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M-aer /inniger

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Tagebla« für Rhön und Vogelsberg ZulSa- und Haunetal ^ßulöaee Kreisblatt

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Nr. 213 1933

Fulda, Dienstag, 12. September

10. Jahrgang

Der Untergang eines Dorfes.

Sie Irandkalastrophe von Oeschelbronn.

Der Schaden, der bei dem Riesenbrand in der badischen Ortschaft O e s ch e l b r o n n bei Pforz­heim angerichtet wurde und einen großen Teil des Dorfes vernichtet hat, läßt sich nun einigermaßen übersehen. Nach genauen Feststellungen wurden insgesamt 0 3 Gebäude, darunter 83 Wohnhäuser, völlig vernichtet, hundert Familien sind obdachlos. Der Gebäudeschaden allein beträgt nach vorläufigen Schätzunaen eine Million Mark. Dazu kommen

Am Schauplatz der Feuersbrunst von Oeschelbronn. Unser Bild gibt einen Blick auf einen Teil der vollkommen abgebrannten Häuser in Oeschelbronn.

unübersehbare Ernteschäden, da fast die gesamte schon eingebrachte Ernte den Flammen zum Opfer fiel. Nur wenige Familien sind versichert.

Am Tag nach dem Brande bietet der Brandort Oeschelbronn ein B i l d g r ö ß t e r V e r w ü st u n g. Auf Äckern und Wiesen lagert der gerettete Hausrat, den Schutzpolizei und SA. durch umfangreiche Absperrungen vor unberechtigten Zugriffen schützt.

In großen Feldkesseln der Karlsruher Polizei wird abgekocht.

Zum Teil wird auch die Bevölkerung von dieser Seite her verpflegt. Zahlreiche Personen erlitten leichtere Rauch­vergiftungen. Wie bisher festgestellt, wurden jedoch auch vier Personen mit schwereren Ver­letzungen in das Pforzheimer Krankenhaus ein­geliefert.-

Die Brandursache

ist noch nicht gckl ärt. Das Feuer brach zuerst in der Scheune der W i t w c B r e i t e n st e i n, die sich gerade in der Kirche befand, aus. In dem Anwesen liegt keine elektrische Leitung, so daß Kurzschluß nicht vorliegt. Auch soll. Selbstentzündung nicht in Frage kommen. So liegt dèr Verdacht der Brandstiftung ziem­lich n a h e und die anwesende geheime Staatspolizei nahm bereits Verhaftungen vor. Die Witwe und ihr Sohn wurden in Haft genommen.

Reichswehrpionicre greifen ein.

Wenn auch nach Mitternacht die größte Gefahr der Ausdehnung des Großbrandes beseitigt war, so mußten doch zur weiteren Hilfeleistung Reichswehr und die Ulmer Pioniere herangeholt werden. Es wur­den Sprengungen ausgeführt, die Umfassungs- mauern der abgebrannten Häuser wurden, umgelegt, um so der Einsturzgefahr zu begegnen, aber auch Gefahren­herde zu beseitigen. Die B r a n d g e s ch ä d i g t e n blieben die ganze Nacht über im Freien bei ihren Habseligkeiten und ihrem Vieh. Immer wieder flackerte das Feuer an verschiedenen Stellen auf. Die Pforzheimer Wehr und die Wehren aus dem ganzen badischen und württembergischen Umkreis sind weiter mit den Militärkräften bemüht, das Feuer endlich zum Er­liegen zu bringen.

Ein Augcnzcugenbericht gibt eine anschauliche Schilderung der verheerenden Wirkung des Feuers: Ein starker Ostwind, unter­stützt von einer w o ch e n l a n g e n Trockenheit, machte jede Hilfsmaßnahme der vielen hundert Hilfsbereiten "unmöglich. Das Feuer fetzte seinen verheerenden Weg über aufgerichtete Dämme weiter und fraß sich von Gehöft zu Gehöft. Sofort auf den Groß- dlarm in Karlsruhe begab sich der badische Reichs- Ü a t t h a l t e r Robert Wagner an den Unglücksort, wo er sich an den Rettungsarbeilen beteiligte. Auch der w ü r l t e m b e r g i s ch e R e i ch s st a t t h a l t e r Murr ^af in Oeschelbronn ein. Großfeueralarm holte aus Pforzheim, Karlsruhe, Stuttgart, Leonberg, Vaihingen Md anderen Orten die Feuerwehren heran. Auf ä a ft = Lastwagen wurden Polizei, S A., S S., S t a h l- 4clm und Arbeitsdienst in großer Zahl heran- geführt. Alles Holz wurde weggeräumt, die Dächer ab- gedeckt, Schuppen ausgeräumt, das aus den Scheunen b^ausgeworfene Heu und Getreide fortgeschafft, um dem Muer Einhalt zu gebieten. Doch alles half nichts, ">s Element griff weiter um sich. Um 3 Uhr versuchte ^mn durch Sprengung eines Hauses bi£ fort- ^uscnde Feuerlinie zu unterbrechen. Tannen und Fichten wurden gefällt, um sie nicht zum Träger weiterer Feuer- erde werden zu lassen. Doch alles war umsonst. Der ^geheure Funkenregen setzte den Ort an den verfchieden- Stellen in Flammen. Außerdem verurteilte voll­

kommener Wassermangel die Feuerwehren zur Machtlosigkeit.

Aus der Umgebung schaffte man auf Fuhrwerken Wasser

in allen möglichen Behältern herbei. Auf der Straße nach Oeschelbronn arbeiteten sechs Feuerpumpen, um das Wasser aus der ungefähr vier Kilometer entfernt liegen­den Enz heraufzupumpen. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde durch Lautsprecher der Befehl gegeben, daß alle nicht ortsansässigen Personen Oeschell' bronn sofort zu verlassen haben. Die Kinder waren schon im Laufe des Nachmittags gesammelt und nach den umliegenden Ortschaften gebracht worden. Kirche und Pfarrhaus sind angestaut mit Möbelstücken.

Mit brennender pfeife in der Scheune searbeitet.

Die Brandursache von Oschelbronn.

Der Brand in der badischen Ortschaft Oschel­bronn kann -jetzt als gelöscht angesehen werden. Die 100 obdachlosen Familien mit 357 Köpfen wurden bei Bekannten und Verwandten untergebracht; auch die Viehbestände sind in die vom Feuer nicht heim­gesuchten Stallungen eingestellt worden. Für das auf den Feldern und Wiesen herumstehende Mobiliar wurden vom Roten Kreuz in Berlin Baracken angefordert.

Der Gebäudeschaden wird auf eine Million, der Mobiliar- und Ernteschaden auf eine halbe Million geschätzt. Die Ursache des Brandes liegt zweifellos in Fahrlässigkeit. Die Ermittlungen haben ergeben, daß der Sohn der Witwe Breitenstein, in deren Scheune das Feuer ausbrach, mit brennender Pfeife in der Scheune gearbeitet hat.

20 000 Mark Landcsspcnde für die Geschädigten.

Die badische Regierung hielt eine Kabinett- sitzung ab und beschloß, zunächst für die Brandgeschädigten in Oschelbronn eine Landesspende von 20 000 Mark zur Verfügung zu stellen. Um ähnliche Brandkatastrophen künftig zu verhüten, beschloß die Regierung ferner, eine straffere und einheitlichere Zusammenfassung des badischen Feuerlöschwesens durchzuführen.

*

Das Schloß in Gehren niederaebranat.

Großfeuer bei Ilmenau (Thüringen).

Im Schloß vonGehren bei Ilmenau (Thürin­gen) brach mittags ein Brand aus, der sich in kurzer Zeit zu einem Großfeuer entwickelte. Der Brand war im Dachstuhl entstanden, fraß sich mit großer Schnelligkeit nach allen Seiten weiter und griff auch auf den Turm des Schlosses über. Das ganze Schloßgebäude, das viel Jahr­hunderte überdauert hatte, brannte bis auf das erste Stock­werk nieder. Die Inneneinrichtung ist den Flammen zum Opfer gefallen. Kostbare und unersetzliche Gobelins, der Hirschsaal mit der Gedenktafel für die im Weltkrieg ge­fallenen Turner von Gehren wurden vernichtet. Da an anderen Stellen zugleich Feuer ausgebrochen sein soll, ver­mutet man Brand stiftung.

grosse Wien gegen Binger AmMa.

Beschlagnahme von Bomben und Sprengstoffen.

Mainz, 11. Sept. Die Hessische Staatspressestelle teilt mit: Nachdem die Kommunisten anfangs dieses Monats in Mainz wieder Flugblätter verbreitet hatten, wurde in der vergangenen Woche eine großangelegte Aktion gegen die Partei und deren Hilfs- und Unterorganisationen durchgeführt. Es gelang hierbei, den illegalen Apparat der KPD. im gesamten Unterbezirk Rheinhessen zu ermit­teln und sämtliche Funktionäre sowie die noch aktiven Mitglieder festzunehmen.

Unter den festgenommenen Funktionären befinden sich der politische Leiter, der Unterbezirks-Kassierer, die Kassie­rer der einzelnen Stadtteile von Mainz und den Vororten sowie eine Reihe Unterkassierer und Zellenleiter. Die Ermittlungen haben gezeigt, daß. es die Partei verstan­den hat, innerhalb kürzester Frist trotz aller polizeilichen Gegenmaßnahmen wieder einen neuen illegalen Apparat aufzuziehen, der derart durchorganisiert war, daß sogar die Mitgliedsbeiträge wieder regelmäßig kassiert und den Mitgliedern das Propagandamaterial ausgehändigt wer­den konnte. Die gleichen Feststellungen wurden auch be­züglich der überaus gefährlichen Revolutionären Eewerk- schaftsopposition (REO.) gemacht. Auch hier konnte in der vergangenen Woche der gesamte illegale Organisations­apparat aufgehoben und die Funktionäre und zahlenden Mitglieder festgenommen werden.

In beiden Fällen wurden ferner die Kanäle fest­gestellt, die zu den Bezirksleitungen nach Frank­furt a. M. führten, ,

so daß es dort der Polizei gelang, eine Anzahl Führer festzunehmen und die nach dem Zentralkomitee in Berlin führenden Faden bloszulegen. Zn Mainz wurden allein

Oie Todessahri der Bochumer GA -Männer.

Staatsbegräbnis für die neun Toten.

Im Auftrage des Ministerpräsidenten Göring teilte der preußische Staatssekretär Grauert dem SA.-Gruppen- führer und Polizeipräsidenten in Dortmund, Schepmann, mit, daß die preußische Regierung für die bei dem furchtbaren Kraftwagenunglück bei S o l i n g e n tödlich verunglückten neun Bochumer S A. - Männer ein Staatsbegräbnis bewilligt habe.

Die Namen der neun bei Solingen tödlich verunglückten SA.-Männer sind folgende: Böhm, Adolf Sorck, Hugo Sorck, Georg Arzheimer, August Starr, Karl Schultz Julius Wohlfahrt, Gustav Schatta und Ferdinand Robert. Die Zahl der Schwerverletzten, von denen zwei bis drei in Lebensgefahr schweben, beträgt sechzehn, während die Zahl der Leichtverletzten mit fünf­zehn unverändert geblieben ist. Neben Ministerpräsi­dent Göring haben auch Neichsinnenmnister Frick und Reichspropagandaminister Goebbels dem SA.- Gruppenführer, Polizeipräsident Schepmann, ihr Bei­leid ausgesprochen.

Der amtliche Bericht.

Zu dem Unglück gibt das Wuppertaler Poli- zeipräsidiüm folgenden amtlichen Bericht heraus: Am 10. September, gegen 10.20 Uhr, fuhr ein mit fünfundvierzig SA.-Männern besetzter Lastkraft­wagen auf der abschüssigen Solinger Straße in der Richtung Kohlfurt. In der 8-Kurve oberhalb von Kohl­furt konnte der Führer die starke Rechtskurve nicht mehr nehmen und stürzte mit dem Fahrzeug den etwa fünfund­dreißig Meter tiefen Abhang hinunter. Von den SA.- Männern, die der Bochumer Standarte III/17 angehörten, wurden sechs auf der Stelle getötet, siebzehn schwer und vierzehn leicht verletzt. Die Verletzten wurden in die Krankenhäuser in Wuppertal, Elberfeld und Solingen gebracht. Einer der Schwerverletzten verstarb auf dem Transport in das Solinger Krankenhaus. In den Abend­stunden sind noch zwei Schwerverletzte ihren Verletzungen erlegen. Der SA.-Grupvenfübrer, Polizeipräsident Schep­mann, hat angeordnet,, daß sämtliche Stur m bannet und Standarten in Westfalen auf die Dauer von vier Wochen Trauerflore anlegen sollen.

Bergwerksunqlück in Westfalen.

Elf Verletzte.

Im Revier 16 des Untertagebetriebes der Zeche W e ft f a l e n" bei Ahlen waren mehrere Hauer und Schlepper verbotswidrig auf einen Stapel- korb gestiegen und mit diesem zu einer 50 Meter tief gelegenen Sohle gefahren. Während der Fahrt löste sich die Maschinenkoppelung des Hafpels aus, so daß der Korb mit den Insassen in die Tiefe fauste. D re i Bergleute erlitten schwere innere und äußere Verletzungen und mußten in das städtische Krankenhaus nach Hamm übergeführt werden. Acht Bergleute wurden leicht verletzt. Bei zwei der Schwerverletzten, die Knochenbrüche, Quetschungen und Gehirnerschütterungen davontrugen, besteht Lebensgefahr.

79 Personen festgenommen, wovon bereits 29 wegen Vor­bereitung zum Hochverrat dem Gericht zugeführt und unter Haftbefehl gestellt worden sind.

Bei den vorgenommenen Durchsuchungen konnten noch große Mengen illegaler Beitragsmarken sowie Druckschrif­ten beschlagnahmt werden. Außerdem wurden zwei Schreibmaschinen sowie zwei wertvolle fast neue Rota­tions-Abziehapparate gefunden und sichergestellt. Es handelt sich hierbei um die Apparate, auf denen die hier jüngst zur Verbreitung gekommenen kommunistischen Flug­blätter hergestellt worden sind.

Die Aktion zeitigte aber noch ein weiteres überraschen­des Ergebnis. Es wurde nämlich festgestellt, daß der schon seit Jahren verbotene Rot-Frontkämpfer-Bund hier immer noch illegal weirerbesteht und Vorbereitungen für einen Umsturz getroffen hatte. Zur Erreichung dieses Zieles hatte sich'diese Organisation auf das beste bewaffnet und ihren Mitgliedern regelmäßigen Unterricht in der Hand­habe von Waffen und in der Herstellung von Sprengkör­pern erteilt. Es wurden beim Rot-Frontkämpferbund u. a. beschlagnahmt: 6 schwere gebrauchsfertige Bomben, 40 Stangen Sprengstoff (Ammonit) 3 Jnfanteriegewehre, 4 Armeepistolen, 1 Selbstladepistole Kaliber 6,35, 2 scharf geladene Trommelrevolver, 1 Fäßchen mit Zündkapseln, ferner Handgranaten, 17 Schlagröhren (als Zünder für Sprengungen), 3 Ringe Zündschnur, über 500 Schuß Mu­nition, darunter etwa 300 Patronen für Jnfanteriege­wehre, z. T. als Dum-Dum-Geschosse hergerichtet, 1 Eier­handgranade 1 Kilo rauchloses Patronenpulver, 5 Seiten­gewehre. Die Gewehre und Seitengewehre sowie der größte Teil der Munition waren in einem Keller in der Dragonerkaserne in der Mombachstraße in Mainz unter