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!r, 272 1933

Fulda, Montag, 20. November

10. Jahrgang

Friede Rußland-USA.

Am Vulkan der Weltpolittk.

! 3nr gleichen Zeit, da Europa unter dem Terror mntiW ständig von Kriegsgefahr bedroht ist, rollen fernen Osten die russischen Transportzüge mit Kriegs- gterinl aller Art nach der militärischen Basis W l a d i - osto ck, werfen die japanischen Transportschiffe und die Mandschurische Eisenbahn die gleichen Materialien «lüscher Herkunft nach dem äußersten Norden der Mdschurei, steigern sich die diplomatischen Noten Den Moskau und Tokio im Ton zu einer Schärfe, die tzvon der offiziellen Kriegserklärung nur noch durch die igcrc Form unterscheidet.

In diese aufs äußerste zugespitzte Lage fuhr die Mel- mg von der restlosen Einigung zwischen Ruß­end ii ii d Amerika: Anerkennung der Sowjerrepu- j!durch Washington, unmittelbar bevorstehende Wieder- sMhme des direkten diplomatischen Verkehrs. Was be- utet das?

Noch im vergangenen Jahre, als Amerika die letzte iMicht war, die keine offiziellen Beziehungen zu dem Hand der Hammer-und-Sichel-Flagge unterhielt, war »Washington über die russische Frage nicht zu reden: «rcn die Schulden der letzten Zaren- und der Karenski- cgicrung, da war das für die amerikanische Holzwirt- W fast ruinierende russische Holzdumping, da mar die Wiche Agitation der Moskauer Emissäre, die sich bis i die wilden Aufmärsche und Tumulte derKriegs- mn' in Washington und bis in die konzentrierte Mistigkeit der Wallstreet, des Newvorker Bank- imclè, auswirkten. Mit dieser antirussischen Einstellung ch die Politik Washingtons auch noch in das Jahr 1933 will, da der amerikanischen Wirtschaft eine bis dahin Bai noch für unmöglich gehaltene Steigerung seiner WÄfeniabl aus (geschätzte- 18 Millionen und einen Mt gekannten Tiefstand des Dollars (von 4,20 Mark Mi! M Zeit 2,58 Markl brachte. Auch die Wirtschafts- Roosevelts konnte, zumal gegenüber dem Widcr- eines Teiles der amerikanischen Großindustrie, keine VMe schassen, der innere Markt war erschöpft, cs gab M ilch eins: es mußte, mußte auf jeden Fall ein n c u c r 11 hnmarkt geschaffen werden.

Ä kam es, daß das stolze Amerika eines Tages iMiis Vertreter, den Außenminister L i t w i n o w , als Mbändler im Weißen Hause in Washington sitzen sah. irr Russe hatte seit Jabren einen Ruf als ein mit alten «ssern gewaschener Diplomat; noch von der verunglückten ^oner Weltwirtschaftskonferenz hatte er als einziger ^ entscheidenden Erfolg durch die Einigung mit Eng- über die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen "s liach Hanse gebracht. Litwinow ging in seinen Zu­flüssen so weit, daß die in Rußland beschäftigten dmichcn amerikanischen Ingenieure und Monteure W Tonderschntz gegen Anklage wegen Jndustric- loiiage erhalten; das hat nicht einmal England nach der Fassung der verurteilten Vickers-Ingenieure verlangt, Wveige denn erhalten. Amerika seinerseits verspricht 6 f Ausfuhr, vor allem von Fertigwaren, im Werte M> Millionen Dollar (rund 875 Millionen Mark), und 11 bereits seinen ersten Botschafter, Bullitt, für Moskau MW de^ beiläufig im Jahre 1919 bei der amerika- M" Friedensdelegation eine Nolls gespielt hat. Auf V" Zeiten erwägt man sogar schon den Abschluß eines Mngrifspaktesi für den eine Bemerkung Litwinows m amerikanischen Presse den Weg geebnet hat, ohne f direkt lvünscht.

und damit berühren mir d i e weltpolitische ° "Unna der r u s s i s ch - a m e r i k a n i s di e u ^Sung. Sie liegt freilich zum nicht geringen Teil Nans wirtschaftliche!» Gebiete: es kann nicht ohne Ein- aus den gesamten Umsatz und Umschlag im Welt- Mstsverkehr bleiben, wenn zwei der größten Völker Mde (Rußland 165 Millionen, Vereinigte Staaten ^u!a 120 Millionen Einwohner- nun wiedereinen Warenaustausch pflegen. Aber die für die 'Waste Auswirkung der Washingtoner Vereurba- fschen Roosevelt" und Litwinow reicht hinüber deiMi^è riesige Pulverfaß am Rande O st a s i e u s. itzE^ W der Washingtoner Erfolg Litwinows gicich- einer ganz erheblichen R ü ck c n ft ä r i u n g itinwi f10 n d gegenüber Japan. Kommt es nun doch H 0U einer blutigen Entscheidung zwischen Rußland und die erscheint unausbleiblich dann llie^' nd nn Fernen Osten in noch weit höherem Maße 5 "ach dem sekienwcisenIAb schlu ß von Nicht- mit den Randstaaten undder Klemen ^eicki '^ duß es für die russische Luftwaffe, der bann <inC^ entscheidende Rolle Zufällen lynb, nicht tofa Schwächung bedeutet, wenn Amerika setzt: e n eiL f." 9 Zeug - M o t o r e n lv c r k nach Rußland ld wohl klar

Keim, trägt Java n dieser völlig ne,len Lage ^eieü f^chnüng: initten in den beiderseitigen Kriegs- jetzt der japanische Außenminister den ^e§ Botschafter in Tokio zu sich gebeten und hat ihn t»tsiifug einer neutralen al s o e n tm 1 l - -V« - gonc zwischen der Nordgrenze des y^ der Südostgrenze Rußlands vo^

'f» '^"ch daran war noch am - agc "or b.

I - E^^gner weiden 'wMr Gemchre gelE M'^Lri7L^

zunächst aber wird man aller Wahrscheinlichkeit nach in Tokio den Klang der Kriegstrommct stark a b d ä m p f c n. Die Gelegenheit ist freilich für Japan a u ch jetzt noch immer günstig angesichts der Tatsache, daß die inner- amerikanische Krise zur Zeit die Beteiligung an kriege­rischen Abenteuern ungewissen Ausganges für Wahsington verbietet.

Nun hat Tokio die Wahl, sofort loszuschlagen, bevor also sich die russisch-anterikanische Einigung praktisch aus­wirken kann, oder eine vielleicht noch günstigere Gelegen­heit abzuwarten. Tic japanische Regierung, die in abseh­barer Zeit vielleicht unter der Leitung des jetzigen Kriegs­ministers Araki stehen wird, hat eine Entscheidung von ungeheurer Tragweite zu fällen, an der ganz Europa mehr oder weniger stark interessiert ist.

P. A. R.

Roosevelt pLani Doliarstabüisierung.

In höchsten Regierungskrersen vertäutet, daß Roose- vclt die Stabilisierung des Dollars zum 1. Januar 1934 plant, d. h. noch vor nem Wieder,Zusammen­tritt des Kongresses. Die Stabilisierung soll auf der Basis v o n 5 0 Prozent des gegenwärtigen Dollar- wertes erfolgen. Die Goldankäufc sollen vorläufig fort­gesetzt werden. Einzelheiten der Stabilisierungspläne sind noch unbekannt, jedoch verlautet, daß auch Silber in er­höhtem Maße als Währungsdeckung dienen soll.

Deutscher Protest in Paris und London.

Gegen die Presschetzc.

Der deutsche Botschafter in Paris ist an- gewi^sen worden, die französische Regierung auf die verleumderischen Behauptungen, die von der französischen ZeitungPetit Parisien" veröffentlicht worden sind, und auf die schädlichen Auswirkungen, die derartige bös­willige Erfindungen auf die zwischenstaatlichen Beziehun­gen haben müssen, nachdrücklich biNzuweisen.

Mit Rücksicht auf einen ähnlichen Vorfall in der Londoner Presse ist auch der dortige Botschafter mit entsprechenden Weisungen versehen worden.

*

Ein gefälschter Goebbels-Artikel in London.

Telegraphischer Protest des Ministers.

Nach Meldungen aus London bringt das Sonnabend ilattSaturdav Review" einen Artikel, der mit Doktor Yocbbclö gezeichnet ist. Unter der ÜberschriftDeutsch- ands Ziele, Deutschland verlangt mehr Gebiete" werden H diesem Artikel u. a. Behauptungen ausgestellt, die den Stempel einer groben Fälschung an der Stirn tragen.

Reichsminister Dr. Goebbels hat daraufhin an ne Redaktion derSaturday Review" folgendes Telc- i r a m m geschickt:

.Erfahre soeben, daß Sie einen angeblich von nur geschriebenen Aufsatz unter der ÜberschriftDeutschlands Ziele, Deutschland verlangt mehr Gebiete" bringen, in gern u a. Behauptungen über angebliche deutsche Bünd- lisbestrebungen zum Zwecke der Gebietserweiterung und über deutsche Aufrüstlmgsabsichtcu ausgestellt werde».

Erkläre hiermit in aller Form, daß ich einen Aufsatz 3icfeë oder auch ähnliche». Inhalts weder für Sie noch für irgendeine andere Zeitschrift jemals geschrieben habe. Sie können also nur einer böswilligen F â lschu ng mm Opfer gefallen sein. Erwarte von Ihrer Fairneß, aast Sie in Frage stehende Auslage sofort adstoppcn, wenn nicht mehr möglich, Dementi vorgenannten Inhalts eng­lischer Öffentlichkeit zur Kenntnis bringen. (gez.) Reichs- Minister Dr. Goebbels." .

Wir überlassen cs der Weltmeinung, geh selbst ein Urteil zu bilden über diese p 1 u m P e n F ä l sch » n g s - Methoden, die nur dazu erdacht sind, die ehrliche deutsche Friedenspolitik in Mißkredit zu bringen und die ohnehin schwierige Lage Europas durch gewissenlose Brunuenvergistungen Noch mehr zu verwirren.

Frankreich zu neuen Opfern nicht bereit"

Der Tcinps" gegen Zugcstündnifse in Genf.

Der französische Außenminister Paul Boncour reiste mit demselben Zug wie Sir John Simon nach Genf ab. In diesem Zusammenhang erklärte derT c m p s", es könne k e i n e R e d e von neuen Zugeständnissen sein unter dem Vorwand, eine Rückkehr Deutschlands zur Konferenz zu fördern. Welche Prozedur man auch an­wende, so wären solche Anregungen vollkommen unzu­lässig. Wenn die Engländer der Ansicht seien, oaß Zic nicht durch neue eigene Verpflichtungen die von anderen .zuzugestehenben Opfer zur Lösung des Problems Ve- zahlen könnten, so müßten sie verstehen, daß Frank­reich zu neuen. Opfern nicht bereit sei, -ohne eine LrnstzuuehrnLnde Gegenleistung für di- allgemeine Sicherheit.-

Eine Thronrede des englischen Königs.

Anläßlich der Vertagung des Englischen Unterhauses.

Der S i tz u n g s a b s ch n i t 1 des englischen Parla» mentS wurde, wie üblich, durch die R e d e d e s K ö u i g S abgeschlossen. In der Vertagungsrede Georgs V. heißt es zur A b r ü st u n g s f r a g e: Meine Regierung hat durchweg eine aktive Rolle auf der Abrüstungs­konferenz gespielt, und der englische Entwurf, der am 16. März vorgelegt wurde, ist im vergangenen Juni als die Grundlage der vorgcschlagcncn Konvention angenom­men worden. Ich hoffe ernstlich, daß die Schwierig­keit c u , die sich seitdem ergeben haben, überwunden werden mögen. Die Zurückziehung Deutschlands von den Beratungen in Genf vor einem Monat hat not­wendigerweise das Programm erschüttert, aber die Arbeit für internationale Abrüstung durch Vereinbarung zwischen den Nationen muß tatkräftig verfolgt werden.

*

,/Völlig neue Lage in Gens."

So erklärt England.

In der Unterredung zwischen dem englischen Außenminister Simon unb dem italienischen Vertreter Marquis S o r a g n a in Genf soll der englische Außen­minister zum Ausdruck gebracht haben, daß die

englische Regierung sich an ihre am 14. Oktober im Präsidium der Abrüstungskonferenz ab­gegebene Erklärung als nicht mehr gebunden anfehc.

Wie bekannt, gab in der letzten Sitzung des Präsi­diums' vor dem deutschen Austritt der englische dliißcn- miuistcr eine grundsätzliche Erklärung über die zwischen England und Frankreich getroffenen Vereinbarungen ab, die damals den sofortigen Austritt Deutschlands aus der Abrüstungskonferenz und dem Völkerbund zur Folge hatte. Ju der jetzigen Unterredung soll nun von eng­lischer Seite betont worden sein, daß die englisch c 31 c g i e r it n g jetzt eine ä b n l i ch c H a (tun g lv i c die it alte ursche Regierung einuebme. In der damaligen historischen Sitzung des PicWd'iuws am 11. Oktober solle der italienische Vertreter Marquis So rag na die Erklärung abgegeben haben, daß die italienische Rcgic- rung die neuen Vorschläge der englischen Regierung nur unter der eindeutigen Bedingung annebmen könne, daß Deutschland sich zur Annahme dieser Vorschläge bereit erkläre. Der englische Außenminister soll nunmehr darauf histgewicsen haben, daß eine g r u n d s ä tz l i ch neue Lage entstanden sei, da die deutsche Regierung die damaligen Vereinbarungen zwischen England und Frank­reich nicht angenommen habe und eine

Wetterführung der Abrüstungskonferenz ohne Deutschland nur schwer möglich

sein würde. Zu der von dem Präsidenten Henderson cht= berufenen gemeinsamen M ächtebesprechu n g ist jetzt auch zum a l l g c m e i n c n Er st â u u c n der sowjet - russische Pariser Botschafter Dowgalcwski cin- geladen worden, der an sich zu bem engeren Büro der Äbrüstuttgsko»fcrenz nicht gehört. Atan erblickt darin einen Versuch Hendersons, jetzt eine Einigung über die weiter zu ergreifenden Schritte auf möglichst breiter Grundlage zu sinden.

*

Oie Machiebesprechung in Genf.

An der vom Präsidenten Henderson ciuberusellen Btächtebesprechung nahmen Simon, Eden, Paul Boiicour, Massigli, Soragna, der amerikanische Gesandte Wilson, Benesch und der Direktor der 21 brüftungSa b eilititg, Aghnides, teil. In den mehkstündigen Beratungen ivurdc die gesamte Hof f n u ngsl o s e L a g c der Adrüstungs konferenz durchberalen. Von italienischer Seite wurden die ernsten Befürchtungen Mussolinis über die Weiter führung der Abrüstungskonferenz in der bisherigen Form 'zum Ausdruck gebracht.

Tic eigenartige Form der Einberufung der Konferenz durch Henderson hat Anlaß zu s ch a r f è r K ritik gegeben. Die Vertreter Englands, Italiens und der Bcr einigten Staaten haben Henderson darauf aufmerksam gemacht, daß die Erklärung Simons vom 14. Oktober, die bekanntlich zum Austritt Deutschlands führte, keineswegs im Namen anderer Mächte abgegeben worden sei.

Tie f r a n z ö s i s ch e n g l i s ch c n B espr c ch it n g c u mom September und Oktober, die zu bestimmten Ver einbarnngcn über die Bewährung'sfr st und damit zu den von Deutschland abgelehnten neuen Bedingungen in der Abrüstungsfrage führten, scheinen jetzt auch von her eng lischen Seite endgültig a u f g e g e b e n worden zu sein. Der englische Außenminister beabsichtigt vorläufig, sich noch in diesen Ta g eu mit dem Staats­sekretär Eden u a ch R o m in begeben. Man nimmt daher an, daß endgültige Entscheidungen erst lvährcnd dieser römischen Reise fallen werden.

Ich habe den Glauben, daß wir iiitfH geboren sind, glücklich zu sein, sondern unsere Pflicht zu tun, und wir wollen.uns segnen, wenn mir wissen, wo unsere Pflicht 'ft Friedrich RietzschP.