fulöaer Anzeiger
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
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ä£5Ä^ 5ulöa- und Haunetal. Zulöaer Kreisblatt
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Fulda, Donnerstag, 12. Oktober
10. Jahrgang
Brandgranaten.
■ Täglich fast schwillt das internationale Trommel- Lr««, mit dem von allen Seiten her die deutsche Wing in der Abrüstungsfrage beschossen Wirb. Daran Milieu sich nicht nur die „großen K a n o n e n", Abie mehr oder weniger offiziellen Persönlichkeiten der Miaüonalen Politik, sondern man hat ganze Batterien ^Feldgeschützen anfsahren lassen, die ein Schnellfeuer ihren Zeitungsschlünden aus Deutschland unterhalten, niederträchtiger die Verleumdung ist, desto beliebter
Wt sie als Geschoß verwendet zu Werben!
go zum Beispiel hatte schon von vierzehn Tagen ein Maliger russischer Emigrant, der aber die Mische Staatsangehörigkeit und dazu die politisch Mige Stellung eines „Times"-Redakteurs besitzt, in mein großen Pariser Boulevardblatt einen langen Artikel jaiüber veröffentlicht, - der deutsche General st ab -den es übrigens gar nicht gibt — habe geradezu fabel- M Pläne für einen Angriff auf Frankreich vor- taeitet, und zwar mittels eines D u r ch b r u ch s bin ck die Schweiz. Trotz des militärisch gerade zu Kind- lichen der ganzen Darstellung erregte jener Artikel auch deswegen Sensation, weil gleichzeitig in London und in Mau ähnliche Schreibereien erschienen, — und das W den Autor offenbar nicht schlafen lassen. Er hat sich Kiujejegt und jetzt einen ^Weiten Artikel dieser Art ver- mlhen; denn das ist ein V e r brechen! Bezeichnender- ist er in einer französischen Lausanner Zeitung er- giiieiien, also unweit von Genf, wo man ja zur Zeit be» mmilich eifrigst über die Abrüstung verhandelt! Gleich- ist es sehr beabsichtigt, daß dieser Artikel in der WWz veröffentlicht wird, weil dieser russische Eug- ■ei ober englische Russe dort nicht den großen „Erfolg" itineni ersten Elaborat erreicht hat, wie er es wofjl tiaben mag. Denn für ganz so einfach, wie er K walt, hält man in der Schweiz doch wohl nicht überrennen dieses Landes durch den „deutschen
MmDb mitsamt seinem Millionenheer! '
F G Aufregung also, die der Artikelschreiber in der ^LWriz Hervorrufen wollte, blieb doch im wesentlichen M mge deutschfeindliche Zeitungen und Abgeordnete WWnll, während das militärisch verantwortliche Mit- «litt drs schweizerischen Bundesrats nicht bloß zur Ruhe Besonnenheit mahnte, sondern sehr deutlich vou der R^ensati o.n s l u st" sprach, die solchen Meldungen zu- ■ritnbe läge. Aber schon das heißt, dem tollen Treiben Sorte von politischen Hetzern allzu viel Ehre an- M Und noch mehr Ehre hätte es bedeutet, wenn man Wen ans Berlin amtlich auch nur das geringste Wort Wl EwidttWg gewidmet hätte.
I M etwas ist — allerdings für den Verfasser wohl Msreiwillig — in dem Artikel doch nicht uninter- Es wird dort nämlich angedeutet, Deutschland Durchbruch durch die Schweiz versuchen in 6Äe, daß „e i n unerwarteter Angrif f Wackre i ch s" auf Deutschland erfolgen sollte. Daß Angriff heute militärisch ohne weiteres mög- W weiß'natürlich jedes Kind in Deutschland, auch wenn der „reine Verteidigungscharakter" des Aefestignugssystems unweit unserer Westgrenze U -Mnkreich und Belgien immer wieder in die Welt UjAsaum wurde und wird. Doch daß jener russische -Redakteur, der bei dem französischen Ver- 0^mbar über recht gute politische, wenn M schlechte militärische Verbindungen ver- M-^Maupt von der M ö g l i ch seit eines fran- M « Angriffs spricht, ist in der gegenwärtigen Welt- MW bezeichnend!
weiß nicht, ob das dem amerikanischen Staats- kürzlich in den Mund gelegte Wort „Europa Zorabend eines Krieges" wirklich gesprochen Wahrscheinlich ist es nicht, — aber schlimmer Schwatzereien^ Vor allem aber gefährlicher sind Art, wie sie nun von verant» « unb .unverantwortli^er Seite in eine Atmb- Mldtt i', "geschossen werden, in der es zwar nicht nach
1 w'cr nach leicht brennbaren Gafeii riecht.
Der Reichstagsbrandstifter-prozetz
Muf der Zährte der Brandstifter
(Schlußbericht des 14. Verhandlungstazes.)
Nach der Pause teilt Polizeileutnant Lateit ergänzend mit, daß sein momentaner Eindruck, er hätte es bei van der Lubbe mit einem Irren zu tun, sich nur auf das gauze Äußere bezog.
Öberreichsauwalt Werner: Sind damals S A., S S.- odcr sonstige Formationen zum Absperrungsdienst hinzugezogen worden? — Lateit: Ich habe keine SA.- und SS.- Kräfte augefordert und habe solche Kräfte auch nicht gesehen:
Oberreichsanwalt: Es wird ja behauptet, daß gleich von Anfang an wie aus der Pistole geschossen solche Kräfte vorbereitet dagewescn wären. — Zeuge: Das ist unzutreffend.
Unter lautloser Stille ruft Senatspräsideut Dr. Büu- ger dann
van der Lubbe wieder aus, der auch gleich aussteht, aber der Ermahnung des Vorsitzenden, doch einmal den Kops zu heben, nicht folgt.
Präsident Dr. Bünger: Antworten Sie mal auf meine Frage! Sie haben die Aussagen des Zeugen Lateit gehört. Haben Sie dazu etwas zu erklären? — van der Lubbe: Nein. — War die Aussage so richtig? — Das kann ich nicht sagen. — Die Aussagen stimmen im großen und ganzen mit dem überein, was Sie selbst gesagt haben. Ist das richtig gewesen, was der Zeuge sagte? -
Von van der Lubbe kommt nach längerer Panse wieder die monotone.Antwort:
Das kann ich nicht sagen.
Rechtsanwalt Dr. Sack springt auf: Was heißt denn das nun? Will er das nicht sagen, oder kann er das nicht sagen?
Es vergehen wohl einige Minuten, ohne daß van der Lubbe sich zu dieser Frage irgendwie äußert. Es wird noch einmal auf ihn cingcrcdct, auch durch seinen Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Scuffert, aber es ist zwecklos. Selbst bei lautloser Stille im Saal ist nichts von ihm zu vernehmen.
Obcrreichsauivalt Werner weist darauf hin, daß der Angeklagte van der Lubbe gestern auf die Frage, ob er irgendwelche Helfer gehabt habe, nach Mitteilung des Dolmetschers erwiderte: Das kann ich nicht sagen.
Nach seiner Überzeugung könne man daraus schließen, ein G e -
daß der Angeklagte es nicht sagen wolle, daß es h e i m n i s sei und daß er
seine Mittäter nicht verraten wolle.
Es entsteht dann eine längere Erörterung Frage der
übcr die
Nack
Alarmierung der Feuerwehr.
den Ausfaaen des Sachverständigen,
Brand-
direktors D r. W a g ner, der auch als Zeuge vereidigt Wirb, ist um 21,14 Uhr die erste telephonische Meldung vom Brand im Reichstag eingelaufen. Um 21.30 Uhr ist zehnte Alarmstufe und um 21.32 Uhr f ü n f zehnte
Alarmstufe gegeben worden.
Oberreichsanwalt Werner: Von wem sind die zehnte und die fünfzehnte Alarmstufe angeordnet worden?
Sachverständiger: Von Beamten der Feuerwehr.
Der fünfzehnte Alarm ist sogar doppelt gegeben worden,
und zwar fast gleichzeitig, darunter einmal durch Ober- b r a n d d i r e k t o r G e m p p.
' D r. S a'cf : Oberbranddirektor Gempp kommt ja als Zeuge. Er lebt ja noch! (Heiterkeit.). Ich muß darauf hinweisen, weil ich in Loudon die Aussage Grze- s i n s k i s gehört habe: Wenn der höchste Alarm nicht angeordnet worden ist, muß er verboten gewesen sein.
Als nächster Zeuge wird der auch als Sachverständiger geladene Chemiker Professor Dr. Lepsins vernommen. Er kam am 28. Februar, also am Tage nach der Brandlegung, in den Reichstag, um Prüfungen vorzunehmen. Der Angeklagte van der Lubbe befand sich ebenfalls im Reichstag. Der Zeuge hat van der Lubbe genau befragt und sagt barüber u. a. aus: Ich war erstaunt, daß er selbst für Einzelheiten ein sehr genaues Gedächtnis hatte. Van der Lubbe machte
einen sehr sicheren und auch einen sehr klugen Eindruck.
Auf meine Frage, ob er alles allein gemacht hätte, antwortete er mit Ja. Ich habe ihn dann gefragt, was das für einen Sinn haben sollte, das Gebäude anzuzünden, und er erwiderte mir auf holländisch-deutsch: „Die ganze Gesellschaft muß kapput gähn."
V o r sitz end e r : Hat er Ihnen gesagt, daß er den Saal selbst augesteckt hat? — S a ch v e r fr ä n d i g e r : Er sprach davon, daß er in der Mitte des rechten Seitenumganges zum Teil mit den letzten Kohlenanzündern die Vorhänge in Brand gesteckt hätte, b e n Saal selbst nicht.
O b e r r e i ch s a u w a l t: Er wollte also aus k o m m 11 n i st ischeu Gedankengängen heraus eine
Umwälzung herbciführen? diger: Ohne Zweifel.
S a ch verstau-
Der Senat zieht sich darauf zur Beschlußfassung über einen früher gestellten Antrag des RA. Dr. Teichert bezüglich D i in i t r o f f zurück. — Nach kurzer Beratung verkündet Dr. Bünger folgenden Beschluß: Dem Antrag des RA. Dr. Teichert, die gegen den Angeklagten Dimitroff verhängte Ausschlußmaßuahme für die Dauer des Augen- scheintermins tut hu lieben, wird nicht stattgegeben.
Die nächste Sitzung findet am Freitag statt.
Am Donnerstagabend erfolgt die Inaugenscheinnahme vor dem Reichstagsgebände.
Der englische Abrüstungsplan
GleWmchtiMng Zeutschlmds in 8 Safjrea
Der englische Außenminister Sir John Simon hat auf seiner Durchreise durch Paris dem englischen Botschafter Lord Tyrrell die vier hauptsächlichsten Punkte der Beschlüsse des englischen Kabinettsrats mitgeteilt, damit er sie dem französischen Ministerpräsidenten zur Kenntnis bringen kann. Diese vier Punkte sind die
Unterredung v. Hoesch-Simon.
Der deutsche Botschafter in Lo von, von Hoesch, stattete dem englischen Außenminister S i m o n einen Besuch ab. Der Besuch faud auf persönliche Anregung von Sir John Simon statt. Er unterrichtete ihn davon, daß die englische Regierung die deutschen Bemerkungen zur Ab-
Jie Erklärung des ReichsbWvss.
erkibet Nachteil, wenn er nicht ,Deutscher Christi ist.“ »!iMirt?^^dischof übergibt folgende Erklärung der ^>iÄ"^ „Unsinnige Gerüchte wollen wissen, das;
Ahe Welle von A b s e.tz u n g e n u u d V e r- ^"'über die deutsche Pfarrerschaft hereinbrecheu luiijpi. E^Oesondere wird erzählt, es seien alle die- dW, Wrrer gefährdet, die nicht der Glaubens- ^utsch^ Christen angehören.
le a^ dazu solgeudes: Diese Gerüchte stellen
rüstuugsfrage erwogen habe. Es schloß sich an diese Mit- foherben- ~ • teilung eine Unterredung über die jetzt zur Erörterung
L Rückhaltlose Zustimmung zu den Ausführungen stehenden Abrüstungsfragcn ^au. Die Aussichten, Frankreich Baldwins in Birmingham tobn zu einlerteuden Abruitungsmapnahmen während der
3. Notwendigkeit einer Probezeit mit wirksamer Übergangszeit aW einer Bezeugung des guten
Kontrolle überreden zu können, sind nach englischer Aufsagung zienr-
3. Ablehnung jeder Ausrüstung Deutschlands, • lichchoffnUngslos. Mit großer Halsstarrigkeit wird indciscn - - - an der Auffapung festgehalten, daß eine Wiederausruitung
Deutschlands in der Forin, daß man ihm Musterwaffen zugestehen sollte, nicht gangbar sei. Man l c g i D e u t s ch- l a ti b nahe, jetzt noch einmal die Lage zu retten, indem seine verantwortlichen Führer einen praktischen Beweis
ganz gleich in welcher Form,
4. Angleichung des Macdonald Planes an den französisch-englisch amerikanischen Plan.
Die neue englische These, die angeblich von Frankreich angenommen worden sein soll, sieht die völlige Dur ch f ü h r ü n g d e r d e u t s ch c n Gleichberechtigung in acht Jahren vor. Während der ersten vier Jahre soll diese Gleichberechtigung, dem „Echo de
für die deutsche Friedensliebe geben und diese Forderung 5 u r ü cf ft c l l e n solle n (!).
L J' Wc Irreführung der öffentlichen Bleinnug p ^ von den Pfarrern erwarte, ist die klare •’b bjp Ikrlünb^^ des reinen Evangeliums W. E ° Mitarbeit in der Deutschen Evangelischen Re# würde niemals zulassen, daß irgendjemand k>»eil erleid,»
Dr»W"'"kil er nicht „Deutscher Christ" ist.
’t”’, sW^u Christen wollen keine Zwangs g r upp e ^ der Kirche werden.
Erhole, was ich in Wittenberg gesagt habe: Kampf ist zu Ende, der Kampf um cithCs Pulses beginnt." So rufe ich alle Pfarrer v vertrnueysttoll in diesen Kampf hin P -onbehi^r ^' Weg zur Einheit deS Wollens und
Paris" zufolge, nur auf die Effektivste st ä u d e und die allgemeine Organisation der Heere ausgedehnt werden. Jedoch soll das K r i e g s m a t e rial auf seinem bisherigen Stand beibehalten und die Verein He.itlichuug erst nach Abschluß der vierjährigen Kontrolle erfolgen. Der, ständige Abrüstungsausschuß, dem der K'0 n t r o l l a u s sch u ß ungegliedert werden soll, wird nach Auffassung des Blattes die Befugnisse einer bc schränkten Kontrolle haben und unter Umständen die Verwirklichung der Gleichberechtigung verfolgen.
In Genf besteht in allen unterrichteten Kreisen der Eindruck, daß zur Zeit die H a u p t s ch w i e r i g k e i t e n von englischer Seite gemacht werden und daß die englische Regierung mit einer u n erwart e t e n S ch ä r f e das sich allmählich geltend machende Verständnis für den
deutschen Standpunkt- zn bekämpfen sucht. In englischen Kreisen wird gegenwärtig eine äußerst lebhafte Stimmungsmache gegen Deutschland ge trieben, während auf französischer Seite eine gewisse Zurückhaltung bemerkbar Wirb.
Dreimâchtebesprechllng in Genf.
Besprechungen Nadolnys mit Henderson und Benesch.
Eine fast zweistündige Dreimächtebesprechung hat in Genf stattgefunden. Auf Einladung Sir John Simons traten die englische, amerikanische und französische Abordnung zu einer gemeinsamen Besprechung der Lage zusammen. An der Unterredung nahmen von. englischer Seite Sir John Simon, Staatssekretär Eden, von französischer Seite Paul-Boncour und Massigli, von amerika-, nischer Seite Norman Davis; Gesandter Wilson und Allen Dulles teil. Unmittelbar nach dem Abschluß der Unterredung begab sich Simon zum Präsidenten der Konferenz, Henderson, um ihm über das Ergebnis der Besprechungen Bericht zu erstatten. Über den Verlauf der Drei Mächtebesprechungen werden von den zuständigen englischen und amerikanischen Stellen stark widersprechende Mitteilung e n verbreitet. Bon amtlicher englischer Seite wird erklärt, daß die allgemeine Lage