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fK^ Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg ten?Banken usw^kostet dieKleinzelleoÄM., ^SSÄS un» 6aunCt«l.$utoa«« LZ-MSSS^ Ansprüche. Verlag: Chrrstian Serpel, Fulda. Re-aktion un- Gefchästsstelle: Könlgftraße 42 * Zernfprech-RnjHluß Nr. 2-S- für hiesige Auftraggeber berechnet. Bei Rech- Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachüruck Ser mit * versehenen Artikel nur mit (Quellenangabe »Zutüaer Znzeiger'grsiavi. nungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.

Ar. 240 1933 Fulda, Freitag, 13. Oktober__________________________________________________10. Jahrgang

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Würdige Bundesgenossen

Sie wieder aufgefrischte Entente.

Ugland und Frankreich Arm und Arm gegen Deutschland.

Soweit die Pariser Blätter nicht die Geschäfte icI französischen Rüstungsindustrie besorgen und daher noch schroffere Absagen an die Gleichberechtigung ver- aeten, als sie jetzt von der englisch-französischen Front gegenüber Deutschland gegeben werden, sind sie ein ein- ^cr Ausdruck tiefster Genugtuung, ja des Triumphes. Man glaubt in Paris die erneute Verdaue- 4g des Versailler Diktates ohne alle Einschränkung ebenso gesichert wie eine Belastung Deutschlands mit der Schuld an einem etwaigen Zusammenbruch der fogenann- tenAbrüstungskonferenz".

Pom französischen Standpunkt aus, so liest man etwa mPelit Parisien", habe die Abrüstungsfrage noch nie o befriedigend gestanden wie jetzt.

Nie habe die französisch-englische Soli- darität gegenüber derdeutschen Gefahr" sich so fest gezeigt wie heute. Die englisch-französische nberein- simmung bedeute in dem Augenblick, wo die entscheiden­den Beratungen begönnen, eine neue Tatsache von außer- ndentlicher Wichtigkeit, um so mehr, als sie ergänzt würde durch eineAufwertung" der Verträge von tannw. Berlin wisse, daß die Verträge in Anwendung Mcht werden würden, wenn nachgewiesene Ver­schlingen der enünilitarifierte« Jone oder der zukünftigen ÜWSmtion vorkSme«.

Englands tfmfelt

Er ergibt sich die Frage, welchen besonderen Sinn b Frankreich zu dieser Genugtuung und dieser ittont schroffen Haltung gegenüber Deutschland hat.

Der Grund heißt England.

kiiWung Eilglands in der Abrüstmtgsfrage bedeutet einen beitgebenben Rückschritt gegenüber dem Früh- l«er. Es hat nicht offiziell, aber praktisch den Nnomifiplan seines eigenen Ministerpräsidenten Mac­hold, den Deutschland bekanntlich trotz schwerwiegender

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Renten als Verhandlungsgrundlage angenommen hatte, sichch jallen lassen und sich, vermutlich schon in den Wer Besprechungen vor Gens, wieder einmal völlig Frankreichs Forderungen zu eigen gemacht.

Er entsteht dadurch ein schrofserWiderspruch M den Erklärungen des englischen Außenministers Simon m September 1932: man müsse Dentschland die Gleich- Mltgung zugestchen und ihm daher auch alle künftig verbotenen Waffen zubilligen!

Es mach» gegenüber diesem hundertprozentiger» U nr- all Englands wenig aus, daß sich nach Londoner Mel- "Wn England und Frankreich noch nicht über die Dauer Jersten Kontrollperiode einigen können; der französische Wenminister Paul-Boncour besteht auf vier Jahre, der 'Mche will es bei zwei bewenden lassen, übrigens hat Mnzose bei den Verhandlungen mit dem Bundes- Jwn von jenseits des Kanals auch jetzt wieder seine ^Forderung nach Auflösung dermilitä- l^n SeT b än b e in Deutschland vorgebracht. . Wie so manche Reichsregierung aus der Zeit des rUms Hai einfeben müssen, daß jede Spekulation auf ^"llOsch-ftanzösisches Zerwürfnis fehlgeht, so zeigen Pstenwärtigen Genfer Verhandlungen erneut, 'w beiden ungleichen Brüder am Kanal über mancher- Aierne Streitfrage»» (wie ettoa die U-Boot- und die hinweg sich grundsätzlich einigen, sobald Mland irgendwelche noch so bescheidende Rechts- Auche vertritt.

Was soll geschehen, wenn die ^üstungskonferenz zusammenbricht?

Ein Artikel Lloyd Georges.

Ä0B- 1:\ Okt. In derDaily Marl" bereit die zeitgemäße Frage, was werden soll, wenn IihJ^^ui»gskonferenz zusammenbricht. In eindring- totor i fordert der vormalige Ministerpräsident,zu aus ehrlicher Handlungsweise gegenüber Deutsch-

Ä ^lnen führt Lloyd George aus: Der europäische 14 Ä heute mehr denn je von britischer Staats- 8ut uk ' âr dürfen nicht sagen: Wir können Daladier gieren ? Hitler gefällt uns nicht, deshalb müssen wir Übliiit ».^stützen. Unser Urteil gegenüber der deutschen netten Forderung darf auch nicht dadurch geändert Met,, wir die deutschen Regierungsmethoden im ""Urteilen.

è°Miaâ^ »wgt klar und einfach. Deutschland hat die Hs io Ausgabe seiner eigenen Entwaffnung vor mehr Mit X6? burchgeführt. Die Siegermächte haben seit« ?°vl, ° ^"arische Macht in jeder Richtung verstärkt. Das Wl. Uhchland, all seinen Nachbarn auf Gnade und Sibert ^'»gegeben, hat 10 Jahre lang die Mächte auf- 4 1eindeutige Versprechen, das ihm gegeben wor^ ,liit8 füllen. Die Forderung ist mit klarer Berach- ^^belt worden. Deutschland hat das Gefühl, bau Tno wehrlos gemacht worden ist. Frank- Ng UWN, den Vertrag von Versailles ohne ZusttM' ^itrr» zieren Seite durch Weiteren Ausschuß di» 216» 3 Wt Kraft W setzen. Wenn Frankreich b«j

beharrt, wird es eines vorsätzlichen Bruches seines eigenen Vertrages schuldig sein. Deutschland wird darauf antwor­ten: Ihr habt einen der Hauptteile des Vertrages von Ver­sailles zunichte gemar^, somit könnt ihr nicht Klage führen, wenn wir ihn nicht länger als anwendbar betrachen!

Nachdem der Völkerbund 10 Jc während Frankreich, Polen und die

elt hat, tatsäch-

lich den Vertrag brachen, würde es unwürdig sein, wenn der Völkerbund jetzt auf die bloße Gefahr hin, daß Deutschland dem Beispiel der Mächte, die den Völkerbund beherrschen, folgen könnte, sich beeilen würde, für den Vertrag einzu­treten.

Das heutige Deutschland ist nicht das Deutschland von 1923. Ein passiver Widerstand wie im Ruhrgebiet würde bei dem nationalistischen Geist von 1933 unmöglich sein. Wenn Frankreich, Polen und die Tschechoslowake» ihre großen Armeen losmarschieren lasten, dann werden die Braunhemden mit ihrer leichten Ausrüstung vielleicht und wahrscheinlich nicht imstande sein, den Eindringlingen Halt zu gebieten. Es würde eine militärische Besetzung mit Zwischenfällen und Vergeltungsmaßnahmen geben. Der Einmarsch in Rußland hat dort den Bolschewismus gestärkt und ihm festen Halt gegeben. Die Mächte sind sicher nicht so blind, daß sie nicht den Sinn der plötzlichen außenpoli­tischen Aktivität Rußlands erkennen.

Wie England über Gleichberechtigung denkt.

Die Genfer Abrüstungsbesprechungei» sind wieder in ein äußerst heikles Stadiuin getreten. Man will die end­gültige Stellung des französischen Kabinetts zu bett letzten amerikanischen Anregungen und ferner das Eintreffen des italienischen Botschafters Baron Aloisi abwarten, der, wie verlautet, im Besitze neuer weit­gehender Instruktionen feiner Legierung fein soll.

Nach amerikanischen Mitteilungen ist die englische Weigerung, aus den Bombenabwurf zu verzichten, eine der großen Schwierigkeiten. Die englische Regierung ver­langt ein vollständiges Verbot der Militärluftfahrt für Deutschland, fordert aber andererseits für sich den Bombenabwurf in den englischen Kolonialgebiete»». Dieser Gegensatz in der englischen Haltung hat auf ameri­kanischer Seite offene Mißstimmung hervorgerufen.

Wie verlautet, wird sich der deutsche Vertreter aus der Abrüstungskonferenz, Botschafter Nadolny, in Kürze zur Berichterstattung über die Lage in Genf nach Berlin begeben.

paol-doncour wird beglückwünscht.

Zu den Genfer Ergebnissen.

Der französische Außenininister Paul B o n c o u r ist in Paris eingetroffen, um an einem Mini ft e r r a t teilzunebinen. Paul-Boncour zeigte sich über die letzten Ergebnisse in Genf sehr befriedigt. Während des Ministerrats wurde Paul-Boncour von seinen Minister­kollegen für die Haltung der französischen Abordnung be­glückwünscht. DerParis Soir" weist darauf hin, daß eine Verkürzung der Übergangszeit oder Probezeit praktisch gar nicht möglich sei. Deutschland könne die Neuorganisierung seines Heeres unmöglich in achtzehn Monaten oder zwei Jahren durchführen. In Wirklichkeit läßt sich die französische Reaieruna von ganz anderen Ge-

Der Reichslagsbrandstister-Prozetz

Der Reichstag in der Srandnachl

Lokaltermin vor dem Reichstagsgebäude.

Im Reichstagsbrand stifterProzeß fand die erste Inaugenscheinnahme statt. Es handelt sich darum, den Wert der Aussage des Tatzeugen, Schriftsetzers Thaler, festzustellen, der bekanntlich mit großer Bestimmtheit unter Eid erklärt bat, gesehen zu haben, wie zwei Personen durch das zertrümmerte Fenster des Restaurationsraumes in das Reichstagsgebäude ein*

gestiegen seien. In der Nähe des Reichstags- g e b ä u d e 8 haben sich viele Tausende angesammelt, um nach Möglichkeit von der Augenscheinnahme vor dem Reichstag etwas sehen zu können. Die Absperrung ist aber außerordentlich streng. Kriminalbeamte nehmen bei denjenigen, die mit einem Ausweis die Sperrkette durch- schreiten können, Durchsuchungen nach Waffen vor. Die Hermann-Göring-Straße ist i i der Nähe des Reichstages für jeden Fahr- und Fußgängerverkehr ge­sperrt.

Hat sich der Zeuge Thaler getäuscht?- Wahrschein­lich nur eine Person in den Reichstag ejngestiegen.

Der Lokaltermin begann. Während ein Polizeibeamter zuerst ohne einen Feuerbrand, dann mit einem solchen durch sirr Fenster r« das Reichstagsrest-rnrant einstieg unb sich mit öh Fackel im Mvzsfchstz Sem egte, schilderten die Zeugen,

sichtspunkten leiten. Es handelt sich um den Rekruten­ausfall, der in den Jahren 1934 bis 1938 eintritt und den die französische Regierung unter allen Umständen über­brücken will, ohne daß Deutschland in der Zwischenzeit den Effektivbestand seines Heeres erhöht.

Österreichs Finanzlage vor dem Völkerbundrat.

Der Völkerbundrat behandelte in öffentlicher Sitzung den Bericht des Finanzausschusses über die Finanz- lage Österreichs. In dem Bericht heißt es, daß die vorgesehene Außenanleihe Ostereichs mit Erfolg in Eng­land, Frankreich, Italien und der Schweiz aufgelegt worden sei. Die österreichische Regierung sei somit in­stand gesetzt worden, ihren sämtlichen kurzfristigen Aus- landsverpflichtungen und einem großen Teil ihrer schwe­benden inneren Schuldverpflichtungen nachzukommen. Die österreichische Regierung habe sich bemerkenswert um die Aufrechterhaltung des Haushaltsgleichgewichts bemüht. Die Lage der Österreichischen Nationalbank habe sich beträchtlich gebessert.

Die Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens benutzten die Gelegenheit, um in d e m o n st r a t i v e r Weise Österreich ihr Vertrauen auszusprechen; sie betonten übereinstimmend ihre Zuversicht, daß der ein- gelettete wirtschaftliche und finanzielle Wiederaufbau Österreichs zum Erfolg führen werde. Der englische Staatssekretär Eden erklärte, der letzte Stein im Werke des österreichischen Wiederaufbaues sei jetzt die innere Anleihe. Dies alles sei ein deutlicher Beweis, daß Österreich zu dem inneren Wiederaufbau des Landes weitgehendes Vertrauen entgegengebracht werden könne. Die englische Regierung erhoffe einen vollen Er­folg des großen, von der österreichischen Regierung in An­griff genommenen Werkes der Gesundung.

Kommissar für deutsche Flüchtlinge.

, Einsetzung vom Bölkerbundrat bestätigt.

Der Völkerbund befaßte sich mit dem Beschluß der Völkerbundversammlung auf Einsetzung eines Kommissars für die deutschen Flücht­linge. Der Rat b e st ä t i g t e den Beschluß der Ver­sammlung, daß der Kommissar und der ihm zur Seite stehende Verwaltungsrat eine vom Völkerbund unab­hängige autonome Organisation bilden solle. Die Wahl des Kommissars wurde dem Präsidenten der Völkerbund- versammlung, dem Vertreter Panamas, übertragen. Der Berichterstatter betonte, daß der Flüchtlingskommissar die Zentralstelle der gesamten jetzt für die deutschen Flüchtlinge eingeleiteten Aktionen zu bilden habe. Ferner wurde der Verwaltungsrat in der Weife gebildet, daß der Generalsekretär des Völkerbundes an die folgen­den 15 Staaten die Aufforderung zur Teilnahme zu richten hat: Holland, Frankreich, Polen, die Tschechoslo­wakei, Belgien, die Schweiz, Dänemark, Italien, England, Schweden, Spanien, die Vereinigten Staaten, Argentinien, Brasilien und Uruguay. Diesem aus den Vertretern dieser 15 Mächte gebildeten Verwaltungsrat bleibt es jedoch überlassen, auch andere Staaten zur Vertretung hinzuzuziehen. Ferner wurde der Verwaltungsrat er» mächtigt, private Verbände mit in den Verwal- waltungsrat a u f z u n e h in e n. Dem künftigen Ober- kommissar wurden vorläufig 25 000 Franken als Kredit zur Verfügung gestellt. Der Vertreter Frankreichs, Massiali, erklärte, die französische Regierung wünsckie, daß der Flüchtlingskommissar seine Tätigkeit noch vor Beginn des Winters'ausnehme.

was sie am Brandabend wahrgenommen haben. Der Lokaltermin hatte das Ergebnis, daß sich der Zeuge Thaler wahrscheinlich getäuscht hat, als er annahm, zwei Personen seien in das Reichstagsgebäude eingestiegen.

Der 15. Tag.

Berlin, 13. Ott. (Eigene Funkmeldung.) Nach

eintägiger Unterbrechung wurde die Hauptverhandlung im Reichstagsbrandstifter-Prozeß am Freitagvormittag im Reichstagsgebäude wieder aufgenommen. Der Angeklagte Dimitroff ist auch zur heutigen Verhand- lung noch nicht wieder zügel assen. Der Vor­

sitzende erklärt nach Eröffnung der Verhandlung, die gestrige Augenscheiirnahme habe zur Klärung non Wider­sprüche,» zwischen Zeugenaussage»» und auch zur Erläute- rung der Zeugenaussagen betgetragen. Insbesondere, fuhr der Vorsitzende fort, haben Zeuge»» zum Teil in Abweichung von ihrer früherer» Aussage nicht bekunden können, daß es mehr als einer gewesen ist, der eingestiegen ist, auch nicht, daß mehr als einer im Erdgeschoß hinter den Glasfensteri» entlanggclausen ist. Es konnte auch nicht bekundet »ver- den, daß dieser eine, der unten entlanggelaufen ist, eine Fackel getragen hat. Die Besichtigung gestern hatte nur den Zweck, die Ortsverhältnisse und die Beleuchtungsver Haltnisse für diejenigen, die die Tat sbzurrrtsilön haben, einigsrnÄißsn klar zu^mdchen.