z.KRM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön und Vogelsberg jBn usw kostet die KleinzeUelxZO^Ä, &“-Ä ^uls°- und ßaunctol ■ $ul»a« Rwfebta« L =»«$£§5 Ansprüche. Verlag: Christian Seipel,Fulda. Reöaktion und Geschäftsstelle: Könlgstraße 42 ♦ Zernfprech-Rnsthluft Nr. MM für hiesige Auftraggeber berechnet. Bei Rech. Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachdruck der mit * versehenen Artikel nur mit chuellenangadr.Zuldarr Rn^gtr'erfieeet. nungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
Nr. 274 — 1933
Fulda, Donnerstag, 23. November
10. Jahrgang
Ein Erlaß Rudolf Heß'.
Wie der „Völkische Beobachter" meldet, hat der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hetz, folgenden Erlaß heransgeben:
Parteigenossen, die ein staatliches Amt bekleiden sowie Parteidienststellen dürfen auf eigene Faust keine Verordnungen herausgeben, die
1. ein H ö ch st e i n k o m m e n der Bevölkerung oder einzelner Bevölkerungsschichten festlegen;
2. Das Doppelverdiencrtum regeln sollen;
3. der Bevölkerung zwangsweise Abgaben allgemeiner Art über die offiziellen Steuern hinaus auf- kklegen.
Das Recht derartige Verordnungen zu erlassen, steht lediglich den zuständigen Behörden zu.
Neue Marxistenhetze in Belgien.
Deutschland fordert Maßnahmen gegen den Mißbrauch des Rundfunks.
Brüssel, 22. Nov. Zn Belgien zeichnet sich eine neue Welle marxistischer Angriffe gegen Deutschland ab. Im zanzen Lande werden illustrierte Hetzschriften verteilt. Zn Antwerpen wird die Vorführung eines gegen das heutige Deutschland gerichteten Theaterstückes öffentlich angeprre- ien. Das Stück ist selbst nach dem Eingeständnis der jezialistischen Presse minderwertig. Den Givfel der Verhetzung erreicht jedoch die Inanspruchnahme des belgischen Rundfunks für Voykottpropaganda seitens der sozialisti- i^tit Partei Belgins. Die deutsche Gcsandtsârft hat gegen kiese Borgänge energisch Verwahrung bei der belgischen Acaierung eingelegt und insbesondere die Abstellung des Migbrauches verlangt, der mit dem unter staatlicher Kon- iislle stehenden Rundfunk getrieben wird, und der geeig- I rot ist, eine Störung der deutsch-belgischen Beziehungen x N mursachen.
! Rücktritt unter Protest.
Finanzberater Sprague unterzieht Roosevelts
Währungspolitik einer vernichtenden Kritik.
Washington, 22. Nov. Die „Frankfurter Rach- richien" berschten: Der Finanzberater des amerikanische«
èchrtzamtcs, Dr. Sprague, den Präsident Roosevelt seinerzeit aus London hatte kommen lassen, ist von seinem Wen zurückgetreten.
3it seinem Rücktrittsschreibe« an den Präsidenten Wsevelt erklärt Sprague, er sei zu der Erkenntnis ge« M, daß die Bereinigten Staaten in eine nicht mehr auf- Haltende Inflation Hineintrieben, wenn nicht der organisierte Widerstand der öffentlichen Meinung dies verhindere.
Er habe zu seinem Bedauern einsehen müssen, daß seine Ansichten grundlegend von der Währungspolitik abwichen, ^ der Präsident in jüngster Zeit eingeschlagen habe. Er
In dem weitläufigen Genfer Völkerbundpalast, der trotz ungeheurer Kosten noch immer nicht ganz fertig geworden ist und ja nim auch seinen Sinn verloren hat, stehen einige Herren herum, die n 0 ch aus der Zect übrig geb lieben sind, als es noch so etwas wre einen „Völkerbund" gab, jene Spottgebrrrt aus Sieger- hochmut und -Heuchelei, die im völkerrechtlichen Leber: dieselbe unheilvolle Rolle der Friedensverhinderung gespielt hat wie das Versailler Diktat. Es ist zur Zert weder eine Rats- noch eine Vollsitzung. Aber man saut — ohne ersichtlichen Grund rind trotzdem etwas eilig _ aus Paris und Londorl Dort zusammen, weil Herr , , „ Henderson, der sogenannten „Abrüstungskonferenz"
Ngcnwärtige Währungspolitik den Zusammenbruch des englischer Präsident, ernstlich für sein seit insgesamt acht
«ginungskredits zu vervollständigen drohe. Das Wie- Jahren flyrierendes Unterarmen
^aufbauprogramm bringe die laufenden Einnahmen be- E^tlich übersteigende Ausgaben mit sich, so daß sicher- noch in diesem Finanzjahr mindestens zwei «'lliarben Dollar durch Anleihen aufge- "lacht werden müßten. Der Präsidnt werde sich + ^ der Alternative sehen, entweder seine jetzige Poli- '^uszugeben oder die Regierungsausgaben durch zufätz- ! Ms Papiergeld zu decken. Dann werde er zweifellos eine Überhöhung erzielen, aber er werde die Zerstörung der Höhlung herbeiführen, die sich bereits in der zunehmen- : ^ Flucht aus dem Dollar ankündige.
! è der New Yorekr Börse ging der Dollar nachbörs- r . die Nachricht von dem Rücktritt Spragues
»a. Das englische Pfund notierte 5,43.
em Gegner der Dollarentwertung durch Ankauf aus- Ililidischen Goldes, weil er überzeugt sei, daß dadurch keine Ädige Preiserhöhung erzielt werden könne und weil die
weiter
Russisches Riesenflugzeug abgestürzt.
14 Todesopfer.
'WÄ “' 22. Nov. Das erst vor etwa zwei Wol^n VaiJi0 russische Ganzmetall-Riescnslugzeug „K. 7 , inÄ“s größte Landflugzeug der Welt galt, ist heute von Charkow abgestürzt. Das Flugzeug wurde ÄVerjfört. 14 Insassen wurden getötet. Todkzg^^ater bekannt wurde, befinden sich unter den Oberpilot Sniegirjew, der Leiter der Ingenieur Zernottt der Vcr- i ^°a r^ Zentralflugamts, L'ppa, der Letter der Kontrolle, Aposzynskt, sowie zwer Fwg- ^°« «"teure und einige Mitalreder des technischen INS- Fle Ursache Der Katastrophe ist noch völlig Ik „ Es wurde sofort me Unters» rtchungsksmvM 8Eung nyu Kommissar Suchomlin und de» âe bet Katastrophe fcstzn stellen.
Witze des ersten Teils der ArbeitsWA
Die innere Festigung des Arbeitsmarktes.
3 776 000 Arbeitslose.
Nach dem Bericht der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung brachten wie regelmäßig um diese Jahreszeit in der ersten Hälfte des Novembers Zugänge aus Saisonberufen ein geringes Anwachsen der Arbeitslosenzahl. Mitte November wurden 3 776 000 Arbeitslose bei den Arbeitsämtern gezählt gegen *3 745 000 zu Beginn des Monats.
Der Zuwachs um rund 31 000 ist im Vergleich zu den Vorjahren, die für den gleichen Zeitraum 156 000 für 1932, 220 000 bzw. 232 000 für 1931 und 1930 auszuweisen hatten, wenig bedeutsam. Die Entwicklung war bezirklich verschieden.
Für die innere Festigung des . Arbeits- Marktes spricht neben der im Vergleich zum Vorjahr sehr geringen Zunahme der Arbeitslosen die Tatsache, daß Westfalen und Schlesien noch einen Rückgang der Arbeitslosigkeit berichten konnten und daß die Zunahme in den mehr industriellen und für den winterlichen Arbeitsmarkt bedeutsameren Bezirken wie Sachsen mit plus 0,2 und Rheinland mit plus 0,9 Prozent ganz geringfügig geblieben ist.
Bon den Arbeitslosen erhielten Arbeitslosenunterstützung 328 000 (plus 11 000), Krisen- Unterstützung 1 063 000 (— 9000). Der Bestand au anerfannten Wohlsahrtserwerbslosen wird zum Stichtag — Monatsmitte — nicht ausgezählt.
Die Zahl der N 0 t st a n d s a r b e i t e r, die bei den mit Mitteln der Reichsanstalt geförderten Arbeite« beschäftigt sind, betrug zu Beginn des Monats 314 500 und dürfte inzwischen weiter gestiegen sein; sie hat sich gegenüber dem Vorjahr durch das tatkräftige Vorgehen der Reichsanstalt beinahe vervierfacht.
Die jetzt vorliegende Zähl der K r a n k e n k a s j e 11» m i tgli ed er sta tistik über die Entwicklung im Monat Oktober zeigt bei einem Bestand von über
Europäische Wandlung?
Aukiionsfiimmung in Genf
Ter Gläubiger Deutschland kann Angebote abwarlen.
nach den splendiden Genfer Maßstäben ein sehr sorgenfreies Leben sichert. Der Form halber drohte er sogar mit dem Rücktritt. N i e m a n d nahm das er u st. Aber der Pariser und der Londoner Außenminister sahen angesichts des völligen Fiaskos ihrer beiderseitigen, von der Zeitentwicklnng längst überholten Diktatpolitik die Notwendigkeit ein, so zu tun, als würde nun etwas geschehen, setzten sich nach lieber alter Gewohnheit zusammen in den Schnellzug nad) Genf und grüßten dort die treue
Halle wieder.
Es geschah denn auch etwas, aber nicht das, nm» sie dort erwarteten. Diese erstaunlich weltfremden Politiker einer veralteten Schule mußten dort feststellen, daß sich seit Herrn Simons letzter Rede von der Genfer Komödienbühne herab einiges geändert hat. Selbst das von Frankreich teils mit Zuckerbrot, teils mit Peitsche gezähmte Europa hat endlich, endlich die Geduld verloren: „Völkerbund", „Abrüstungskonferenz" und tute die irreführenden Reklametricks der Genfer Zweckvereinigung sonst noch heißen mögen, interessieren nie m a n d e n m e h r. Der Austritt Deutschlands hat den Zusammensturz einer gemalten Schaufassade zur Folge gehabt, hinter der man jahrzehntealten Staub, ungeheuere Archive wertloser Akten md sonst gar nichts sah. Nachdem die ganze Verlogenheit der „Abrüstungskonferenz" vor aller Welt offenkundig geworden war, entblößte sich auch das Täuschungswort „Völkerbund" als ein Nichts: wenn nicht weniger als vier der bedeutendsten Großmächte der Erde vom Range Deutschlands, Amerikas, Japans und Rußlands Wert darauf legen, dem Genfer Schwindeluntcrnehmcn nicht anzugehören und eine fünfte Großmacht, Italien, die endgültige Abkehr von Genf erwägt, dann kann v o n e i n c >n „Völkerbund" keine Rede mehr sein. Die „Soeieté des Nations", die „Gesellschaft der Völker", wie man es so schön im Französischen nennt, ist zusammeu- gebrochen wie eine auf unlauteren Geschäftsprinzipien aufgebaute Schwindelfirma. Es ist keinerlei Geschäft mehr
damit zu machen.
. Da.s ist dir Sage, die sich 'den vom Lölkerduns m Grus noch ubriggebliebenen Herren jetzt bei ihrer Zu-
14 Millionen Beschäftigten am 31. Oktober 1933 eine weitere Zunahme um 141 360. Auch hier ist es für die Erkenntnis der hinter der Arbeitsmarktentwicklung stehenden Kräfte bedeutsam, daß die industriellen Bezirke die stärksten Zunahmen an Beschäftigten aufzuweisen haben, so in runden Zahlen Mitteldeutschland + 28 900, Rheinland + 21 000, Schlesien + 19 500, Sachsen + 15 000 und Westfalen + 12 000. Demgegenüber hat Ostpreußen einen leichten Rückgang der Beschäftigtenzahl um rund 3900.
Die Ergebnisse dieser ganz unabhängig von den Arbeitsämtern geführten Veschäftigtenstatistik der Reichsanstalt bestätigen die aus der Arbeitslos „statiftik abzulesenden Erfolge des ersten Abschnitts der Arbcitsschlacht in vollem Maße; sie lassen sogar diesen Erfolg noch größer erscheinen, denn während vom Höhepunkt der Arbeitslosigkeit bis zum 31. Oktober die Zahl der bei den Arbeitsämtern eingetragenen Arbeitslosen um rund 2 256 000 zurückgegangen ist, hat vom Tiefpunkt der Beschäftigung bis zum 31. Oktober die Beschâf
tigtenzahl darüber hinaus sogar um 319 000 genommen.
mehr zu-
*
Zu dem Bericht über die Arbeitsmarktlage am 15. November ist darauf hinzuweisen, daß
tm Reich
_. die Zahl der Wohlsahrtserwerbslosen nur einmal im
Monat von den Gemeinden abgerechnet wird. Wer im Laufe des Monats Arbeit erhält, scheidet also erst Ende des Monats aus der Statistik aus. Es hat sich bereits in den letzten Monaten gezeigt, daß zwar in den Berichten der Reichsanstalt, die Mitte des Monats ausgcgebcn wurden, eine geringe Zunahme der Erwerbslosen festgestellt wurde, daß aber am E n d e des Monats stets eine erhebliche Abnahme der Erwerbslosen- z a h l gegenüberstand. So wurde Mitte Oktober eine Zunahme von 1500 Arbeitslosen ausgewiesen, während am Schluß des Monats Oktober sich eine Abnahme um rund 120 000 zeigte. Es ist also damit zu rechnen, daß auch Ende November wieder eine Abnahme der Gr» w e r b.'< o f e n z a h! sestgestellt werden wird.
sammenkunft auftat Sie wolltenes nicht eher merfen. Deutschland, das man nach seinem Austritt nach dreizehnjährig bewährter Methode gemeinsam in die Pfanne zu bauen gedachte, zeigte mit seiner überlegenen Ruhe und der Betonung der absoluten Unabhängigreit seiner Außenpolitik, daß man ihm mit Dikmtmethoden nicht mehr beikommen kann. Und nun geschah in Genf am Dienstag das Unerwartete, daß einer der dort übriggebliebenen Herren, der französische Außenminister P a ul» Boncour, wissen ließ, daß Frankreich zu Verhand- luttgen außerhalb Genfs mit London, Paris und — Berlin bereit sei! Das ließ derselbe Herr Paul- Boncour wissen, der sich noch vor wenigen Tagen in der Pariser Kammer hoch und teuer verschworen hatte: Verhandlungen? gern, aber natürlich nur „im Rahmen des Völkerbundes"; im Rahmen des Viererpaktes? ans- geschlossen.
Er hat ja aiuO jetzt das Wort Viererpakt peinlichst vermieden — aber jene Mächte sind nun einmal hie Signatare des Viererpaktes. Ist Frankreich endlich zur E i n s i ch t gekommen? Das ist n i ck t anzunehmen. Aber es sieht seine völlige Isolierung auf außenpolitischem Gebiet, nachdem England in aller Form von der empörenden Genfer Erklärung seines Außenministers Simon abgerückt ist, die Den letzter Anstoß znm Austritt Deutschlands gab; es sieht die wachsende Zurückhaltung seiner besten Freunde gegenüber seiner verbohrten Gewaltpolitik — soeben mußte es sich eine sehr s ch a r f e K r i t i k seiner Störungsversuche gegen die . deutsch- polnischen Verständigüngsbestrebungen durch das halbamtliche Warschauer Blatt, die „Gazeta Polska", bin» nehmen, was es bisher noch nie gegeben hat! — und Frankreich sieht schließlich seine eigene innere Schwäche: das Kabinett Sarrant ist im Kampf um die Finanzvorlage ein Spielball der Kammerausschnsse und der großen Or- ganisatioueu und kann jeden Tag erledigt sein.
Es wäre natürlich falsch, eine grundsätzliche Schwenkung Der Außenpolitik Frankreichs zu erwarten; dazu ist der Einfluß Der französischen Generals Kamarilla und der schwerverdienenden Rüstungsindustrie noch zu stark. Aber Die vorläufige Bereitwilligkeit, zunächst ein» mal auf neutralem Boden nicht nur über die Fragen Der Abrüstung, sondern über alle europäischen Probleine mit Den drei anderen Mächten zu reden, ist immerhin ein neues Symptom.
Es wird sich zu zeigen haben, ob es wieder nur beim Sieben bleiben soll. Deutschland hat noch feine Veranlassung, sich durch eine unverbindliche Bekundung des Herrn Paul-Boncour aus feiner kühlen Zurückhaltung herauslocken 31t lassen. Frankreich und England sind cs, die nach vierzehn Jahren der Sabotagepolitik etwas anbieten müssen. Die Zeit, in der Deutschland selbst eine bloße Vernehmung durch immer neue Verzichte und Zugeständnisse erkaufen mußte, ist für immer vorbei. Deutschland kann als übergeduloiger Gläubiger in Ruhe ab warten, was ihm seine Schuldner zu bieten haben. Und das muß gan z erheblich müi sein als Reden und unverbindliche Bereitwilligkeiten. P. A. R.