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SJSSÄ Tageblatt für Rhön UN- Vogelsberg

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Nr. 214 1933 Fulda, Mittwoch, 13. September 10. Jahrgang

Um die Bildung der Kirche Großhessen-Nassau.

Gleichschaltung der kirchlichen Behörden und Verwaltungsorgane. Entschließung der Hess. Landessynode.

Die Frankfurter Landeskirche stimmt dem Zusammenschluß mit den Landeskirchen von Hessen-Nassau und Hessen-Darmstadt zu. Pfarrer Probst Bevollmächtigter der Frankfurter Kirche.

Frankfurt a. M., 12. Sept. Zn Anbetracht der Bedeu­tung, die der heutigen außerordentlichen Tagung der Frankfurter Landeskirchenversammlung zukam, wurde diese eingeleitet durch einen feierlichen Gottesdienst in der alten Râtskirche St. Nicolai auf dem Römerberg, von wo aus sich die Abgeordneten der Landeskirchenversammlung nach dem historischen Römer in geschlossenem Zuge begaben, wobei die Evangelische Sturmschaft den Ordnungsdienst versah und bis zum Sitzungssaal im Römer Spalier bil­dete. Mit diesem öffentlichen Zug nach dem Römer und der Wahl der historischen Stätte zur Abhaltung der Ver­sammlung sollte der inneren Verbundenheit der Kirche mit dem Volke Ausdruck verliehen werden, wie auch Pfarrer Probst, der Leiter der Deutschen Christen in Mit­teldeutschland und Thüringen, in seiner Festpredigt in der 6t. Nicolaikirche zum Ausdruck gebracht hatte, daß durch die Vereinigung der Kirchen der engeren Verbundenheit des Volkes mit der Kirche ein weiterer Antrieb gegeben werden solle.

Die Tagung selbst leitete der seitherige Präsident der Frankfurter Landeskirche, Pfarrer Oberschmidt, mit einer herzlichen Ansprache ein, in der er auf die Bedeutung der Tagung hinwies, die eine 400-jährige Geschichte der Frank­furter Landeskirche zum Abschluß bringen werde. Von der Versammlung der Landeskirche Hessen-Nassau in Wies­baden, die heute vormittag stattfand und die sich auch hauptsächlich mit dem Zusammenschluß der drei Kirchen Hessen-Nassau, Hessen-Darmstadt und Frankfurt beschäf­tigt hatte, war inzwischen ein Telegramm eingegangen, bo^ diese Versammlung einstimmig die neue Verfassung der vereinigten Kirchen angenommen habe. Der Präsi­dent sprach die Hoffnung aus,, daß auch die Versammlung der Landeskirche Hessen-Darmstadt in Darmstadt heute abend zu einem ähnlichen Beschlusse kommen möge.

Nachdem dann der Abgeordnete Pfarrer Veidt im Namen einiger Abgeordneten die Erklärung abgegeben hatte, daß er und seine Freunde auf dem Standpunkt stän­den, es wäre besser, mit dem Zusammenschluß der drei Landeskirchen zu warten, bis die Reichsreform für die Deutsche Evangelische Landeskirche geschaffen sei, und daß sie den vorliegenden Vorlagen und Gesetzentwürfen nicht zustimmen könnten, sondern Stimmenthaltung üben wür­den, wurde über die vorliegenden Anträge abgestimmt. Der Gesetzentwurf, der den Arierpa.ragraph für die Geist­lichen und Beamten der Landeskirche vorsteht und die Vorlage betreffend die Gleichschaltung sämtlicher kirchlichen Behörden und Verwaltungsorgane wurden gegen eine kleine Minderheit angenommen. Zu der Vorlage betref- fend die Verfassung der neuen vereinigten Kirche Nassau- Hessen ergriff Pfarrer Probst noch einmal das Wort und führte u. a. aus: Der Entwurf der neuen Verfassung ist vielen Mitgliedern unserer Landeskirche nicht annehm­bar erschienen. Zch bekenne auch ganz offen, daß ich zu­nächst mit dem Entwurf auch nicht einverstanden war und daß bei mir und meinen Freunden eine ganze Reihe von Bedenken aufgestiegen sind. Zn einer Anzahl Verhand­lungen und Besprechungen mit den Schöpfern des Verfas­sungsentwurfs sind aber unsere Bedenken restlos beseitigt worden, und wir haben cs bei der Durcharbeitung dieser Verfassung erfahren, daß man mit ihr, wenn man die nötigen Hintergründe und Zusammenhänge kennt, immer mehr ausgesöhnt wird. Diese Verfassung ist jedenfalls ge- eignet, den Zusammenschluß der Kirchen zu ermöglichen. Würden wir jetzt nicht da Za sagen, dann wäre es leicht möglich, daß wir eine günstige Stunde versäumten, die unter Umständen nicht wieder kommen wird. Ich gehe wohl nicht zu weit, wenn ich behaupte, daß es ein Ver­brechen an der Großhessischen Kirche, an die wir immer uoch glauben, wäre, wenn wir diese Verfassung nicht unnähmen.

Vor der Abstimmung machte dann noch ein Vertreter reformierten Gemeinden in einer Erklärung darauf aufmerksam, daß die reformierte Gemeinde sich auch in der ueuen Kirche auf die Zusicherungen beriefen, daß den re- '"Mierten Gemeinden die Erhaltung ihrer selbstständigen Stellung innerhalb der Nassau-Hessischen Landeskirche ge­wahrt bleibt.

Die neue Verfassung wurde dann in allen drei Lesun- gegen die schon erwähnte Minderheit angenommen.

r ^5 galt dann noch einen Bevollmächtigten der Frank- Kirche zu wählen, der mit den Bevollmächtigten der ^'ven anderen Kirchen Hessen-Nassau und Hessen-Darm- die nun folgenden Ausgaben des Zusammenschlus- ^lediaten soll. Die Deutschen Christen schlugen Pfar- . r Probst vor, der sich in der Vergangenheit besonders Zustandekommen einer großhessischen Landeskirche gemacht habe. Die Versammlung beschloß dem- einem begeistert aufgenommenen Siegheil auf das Vaterland, den Reichspräsidenten, den Volks- iJ^et Adolf Hitler und dem Absingen des Deutschland- 3 Md dn Horst Wessel-Liedes schloß die bedeutungs- Tagung.

Die Evangelische Landeskirche Hessen für die Kirche Großhessen-Nassau.

Darmstadt, 12. Sept. In der heutigen neugewählten Evangelischen Landessynode stand im Mittelpunkt der Be­ratungen der Zusammenschluß der Hessischen Landeskirche mit den Landeskirchen Kassel, Nassau und Frankfurt a. M. Nach einem eindrucksvollen Gottesdienst, bei dem der hes­sische Prälat D. Dr. Dr. Diehl über Petrus 1,25Aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit", Markus 10, 42 und 43 Ihr wisset, daß die weltlichen Fürsten herrschen und die mächtigen unter ihnen haben Gewalt, aber also soll es unter Euch nicht sein, sondern welcher will groß werden unter Euch, der soll Euer Diener sein" und RömerbriefIst Gott für uns, wer mag wider uns sein?" predigte, begannen die Beratungen der Landessynode, die sich infolge Schwierig­keiten bis abends gegen 7 Uhr hinzogen. Einstimmig wurde zunächst Pfarrer Berck aus Roßdorf zum Präsiden­ten der Synode gewählt. Zu Mitgliedern des Synodal­ausschusses wurden ebenso einstimmig Dekan Scriba-Nidda (Stellvertreter Pfarrer Schäfer-Bad Nauheim), Landge­richtsrat Dr. Krell-Darmstadt (Stellvertreter Oberstudien­direktor Heiland-Büdingen) und Bürgermeister Göckel- Langen (Stellvertreter Reichstagsabgeordneter Kern-Eber- stadt) gewählt. Bei der Beratung über die Bildung der Landeskirche Eroßhessen-Nassau teilte der Prälat mit, daß ihm von der einstweiligen Leitung der Deutsch-Evangeli­schen Kirche, d. h. von seiner kirchlichen Obrigkeit, zwei Schreiben und ein Telegramm zugegangen seien, in denen Bedenken gegen den vorliegenden Verfassungsentwurf und Vertagung der heutigen Entscheidung gefordert werden. Der Gauleiter der Glaubensbewegung Deutsche Christen, Pfarrer Knab-Gustavsburg, erklärte in der folgenden Aus­einandersetzung, daß er nach telephonischer Rücksprache mit Ministerialdirektor Dr. Jäger von diesem im Auftrag des Reichsleiters der Deutschen Christen, Landesbischof Hoßen- felder, den bündigen Auftrag erhalten habe, daß die Vor­lage heute unter allen Umständen angenommen werden müsse. Nach einer längeren Auseinandersetzung wurde bei einer Stimmenthaltung folgende Entschließung ange­nommen:

1. Die Hessische Landessynode beschließt die Vereinigung der Evangelischen Landeskirche in Hessen mit den Evan­gelischen Landeskirchen von Kassel, Nassau und Frank­furt a. M. zur Kirche Großhessen-Nassau. Sie erwar­tet, daß die Evangelische Landeskirche in Hessen als die größte in der Führung der neuen Kirche ihrer Bedeu­

Wie Deutschland gerettet wurde.

Enthüllungen über die geplante rote Februar-Revolution.

Der Gesamtvcrband Deutscher Antikommunistischer Vereinigungen übergibt der Öffentlichkeit aufsehen­erregende Enthüllungen über den kommunistischen Um­sturzversuch am Vorabend der Nationalen Revolution, die alles, was bisher über die roten Revolutionspläne durch- gesiâert war, in den Schatten stellten. Danach war, nach jahrelangen Vorbereitungen kommunistischer Spionage-, Wühl- und Zersetzungsarbeit unter Einsatz von Spreng­stoff und Terror und nach Ausarbeitung eines exakten Mobilmachungsplanes, Ende Februar 1933 alles so weit fertig, daß beim verabredeten Signal losgeschlagen wer­den sollte.

Unter verantwortlicher Führung der KPD. schritt die Rote Front zum Angriff auf der ganzen Linie. Der I n - haltdes Planes ist in großen Zügen bekannt ge- worden. Danach sollte der Aufstand in der entmilita­risierten Zone des Rhein land es beginnen.

Das Signal sollte die Ermordung des Füh­re r s u n d R e i ch s k a n z l e r s bei seiner beabsichtigten Rhcinlandrcise werden. Zugleich mit dem Anschlag aus den Führer oder auf den R e i ch s p r ä s i d e » t c n wurde beschlossen, sämtliche Großscndcstativnen zu besetzen, von denen aus der Aufruf zum bewaffneten Aufstand an das Proletariat ergehen sollte, und unverzüglich sollte» im Anschluß daran lebenswichtige Betriebe gesprengt- oder stillgelegt und Sabotageakte an öffentlichen Gebäuden, Eisenbahnen, Brüâen, Kaserne», Polizeiu»terkü»ften ver­übt werde».

Die militärische Leitung lag offenbar in der Hand des russischen Juden Wolleitberg. Als nächste Etappe des Auf­standes war das obcrschle fische Industriegebiet vor­gesehen, während Berlin kurz danach in die Aktion ein- bezogen werden sollte.

Am 13. Februar 1933 waren die Zentralbefehle schon bis in die Provinz durchgedrungen. Die Aufstandstruppen der KPD. wurden mit den allerneuesten Errungenschaften in

tung entsprechend beteiligt wird.

2. Mit der Ausarbeitung der Verfassung nach den Richt­linien der Deutsch-Evangelischen Kirche und in Ueber­einstimmung mit der jahrhunderx alten reformatori­schen Ueberlieferung der hessischen Kirche wird ein Aus­schuß von acht Mitgliedern (Berfassungsausschuß) be­auftragt, der zwei Mitglieder mit der Vertretung der Kirchenregierung zu den Verhandlungen mit den übri­gen Landeskirchen abordnet. Ueber den Entwurf be­schließt die Kirchenregierung in Uebereinstimmung mit dem Verfassungsausschusi.

3. Um die Verwirklichung des großen Zieles der Bildung einer großhessischen K'rche möglichst zu beschleunigen, wählt die Landessynode die Abgeordneten Rechtsan­walt Klein-Darmstadt, Pfarrer Vürstlein-Offenbach zu ihren Bevollmächtigten. Der Umfang der Vollmachten der beiden Abgeordneten wird durch die Landeskirchen­regierung im Benehmen mit der Staatsregierung fest- gelegt.

Zu Mitgliedern des Verfassungsausschusses wurden ge­wählt Pfarrer Knodt, Pfarrer Berck, Dr. Krell, Dr. Eer- stenmeier, Dr. Wagner, Dr. Faber, Dr. Klein und Pfarrer Lürstlein. Die Tagung schloß Präsident Pfarrer Berck mit der Bitte um Gottes Segen zum Gelingen des großen Werks. Das Schlußgebet sprach Pfarrer Becker.

Die Nassauische Landeskirche stimmt der Vereinigung mit Darmstadt und Frankfurt zu.

Wiesbaden, 12. Sept. Der 3. Nassauische Landeskir- chentag hat heute einstimmig den Antrag über die Bildung der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen angenom­men, die nun die drei Landeskirchen Hessen, Frankfurt und Nassau umfaßt. Wenn durch diesen Beschluß auch die Ent­wicklung der evangelischen Kirche auf dem Gebiete der Vereinigung noch nicht abgeschlossen ist, so konnte sie doch wieder ein großes Stück vorwärts getrieben werden. Mini­sterialdirektor Jäger, der durch Zuruf zum Präsidenten des Landeskirchentages gewählt worden war, würdigte die Bedeutung der Tagung. Gegen 1 Stimme wurde auch das Beamtengesetz einschließlich des Arier-Paragraphen angenommen. Genehmigt wurde auch die Pensionierung des seit 1925 amtierenden Landesbischof Kortheuer. Ge­gen drei Stimmen mit weitgehendsten Befugnissen wurde Pfarrer Dr. Dietrich bevollmächtigt, alle Maßnahmen zu treffen, die zur Durchführung aller gefaßten Beschlüsse und erlassenen Gesetze notwendig sind.

der Straßenkampftechnik bekannt gemacht, die schriftlich fixiert sind. Am 28. Februar 1933 ergingen von der ge­heimen Aufstandsleitung der KPD. die letzten zentralen Kampfanweisungen an die Terror- und Kampfverbände.

Roch am selben Tage erging der

Befehl für die höchste Alarmstufe.

In den kommenden Tagen oder auch Stundep sollt der Aufstand ausgelöst werden:Bis Samstag muß dem Reichsknrier gemeldet sein, wieviel Waffen in Eure» Be­zirken sind . . . sofort mitzuteilen, daß die eingesetzte Hilfs­polizei dort, wo man sie antrifft, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu erledigen ist. Es muß so sein, daß kein Faschist mehr über die Straße geben kann. Fest- zustellen, wo Nazikasernen sind und alle strategischen Punkte der Nazis. Einheitliches Vorgehen der gesamten Organisation.

Aus Nazis ist kein Pardon zu geben.

Die Ortsgruppen haben in allen Aktionen freie Hand, nur wo es sich um Polizei handelt und um Kasernen der Polizei, sowie um technische Betriebe, muß die Ein­willigung der B. L. der M.-Abtlg. eingeholt werden.

Höchste Alarmstufe 5/3. abends 12 Uhr. Eintreffen der Alan nmeldung. Positive Anweisung über Operation im Reich. Eintreffen des Rcichskuricrs. Wir erwarten, daß unsere Anweisungen sofort durchgeführt werden zum Sturz der Hitler Negierung."

Parallel mit der Auslösung des Bürgerkrieges an vielen Orten zugleich, wodurch die Kräfte des Staates und der SA. und SS. zersplittert und in Verwirrung gebracht werden sollten, wurde ein aufs genaueste ausgearbeiteter Aktionsplan für die Z c i t nach b e m 5. M ärz 1 9 3 3 vym Generalstab der Revolution entworfen, der sich speziell mit B e r l i n befaßte. Schlag auf Schlag sollten vom 5. bis 9. März 1933 die Sprengungen der Eisenbahn- brücken, die Niederlegung der Hochspannungsleitungen, die Stillegung und Zerstörung der Elektrizitäts- und Kraftwerke erfolgen. Kuriere und besondere Telephon- leitungen waren zur Herstellung der Verbindungen und der Einheitlichkeit der Gesamtaktion eingerichtet. Ein Massenaufgebot von Erwerbslosen sollte offenbar über-