Lul-aer /lnZeiger
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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L^ §ulöa- und Haunetal »Zulöaer Kreisblatt
N,Sprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda.
Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.
Nachöruck der mit * versehenen Artikel nur mit (Quellenangabe »Zulüaer finzetger'geflattel.
M 236 — 1933
Der Reichslagsbrandstister-Prozetz
Lubbe und die Bulgaren.
Landgerichtsdirektor P a r r i s i u s erinnert daran, -M ^imitroff zugegeben hat, mit Münzende r g , dem kommunistischen Zeitungsverleger, zweimal zu- m ncnackommen zu sein. Münzenberg selbst hält sich jetzt » Ausland auf und ist einer der Mitverfasser des be- ücktiaten Braunbuches. Er hat zuletzt in der früheren Mahnung Dr. Magnus Hirschfelds gewohnt. In Mr Wohnung haben wiederholt Verhandlungen von Mnmunisten ftattgefunben. Die letzte war am 30. Januar, â wird nun dem Angeklagten Dimitroff die Frage voraelegt, ob er jemals in der Wohnung Münzenbergs an den Sitzungen teilgenommen habe. Dimitroff gibt zu, Minenberg im Jahre 1931 kennengelernt zu haben. In dessen Wohnung fei er aber nie gewesen. Der Angeklagte Popoff behauptet, Münzenberg niemals gesehen zu hoben und niemals in seiner Wohnung gewesen zu sein, ^ic Hauptbelastungszeugin zu dieser Frage, Fräulein Krilger, ivird im Rahmen des Berliner Verhandlungsabschnittes der Beweisaufnahme gehört werden. Es wird dann noch einmal festgestellt, daß die
Geldvorräte der Bulgaren recht erheblich waren.
Es hatte D i m i t r o f f 350 Marl und eine Zehndollar- note bei sich, Taneff 70 Dollar und 20 Mark.
Der nun folgeilde Verhandlungsabschnitt bringt eine Schilderung der Umstände, unter denen es zur
Verhaftung der drei Bulgaren
U Der Oberkellner aus dem „Bayernhof" teilte am 1.tor$ der Polizei mit, daß im „Bayernhof" verdächtig Meinende Personen verkehrten. Darauf sind nach ge- I« Prüfung der Anzeige diese Persönlichkeiten fest- pMmen worden. Es waren D i m i t r o f f, P o p o f f Mdraneff. Helmer hat dann bei der Gegensiber- MlHvan der Lubbe mit absoluter Gewißheit als Mser gelegentlichen Gäste wiedererkannt.
Kan der Lubbe bestreitet, im „Bayernhof" mit den bulgarischen Angeklagten zufammeugetroffen 311 sein.
Timi troff versichert, daß im „Bayernhof" an seinem Tisch niemals ein deutscher Kommunist gewesen sei und erklärt: Und daß ich mit van der Lubbe dort gewesen sei, behauptet nur dieser Lieblingszcuge von Parrisius.
Der Vorsitzende unterbricht Dimitroff und erinnert >bn daran, daß er beim geringsten Rückfall in feine
Vereinigung beider Mecklenburg.
Tcr Zusammenschluß der beiden Länder «eale ii b u r g - S ch w' e r i n und Ri c ck l c n b u r g - ^lrcli tz steht unmittelbar bevor.
Am Freitag, dem 13. Oktober, findet im Rathaus zu ’°M die zweite Vollsitzung des Mecklenburg- chueriner Landtages und die fünfte Sitzung des Mlcnburg-Strelitzer Landtages statt. Auf der Tag e s- "ldnung der beiden Sitzungen steht die erste, zweite Ad dritte Lesung des Entwurfs eines Gesetzes über die 'Billigung von Mecklenburg-Strelitz und Mecklen- ArgSchwerin. .
Im Zusammenhang mit diesem Gesetze, das mit dem Januar 1934 in Kraft tritt, erklärte Reichsstatthalter vndebrandt, Generationen und Regierungen hätten Ore hindurch nicht das vermocht, was national- Zlaljstischx Regiernngsarbcit nun in so M Zeit zum Abschluß gebracht hätte. In den nächsten «qrn werden beide Mecklenburg zu einem Lande zu- "imengelegt. Dadurch werde eine E r s p a r n i s in der ^lwaltung und wohl auch eine direkte und indirekte """ersen kung erreicht.
Samens Marxisten erzwingen ihren Eintritt in das neue Kabinett.
bicneralstreikdrohung gegen den Präsidenten.
«asm?» "len scheint erneut in linksradikal es Nasser abzutreiben. Nachdem auch der viert e Pra- jastskandidat für die spanische Regierung t e i n iix 1 n c t i bilden konnte, hatte sich der S t a a t s p r a - iJA1 entschlossen, den stellvertretenden Führer der 'iu ”^11 Partei, den Rechtsanwalt Martinez it80 nr,°S, mit der Schaffung einer Regierung zu beauf- Er sollte ein sozialiste nfreies Kabinett
'lls die Sozialdemokraten dies erfuhren, beschlossen ^rneral streik im ganzen Lande auszurufen.
"M Druck dieser ungeheuren Drohung Wolin Staatspräsident die Hereinnahme der ln die neu zu bildende Regierung unter gleidp Hieb. Androhung seiner unwiderruflichen Amts- ^"na, falls nicht bis Sonntagmittag die K gebildet werde. Die Sozialdemokratische Partei Wut Ä daraufhin zur Mitarbeit im Kabinett Z L Harrios bereit. , ,
$61» Lösung der Krise bedeutet eine ungeheure ng der Autorität des fpamschcu „««Renten und einen mit Gew a l t m a ß - 11 errungenen Sieg der Sozialisten.
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Fulda, Montag, 9. Oktober
früheren Ungezogenheiten wieber aus dein Saal verwiesen werden müsse.
Po P o ff bezeichnet die Aussage des Oberkellners als Lüge. T a n e f f behauptet, in diesem Lokal nur einmal gewesen zu sein, und zwar am Tage seiner Verhaftung.
Senatspräsident Dr. Bünger hält Dimitroff dann die Aussage eines Zeugen vor, der zusammen mit Dimitroff
im Untersuchungsgefängnis in Moabit untergebracht war. Dieser Zeuge hat Dimitroff darauf hingewiesen, daß sein Bild in der Zeitung steht. Dimitroff soll darauf gefragt haben, ob auch ein Mann verhaftet worden ist, dessen Namen der Zeuge nicht verstand. Der Zeuge hat erklärt, es sind nur noch Popoff und Tan cff verhaftet worden, worauf Dimitroff, sichtlich beruhigt, sagt: „Na, die sind ja mit mir verhaftet worden!" — Dimitroff: Das ist ein Märchen! Tausendundeine Nacht, Herr Oberreichsanwalt!
Weiter kann der Vorsitzende dem Angeklagten Poposf die sehr bestimmte Aussage eines Zeugen Vuguhn entgegenhalten, wonach kurz nach 9 Uhr abends jemand
eilig aus dem Reichsportal II
in Richtung Siegessäule herausgelaufen ist. Nach Ansicht dieses Zeugen hat es sich um Pop off gehaudelt. — P 0 p 0 ff: Das ist absolut unwahr!
Der Vorsitzende möchte darauf wissen, wo sich denn eigentlich Popoff um diese Zeit befunden hat. Popoff erklärt darauf, er sei vou 14 bis 23 Uhr mit Taneff zu- fammengewefen. Der Vorsitzende leitet dann über zu der Frage des von dem Angeklagten angetretenen Alibis.
Darauf tritt die M i t 1 a g s p a u s e ein.
P 0 p 0 f f hat bezüglich seines Alibis am Abend des Reichstagsbrandes früher^ andere Angaben als heute gemacht. Bekanntlich hat ihn ein Zeuge am Abend des Brandes
atzs dem Reichstag Herquslausen sehe«. -~-
Der Angeklagte Taneff, der die ganze Schilderung aufmerksam verfolgt hat, erklärt es zunächst für überflüssig, das zu wiederholen, was Popoff richtig dargestellt hätte. Er tut es aber auf Verlangen doch und erzählt im wesentlichen das gleiche mit einigen zusätzlichen Angaben.
Die Verhandlung wird dann geschlossen, sie soll am Dienstag in Berlin im R e i ch s t a g s g e b ä u d e fortgesetzt werden.
Hindenburgs Berönndenheii
mii dem deutschen Handwerk.
Der Reichspräsident übernimmt die Schirmherrschaft zur Werbcveranstaltung des deutschen Handwerks.
Reichspräsident von Hindenburg, Ehrenmeister des deutschen Handwerks, hat die Schirmherrschaft über die W e r b e v e r a n st a l tu u g des Reichsstandes des deutschen Handwerks, die vom 15. bis 21. Oktober im gesamten deutschen Reichsgebiet stattfindet, übernommen. Hiermit hat der Reichspräsident erneut seine große Verbundenheit mit dem Handwerk bekundet und zum Ausdruck gebracht, welch große Bedeutung dem deutschen Handwerk im Rahmen der deutschen Gesamtwirtschaft zukommt.
Dr. Goebbels aus der deulsch-amerila- nitoen Gedenkfeier in Berlin.
Die erste deutsche Einwanderung in Amerika.
In Berlin sand eine von der Vereinigung Karl Schurz veranstaltete Feierstunde zur Erinnerung an die vor 250 Jahren erfolgte Einwanderung der ersten Gruppe deutscher Siedler unter Franz Daniel P a st 0 r i u s in die Vereinigten Staaten statt. Als Vertreter der Reichsregierung nahm Reichsminister Dr. Goebbels an der Veranstaltung teil, der 11. a. führende Männer des Volksbundes für das Deutschtum im Aüslande, Angehörige der amerikanischen Botschaft und zahlreiche Mitglieder der amerikanischen Kolonie in Berlin beiwohnten.
Dr. Goebbels hielt eine Ansprache, in der er u. a. betonte: Wir Nationalsozialisten fühlen uns mi t j e d e m e i n z e l n e n Volksgenossen, gleich, ob er.im Reich selbst oder jenseits der Grenyen lebt und arbeitet, aufs engste verbuudeu. Deshalb wird das neue Deutschland auch mit viel größerer innerer Anteilnahme das Schicksal seiner Söhne und Töchter auf a u ß e r V e u t s ch e m Boden verfolgen. Wir wissen nur zu gut, wie sehnlich der Auswanderer eine stete P e r - b i n d u n g mit der Heimat wünscht, und von welch großem N u tz e n es andererseits für das Heimatland sein kann, wenn die D eutschen in Übersee das polin;che und Wirts d)nftlid)e Geschehen ihrer alten Heimat vcr - st c h e n und zu w ü r d i g e n wissen. Sie, die alle Eigenarten ihres Volkes kennen und lieben, sind immun gegen tendenziöse Greuelmeldungen interessierter Kreise. In ihnen wird Deutschland
die treuesten Verfechter finden.
Als Symobl für den Willen der j u n g e n Generation des deutschen und amerikanischen Volkes die Vorurteile einer
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nungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
10. Jahrgang
überwundenen Vergangenheit zu beseitigen und den (Ä e - danken der Freundschaft der Völker zu pflegen, bezeichnete er die Tatsache, daß die H i t l e r j u g e n d und die amerikanische Jugend bei dieser Feier g e - meinsam aufmarschiert sei. ■
„Mögen Amerika und Deutschland", so schloß Dr. Goebbels, „die beide in heroischem Friedenskampf gegen die furchtbare Krise der Zeit ankämpfen, in Sympathie und Achtung voreinander die Not unserer Jahre überwinden. Sie werden sich damit den Dank und die Liebe ihrer Völker erringen, und die Welt wird davon großen Segen erfahren."
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In Germa ntown bei Philadelphia (USA.) veranstalteten anläßlich der 250-Jahr-Feier der Landung der ersten Deutschen in Amerika 2 3 0 deutsche Vereine mit 71 525 Mitgliedern sowie 10 000 weitere Vertreter des amerikanischen Deutschtums einen Riesen umzug durch die Stadt zum Pastoriusdenkmal, wo der deutsche Botschafter und der Leiter des Kongresses Ansprachen hielten und die G l ü ck w u n s ch b o 1 s ch a f 1 des amerikanischen Präsidenten Roosevelt verlasen.
„Minderheitenschutz!"
Mit voller Wucht ist die Prager Regierung nicht etwa nur gegen die Deutsche Nationalsö'ialistische Arbeiterpartei in der Tschechoslowakei vorgestoßen, sondern auch gegen die dortige Deutsche Nationalpartei, '.veil diese angeblich sich mit den Nationalsozialisten habe verschmelzen wollen. Man veranstaltete auf die Abgeordneten, die Funktionäre usw. beider Parteien eine w ilde Jagd, beschlagnahmte die Bankkonten und nahm außerdem auch noch alle Deutschen fest, die im Brünner Volks- sportprozeß angeklagt worden waren; polizeiliche Verhöre, Haussuchungen, Verhaftungen kennzeichnen die Aktion, die — nicht unerwartet — gegen alles eingesetzt hat, was sich auch unter der tschechoslowakischen Herrschaft seines deutschen Blutes bewußt blieb. Die anderen deutschen Parteien, vor allem die Sozialdemokratie, brauchen allerdings nicht damit zu rechnen, einer ähnlichen Verfolgung anheimzufallcn!
Offiziell ist von dem Parteivorstand der DNSAP. die Auflösung der Partei verfügt worden; hat doch das Oberste Gericht diese Partei für „staatsfeindlich" erklärt, und jedes Mitglied sah sich infolgedessen der Gefahr ausgesetzt, auf Grund des tschechischen Republikschutzgesetzes einfach des Hochverrats bezichtigt zu werden. Aber der Parteivorsitzende hat nochmals darauf hingewiesen, daß feine Partei sich immer auf legalem Boden bewegte. Niemals sei von einer gewaltsamen Lostrennung der deutschen Gebiete von der Tschechoslowakei die Rede gewesen; niemals habe man eine gewaltsame Lösung der Nationalitätenfrage angestrebt oder gefordert. Was die Partei wolle, sei nichts anderes als die nationale Selbst- Verwaltung, die mit legalen Mitteln hcrzustcllen immer das Hauptziel gewesen sei. Auch jetzt denke man nicht daran, einen illegalen Kampf zu veranstalten, sondern die Selbstauslösung der Partei geschehe einerseits,, um dem amtlichen Verbote zuvorzukommen, und um es andererseits zu verhindern, daß der Prager Regierung irgendwelche Vorwände für ein Vorgehen gegen das gesamte Sudetendeutschtum geliefert werden.
Während sich in der Tschechoslowakei dieser Ansturm gegen die deutsche Minderheit vollzog, beantragte i n Genf auf der Völkerbundversammlung ein Delegierter, man solle den Minderheitenschutz dahin erweitern, daß die Menschenrechte aller Staatsbewohner international garantiert werden sollten. Und er erinnerte daran, daß schon vor elf Jahren in Genf empfohlen worden war, die rechtliche Verpflichtung aller Mitgliedsstaaten des Völkerbundes zum Schutze ihrer Minderheit solle in klarer Weise zum Ausdruck gebracht werden. „Die Debatte wurde fortgesetzt" . . . sagt der Bericht. Er sagt aber nichts davon, daß sich zu diesem Thema auch der sonst so betriebsame Herr Benesch, Außenminister der tschechoslowakischen Republik, geäußert habe.
Wenn man nun hinzunimmt, daß auch aus Ruin änicn die Meldung kommt, nach Auffassung der dortigen Regierung greife die „rechtsradikale B e - wegu n g" im Lande immer weiter um sich, und es müßten daher Richtlinien festgesetzt werden, um die angeblich gefährdete Ordnung im Innern aufrechtzuerhalten, — dann hat man einen weiteren Beweis dafür, daß der offizielle Genfer Glaube, wir lebten in der „b e st e n aller Welten", von den Völkern offenbar doch nicht geteilt wird! Die tschechische Regierung selbst nennt das Kind beim richtigen Namen, wenn sie erklärt, sie habe den Stoß gegen die sudetendeutsche Rechtsbewegung deswegen geführt, um für die „Au f r e ch t e r h a l 1 un g der Demokratie" zu sorgen. Man hat ja angeblich auch den Weltkrieg gegen das Deutschtum geführt, um besagte Demokratie aufrechtzuerhalten, und wenn man dieses Wort hört, dann tönt beinahe als Echo auch das andere Wort von dem „S c l b st b e st i m m ungsrecht der Völke r" zurück. Wie gerade die Prager Regierung das Selbstbcstimmungsrecht der Sudetendeutschen auffaßte, erfuhr man an jenem Märztag 1919, als die Inanspruchnahme dieses Rechtes aus tschechischen Flinten läusen mit der Erschießung und Verwundung Hunderter von Sudetendeutschen beantwortet wurde.
W~ Der Führer befiehlt: Kein Volksgenosse darf im Winter 1933^34 hungern und frieren. Deutscher denke daran, die NS. - Volkswohlfahrt sammelt.