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Nr, 215 — 1933
Fulda, Donnerstag, 14. September
10. Jahrgang
Der Kampf gegen Hunger und Kälte.
„Nationale Solidarität."
cr Führer und Dr. Goebbels über das große Winterhilfswerk.
Im Thronsaal des Palais Prinz Leopold, dem Sitz des Neichsministeriums für Volksausklärung und Propaganda, fand aus Einladung von Reichsminister Dr. Goebbels eine Kundgebung anläßlich der Konstituierung des Ausschusses zum „Kampf gegen Hunger und Kälte" statt. An der Kundgebung, in der das großzügige soziale Hilsswerk für den kommenden Winter bckannt- aegeben wurde, nahmen neben dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler und dem Reichspropaganda- minister Dr. Goebbels Vizekanzler von Papen, Reichsinnenminister Dr. Frick, Rcichswehrminister o Blomberg, Reichsjustizminister Dr. Gürtner, die Staatssekretäre der Reichs- und preußischen Ministerien, Vertreter fast aller deutschen Länder, die Ober- prästdenten der preußischen Provinzen usw. teil. Der Kreis der geladenen Gäste setzte sich zusammen aus den führenden Männern der nationalsozialistischen Bewegung, insbesondere der NS.-Volkswohlfahrt und aller anderen Wohlfahrtsverbände, sowie der Wirtschaftsvertretungen.
Staatssekretär Funk eröffnete die Kundgebung mit einem Dankeswort an den Führer, daß er die Durch- sArung der gewaltigen Aufgabe dem Reichspropagandaministerium zur Pflicht gemacht habe.
Deutsche Aoi- und Brotgemeinschast.
Reichsmini st er Dr. Goebbels sprach über zweck und Wesen, Aufbau und Organisation des großen Hilfswerkes und führte folgendes aus:
Die Regierung der nationalsozialistischen Revolution hat unter Führung Adolf Hitlers aus breitester Grund- lM den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit ausgenommen. 3m einer Riesenkraftanstrengung ist es ihr bereits gclun- flcii, die furchtbare Ziffer dieser Zeitkrankheit um über zwei Millionen zu senken.
Wir müssen jedoch damit rechnen, daß für den kommenden Winter noch weiterhin eine Millionenanzahl von Volksgenossen erwerbslos bleibt. Aber die Regierung ist N hier nickt gewillt, sie der Not der Wirtschaftskrise zu überlassen. Sie hat den Plan gefaßt, in einem noch nie dagewesenen, grandiosen Hilfswerk „Kampf gegen Hunger und Kälte" schützend an ihre Seite zu treten.
Der Führer hat mich mit der Durchführung dieses Wintcrhilfswerks beauftragt. Grundsatz dieses Winter- Hilfswerks soll sein, daß es
Sache des ganzen Volkes ist.
Niemand wird sich davon ausschließen dürfen. Die Welt, die uns noch mit Mißtrauen begegnet, soll sehen, daß wir entschlossen sind, uns se l b st zu helfen. Das, was am 1. Mai zum ersten Male demonstrativ in die Erschci- nung trat, das wird hier in der Tat lebendig werden: das deutsche Volk ist eine einzige große Gemeinschaft. Die tlanze. Nation setzt sich zum Ziel, mit dieser Aktion dafür sorgen, daß in diesem Winter keiner zu hungern ober Nieren braucht. Damit finden wir auch die innere Ver- dlndung zwischen
völkischer und christlicher Lebensauffassnng.
Die völkische Idee, die in diesem Hilfswerk zum Durchbruch kommt, erstreckt sich auf jedes, wenn auch das kleinste und scheinbar unbedeutendste Glied der beut-
Gemeinschaft. Ihre christliche Idee liegt in der taugen Nächstenliebe, die mit der Tat beginnt. Den Not- terdenden soll in jeden« Monat der erste Sonntag gewidmet sein. In großer« Straßen- unb Häusersammlun- lien werden die Mittel für die Durchführung dieser Aktion verbeigeschafft werden. Die Regierung richtet dabei an gesamte deutsche Öffentlichkeit ben Appell, an diesen Sonntagen mittags nur
ein Eintopfgericht
Preise von höchstens 50 Pfennig je Person zu ver- l yren. Ein Gleiches soll auch in G a st w i r t s ch a f t e n , £.°tc l s und Speisewagen durchgesührt werden. 7'5 dabei ersparten Gelder werben ohne Abzug in die Hilfskasse hineingeqeben. Der Führer hat ben h ™ n Wunsch ausgesprochen, daß die Durchführung
Planes ohne Unterschied der Klasse und der Person sj.i^rleistet wird. Die Regierung wird sich selbstver- wuch wie überall so auch hier an seine Spitze stellen. Am« Winterhilfswerk ist eine zusätzliche Fürsorgc- ,7'°» für alle wirklich hilfsbedürftigen Volksgenossen, stü«»..?'-" neben den Arbeitslosen, Wohlsahrtsunter-' aehii... 7 a."d Rentenempfängern vornehmlich Personell denen ein besonderer Notfall vorliegt, z. B. wi^'? drige Erwerbslosigkeit, besonders bei Kinderreichen, langdauerndc Krankheit.
Man» b Sammlungen stehen unter einem bestimmten na^/J0 ä. B. im Dezember: „Für die Weih- der Winterhilfe", im Januar: Motta- t0M und Ofen", ohne daß das Kampft ben anips gegen Hunger und Kälte" in -""ergründ tritt. Für das ganze Reich sind
für d s einheitliche Sammelsonntage, Aebèn °^"ste Sonntag des Monats bestimmt ist, vor- das -^"rch Bekanntgabe der Sammelergebnisse soll anap^.?^>fe der Bevölkerung dauernd wachgehalten und ,^?)erden. Die Leb ensmittelsammlun- grW» Lands sELU möglichß tn her Ernbezsib durch- ^setl Die S-mMrunssn bsi den Le b kA 4 -
n« i 1 t c l g r 0 ß h a u d l u n g e N und den kl e t N e N Geschäftsleute«« koinmen in der Form zur Durchführung, daß von den Geschäftsinhabern Menge und Art der zur Verfügung gestellten Waren in Sammellisten eingetragen werden, die die Grundlage für die spätere Ausgabe von Bezugsscheinen bilden. In gleicher Weise soll bei der Brennstoff- und Kleiderbeschaffung verfahren werden. Mit den Stein- und Braunkohlensyndikaten sind Verhandlungei« wegen größerer Spenden in Form von Abgabe verbilligter Kohle ausgenommen worden. Für die zusätzliche Arbeit, die ein Mehrstich von Torf, das Schlagen, Sammeln unb der Abtransport des Holzes erforderlich machen, soll nach Möglichkeit der Freiwillige Arbeitsdienst herangezogen werden.
Für Geldsammlungen
finb mit ben Angestellten- unb Beamten- verbänden Verhandlungen zwecks gestaffelter Abzüge zugunsten des Winterhilfswerkes aufzunehmen. Arbeiter, die in Arbeit sind, spenden nach Möglichkeit inonatlich den Ertrag einer Arbeitsstunde. Inhaber von Bank- unb Postscheckkonten werden aufgefordert, monatlich einen bestimmten Betrag von ihrem Konto abbuchen zu lassen. Ferner sind am ersten Sonntag eines jeden Monats H a u s s a m m l u n g e n von Tür zu Tür und vor allem Büchsensämmlungen auf der Straße durch die NSDAP, und die mit ihr verbundenen Organisationen durchzuführen. Mit der Ausgabe von W 0 h l f a h r t s b r i e fmarkcn ist die deutsche Nothilfe betraut. Einen nicht unwesentlichen Ertrag für das Winterhilfswerk soll eine über das ganze Reich verbreitete Fünfzig-Pfennig-Straßenbrief-Lotterie einbringen. Mit dieser Lotterie wird gleichzeitig ein hoher kultureller Zweck verfolgt insofern, als die.jedem Losbrief beigefügten fünf Postkarten in 60 Serien 300 Bilder bringen; deren Auswahl unter den, Motto „Zweitausend Jahre deutscher Geschichte und Kultur" vorgenommen wird.
Für Spend e r, die monatlich einen bestimmten und angemessenen Betrag zeichnen, ist eine flehte
Plakette mit der Aufschrift „Wir Helsen!" vorgesehen, die die Spender an ihren Wohnungstüren befestigen können und die sie von weiteren Sammlungen befreien. Bei den Straßen und Haussammlungen ge- lattgcn besondere Abzeichen zur Ausgabe. Plaketten und Abzeichen haben für jeden Monat eine ganz bestimmte Farbe.
Für die Spenden des Winterhilfswerkes gewährt die deutsche Reichsbahn Frachtfreiheit. Mit den Kraft- fahrzeugverbänden und -besitzen, sind Ver- banblungcn wegen. Unterstützung der Hilfsaktion durch Bereitstellung von Kraftfahrzeugen eingeleitet. Reben bem Freiwilligen Arbeitsdienst sollen nach Vereinbarung mit bett Dienststellen auch die Reichswehr, Schutzpolizei,
den Kampf gegen Hunger und Kälte.
Reichsminister Dr. Goebbels eröffnet Unser Bild zeigt Steins minister Dr. Goebbels während seiner großen Rede im Reichsministerium für Volksauf- kläruug und Propaganda zur Eröffnung des Winter- kampfes gegen Hunger und Kälte. Sitzend,
der städtische Fuhrpark, die FeuerUseyren, Straßenbahnen und das RSKK. für Transporthilfe vertvenbet werden.
Den Arbeitsgemeinschaften der Orte oder Bezirke obliegt neben der Sammlung auch
die Verteilung der Spenden.
Die Ausgabe von Naturalspenden an Empfangsberechtigte erfolgt nur durch Z u »v e i s u n g s s ch e ine, die den Bedürftige», von den Verteilungsstcllcn verabfolgt werben und zum Empfang der verlnerkten Ware unb Menge in bem bezeichneten Lebensmittelgeschäft oder angegebenen Lager berechtigen.
Das gesammelte Bargeld soll gruiibfäßlid) nur für den Einkauf von Lebensmitteln, Heizmaterial usw. verwendet werden. Außerdeu, soll ein
Speisungsdicirst
eingerichtet werden, bei bem für bedürftige Familien Lebensmittel zur eigenen Speisebereitung abgegeben werden; Msssenspeisungeu sollen nur für die veranstaltet werden, die keinen eigenen Herd haben. In Ergänzung
hierzu sind Freitische und Freiessen an Einzelpersonen sehr erwünscht.
Kohlen
sollen möglichst nicht unter einem Zentner, jedoch auch nicht über zwei Zentner je Familie abgegeben werden. Wärmehilfe soll durch Einrichtung von Wärmeräumen für unverheiratete Hilfsbedürftige ergänzt werden. Besonderes Augenmerk wird auf die
Fürsorge der Jugend gerichtet. Für die schulpflichtige Jugend, deren Eltern erwerbslos sind, werden Schulspeisungen eingerichtet und Schul- und andere Räume für ben Nachmittagsaufent- Halt bereitgestellt.
Weiterhin werden durch die örtlichen Ausschüsse des Winterhilfswerks mit Theater-, Film- und Konzertbetrieben Vereinbarungen dahin getroffen, daß von diesen Betrieben in möglichst großem Umfange Freikarten für die notleidende Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. Zugunsten der Hilfsaktio», sind endlich noch Konzerte, Theatervorstellungen und sonstige Veranstaltungen durchzuführen, deren Reinertrag dem Winterhilfswerk zufließt. Ebenso sollen Vergnügungsstätten den Reinertrag eines Abends abliefern. Als Gegenleistung dafür erfolgt Bekanntgabe der Ver- gnügungëftättcn im Rundfunk und in der Presse, falls der Reinertrag schon am nächsten Tage abgeliefert Wirb.
Die nationalsozialistische Bewegung, gehärtet im Kampf um nationale Rechte, tritt hier, wie Sic sehen, den Beweis an, daß sie in der Tat eine sozialistische Partei, eine Partei der Gemeinschaft und des Volkes ist. Dieser Sozialismus ist ein Sozialismus der Tat, der die ganze Nation uinschlicßt.
Einer tritt für alle ein, usd alle für einens Das Volk »vird eine Not- und Brotgemeinschast sein, und das Wort, das wir int Kamps um die Macht zu unserer Parole erhöbe», haben, soll nun, da wir im Besitz der Macht sind, beglückende Wirklichkeit werben: Gemeinnutz geht vor Eigennutz!
Der Führer spricht.
Darauf nahm der Reichskanzler Adolf Hitler selbst das Wort zu folgender Ansprache:
„Meine Herren! Viele Jahre haben ivtr tm Innern gegen den Gedanken der internationalen marxistischen Solidarität gekärnpft. Wir haben in dieser vermeintlichen internationalen Solidarität nur den Feind wirklicher nationaler Einstellung gesehen, etn Phantom, das ben Menschen wegzog von der cinzig^ver- nünftigen Solidarität, die es geben kann: von der Solidarität, die blutrnäßig ewig begründet ist. Wir sind uns aber auch immer klar darüber gewesen, daß man diese Porstelluna nicht beseitigen kann, ohne die andere an ihre
von links: Vizekanzler von Papen, Reichsjustizininifter Dr. Gürtner, Reickswehrininister von B l 0 m b e r g , Reichskanzler Adolf Hitler und Reichsinnen- minifter Dr. F r i cf.
Stelle treten zu lassen. Daher »nuß als Motto über dieser großen Hilfsaktion das Wort stehen
„Nationale Solidarität".
Wir habe», die internationale marxistische Solidarität innerhalb unseres Volkes zerbrochen, tun den Millionen deutscher Arbeiter eine andere, bessere Solidarität dafür zu geben.
Es ist die Solidarität unseres eigenen Volkes, die unzertrennliche Verbllndcuheit nicht nur in gtücklichcu, sondern and) in schlimmen Tagen, die Verbmi dcnheit nicht nur mit denjenigen, die vom Glück gesegnet sind, sondern auch mit denjenigen, die vom Unglück verfolgt sind. _ ;
Wenn wir diesen Gedanken ber nationalen eoii barität richtig auffassen, dann kann cs nur
ein Gedanke des Opferns
sein, d. h., wenn der eine oder andere sagt, man würde dabei zu stark belastet werden, man müsse ja immer wieder Leben- dann kann man nur erwidern: „Das ist nun