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M-aer Anzeiger

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^270 1933

Fulda, Freitag, 17. November

10. Jahrgang

Deutsche Friedenspolitik.

Blin-Warschauer Annäherung.

^je Bedeutung des Berliner Abkommens.

Das Ergebnis der ersten Unterredung des Reichs- zlers Adolf Hitler mit dem neuen polnischen Ge- Mten Lipski ist eine gemeinsame deutsch-polnische Malisverzichtserklärung. Schon vor zwei Maien wurde bei einer ähnlichen Besprechung mit dem Irrgänger des Gesandten vereinbart, daß alle An- imgungen für eine Normalisierung der deutsch-polnischen tzieyungen gemacht werden müßten. Es ist erfreulich, 6g schon jetzt ein erstes praktisches Ergebnis vorliegt. 7c Ncichsregierung gibt damit wieder einen

neuen tätigen Beweis für ihre friedliebende Politik.

M erinnert sich, wie schon vor dem Regierungswechsel «Danzig gewisse Auslandskreise mit Unterstützung der Tilger Marxisten Tendenzgerüchte des Inhalts zu ver- teiteii versuchten, eine nationalsozialistische Regierung in mzig wäre gleichbedeutend mit sofortigen Schwierig­en zwischen Danzig und Polen. Bekanntlich trat das igenieil ein. Die Beziehungen zwischen Danzig und »len waren noch nie so aussichtsreich wie seit den er­zreichen Bemühungen der Regierung Rauschntng.

In noch weit höherem Maße straft diese Berliner Ab- iad)ung alle gegen die nationalsozialistische Regierung «»gestreuten Hetzereien Lügen. Die Berliner Perhand- migen erhalten noch ein besonderes Gewicht dadurch, °d sie

aus freier Initiative der Polen entstanden

inb. Nichts ist bezeichnender, als daß die deutsch-polnische WMltvcrzichtserklärung in Paris nicht nur aufs Wlste ü b e r r a s ch t, sondern geradezu eine gewisse Kibilierung verursacht hat, ein Beweis dafür, daß jede Wie Friedenspolitik der französischen Politik direkt zu- WÄiiuft und ihr höchst unbequem ist. Und auch bei dieser MWeit zeigt sich Frankreich als der alte nsstörer: die Pariser Presse hat teilweise Sichtigeres zu tun, als auch hier wieder die Auf- chW der Reichsregierung anzuzweifeln, wie das ja l^ih sarraut und Paul-Boncour in ihren Erklärungen m der Kammer dieser Tage, mehr oder weniger umschrie- m, getan haben. Insbesondere versucht der Warschauer Meter der halbamtlichen französischen Havas-Agentur, eine Gegenmine

Siegen, indem er die Territorialfrage aufwirft, nach «n deutschenGarantie für den Korridor" sowie einem Mrpcht auf Danzig" . fragt und der Reichsregierung Erstellt, sie wolle durch ihre Politik vor allemdie ge- Mw Front zwischen Frankreich, Polen und der 'en Entente zerstören". DerPetit Paristen" spricht "die'cm Zusammenhang die aufschlußreiche Besorgnis "».Deutschland könne solche Abkommen auch mit anderen âarstaaten,insbesondere mit der Tschechoslowakei", Geht den Herren in Paris vielleicht ein Licht "wberaus, daß die Zeitentwicklung über die unzösische D ikt atp o l iti k allmählich 'nweggeht?

Frankreich könnte sich in der Tat an den Berliner Be "chungcii ein Beispiel nehmen, wie man in direkte Ber Zungen miteinander tritt, ohne vorher eine unüber "gbarc Mauer von Vorbehalte« und Bedingungen zu Wen und damit jede wirkliche Verhandlung von vorn aussichtslos zu machen.

-aswird auch außerhalb Deutschlands 'annt. Es will schon etwas heißen, wenn die gewiß W besonders deutschfreundliche LondonerMorning , U" Hinblick auf die Berliner Besprechungen mit Wendung an die Adresse Frankreichs schreibt:

f»n man Deutschland freie Hand lassen,

! 7'u Wege der friedlichen Mittel die bestmögliche Ä . Korridor- und der Oberschlestenfrage zu er- M. Und es erscheint als eine erfreuliche Einsicht, ^ polnische Zeitungen, die die Berliner Meldungen ausmachen, u. a. schreiben:Eine besondere Be- â gewinnt die Tatsache durch den Umstand, daß : Mland nicht mehr dem Völkerbund aiigehört und dap .«vartige Form des Schiedsverfahrens wert ° w wcner ist als die von Locarno. âjei, .'"wwlich betont die Warschauer Presse dann, dan WNk,c ^ °>i"w Politik Polens in nichts abgeandert ,^!cichviel, das Berliner Abkommen hat zunächst ein hb ^"e Atmosphäre zwischen Deutsch- ^iser ,n^° ^ zu schaffen begonnen. Die Gewaltver- iit jr ^ung hat selbstverständlich nicht das geringste Md einer Art von Ost-Locarno, also mnrrgend- ALZtsverrichten, zu tun. Wohl aber eröffnet sie )u weiteren Besprechungen ^nderhl^ichland und Polen, vor allem über du »^ ^w' bic Oberschlesien- und die Wirstchasts-

*

Wsche G esand te in War, chau , von »^en^B^ ^'om Handclsminister Zarzycki zu eme empfangen. Drese Unterhaltung H mit Ä die kürzliche Konferenz mit Außenmrmster der seit mehreren Tagen unter

DtrtsÄalts-

~u R 9 c n im Zusammenhang-

Oeuisch-japanische Freundschaft.

Eine Rede deS japanischen Botschafters.

Bei dem Rundfunkaustausch BerlinTokio hielt der japanische Botschafter in Berlin, Nagai, zuerst in japanischer und dann in deutscher Sprache eine Rede, in der er u. a. ausführte: Es ist wirklich eine außerordent­liche Freude, daß nun binnen kurzem der Fernsprech­verkehr zwischen Japan und Deutschland dem Publikum zur Verfügung stehen und daß damit die Entfernung zwischen Japan und Deutschland auf ein Mindestmaß herabgesetzt wird. Es ist ja bekannt, daß Japan viel v on Deutschland gelernt hat. Aber andererseits hat auch Deutschland die japanische Kulur mit Interesse studiert und besonders die japanische Kunst schätzen gelernt. Aus verschiedenen Gründen befinden sich heute

Japan und Deutschland in einer ganz ähnlichen Lage.

In beiden Ländern will ein Volk, ein Wille sein. In solcher Zeit ist es besonders wünschenswert, den Gedanken der wechselseitigen Hochachtung und Verständigung zu ver­tiefen. Was imheutigenDeutschland dem Reisen­den, der seine Schritte in dieses gastliche Land gelenkt hat, ins Auge fällt, ist

die Ordnung im Innern sowie der Umstand, daß das Volk fleißig und un­bekümmert seiner täglichen Arbeit nachgeht, trotz der ge­waltigen Umwälzung, welche sein Regierungssystem seit dem letzten Frühling, fett der nationalsozialistischen Revo­lution, erfahren hat. Das deutsche Volk, von der neuen nationalsozialistischen Bewegung bis ins tiefste ergriffen, zeigt in der Tat ein Erwachen und eine gewaltige Ausbreitung des nationalen Gedankens. Dann sprach der deutsche Botschafter in Tokio, Dr. Voretzsch, der u. a. auf die in Europa auch heute noch wenig gekannte und ergründete Seele deS japanischen Volkes und aus die Überlieferung der japanischen Kultur hinwies.*

tätest unter Gleichen."

Benesch über die Lage der deutschen Minderheiten.

Im Staatshaushaltsausschuß des Prager Abgeord­netenhauses antwortete Außenminister Dr. Benesch auf einzelne Anregungen. Auf die Frage über die mittel­europäische Zusammenarbeit der Kleinen Entente mit Deutschland sagte der Minister u. a.: Ich war nie gegen eine natürliche Zusammenarbeit, ich bin nur gegen die Schaffung eines großen Wirtschaftsblocks, in den irgend­eine Großmacht ausgenommen würde. Unter unseren deutschen Parteien sind Menschen, die ihren Standpunkt zum Staate gerade heute klar zu sagen verstehen: Ja, Ja Nein, Nein. Wir sind sehr froh darüber, daß sich bei der heutigen Lage, die gewiß abnorm genug ist, be­stimmte Schichten der deutschen Bevölkerung bei uns so entschieden zum Staate bekennen.

Die Deutschen in unserem Staate sollen Gleiche unter Gleichen sein.

Grundsätzlich bin ich dieser Meinung. In den fünfzehn Jahren der politischen Verantwortung, die ich habe, bin ich unseren Minderheiten gegenüber stets loyal vor­gegangen. Das gilt aber auch für die Außenpolitik. Ich habe fünfzehn Jahre lang ohne Unterlaß gesagt, daß der Friede in Europa nur im Einvernehmen Frankreichs mit Deutschland möglich ist. Es gibt keine Handlung in der tschechoslowakischen Außen­politik, die nicht in dieser Richtung gelaufen ist.

*

Phantasien eines französischen Mattes.

,P e t i t P a r i s i e n" über Deutschlands außenpolitische Ziele".

Amtlich wird mitgeteilt: DerPetit Parisien" veröffentlicht eine angebliche I n st r u k t i o n über die deutschen außenpolitischen Ziele, die an alle Auslands­vertretungen von einer Berliner Propagandastelle ge­gangen sein soll. Diese angeblichen Instruktionen tragen so offensichtlich de» Stempel freier Erfindung, daß ein Dementi, wie es hiermit in aller Form und in jeder Richtung gegeben wird, für einen einigermaßen kritischen Leser kaum erforderlich erscheint. Das Blatt ist offenbar auch selbst seiner Sensationsmeldung so wenig sicher, daß es feine Seiet auf ein zu erwartendes Dementi schon vorbereitet. ES ist im übrigen zu bedauern, daß gerade angesichts der Entwicklung der letzten Tage ein weitverbreitetes französisches Blatt sich zu einer solchen Brunnenvergiftung hergibt.

Kompromiß RußlandLtGA.

Nur Dchuldensragc noch ungeklärt.

In Washingtoner Streifen verlautet, daß Präsident Roosevelt und Außenkommissar Litwinow in allen zur Verhandlung stehenden Hauptfragen, außer in der Schuldenfrage, ein Kompromiß erzielt haben: Offizielle Kreise hoffen, daß auch die Schulden­frage in kürzester Zeit geregelt wird, andernfalls werden die Lerhaudlüngsn möglicherweise in Warmsprings im Sirrte Gsvrgia, wohin sich Roosevelt zu nner zwei­wöchigen Kur begibt, fortgesetzt werden.

Die Entwicklung des deutschen Handels.

In diesen Tagen, in denen Vertreter des deutschen Handels sich in Braunschweig zusammenfinden, um sich immer fester, immer enger zusammenzuschließen, muß es von besonderem Reize sein, auf die bescheidenen An­fänge dieses Handels, der dann so mächtig emporwuchs und alle Märkte der Welt eroberte, hinzuweisen. Im ganzen neigt man dazu, den Handelsbetrieb in der Früh­zeit deutschen Gewerbefleißes zu unterschätzen. Es gab aber schon im frühen Mittelalter in täglich wachsender Zahl Leute, die aus dem Handel im Umhcrzichcn einen Beruf machten, die die Erzeugnisse der Landwirtschaft und die Erzeugnisse des Hausfleißes gegen Schmucksachen, Waffen usw. einlauschten. Denn trotz der Be- mühungen schon Karls des Großen um Hebung des Münzwesens blieb zunächst der Geldvcrkehx sehr gering. Anfangs blieb der Handel im wesentlichen Binnen- und Grenzhandel, und einen festen Handelsstand gab es lange nicht, wie denn z. B. Mönche mit ihren kunstgewerblichen Erzeugnissen handelten, so daß ihnen gelegentlich das Hausieren verboten werden mußte. Vor allem aber ist zu bemerken, daß der Handel in den Händen fremder Kaufleute lag, italienischer, slawischer, jüdischer.

Jahrzehntelang dauerte es, ehe sich c i n b c i m i f ch e Kaufleute durchsetzen konnten, aber es kann nicht oft genug betont werden, daß es nicht Handelsgesellschaften, daß es nicht Großbetriebe waren, die den deutschen Handel vorwärtsgebracht und großgemacht haben, sondern day der einzelne Mann, derE i n z c^h n n b e t\ der mit eisernem Fleiß, mit bewundernder Sach- und Fach­kenntnis für sich allein, damit aber für das ganze Volk arbeitete, im Laufe der Jahrhunderte deui deutschen Handel sein hohes Ansehen in der Welt verschafft hat. Insbesondere waren es die Friesen, die, während das übrige Land sich vornehmlich der Landwirtschaft widmete, nch als ein wirkliches Handelsvolk zeigten: sic brachten Wein von der Mosel die Flüsse hinauf und trieben einen ausgedehnten Tuchhandels Daß die ersten Kaufleute unfrei, also, wie die ersten Handwerker, von einer Grund­herrschaft abhängig gewesen seien, ist nicht nachweisbar. Ein Hauptteil des städtischen Handels wurde von den Handwerkern getragen, die für das, was sie her- fieOten, Absatz suchten und fanden. Das eigentliche Arbeitsfeld der ersten Kaufleute war indessen der Handel mit Gewürzen, Weihrauch, feinen Tuchen und kostbaren Stoffen, Edelsteinen usw., daneben mit Wein, öl, Ge­treide Wachs und dergleichen. In drei Gebieterc vor allem entwickelte sich der Handel nach und nach lebhafter. Das eine Gebiet lag im Süden, war aber nicht, wie erst viel später, wesentlich nach Italien gerichtet, sondern nach B y z a n z. Der Punkt, der, auf altem Römerboven ge­legen, in Deutschland diesen Handel beherrschte, war von altersher Regensburg.: reiche Regensburger Kauf­leute gingen bis in den slawischen Osten hinein, nach Kiew und Moskau, und holten von dort orientalische Waren.

Im Westen, auch auf altem Kulturboden, lag das zweite wichtige Handelsgebiet. At a i n z ,das goldene Haupt des Reiches", war dort das alte Zentrunc und behauptete seine allgemeine Bedeutung viele Jahrzehnte, bis es vor Köln, besonders wegen des See Handels nach England, znrücktrèten mußte. Unter den deutschen Kaufleuten in England, die schon um das Jahr 1000 be­sondere Vorrechte oder vielmehr Gleichberechtigung mit den englischen Kaufleuten gegen bestimmte Abgaben er­langt hatten, sind die Kölner am wichtigsten. An der Nordsee, an den Rheinmündungen aber lag der Haup: handel in den Händen der bereits erwähnten Friesen, die auch den Rhein hinauf bis Mainz handelten. Dieser friesische Handel beruhte indessen, soweit er Tuchhandel war, weniger auf der einheimischen Erzeugung als auf den von ihm verbreiteten bunten, englischen Tüchern, Mänteln usw. Ein gewaltiges, neues Gebiet aber öffnete sich für den deutschen Handel immer mehr im slawi­sch e n O st e n. Hier erstreckte sich der Handel auf Rohstoffe (Felle, Salz, Wachs, Honig», auf Pferde und auf Menschen.

Die Könige und Kaiser haben den Handel geschützt. Schon Karl der Große stellte alle fahrenden Kaufleute unter seinen Schutz: die deutschen wurden von Fremden alsdes Kaisers Kaufleute" bezeichnet. Auch rechtlich ist ihren besonderen Belangen Rechnung getragen worden. Im Schutze der Reichsgewalt hat sich der Handel als wirt­schaftlich folgenreicher Faktor entwielcln können. Der Kaufmann konnte den zunehmenden Wohlstand der Bevöl­kerung, das Bedürfnis nach feinerer Gestaltung des Lebens ausnutzen, selbst Wohlstand erringen und sich soziales Astsehen geben. Um immer weiter zukommen, half er sich durch Zusa m m e n s ch l n ß mit anderen: erst die gemeinsamen Gruppenfahrten in fremde Länder verbürgten den Erfolg. Solche Vereinigungen entstanden zunächst für die Seefahrt, weil der einzelne selten allein ein Schiff ausrüsten und mit Waren füllen konnte. Aus ähnlichem Grunde bildeten sich früh Karawanen zu Lande. Solcher Zusammenhalt ergab sich dann weiter auch draußen, wo man in fremden Marktorten gemeinsame Häuser für Lagerung der Waren und für Unterkunft er richtete. Der Zusammenschluß verlor dann häufig den vorübergehenden Eharakter und erhielt sich, dcm'genosseu schaftlichen Geiste des Mittelalters entsprechend, auch daheim. Die Kaufmannsgilden, die in vielen, besonders in niedersächsischen Städten auftraten, sind dafür ein Zeugnis. Diese Gilden bildeten die Vorstadien der H a n i a . .

Am 1$. November sammelt die Hitlerjugend für das WrnterhilfZwerk.