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Lul-aer Anzeiger

*ÄSÄ Tageblatt für Rhön unö Vogelsberg

5®**S^ Zulöa- unö Haunetal. Zulöaer Kreisblatt Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Re-aktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 * Zernsprech-Rnschluß Nr. 2989

Druck; Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nach-ruck-er mit* versehenen Mikel nur mit <hu»llenangabe.Zulüaerflnseigrr"gesiaaet.

Nr. 219 1933 Fulda, Dienstag, 19. September

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10. Jahrgang

Der Generalrat der Wirtschaft.

Der Generalrat der Wirtschast einberufen.

Reichskanzler A d o l f H i t l e r hat zu Mittwoch, dem d. M., die Mitglieder des Generalrates der Wirtschaft zu einer Sitzung in die Reichskanzlei ein- bcrusen. Es finden zwei Sitzungen statt, und zwar die ehe am Vormittag um 10 Uhr und die andere am Nach­mittag um 18 Uhr. Die Bedeutung der Sitzung wird da­durch unterstrichen, daß an ihr die meisten Reichs- m jjster sowie die Reichs staatssekretärc und mich Reichsbankpräsident Dr. Schacht teilnehmcn. Die Kvrmittagssitmng wird in Vertretung des Reichskanzlers durch den Reichswirtschaftsminister geleitet, während Reichskanzler Adolf Hitler die Nachmittagssitzung selbst leiten wird.

Am 16. Juli hatte der Neichswirtschaftsminister solgcndèS ^^^Erbeiten der Reichsregierung die Er- iahrungen der praktischen Wirtschaft zu verwerten, beruft der Reichskanzler einen G en e r a l r a i d er W i r 1 - ichast, dessen Mitglieder die Aufgabe haben, ber Stetes^ Legierung zur Beratung in allen wirtschaftlichen Fragen zur Verfügung zu stehen.

Der Generalrat der Wirtschaft tritt lewerls auf be­sondere Einladung zusammen."

Oie Mitglieder des Generalrates.

Herbert Ba ck e, Domänenpächter, Prof. Dr. Karl Bo f ch, M Landesbaurat Dipl.-Ing. Eugen B ö h r, n g e r, Direktor du Marimilianhütte, Generaldirektor August Dtehn, Deut- M Kalisyndikat, Bankier August v o n F i n ck Dr Otto Ehr. Zitier, Präsident des Zenualverbandes des Deutschen Bank-

Misttykiißkilt Prof. 9r. Werner zuWetreten

Der Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Spren­ger, hat den hessischen Staatsminister Professor Dr. Werner seinem Ansuchen entsprechend seines Amtes enthoben. An seine Stelle tritt unter Ernennung M Staatsminister und Vorsitzenden der Landes­regierung der seitherige Staatssekretär der hessischen Regierung Philipp Wilhelm Jung.

*

Zum Rücktritt des hessischen Ministerpräsidenten

Dr. Werner.

Frankfurt a. M., 18. Sept. Im Zusammenhang mit dem Rüchritt des Ministerpräsidenten Dr. Werne? emp- W Reichsstatthalter Sprenger heute abend die Vertreter der Presse, um ihnen die Gründe mitzuteilen, die ihn zur Genehmigung des Rücktrittsgesuchs des Ministerpräsiden­ten veranlaßt hätten. Er habe diesen Entschluß schweren Herzens gefaßt und dem Gesuch nur aus den Gründen stattgegeben, die schon bei der Bildung der letzten Regie­rung eine Rolle gespielt hätten, daß nämlick das Mini­sterium nur von einer Person besetzt sein solle.

Das Gaupresseamt gibt zu dem Rücktritt Dr. Werners logenden Kommentar:

Daß Positive sei vorweggenommen: Die den na­tionalsozialistischen Grundsätzen ent­sprechenden SBereinfadiungsbefttebun« Heninal le »Verwaltungs st ellendesRei- hes und der Länder sind im Hessenlande um die Etappe eines bedeutsamen neuen Erfolges fortgeschritten.

Die Sendboten des Nationalsozialismus haben v o r einer Machtergreifung in zahllosen Versammlungen im- mcr wieder vor der Oeffentlichkeit betont, daß die Oppo- zum Novembersystem allein schon deswegen unauf- Mtsllm wachsen müsse, weil die Höhe der Verwaltungs-

1 schwarz-roten Regierungsbehörden einen gerade- puhnvollen Aufwand darstellten im Verhältnis zur all-

9 ^rwn Notlage der breiten Masse.

i^omit mußte der zur staatlichen Verantwortung gekom- âtionalsozialismus nunmehr beweisen, daß er zu herben Grundsätzen seiner Versammlungskundgebun-

N zu stehen gewillt war. Und zwar nun nicht mehr in ^teiy sondern in der entscheidenden praktisch-politischen

Welche Opfer zur Durchführung und Realisierung Taten unter Umständen nötig werden, hat in der

Aa.ugenheit allein schon die Zahl der Toten der natio= Walistischen Bewegung bewiesen.

$^ es keine falsche Rücksicht. Was wäre aus der n Wiedergenesung geworden, wenn Adolf Hitler

Mitleid über das Opfer der vor der Münchener. ...... , , , . ..... ....

Whalle gefallenen Freiheitskämpfer seinen giganti- Sinn dessen, was der Reichsstatthalter in Hessen, Gaulei- E für immer eingestellt hätte? Wir haben seit ter Sprenger, mit der Bestätigung des Rücktrittgesuchs des le.fl^ucktritt des letzten deutschen Kaisers hinreichend ge- Hessischen Ministerpräsidenten und den damit verbundenen

daß mit einer weichlichen Rücksichtnahme aus die neuen Maßnahmen vollzogen hat. Die Nachwelt wird ihm N,Wch. eine qndere Richtung Vertretenden das Staats- das zu danken wis en, das politische und weltanschauliche * Ä, ST« % leicht und MMich Verstehen denkt ihm Ich-m Heute.

und Vankiergewerbes, Dr. Tr. Albert HackelSberger, Fabrikbesitzer, Regierender Bürgermeister it r v g m a n n, Dr. G. K r u p p v o n B o h l e n u n d H a l b a ch, pr. Staatsrat Dr. Robert Ley, Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Karl L u e r, Handelskammerpräsident, Treuhänder der Arbeit, pr. Staatsrat Friedrich Reinhart, Bankdirektor, Dr. Her­mann R e i s ch l e, Führer des Landhandels und der landwirt­schaftlichen Genossenschaften, Kurt Freiherr von Schrö­der, Handelskammerpräsident, Karl Friedrich von S i e - m e n s, pr. Staatsrat Dr. Fritz Thyssen, Generaldirektor Dr. Albert Bögler.

13 Millionen Arbeiier organisiert.

Der verlorene Bruder kehrt zurück.

Im Rahmen des W e st f a l e n t a g e s des West­fälischen Heimatbundes fand eine große Kundgebung in Münster statt, die in erster Linie dem Deutschtum im Aus­land galt. Stürmisch begrüßt nahm der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, das Wort. Wenn man mir so oft sagte: Haben Sie keine Angst, daß Ihre Arbeitsfront einmal eine Gefahr für unseren Staat werden könnte? Sie haben darin doch alle Ihre Gegner organisiert. Dann sage ich: Ja, das haben wir;

13 Millionen Menschen, beste deutsche Arbeiter, sind heute organisiert, Angestellte und Unternehmer. (Kewitz, der größte Teil war unser Gegner, aber es ist, als ob sie befreit wären von einem ungeheuren Druck, von einer ungeheuren Last. Es ist keine Gefahr mehr da.

Diese Kundgebung soll eines hinaustragen: Vergesset mir den deutschen Arbeiter nicht, damit er nach Haufe findet zu seinem Volk. Büraer und Bauern, öffnet die

bedroht werden kann. Letzten Endes ist dieses Problem jedoch keine Angelegenheit der Schreibfeder und der Zei­tungsartikel, sondern eine weltanschaulich bedingte Grund­sätzlichkeit. Sie ist naturgemäß nur der Generation der Frontsoldaten des Weltkrieges in Fleisch und Blut über­gegangen und zur Selbstverständlichkeit geworden. Sie ist damit zu einer Eenerationseigentümlichkeit schlechthin in unser politisches Leben eingezogen. Eine Charakterform, welche weder durch guten Willen noch durch allerpersön­lichste sonstige Verdienste ausgeglichen oder angeeignet werden kann. Nicht persönliche Verdienste und auch eine sonstwie noch so große Lebenserfahrung, sondern ausschließ­lich jenes aus dem in fast 20 Jahren Frontkampf geborene einzigartige Erlebnis des militärischen und politischen Kampfes um Sein oder Nichtsein und die damit verbun­dene Entschlosienheit des Einsatzes aller persönlichen Kräfte -st das Fundament der neuen herrschenden Welt- ansiyauung. Dies ist die bedingungslose harte Voraus­setzung zur Durchführung eines wirklich konsequent natio­nalsozialistischen Staatsneubaues.

Der Geist dieser Weltanschauung wird in allen Fragen, deren Lösung rücksichtslose Härte erfordert, das allein rich­tige finden. Eine solche ist auch die in Hessen dieser Tage akut gewordene: Soll die Weitergestaltung des Nationalsozialismus wie etwa die Fortentwicklung der Ersparnismaßnah - ' "er überall

bung und der noch weiter

men in der Verwaltung tr o: bemerkbaren Wirtschaftsbe allgemeinen Ankurbelung fortgesetzt werden, als dies bereits ge­schah, oder soll man sichvorerst auf die neuen Erfolge stützen? Soll man ausruhen, nur wirtschaftlich arbeiten, oder soll auch die Politik weiter vorgetrieben werden?

Einfacher gesagt,ist die Frage eben die, ob der Natio­nalsozialismus sich mit der gewonnenen Macht schlechthin begnügen soll, oder ob die Realisierung seiner Grundsätze in der Reichspolitik weiter fortgesetzt wird. Hemmungen müßen für den, der diese Frage einfach positiv beantwortet, im Interesse des Ganzen überwunden werden. Darum ist es zu begrüßen, wenn alle, welche dieser ungestümen Kraft nicht zu folgen vermögen, einfach zur Seite treten und dem Nationalsozialismus die Bahn frei geben. Dazu gehört selbstverständlich menschliche Größe, wie sie nunmehr in Hessen wieder einmal bewiesen worden ist.

Die weltanschaulich bedingte neue Grundsätzlichkeit aber muß auf allen Gebieten beachtet werden. Der kul­turellen und politischen folgt die wirtschaftliche Entwick­lung, die ihrerseits wiederum den vorhandenen Entwick­lungsgesetzen im Rahmen der Neugestaltung des Reiches folgen muß, wenn die praktisch Arbeit, insbesondere die große Arbeitsbeschaffungsoffensive,-so siegreich fortgesetzt werden soll, wie sie begonnen wurde.

Menschliche Größe hat einen Berzicht ausgesprochen, und politisches Führertum hat ihn anerkannt. Das ist der

Arme recht weit: der verlorene Bruder, er kehrt zurück in die Heimat zu seinem Vaterland.

Der preußische Justizminister Serri überbrachte zu­nächst im Auftrage der preußischen Staatsregierung die herzlichsten Grüße. Als ich, so erklärte er, den Teuto­burger Wald überflog, da sah ich unten

die herrlichen Erbhöfe

liegen und freute mich meines Gesetzes, weil ich durch dieses Gesetz die Richtlinien weise, wie Männer bandeln, die nicht das Volk belehren, sondern sich vom Volk be­lehren lassen. Wir hoffen und erkennen, daß

nur ein Gesetz Sinn hat,

das unsere Väter uns überlieferten in unserem Blute und dieses Gesetz lautet: Das Volk ist alles und der einzelne i st nichts. Als alles verzweifelte, stand einer unter uns auf, dessen Name niemand kannte und der in unserem Herzen die Fackel des neuen Glaubens entzündete und wir erkannten: Deutschland soll leben, wenn w i r auch sterben müssen.

Vetteluuivesen - ein Volksschaden.

Auf breitester Front hat unter Führung der Reichs­regierung, der Länderregierungen und aller suftänbigen Behörden mit Unterstützung sämtlicher privaten Organi­sationen der Großkampf um die Durchführung der W in t e r h i l f e eingesetzt. Nach dem ausdrücklichen Wunsch des Führers soll in diesem Winter niemand hungern oder frieren. Es kommt also daraus an, die Summe dessen, was das deutsche Volk in der Betätigung praktischer Nächstenliebe zu leisten vermag, so zu organi­sieren und in seinem Umfang so zu steigern, daß jenes schöne Wort des Führers ohne jede Einschränkung Wirk­lichkeit wird. Eine dazu notwendige Voraussetzung ist aberdieAusschaltungdesBettelunwcsens aus der Öffentlichkeit.

Der bekannte Erlaß des preußischen Ministerpräsiden­ten Göring hat auf diesem Gebiet schon recht nachteilig gewirkt. Es muß aber ganze Arbeit auch hier getan werden, schon aus dem einsachen Grunde, weil die un­geregelte private Wohltätigkeit nur in seltenen Fällen den wirklich Bedürftigen trifft und infolgedessen viele Hilfs­leistungen an Geld- und Sachwerten dem großen Liebes­werk der Winterhilfe praktisch verloren- gehen. Man hat sich in Vorbereitung der Winterhilfe auch sehr eingehend mit den Erscheinungsformen der Bettelei befaßt: das Ergebnis dieser Untersuchungen ist für den, der den Einzelheiten dieser Frage ferner stellt, schlechterdings erstaunlich. Es hat sich nämlich heraus­gestellt, daß berufsmäßige Bettler ein höheres Ein­kommen erzielen als Arbeitende. Das wäre an sich schon Grund gering, diesem unsozialen Zustand energisch zu Leibe zu gehen. Man hat aber darüber hinaus u. a. noch folgende Beobachtungen gemacht:

Viele Bettler, die ihr Gewerbe auf dem Lande be­treiben, grasen dort die Dörfer in erster Linie nach L e b e n s m i 11 e l n ab; sie erbetteln sich Butter, Eier, Speck, und wenn sie diese und andere Lebensmittel meistens auch nur in kleinen Mengen von den einzelnen Bauern erhalten, so machen doch viele Wenig ein Viel. Die Bettler schaffen nun den Ertrag ihrerErnte" teils im Rucksack, teils sogar im Handwagen, ja hier unb da s ogar mit einem Pferdegespann in die Städte und treiben dort meistens natürlich ohne Gewerbe­schein mit den erbettelten Waren einen Handel, und das mit hundertprozentigem Verdienst!

Nicht weniger interessant sind die Beobachtungen, die man in den Städten gemacht hat. Es ist ja bekannt, daß die Bettler solche Haus- oder Korridortüren, an denen sie eine Gabe erhalten haben, mit sogenanntenZ i n f e n versehen, kleinen dem Laien unauffälligen Zeichen ver­schiedener Art, die besagen:Gibt Geld", odergibt Essen", oderalleinstehende Dame", oderVorsicht, bissiger Hund". Es gibt aber auch solcheZinken" für die Kennzeichnung von Wohnungen, die tagsüber ober doch den größeren Teil des Tages unbeaufsichtigt sind. Wie­viel Wohnung seinbrüche auf diese Weise durch dieKlingelfahrer" noch heute täglichausbaldowert" werden, brauchen wir hier nicht zu erörtern. Dazu kommt, daß die Berufsbettler vielfach einen organisierten Adressen« usta »sch unter sich betreiben; in Groß­städten gibt es vielfach noch Bettlerorganisationen mit Büros, Karteien und regelmäßiger Verteilung bzw. Ver­mietung der einträglichsten Straßenecken und Plätze.

Ferner steht fest, daß Berufsbettler ihrer Übernahme in die Wohlfahrtspflege oder öffentliche Fürsorge jeden aktiven und passiven Widerstand entgegensetzen: das ist begreiflich, wenn man erfährt, daß gewandte Bettler es auf Tageseinnahmen von 10 b i s 20 Ai a rk u n b darüber bringen. In Berlin wurde vor etwa Jahresfrist einem Bettler endlich das Handwerk gelegt, dessen jammervolles Aussehen ihm nachweislich seit Jahren eine Tageseinnahme von 30 bis 40 Mark cin- brachte dieser selbe Bettler wurde bann abends, nach neuester Mode elegant gekleidet, immer wieder in allen möglichen Vergnügungslokalen gesehen! Weiter: das Mitleid verleitet den Gebenden oft: irgendwelche Klei- dungs- ober Wäschestücke ober alte Schuhe an Bettler zu verschenken; diese Sachwerte werden in den meisten Fällen entweder an Althändler oder in den Bettlerbörsen ver­kauft! der Zweck der Gabe ist damit hinfällig. Ebenso werden oft Säcke voll Nahrungsmittel als S ch w e i n e f u t t e r verkauft.

Es ist kein Wunder, wenn unter solchen Umständen der Berufsbettler nicht nur durch gedankenloses Geben oft aus. die schiefe Ebene gebracht wird und schließlich zuiu Verbrecher hinabsinkt, sondern auch auf Grund seines tat-