Zul-aer Anzeiger
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Un^aX
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Ur. 251 — 1933
Fulda, Donnerstag, 26. Oktober
10. Jahrgang
Gleichheit, Ehre, Frieden!
Oes Führers große Rede.
Berliner Sportpalast am 24. Oktober v 1 93 3.
In seiner großen Rede im Sportpalast führte der Reichskanzler«, a. aus:
Meine deutschen Volksgenossen und Genossinnen!
Wenn man im Leben sehr schwere Entschlüsse zu treffen hat, dann ist cs immer gut, den Blick in die Vergangenheit zurückgleitcn zu lassen, um sich selbst dabei zu prüfen, ob der zu treffende Entschluß richtig ist, ob er sich zwangsläufig aus dem ergibt, was hinter einem liegt, und aus dem, was zwangsläufig als Folgeerscheinung in Der Zukunft kommen muß. Und so will ich denn auch zunächst einen Blick in die Vergangenheit werfen, nicht, um alte Wunden aufzureißen, sondern nur, um seftzustellen, warum wir so handeln müssen und nicht anders handeln können, wenn wir nicht auf der Welt überhaupt die Da- feinsberechkigung als großes Volk und damit unseren Lebciisanspruch preisgebcu wollen. (Lebhaftes Bravo.) Wir haben aus der Geschichte gelernt, daß auf die Dauer das Leben nur den Völkern gegeben wird, die gewillt sind, ihr Leben, ihre Ehre vor der Welt zu vertreten.
Als uns die Revolution im Jahre 1918 zur Ergebung zwang und wir diese Ergebung vollzogen im damaligen verständlichen Vertrauen vieler Deutscher auf die Zusiche- nmg eines Staatsmannes, des Präsidenten Wilson, da hatte ein Kampf sein Ende gesunden, der vom deutschen Volke — wir müssen das immer und immer wiederholen — nicht gewollt war. Wenn das deutsche Volk und auch "feine Regierung diesen Kampf nicht: gewollt hätten, dann wäre er zu einer anderen Zeit und unter anderen Voraussetzungen abgclaufèn. (Wiederholtes . Abo und Händeklatschen.)
"' Daß wir dann am Ende unterlegen sind, ist für uns mgroßes Unglück gewesen,
Unehre war es nicht.
Wir wußten genau, daß man in der Weltgeschichte selbst- : verständlich das Recht, den Frieden zu bestimmen, dem Sieger zubilligt. Allein der Sieger kann nicht das Recht so auffassen,' daß er damit einen moralischen Anspruch besitzt, das Volk,, das das Unglück hattè,.' zu unterliegen, als zweitklassiges und damit selbstverständlich als zw e i t r e ch t l i ch e s für die Welt zu erklären, besonders dann nicht, wenn der Besiegte die Waffen nur niederlegte,
weil man ihm feierliche Zusicherungen gab.
Stürmische Zustimmungen.) Wir haben die Waffen gestreckt in einem Augenblick, in dem die Gefahr bestand, daß ganz Europa unter Umstünden in den Bolschewismus hineinglitt.
Die Infektionsgefahr ist seitdem in Europa nicht kleiner, sondern eher größer geworden. Die Folgen des Ausbruchs einer solchen Erkrankung müssen uns klar sein.
Im westlichen Europa mit seinen dichten Bcsied- lungsverhältnissen würde ein kommunistisches Chaos zu einer Katastrophe führen. Wenn in einem Gebiet, in dem auf 82 Bauern 18 Städter kommen, die Not schon so groß werden kann, daß Millionen Menschen nichts mehr zu Aen haben, wie würde cs erst in einem Gebiet werden, 'n dem aus 25 Bauern 75 Städter kommen! Die Katastrophe wäre unvorstellbar.
Bei Friedensschluß hätte man wirklich erwarten onnen, daß die andere Welt diese Gefahr berücksichtigen wurde. Sie bat es nicht getan. Es ist ein Frieden ge-: Messen worden ohne Rücksicht auf die Wirklichkeit, ja, Ane Rücksicht selbst auf die primitivste Vernunft! Ein. ttNeden, der nicht Friede war, sondern der
zur Verewigung des Hasses der Völker führen mußte. (Wiederholte lebhafte Zustimmung und. mmrufeh 440 Paragraphen, von denen uns die meisten ?M ^sen die Schamröte ins Gesicht treiben, ein Frieden, "'Ht zu vergleichen ist mit ähnlichen Vorgängen aus früherer Zeit.
Dieses Motto: „Schädige, soweit du deinen früheren rgner schädigen kannst", dieses Motto hat sich als ebenso "fruchtbar in wirtschaftlicher Hinsicht erwiesen wie ^ unfruchtbar zur wirklichen inneren Befriedung ber Aus diesem Widersinn heraus die Politik der Separationen auf der einen Seite unb der wirtschaftlichen m ""Ü auf der anderen. Man bürdete einem Volke Aeparationslast auf und raubte ihmalleVor - Ladungen zur Erfüllung. (Rufe: Pfui!) ns' klar, daß diese Forderungen normal überhaupt glichen werden konnten. Wollte man sic begleichen, Ni^wan eine Umschuldung vornehmen, d. h. die pon- I ö Schuld in eine wirtschaftliche verwandeln. Drese hlw^ in eine Wirtschaftsschuld bedeutet aber im em^fbnis nichts anderes, als daß die Kontribution in ^chfcndienst verwandelt wird. Das heißt al|o, bei Wttbtcnft wird
^"au dieselben Wirkungen ausüben, wie vorher
$ die Kontribution. Lutsche Volk mußte sich sofort aus den Weltmarkt ’ "wßte stärker produzieren. Dle anderen ^olUr Weth nf ihrer Schuldverpflichtungen aus dem Knege 'm/;. So erlebten wir in fünfzehn wahren dienn ^ " " nigen Kampf um den W el t m a i f t.
von Arbeitslosen sind die lebenden für die Unvernunft derer, die diese Vertrage gemacht haben.
(Andauernder stürmischer Beifall.) Es waltet hier eine höhere Gerechtigkeit, die diese llnbernunft nun an allen gerächt hat, nicht nur an ben Besiegten, sondern auch an den Siegern.
Man kann eben auf die Dauer nicht eine Welt- ordnung aufbauen auf dem Gedanken des Hasses;
man kann nicht auf die Dauer in Europa eine Lebensgemeinschaft Ausbauen zwischen Nationen, die nicht gleichberechtigt sind.
Und so, wie man wirtschaftlich sinnlos handelte, bandelte man auch politisch sinnlo s. Nur ein einziges Beispiel: Zwischen Polen und Deutschland wird
der Korridor
gelegt. Es hätte sich bamal§ eine andere Lösung finden lassen. Alles vermochten die Mächte damals. Warum mußten sie das tun? N u r u m den H aß zu verewigen (lebhafter Beifall), nur um Völker, die miteinander anskommen würden, in Zwietracht zu stürzen.
Man sagte: Die Welt ist nur gerüstet, weil die Deutschen gerüstet sind (Heiterkeit), daher müssen die Deutschen abrüsten, damit die Weit endlich auch ihre Rüstung ablegen kann. (Große Heiterkeit.) Nun gut, wir haben abgerüstet. Die anderen können das mit Drehen und Deuteln nicht wegbringen. Wir haben abgerüstet buchstäblich bis zum Nichts. Die Welt hätte da folgen können wenn sie nicht - -
künstlich die Abrüstung verhindert hätte. (Lebhafter Beifall.) Dreizehn Jahre hatten sie Zeit gehabt, sich mit dem deutschen Volke zu verständigen, in einer Zeit, da nicht w i r regierten, sondern unsere Antipoden, (Heiterkeit), Männer ihres eigenen Geistes, D e m o k r a t e n und W e l t p a z i f i st e n . Warum hat man denn nicht ab gerüstet? Sie werden wohl nicht behaupten wollen, daß etwa bom damaligen Deutschland der Welt eine Gefahr gedroht hätte. (Heiterkeit und lebhafter Beifall) Aber es ist angenehm zu sagen: wir würden ja alle abrüsten, so wie wir hoch- aerüstet haben, wenn nicht dieses Deutschland wäre! boeücrtcitJ
Die Wirtschaft einer ganzen Nation ist zerstört worden. Am Ende standen wir mit sechs bis sieben Millionen Erwerbslosen da. Es ist
ein grauenhaftes Resultat einer politischen „Befriedung"
Europas. Und da müssen wir doch einmal sagen: Glaubt denn die Welt wirklich, daß auf die Dauer eine Millionen- Armee von sieben oder acht oder neun oder zehn Millionen Erwerbsloser ertragen werden kann, ohne daß das zum Zusammenbruch führt?
Wenn ich mich gegen den Kommunismus wandte, dann nicht wegen der iOO 000 Bourgeois — das konnte gleichgültig sein, ob die zugrunde gehen oder nicht — wir taten es, weil wir
das ganze deutsche Volk hier vor dem Ruin
sahen, die Millionen seiner schaffenden Menschen und die Arbeiter in erster Linie mit. (Lebhafter Beifall.) Als zweites nahmen wir uns vor, sofort den Kampf aufzunehmen g e g e n unseren latenten politischen Zerfall. Wir haben das Programm ausgestellt, daß wir. nur eine Einheit kennen, und wer sich dagegen wendet, ist unser Feind, wird von uns bekämpft. Lebhafte Zustimmung.) Aus dieser Gesinnung heraus faßten
Reichskanzler Adolf Hitler spricht.
wir als weiteren Programmpunkt auf den Kampf gegen den K l a s s e n k a m p f. Wir haben weiter begonnen den Kampf für ein neues Recht. Nicht minder wollten wir nun den Kampf aufnehmen für eine bessere Moral. Und nicht minder haben wir ausgenommen den Kampf gegen die Zersetzung unserer Religion.
Und wir haben uns vor allem eine Niesenaufgabe gestellt, den deutschen Arbeiter in die deutsche Nation z u r ü ck z u f ü h r e n. (Bravo!) Wenn in der Zukunft die Frage an uns gerichtet wird: „Was schätzt ihr denn als eure größte Leistung ein?", dann kann ich nur sagen, daß es uns gelungen ist, den deutschen Arbeiter wieder in die Nation hineinzustellen.
Wir haben dann weiter den Kampf für die Verständigung der verschiedenen Stände untereinander begannen. Und dann kam unser
Kampf für die deutsche Wirtschaft.
Wir haben den Kampf für die Sanierung unserer Finanzen ausgenommen. Und wir haben dabei zu-
WghlkMgebMg am 38. Oktober.
Am Montag, den 30. Oktober, abends 8 Uhr, findet in Fulda in sämtlichen Stadtsälen eine große Wahlkund- gcbung statt. Es spricht der Reichstagsabgeordnete Pg. Börger, Gaubetriebszellenleiter und Treuhänder der Arbeit. Zu dieser Kundgebung sind die Mitglieder der NSDAP., NSBO. und Arbeitsfront sowie die gesamte Bürgerschaft Fuldas eingeladen. Wir erwarten, daß auch in Fulda der Massenbesuch der gleiche wird, wie in allen anderen Städten. Die NSBO.-Kapelle unter der sicheren Leitung des Pg. Dellstedt wird die Kundgebung mit ihren Darbietungen umrahmen. Eintritt 20 Pf., Erwerbslose 10 Pf. Die Rede wird durch Lautsprecher in allen Sälen übertragen. Für Sitzplätze ist gesorgt.
NTBO. Kreisleitung Fulda.
gleich aber auch die Verwaltung gesäubert, haben die Korruption gepickt, und wo wir sie finden, wird sie herausgezogen. (Bravo!) Es ist ein Riesenprogramm der Arbeit auf allen Gebieten. Wenn wir die Arbeitslosigkeit zum erstenmal wieder um über 214 Millionen vermindern konnten, so überschätzen wir das auch n i ch t- Aber unsere Gegner sollen es gefälligst nicht unters ch ätz e n. Was haben s i e denn fertiggebracht? Unter besseren Verhältnissen haben sie das deutsche Volk in die Arbeitslosigkeit gestützt. (Sehr richtig!)
Wir haben auch die Regierung st a b i l i s i e r t. Wir sehen in die Zukunft und können auf lange Sicht disponieren, weil, solange der liebe Gott uns hier läßt, Menschen uns nicht so ohne weiteres beseitigen werden. (Brallsende Zustimmung.)
Und was tut die Welt? Sie hat in diesen acht Monaten uns heruntergesetzt. (Entrüstete Rufe: Pfui!) Was haben w i r der Welt g e t n ? Warum läßt nils die Welt keine Ruhe? (Brausende Zustimmung und Zurufe,) Sie sagen: „Ja, bei euch geschehen Greuel!" Die größten Greuel sind in Deutschland geschehen im Ramen des Friedensvertrages von Versailles. (Stürmischer Beifall.) Durch den Friedensvertrag von Versailles haben sich jährlich in Deutschland rund 20 000 Menschen das Leben genommen. (Bewegung.)
Wann ist' überhaupt je eine Revolution so ohne Greuel vollzogen worden wie die unsere? (Zustimmung.) Wir haben nur die schlimmsten Elemente von der Nation abgesondert. Leider nimmt sie ilns die andere Welt nicht ab; ivir würden sie ihnen gerne zur Verfügung stellen. (Heiterkeit.) Wir sind jetzt noch so großzügig und geben diesem Volke einen viel höheren Prozentsatz als Anteil an Lebensmöglichkeit als er uns selbst zur Ver- sügung stèht. Allerdings vertreten wir neben dem Rechte des auserwählten Volkes auch noch
die Rechte des unterdrückten Volkes, nämlich des deutschen Volkes!
Das aber ist durchaus kein Greuel. Das e i n z i g e U n = g l ü ck, das uns verfolgt, liegt außer uns: es ist der Haß unserer Gegner. (Sehr wahr!)
Wenn es denkbar ist, daß in der Welt ein Braunbuch erscheint, in dem das ganze deutsche Volk in seiner Regierung auf das maßloseste beschimpft und geschmäht wird, so kann ich wirklich nur fragen: Was würden da wohl die Regierungen anderer Länder sagen, wenn das etwa in Deutschland geschähe? (Sehr gut!) Was würde man wohl sagen, wenn in Deutschland propagiert werden dürfte, daß z. B. ein englischer Minister das englische Parlament «»gezündet hätte?
Wie lange soll die Diskriminierung i! n s e r e s Volkes u o ch dauer n? Entweder wir sollen gleichberechtigt sein, dann sind wir's! Oder wir sollen es nicht sein, dann sind wir's nicht! Mit Wort- spielereien soll man uns nicht kommen; das lehnen m t r a b.
Wenn man aber dann erklärt, „man könne uns diese Gleichberechtigung jetzt nicht geben, und zwar weil angeblich bei uns ein militärischer Geist herrsche", dann mnß ich eins feststellen:
Bald sagen sie — wenn das zweckmäßig ist — in Deutschland geht alles drunter und drüber. Und dann heißt es wieder: bei euch ist alles militärisch diszipliuiert, wir fühlen uus dadurch bedroht. Ja, was sind wir nun ciaentlich? Sind wir Wilde, oder sind wir Diszipltmerte'.