Zulöaer Anzeiger
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Nr. 291 — 1933
Fulda, Mittwoch, 13. Dezember
10. Jahrgang
Der neue Reichstag.
Oer braune Reichstag.
Der graue feuchte Rebel eines früh verdämmernden Dezembertages liegt über Berlin, und fröstelnd starren die entlaubten Baumäste des Tiergartens in die Luft. Einen Augenblick geht die Erinnerung an jenen schönen Maientag zurück, als dort drüben in dem langgestreckten Gebäude der Kroll-Oper der nun auch schon der Geschichte angehörende Reichstag seine letzte Sitzung abhielt, als damals der Führer des deutschen Volkes dort in spannungsvoller Stunde vor aller Welt den Friedenswillen dieses Volkes verkündete und damit einen sich schon langsam um uns bildenden Ring zerstörte. Heute sieht's anders aus! Bei uns und draußen! Noch freilich sind die Nöbel nicht ganz gewichen.
Ganz anders, ganz klar aber sieht'ö d r i n n e n aus, dort, wo nun der am 12. November gewählte neue Reichstag zusammentrat zu seiner ersten Sitzung, die, wie man wußte, nur den Zwecken seiner geschäftsordnungsgemäßen Konstituierung dienen sollte. Und doch war es ein auch äußerlich glänzendes Bild. Bis auf den letzten Platz sind die Zuhörertribünen besetzt. In der großen Loge sitzen zahlreich die ausländischen Diplomaten, ganz vorn der italienische Staatssekretär S u v i ch neben dem Berliner Botschafter seines Landes; dahinter der russische, der srantönsche Botschafter, erotische Gesandte usw.
Aber von dort schweift der Blick bald wieder hinweg: mit magischer Gewalt wird er heruntergezogen, wo in frei en Strömen die braune Flut der neuen, nun endlich auch der wirklichen Volksvertreter hereintollt. Dazwischen die grauen Uniformen des „Stahlhelm" und in stattlicher Zahl das Schwarz der SS. Nur hier und da sieht man „Zivil" dort unten im Saal. Vorn, auf seinem früheren Abgeordnetensitz, Herr von Papen, der Vizekanzler. Auch der greife General Litzmann, der „eigentlich' der Alterspräsident auch dieses Reichstages wäre, betritt den Saal am Arm seines Sohnes, ehrfurchtsvoll von allen Seiten begrüßt, diesen Saal, ivo st
„braun e Ne ichs t a g" zusammengefunden hat. Braun herrscht, wo noch im Mai die Sozialdemokraten gesessen Hallen und „rechts" und „links" sind in diesem Reichstag zu Begriffen der Vergangenheit geworden, ebenso wie das „Not" oder „Schwarz" von einst.
Von überhellcm Licht bestrahlt steht plötzlich der Präsident des vorigen Reichstages da und — wohl noch nie herrschte in diesem Hause ein solch' starke innere Disziplin — vollzieht die Formalitäten der Reichstags- eröffnung, die so ganz anders ist als früher und auch etwas so ganz anderes bedeutet oder einleiten wird; denn n>as diesen Reichstag charakterisiert, ist die E i n m ü t i g - icit. Es gibt ja nur noch eine Fraktion: die nationalsozialistische. Es gibt nur einen Willen, der nicht etwa über diesen Reichstag schwebt, sondern ihn erfüllt: der Kille des Führers. Und so können sich die verschiedenen Wahlen rasch in ein paar Minuten vollziehen, ünmüt'g, im geschlossenem Wollen. Schnell ist man soweit, daß der neugewählte Reichstagspräsideni seinen wnf für das ihm ausgesprochene Vertrauen in ein Ichußwort kleiden kann, in dem auch die eigentliche Auf- We des neuen Reichstages, dieses Bindegliedes zwischen Führung und Volk zum Ausdruck gebracht wurde: Arbeit m das ganze Deutschland. Verschwunden sind die Frak- »cnen von einst, die nur im Ungeist der Fraktion dächten «Nd handelten. Jetzt aber, so sprach der Präsident für den Mzen Deutschen Reichstag, „soll und darf unsere Arbeit,
D enen, unser Tun nur dem Volk und seinem Kurier gewidmet sein." Das dreifache Sieg-Heil! war kl« Gelöbnis, ein Versprechen für das Vertrauen, das das â"nze deutsche Volk nun diesem Reichstag entgegenbringt.
Dr. Pr.
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Nir nationalsoziariffWen Reichstags- abrreordnettn Verden vereidigt.
Der Führer und D r. F r i ck s p r e ch c u.
Die nationalsozialistischen Reichslagsabgeordneten stammelten sich am Montagabend im Plenarsaal bc» ^eußischen Landtages, um vor dem Führer den Treu ‘P abzulegem Reichsminister Dr. Frick eröffnete "r erste Sitmug der neugewählten Reichstagsfrakttou NSDAP, und begrüßte die aus allen Teilen des WS hierhergeeilten Mitglieder.
_ Bunt erstenmal tritt ein Reichstag zusammen, der au. «ur einer Partei besteht. Sie ist damit zum alleinigen Ä des Staates geworden. Dieser gewaltige, in der Schichte kaum dagèwesene Siegeslauf einer weltanschau^ und politischen Bewegung ist das Werk des i 'Klcn Führers Adolf Hitler, den nur hier in unserer uc b^ß^fiji^i^ dürfen
^Der 14. Oktober und der 12. November 1933 werden in der Geschichte als Höhepunkt der genialen
«m^Rkunst des geborenen Führers verzeichn^ da- > Oktober hat er mit kühnem, mannhaften Enlschlud
^v zur außenpolitischen Handlungsfrerhett au, L°Sen, und an diesem Tage hat er vor aller Wett be- I ^°K seine Macht in Deutschland sich nicht gründe I "^ror und Gummiknüppel, sondern auf die Lreve I beatmen Volkes Damit hat bett Führer
notwendige Grundlage zu umfassender Aufbauarbeit nach außen und nach innen geschaffen. Diese weltgeschichtliche Leistung des Führers, die Zusammenschweitzung des deutschen Volkes zur Nation, verpflichtet auch uns Parteigenossen. Wenn wir nachher dem Führer nach seiner Rede unverbrüchliche Treue geloben, so soll das
kein Lippenbekenntnis
lein, sondern jeder von uns wird seinen Ehrgeiz, dareiu- setzen, durch die Tat dem Führer nachzueifern in selbstloser Hingabe an Volk und Vaterland. Der Führer soll
Das Präsidium des neuen Reichstages.
Oben, links: Präsident Reichsminister Göriug — rechts: Stellvertretender Präsident Justizminister Kerrl — unten links: Zweiter stellvertretender Präsident Staatsminister Esser — rechts: Dritter stellver- tretendee Präsident Staatsrat Dr. v o n S t a » ß.
uns auch' im persönlichen und privaten Leben Vorbild sein: Das
Vorbild der Einfachheit und Schlichtheit, das er uns von je gewesen und bis heute geblieben ist. Das sei unser Gedanke und unser Treuegelöbnis an den Füh.er, der nun zu Ihnen sprechen wird.
Der Führer spricht.
Nach der Begrüßungsansprache Dr. Fricks nahm der Führer das Wort. In seiner Ansprache entwarf er ein Bild der großen geschichtlichen Ausgabe, vor die die nationalsozialistische Staatssührung heute gestellt sei und die sie verantwortungsbewußt in Angriff nehme. Einleitend gab er einen kurzen Rückblick aus den fünfzehnjährigen Kampf der nationalsozialistischen B e w e g u n g seit der Novemberrevolte 1918.
Nachdem cs nunmehr gelungen sei, den Marxismus und seinen Wegbereiter, die antionationaleDemokratie, von Grund auf zu beseitigen, werde keine Macht in Deutsch- G land mehr den von der nationalsozialistischc» Bewegung erkämpften wahren Volksstaat stürzen können.
Der nationalso-ialistische Staat sehe das Wesen der Führung nicht nur darin, beharrlich einem Ziele zuzustreben, sondern auch in der Fähigkeit, schnelle Entschlüsse zu fassen. Unter diesem Gesichtspunkt ging der Führer sodann ans die Entscheidung des 14. Oktober und ihre Begründung im einzelnen ein. Das ganze d e u t s ch e V o l k habe am 12. November vor aller Welt dokumentiert, daß es .
geschlossen hinter bem Willen der Regierung steht. Dem deutschen Volke sei am 12. November ein Erfolg beschiedeu gewesen, der einzigartig sei in der Geschichte der Völker. An diesem Tage, so rief der Führer unter stürmischer Zustimmung aus, hätten wir bewiesen, daß wir
ein anständiges und bis ins innerste gesundes Volk seien. Statt der Waffen, die uns fehlten, hätte uns der 19 November dieses einzigartige Bild der Kraft eines geschlossenen Volkes gegeben. Die NSDAP, habe erreicht, wofür sie vierzehn Jahre gekämpft habe. Dafür habe sie aber auch vor der Geschichte eine unerhörte Verantwortung übernommen; denn auf ihr ruhe heute das Schicksal der ganzen deutschen Nation und sie habe nun zu WfjMn, rMë LMchlmderts iME und
Wir alle seien vergänglich, aber Deutschlarrd müsse leben, und damit es lebe, müssen über alle Tagesfragen hinweg bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Die Bewegung habe sich zu fühlen als die Begründerin einer neuen Tradition in unserem Volke. „Dieses Votum hat euch verpflichtet, die Voraussetzungen zu schaffen für einen
Neubau der Natio« auf Jahrhunderte hinaus."
Der Führer fuhr fort: Die Möglichkeiten, die uns heute gegeben seien, kehrten vielleicht in Jahrhunderten nicht zurück. „Wir alle werden einmal gemeinsam gewogen und gemeinsam beurteilt; entweder werden wir gemeinsam diese Prüfung bestehen oder die Geschichte wird uns gemeinsam verdammen." (Stürmischer Beifall.) Die Geschichte solle einmal von uns sprechen als einer Generation von Männern, die kühn, mutig, beharrlich und zäh nur ihrem Volk gedient haben. Der neue Reichstag habe die Aufgabe, erstens mit seiner Autorität die große Aufbauarbeit der nationalsozialistischen Staats- führung zu unterstützen, und zweitens, durch die Partei die lebendige Verbindung zum Volke zu sein. Das Volk, das edel und anständig geführt werde, werde auf die Daiter seine edelsten und anständigsten Tugenden zeigen.
Wenn dieser Reichstag seine Pflicht erfüllt, merbeii wir ruhig und mit Zuversicht in vier Jahren wieder vor das Volk treten.
Ich bin überzeugt, daß es uns dann ein neues nnd vollkommeneres Vertrauensvotum aus»stellen wird. Der Führer erklärte weiter, daß er immer wieder an das Volk appellieren werde, allein schon deshalb, damit die Bo- wegung ebenso verstanden bleibe wie bisher und etwaige Fehler, die ihr unterlaufen, rechtzeitig erkenne. Der Reichstag sei ein junger Reichsiag, und durch diesen sich immer wiederholenden Appell werde dafür gesorgt werden, daß die Jugend nicht aussterbe in diesen Reiben.
Von dem neuen Reichstag müsse cs dereinst heißen, daß er der jüngste, mutigste und kühnste gewesen sei und die großen Atlsgaben der Geschichte, an denen Jahrhunderte gescheitert seien, gelöst habe.
Als bef Führer unter begeistertem Beifall seine Rede beendet chatte, legte JUcid^miiujier Dr. Frick im Namen der versammelten nationalsozialistischen ReichstagS- abgeorbneten dem Führer das feierliche Gelob n i s in die Hand, in unverbrüchlicher Treue in guten und in bösen Tagen zu ihm zu stehen,
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Die Eröffnungssitzung.
Göring wieder Reichstagspräsidcnt.
Nach Eröffnung der ersten Sitzung des neuen Reichstages durch den Präsidenten des vorigen Reichstages, Göring, der nach den Bestimmungen der neuen Geschäftsordnung auch den Vorsitz in der ersten Sitzung des neuen Reichstages führt, werden zunächst die vorläufigen Schriftführer von ihm ernannt. Ein besonderer Namensaufruf braucht nicht mehr vorgenommen zu werden, weil schon durch die Anwesenheit und Listen die Zählung der eingetragenen Namen die Beschlußfähigkeit des Hailses festgestellt ist. Nach der Mitteilung des Reichspräsidenten an den Reichstag, daß der Stellvertreter des Führers, Rudolf Heß, und der Stabschef der SA., Ern st R ö b m, zu Reichsministern ohne Geschäftsbereich ernannt worden sind, erfolgt
die Wahl des neuen Präsidiums, und zwar uach dem Vorschlag des Abgeordneten Dr. Frick durch Zuruf.
Zum Präsidcntc» mirb wieder der bisherige Präsident G v r i n g, zu seinem ersten Stellvertreter der bisherige Präsident des Preuß. Landtages, K e r r l, gewählt; ztvcitcr Stellvertreter wirb ber bisherige Präsident des Bayerischen Landtages Esser und dritter Stellvertreter der Abgcordiketc Dr. von Stauß.
Die Gewählten nehmen die Wahl an. Dann folgt in üblicher Form, also auf dieselbe Weise, die Wahl ber Schriftführer und nach einigen weiteren gcschäft- ■ lichen Mitteilungen wird dem Präsidenten die Ermächtigung gegeben, Zeitpunkt und Tagesordnung der nächsten Sitzuirg selbst zu bestellen. Der R e i ch s t a g s p r äsi - b e n t fährt dann fort:
Meine Herren! Meine Kameraden!
„Ich darf darauf hinweisen, daß der H e r r R e i ch s k a n z l e r heute nicht anwesend sein kann und darf daher auch meinerseits alle weiteren Ausführungen, die ich als Präsident zur Lage zu machen hätte, auf jenen Tag zurück stellen, an dem der Herr Reichskanzler hier selbst auch das Wort ergreifen wird. Für heute darf ich Ihnen den Dank aussprechen für das Vertrauen, das mich wiederum auf diesen Platz berufen hat und Sie nun als n e u g e w Ü hl- ler Präsident begrüßen. Sie werden verstehen, besonders meine Herren Parteigenossen, mit welchem Glücks und Stolzgefühl es mich erfüllt, Präsident eines n a- tionalsozialistischen deutschen Reichstages sein zu dürfen. Wer, wie ich, in den vergangenen Jahren erlebt hat, wie das deutsche Parlament zum Schluß ausgeartèt war, der wird begreifen, mit welcher inneren Befriedigung wir auch hier zurückblicken dürfen auf die gewaltige Arbeit, die unser Führer hier geleistet hat. Gestern hat Ihnen ber Führer bei der Verpflichtung in großen Zügen die Ziele und die Pflichten aufgezeigt, zu deren ErfMimg Sie berufen sind.
Vor allem aber hat et seine Rede dahin zusammen gefaßt, daß die Reichstkagssrâion in voller Geschlossen heit mit der Reichsregierung dem deutschen Volke beweisen f-M, daß das gervalLrgk Vertrau«»., das das Volk uns jfege&r ’M MMWèst ist Unsere ArKâ unser