hoffe zuversichtlich, daß innerhalb sämtlicher die deutsche Ration vertretenden Kämpfer eine so solidarische, einwandfreie, ritterliche und anständige Gesinnung geschaffen werden wird, daß unsere Visitenkarte im Auslande sauber bleibt. Dies erfordert Disziplin und Unterordnung, auch mitunter Zurückstellung gewisser persönlicher Wünsche, die nun einmal dann verschwinden müssen, wenn wir durch geschlossenes Auftreten und durch einwandfreie Haltung repräsentieren wollen."
Mit diesen Worten ist die internationale M i s sion, die der deutsche Sport zu erfüllen hat, ebenso klar herausgestellt wie die Form, in der dies zu geschehen hat. Unsere Beziehungen zum Auslande sind im Augenblick noch nicht in allen Punkten die besten, wir wollen und müssen uns also über jeden aktiven Posten freuen, den wir in dieser Bilanz aufweisen können. Ein solches Aktivum ist unser sportlicher internationaler Verkehr. Die deutschen Sportsleute stellen in den meisten Sportarten tüchtige, leistungsfähige Könner, die man aus diesem Grunde im Auslande gern sieht. Auf fast allen Sportgebieten haben wir bereits traditionelle Länderkämpfe mit unseren Nachbarn, die zum Teil auf langjährige Beziehungen zurückreichen. Sie beruhen auf Gegenseitigkeit und Sportfreundschaft über die Landesgrenzen hinaus. In allen diesen Fällen ist der deutsche Sportsmann ein Pionier und M i ssi o n a r d e s'D eu tsch t u m s im A u s l a n d e, der durch sein Können, seine Leistung und noch mehr durch sein Auftreten unb seine Haltung für das deutsche Vaterland werbend wirken kann und muß.
Jeder Deutsche, der einmal Zeuge eines Länderkampfes im Auslande sein darf, wird stolz und freudig sein, wenn er die deutsche Mannschaft im schmucken Nationaldreß, den Reichsadler vor der Brust, die Kampfbahn betreten sieht, wenn die Nationalhymne erklingt. Das Nationalgefühl erhält durch solche Kämpfe erhöhten Auftrieb, das Paterlandsbewußtsein wird aufgerüttelt, die Freude, einem großen, geachteten und wieder leistungsfähigen Volke anzugehören, wird erweckt. Und wenn dann gar ein deutscher Sieg gefeiert werden kann, ist der Stolz noch größer. Gewiß, mit einem sportlichen Siege steht und fällt nicht die Ehre der Nation, aber es erfüllt doch jeden Deutschen mit freudiger Genugtuung, wenn er die Vertreter unserer Farben sich auszeichnen sieht, wenn sie sich anderen Völkern gegenüber ebenbürtig, ja überlegen erweisen.
Der Sport ist längst ein Allgemeingut aller Kulturvölker geworden. Er genießt zum Teil draußen noch weit größeres Ansehen und erfreut sich größerer Beliebtheit als vorläufig noch bei uns. Der Sport ist eine internationale Sprache, die man auf der ganzen Welt versteht und spricht. Er schafft mit seinen Wettkämpfen, die Landsleute verschiedener Nationen zusammenführen, einen neutralen Boden, wo der Mensch den Menschen erkennt unb wertet. Damit ist dem Sportler Gelegenheit gegeben, für jene Unwägbarkeiten und Stimmungswerte, die für die internationalen Beziehungen eine nicht unwichtige Nolle spielen, zu wirken, aufklärende Arbeit 31t leistem Vorurteile zu beseitigen. Allerdings kann er auch solche schaffen, und darum ist es notwendig, daraus hinzuweifen, was von Tschammer und Osten betont hat, nämlich daß bei dem sportlichen Verkehr mit dem Auslande niemals das erste wesentliche Erfordernis Leistungen der Muskeln und des Menschen sind, sondern solche des Charakters und der Gesinnung.
Diese internationale Mission des Sports darf man natürlich auch nicht überschätzen. Man darf ihm nicht Kräfte zumessen, die ihm nicht innewohnen unb nicht inne- wolmen können. Das Verhältnis der Völker zueinander mirb nicht so sehr bestimmt durch das Verständnis oder gar die Freundschaft des einen Jndividiums zu dem eines anderen Landes, als vielmehr in erste Linie durch w irisch a f t l i ch e u n d m a ch t p 0 l i 1 i s ch e Interessen. Sind hier tiefgreifende Gegensätze vorhanden, wird auch der Sport keinen Wandel schaffen können, er kann dann höchstens, in der Lage sein, das Verständnis zu erleichtern. Die Wahrheit liegt eben auch hier in der Mitte. Auf alle Fälle aber sollen mir uns dieses Mittels, Freunde, und sei es auch nur solche persönlicher Art, im Auslande zu gewinnen, nicht begeben, wie auch wir andererseits durch den Besuch von Ausländern bei uns die beste Werbung für unser schönes Vaterland und den Geist, der es jetzt beherrscht, treiben können.
Selbstauslösung des StcnographcnbundeS Babelsberger.
Berlin. Auf Grund eines Auftrages des Reichsinnenministers an den Nationalsozialistischen Lehrerbund, eine ein« heitlichm Gesamtorganisation aller deutschen Stenographen zu schaffen, die ausschließlich die Reichskurzschrift vertrin, ist an alle Stenograpüiesvstemverbände die Aufforderung ergangen, sich aufzulösen und ihren Vereinen den Weg in eine neu« zugründende deutsche Slenographenschast frei zu machen. Dieser Forderung Rechnung tragend, hat der Deutsche Stcnographcn- bunb Babelsberger von 1868 die Selbstauslösung beschlossen