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Zul-aer /lnzeiger

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höhere Gewalten", Streiks, : Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda.

Enid: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.

Nr. 232 1933

Attentat aus Dr. Dollfuß

Ser österreichische Bundeskanzler angeschoffen.

Von einem entlassenen Gefreiten.

Auf den österreichischen Bundeskanzler Dr. D o l l - mürbe am Dienstag ein Anschlag verübt, bei dem er jurtfi einen Brust- und einen Armschuß leicht verletzt Wrde. Das Attentat geschah beim Parlament, als sich dcr Bundeskanzler zu den Beratungen des Christlich- föualen Klubs begeben wollte. Der Täter wurde verhaftet,

Der Mann, der den Anschlag verübte, ist ein ent - Essener Gefreiter des österreichischen Hund e s h e e r e s. Er stand, als der Bundeskanzler cimras, neben mehreren Bittstellern auf dem Korridor des Parlaments. Als Dr. Dollfuß an ihm vorüberging, ver­buchte er, ihm eine

Bittschrift

zu überreichen, die ihm der Dr. Dollfuß begleitende Aiminalbeamte abnahm. Der Mann trat hierauf einige Ichritte zurück und gab auf den Bundeskanzler zwei Ichüsse ab.

Nur eine ungefährliche Fleischwunde.

Der Bundeskanzler, der sich in die Klinik begeben yütte, wurde dort genau untersucht. Die ärztlichen Fest- zjkSungcn ergaben einen

Durchschuß des Oberarms.

iet Knochen ist nicht berührt. Die zweite Kugel hatte m die Kleidungsstücke durchschlagen. Nachdem die tote verbunden worden war, begab sich Dollfuß in j« Wohnung. Er führt die Regiernngsgefchäfte weiter. Ter 22jährige Attentäter wurde auf der Wachstube mm ersten Verhör unterzogen. Die Antworen, die et Ab!, Kd vollkommen wirr. Die benutzte Waffe ist ein ^-Millimeter-Revolver, der angeblich nur zwei Patronen mM» hat.

Unmittelbar nach dem Anschlag hatten sich mehrere Heordnete und die übrigen Anwesenden auf den Atten- M gestürzt und ihn verprügelt. Erst mit Mühe Mg es zwei Wachleuten, ihn in Sicherheit zu bringen. Aus den ersten Angaben des Täters Dertil geht eine deutlich hervor, daß er

kein Nationalsozialist

£ ®rgärtetIch bin kein Nationalsozialist; im Wnleü, ich bin politisch indifferent." Er habe das MNtat gemacht, um die allgemeine Aufmerksamkeit auf IM leinepolitischen Fähigkeiten" zu lenken. Er ^streitet die Mordabsicht.

Wie es ein Augenzeuge sah. !nn,^'^âgmzeuge schildert den Anschlag auf Bundes- WSr. Dollfuß folgendermaßen: Der Bundeskanzler die Stufen zum Vestibül des Parlaments herab- i âls der entlassene Gefreite des Bundesheeres überreichte. Gleich darauf knallten die beiden Sorten-C ~cr Bundeskanzler öffnete den Rock mit den

$Ich bin durchschossen!" g»7^rarm sah man einest blutigen Fleck. Diezweitc "le gegen die Brust abgefeuert worden war, ist J prallt. Sie wurde im Vestibül aufgefunden.

Praktischer Minderheitenschutz

Mäler Vorstoß

, . für Die Minderheiten.

101 des deutschen Vertreters vor dem

P ö l k e r b u n b.

kifinCt Tische Vertreter in Genf, Gesandter von Keller, , " Politischen Ausschuß der Bölkerbundversamm der Aussprache über die Minderheiten eue in allen internationalen Kreisen mit erwartete große Rede, die den grundsätzlichen des neuen Deutschland zum Minderheiten

Hl ?''» aller Breite anfroöt. Die Aussprache erfolgte ** eines besonderen Antrages der deutschen Ab wl Rahmen der Völkerbundversantmlung das "^'lknproblem und besonders den völlig NN- ^kb ? ^? d e N Ri i N d c r h e i t c n s ch u tz d es B ö l

, ks zur Behandlung zu stellen.

-^letzter Zeit, so führte Gesandter von Keller u. a. ben die Minderheiten

btj empfindliche Schädigungen, auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiete erlitten, wie es in den Jahrzehnten der Otitis 1 11 trotz aller nationalen Spannungen nicht hoi bJ0^- Von besdndercr Bedeutung sei die immer ir-i,, ulende Tendenz zu einer mehr oder weniger Mn Sleitcn Angleichun g fremder Minder- Aèw ; das Mehrhcilsvolk. Gesandter von Keller , diesem-Zufammenhang die bekannten Er- N £ LM deutschen Reichskanzlers, daß das deutsche ^r^qf^rue an feinem eigenen Volkstum Hiß sich M den in aller Welt lstzeân Deutschen ^ Wtlt# verbunden fühle. -Mir kennen nicht

Fulda, Mittwoch, 4. Oktober

Anschlag auf Dollfuß schon länger geplant

Das Verhör des Attentäters.

Aus dem Verhör des Attentäters Dertil, der den Anschlag auf Bundeskanzler Dollfuß verübte, ergibt sich, daß der Anschlag von langer Hand vor­bereitet gewesen ist. Schon in den letzten Tagen hatte Dertil mehrfach versucht, den Bundeskanzler zu erreichen, doch vergeblich. Er lauerte dem Bundeskanzler b e i dessen Wohnung auf, traf ihn aber nicht an. Noch ein zweites Mal erschien er vor dem Wohnhause, ebenfalls ohne Erfolg. Dann begab er sich zum Bundeskanzler­amts am Ballhausplatz, um dort unter dem Vorgeben der Überreichung eines Gesuches zum Bundeskanzler vorzu­dringen. Er erhielt die Mitteilung, daß sich der Bundes­kanzler nicht im Amte, sondern im Parlament be­finde. Er ging daher zum Parlament und wartete dort so lange, bis der Bundeskanzler den Sitzungssaal des Christlich-Sozialen Klubs verließ. Der Attentäter war als 18jähriger beim Zentralverband der Hausbesitzer, der den Christlich-Sozialen nahesteht, als Laufbursche angestellt und arbeitete dort zwei Jahre. Die Auskünfte über ihn sind g ü n st i g. Dann trat er in das Bundesheer ein, und zwar in das Infanterie­regiment Nr. 3. Vor etwa neun Monaten suchte er den Vorsitzenden des Zentralverbandes, Moisl, auf und er­zählte ihm, es gefalle ihm beim Bundesheer nicht mehr. Er wolle sich eine Zivilanstellung suchen und Schneider werden. Kurz darauf erschien er wieder bei Moisl und sagte ihm, der Schneiderberuf eigne sich doch nicht für einen ehemaligen Heeresangehörigen. Moisl meint, Dertil habe schon damals einen etwas verwirrten Eindruck gemacht.

*

Deutschland beglückwünscht Oollsuß.

Zum Mißlingen des Attentats.

Reichsaußen minister von Neurath hat dem österreichischen Bundeskanzler anläßlich des auf ihn verübten verbrecherischen Anschlags seine aufrich­tigen Wünsche für die glückliche Errettung aus Lebensgefahr ausgesprochen. Ferner hat der deutsche Ge­schäftsträger in Wien, Prinz zu Erbach, sofort nach Be­kanntwerden des Anschlages bei Herrn Dollfuß seine Karte mit den Wünschen für seine Wiedergenesung abgegeben.

Die Glückwünsche des Auslandes.

In E n g l a n d hat der Anschlag gegen Dollfuß größtes Aufsehen erregt. Macdonald hat Dollfuß zum Mißlingen des Attentats beglückwünscht. Ebenso sind Telegramme vom Präsidenten der Völkerbundver- s a m m lu n g und dem Generalsekretär eingegangen. In verschiedenen französischen Blättern wird das Attentat zu wüsten Ausfällen gegen Deutschland benutzt.

*

In Wien fand unter dem Vorsitz des Vizekanzlers Fey ein a u ß e r o r d e n t l i ch e r M i n i st c r r a t statt, in dem Fey über den Anschlag und die damit zusammen hängenden Fragen berichtete. Am Abend sprach der Bundeskanzler von dem Arbeitszimmer seiner Wohnung aus durch Rundfunk einige Worte zum österreichischen Volke.

den Begriff des Germanisierens, wir wehren uns aber auch gegen jeden Versuch, Deutschland zu cntnatio- nalisieren."

Gesandter von Keller ging in diesem Zusammenhang auch auf die I u d e n f r a g e ein. Es handle sich hierbei in Deutschland in erster Linie um ein bevölkerungs­politisches und soziales Problem, das auch eine besondere Lösung werde erfahren müssen.

Nach der Rede des deutschen Vertreters kam es zu einer großen politischen Aussprache über die Minder­heitenfrage, die von der Gegenseite zu kaum verschleierten

Eingriffen gegen Deutschland

in der Judenfrage benutzt wurde. Hier tat sich besonders der Franzose Berenger hervor. Der schwedische Außen­minister Sandler betonte, im Hinblick ans die Er­eignisse in gewissen europäischen Ländern sei jetzt eine grundsätzliche Regelung des Minderheitenschutzes notwendig geworden. Der Redner kündigte praktische Vorschläge a».

Der Vertreter Polens brachte eine Entschließung ein, die die A u s d c h n u n g des Minderheiten­schutzes a u f s ä m t l i ch e M i n d e r h e i t e n und Übernähme der gleichen Mindcrheitcnschutzverpflichtungen durch sämtliche Staaten fordert. Der polnische Vertreter

erklärte, er Vorbehalte tonen.

gegenüber den

müsse die Notwendigkeit der Kritik und der deutschen Ausführungen bc»

*

Es ist

grotesk, wenn ausgerechnet der in der Minderheitenfrage am meisten belastete

am meisten belastete

Staat Polen einen derartigen Antrag stellt. Polen <vielt hier das Spiel Frankreichs, von dem es wahrschein­lich vorgssckicki ist Zweck dieser aLaekarteien Sacke ist.

10. Jahrgang

die Genfer Debatten von den großen entscheidenden Fragen der Abrüstung und der Gleichberechtigung a b - zu len len und Deutschland durch tendenziöse Ausein­andersetzungen in der Judenfrage Schwierigkeiten zu machen. Es kann nur lächerlich wirken, wenn der Völker­bund, der seit vierzehn Jahren u. a. den polnischen und den litauischen Terror gegen die deutsche Minderheit tatenlos mitsieht, ja sogar entgegen seinen ausdrücklichen Vertragsverpflichtungen stillschweigend billigt, sich plötz­lich zum Schützer der Juden aufwerfen wollte, nur weil Deutschland Herr im eigenen Hause sein will.

Auf dem Marsch aus der Krise.

Vor kurzem sah sich die Reichsregierung genötigt, in scharfer Form allerhand Verdächtigungen entgegen­zutreten, die im Auslande über die Richtigkeit der deutschen Mitteilungen wirtschaftsstatistischer Art verbreitet wurden. Man bezweifelte dort die Angaben des Deutschen Stati­stischen Reichsamtes sowohl über die Entwicklung unseres Außenhandels als auch über den Rückgang der Arbeitslosigkeit und ganz allgemein über beii Erfolg der Regierungsmaßnahmen im Kampf gegen die Krise. Auch wenn man solche Verdächtigungen des Aus­landes sicherlich auf Übelwollen und eine sehr bewußte Herabsetzung dieses Erfolges zurückführen kann, so ist es trotzdem wertvoll, wenn nun dasselbe Ausland auch ein­mal zugeben muß, daß besonders der Kampf der deutschen Reichsregierung gegen die Arbeitslosigkeit zu beträcht­lichen Erfolgen geführt hat. Das Genfer Inter­nationale Arbeitsamt nämlich, das keineswegs von irgendwelcher Deutschfreundlichkeit erfüllt ist erst die letzte Internationale Arbeilskonferenz in Genf zeigte deutlich die antideutsche Einstelluug, veröffentlicht nun selbst eine Statistik über die Entwicklung der Weltarbeits­losigkeit in den drei letzten Monaten. Auch jetzt wieder muß das Internationale Arbeitsamt erklären, daßb e - sonders in Deutschland" in der Zahl der stati­stisch feststellbaren Arbeitslosen erhebliche Rückgänge zu verzeichnen seien. Zugegeben wird ferner, daß in Deutsch­land gegenüber dem September vergangenen Jahres nun die Arbeitslosenziffer für den September 1933 einen Rück­gang von über einer Million aufweise. Gewiß ist auch in einer Reihe anderer Staaten die Arbeitslosenziffer

ium

mehr oder weniger stark gesunken, aber dem steht anderer­seits auch ein Ansteigen dieser Ziffer im Vergleich z .

Sommer vorigen Jahres gegenüber, zum Beispiel in Österreich, Bulgarien und der Tschechoslowakei. Dabei sei hier noch an die Feststellung desselben Internationalen Arbeitsamtes erinnert, daß bereits im Frühling dieses

Jahres in Deutschland ein auffallend starker Rückgang der Erwerbslosigkeit eingetreten sei, während in derselben Zeit die Weltarbeitslosigkeit noch im Steigen begriffen war.

Aber nicht nur das Genfer Arbeitsamt darf die Behauptung wagen, daßzum ersten Male seit Be­ginn dieser Krise in der Weltwirtschaft eine leichte Besse­rung festgestellt" sei, sondern auch der Wirtschafts­ausschuß der Pölkerbundversammlung also auch eine gewissermaßen neutrale Organisation steht auf dem Standpunkt, daß eine allmähliche Besserung der allgemeinen Wirtschaftslage nicht mehr bestritten wer­den könne. Als Beweismaterial dafür wird die Zunahme der industriellen Erzeugung gegenüber dem Vorjahre her­angezogen und dabei schießen natürlich die Vereinigten Staaten mit einem 70prozentigen Anwachsen ihrer Er­zeugung den Vogel ab; andererseits war diese Erzeugung im vergangenen Jahre auf einen unglaublich niedrigen Stand gesunken, der verhältnismäßig noch tiefer lag als dies bei uns der Fall lvar. Für die industrielle E r z e u g u n g i u D e u t s ch l a n d selbst nun nimmt das Internationale Arbeitsamt ein Anwachsen von 18 Pro­zent an. Das deckt sich auch wieder mit Feststellungen, die von der deutschen Reichsregierung wiederholt gemacht worden sind, und so liegt denn auch darin wieder der Beweis dafür, daß die Anzweiflung der entsprechenden amtlichen Mitteilungen unserer Regierung so unberechtigt wie nur möglich gewesen ist.

Und schließlich hat der Wirtschaftsausschuß des Völkerbundes noch darauf hiugewiesen, daß zum ersten­mal seit Beginn der Krise eine Zunahme auch des zwischenstaatlichen Güteraustausches, des Welthan­dels, eingetreten sei: er habe sich gegenüber dem Vor­jahre um etwa zehn Prozent ausgedehnt. Leider besagt das aber noch nicht, daß die Entwicklung in dieser Weise auch weitergehen wird! Die Irrungen und Wirrungen, die namentlich durch die Währungsentwertungen hervor­gerufen wurden, und in letzter Zeit nur noch schlimmer geworden sind, müssen sich ja einer wirklich günstigen Entwicklung des Güteraustausches zwischen den Völkern entgegenstellen. Vor allem sind diese Währungs- e r p e r i m e n t e, von denen sich Deutschland so fern wie nur möglich hält, immerKampferspritzen" gewesen, die nur eine kurze sehr unnatürliche Beschleunigung des wirt­schaftlichen Pulsschlages hcrvorriefcn. Aber selbst wenn man mit Recht jetzt annehmen kann, daß in der Welt­wirtschaft und bei den einzelnen Völkern die Wirtschafts­lage besser geworden ist und die Arbeitslosigkeit daher mehr oder minder zurückging, so darf dabei nicht vergessen werden, daß der jahrelange Marsch in die Krise hinein leibet viel zu lange gedauert hat, als daß nun eine -kurz­fristige Wiedererboluna möglich sein könnte.