Zulöaer Anzeiger
1.70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch Tageblatt für Rhön un- Vogelsberg ^n^Ba^^sw^st?Ä^lâ^^^ Bahnsperre usw. erwachsen de â^L §ulSa- und Haunetal ^Zulöaer Kreisblatt aßt anderen 0.15 Mk. l)it Neklamezell« wird Ansprüche. Verlag. Christian Seipel, Fulda. Re-aktton und 0esihästssielle: Königstraße 42♦ Zernfprech-Rnsihluß Nr. tW für hiesige Auftraggeber berechnet. Bei Rech. Dmck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Vach-ro» â» mit * otrstbentn Brtifti nur mit Mellrnangode.Zul»«»? ftnpisn'rtMM. nungsstâung ZaHung tnnerhaS 8 Tagen.
Nr. 299 — 1933
Fulda, Freitag, 22. Dezember
10. Jahrgang
Törichte Gläubiger.
Als am 18. d. M. der Reichsbankpräsident Dr. Schacht erklären mußte, Deutschland sehe sich genötigt, die Zinsen für seine Auslandsschulden nicht, wie bisher, zu fünfzig Prozent an die Gläubigerländer in ihrer Währung zu bezahlen, sondern daß infolge Devisenmangels diese Barüberweisung in fremder Währung auf dreißig Prozent herabgesetzt werden müßte, gab es in diesen Gläubigerländern darob einen mehr oder weniger großen Lärm. Man regte sich dort entsetzlich darüber auf, daß Deutschland „seinen Verpflichtungen nicht nachkäme", aber man hatte sich durchaus nicht im Ausland darüber aufgeregt, daß ein paar Tage vor jener deutschen Erklärung unsere ehemaligen Gegner, soweit sie Kriegs- schuldner Amerikas sind, diesem ihrem Gläubiger mitgeteilt hatten, sie würden die am 15. Dezember fällige Schüldenrate nicht zahlen! Nicht etwa, weil sie nicht zahlen können, sondern weil sie nicht zahlen wollen! Das kann man nicht gerade als eine Innehaltung verbriefter und versiegelter Verträge bezeichnen!
Aber nicht nur mit dieser Streitfrage, sondern auch durch den unerfreulichen Rückgang unserer Ausfuhr im November d. I. ist das ganze Problem unseres Außenhandels überhaupt wieder einmal aufgerissen worden. Allmählich hat es sich ja in der Welt „herumgesprochen", daß Schulden von Land zu Land nur durch Warenausfuhr „bezahlt" werden können. Als Ankündigung für seinen Beschluß hatte Dr. Schacht selbst aber kürzlich in Basel seine Kollegen von den ausländischen Notenbanken darauf aufmerksam machen müssen, daß der deutschen Ausfuhr vom Ausland größere Schwierigkeiten bereitet werden. Solche Schwierigkeiten bereiten der deutschen Ausfuhr aber gerade unsere Hauptgläubiger, nämlich England und vor allen Dingen Amerika. Zunächst war also die naturgemäße Folge, daß wir wegen unserer verringerten Warenausfuhr erklären mußten, nicht imstande zu sein, unseren Gläubigern die ihnen geschuldeten Zinsen mehr als zu einem Drittel in ihrer Währung bar zu überweisen.
Auf der ersten Sitzung des neugeschaffenen Außenhandelsrates hat man sich — das war die zweite Folge — mit größtem Ernst über die Frage auseinander- -efetzt, wie oe,W unserm vedrangren Außenhandel geholfen werden kann. Der Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt erklärte namens der Nerchsregierung es für „unbedingt notwendig, daß nach Neuordnung und Belebung der Binnenwirtschaft nunmehr auch die deutschen Außenhandelsbeziehungen erneuert und ausgebaut werden." Selbstverständlich handelt es sich hier nur um eine Verstärkung dieser Bemühungen, denn die Sorge um den Außenhandel hat besonders der Reichswirtschaftsminister nie aus dem Auge verloren, und er konnte nun auch als doppelten Erfolg den Abschluß der Handelsverträge Deutschlands mit'Holland und mit der Schweiz buchen. Leider aber hatte der Minister nun mit der Feststellung recht, daß der deutsche Außenhandel den Wiederaufstieg der deutschen Binnenwirtschaft bisher noch nicht mitgemacht habe und daß diese zurückbleibende Entwicklung unseres Exports auch im Gegensatz stehe zu der Entwicklung des Außenhandels anderer großer Länder, aber wir müssen eben den Kampf um den Weltmarkt leider auch mit ungleichen Waffen führen: die Dollar- uud Pfund-Sterling-Entwertung, das sogenannte Valutadumping hat uns, wie auch Dr. Schacht kürzlich unterstrich, ganz außerordentlich große Verluste hinsichtlich unserer Ausfuhr und der dabei zu erzielenden Preise gebracht!
Noch schwerer wird dieser Kampf um den Weltmarkt, um die Erhaltung und die Steigerung der deutschen Ausfuhr deswegen, weil die wirtschaftlichen Beziehungen der Völker zueinander überhaupt in einem Umbau begriffen sind; alle Grundlagen, auf denen man früher die Handelsverträge als Siegelung dieser Beziehungen aufgebaut hatte, sind nicht bloß erschüttert, sondern unter dem Druck der Krise zertrümmert worden. Das hat man sogar schon auf der sonst ganz ergebnislos gebliebenen Londoner Weltwirtschaftskonferenz erkannt, gleichzeitig aber auch das andere, daß nämlich „eine g e f u .1 b e Nationalwirtschaft die Voraussetzung für eine Bele b n n g des Außenhandels ist". Aber an diesen Hinweis hat der Reichswirtschaftsminister auch gleich noch die Erklärung geschlossen, daß „die Reichsregierung nach wie vor bereit sei, mit allen Ländern der Erde in engste wirtschaftliche Beziehungen zu treten", allerdings unter der Voraussetzung, daß ein Entgegenkommen unsererseits dem Entgegenkommen der andern Seite begegnet. Also, wer an Deutschland verkaufen will, der muß bereit sein, in gleichem Umfange auch von Deutschland zu kaufen!
Der Weltaußenhandel hat 1933 einen zwar lang- samen, aber doch sichtbaren Anstieg erleben dürfen und dadurch gezeigt, daß die Weltwirtschaftskrise allmählich abzuflauen beginnt. Deutschland als typisches Verarber- tungsland, das über wenig Rohstoffe, aber über einen großen Arbeitswillen und eine schier unermeßliche Arbeitskraft verfügt, wird alles daran setzen, auch durch seine Ausfuhr an jenem allmählichen Anstieg des Warenaustausches zwischen den Völkern teilzunehmen.
Hochkünstlerische Ausführung, Farbenpracht und Billigkeit sind die hervorragenden Eigenschaften der Richard Wagner-Wohlfahrtsbriefmarken. Mögen sie Mu führen,' daß die Marke» gAMmem zur Mrwtzm ^uug kommen!
Kamerad Hitler.
Ein Frontkamerad erzählt von Wer
Der arbeitslose deutsche Kriegsteilnehmer Ignatz Westenkirchner aus Reading (Pennsylvanien), der im Weltkriege zusammen mit Adolf Hitler im Schützengraben gelegen hat, schrieb vor einiger Zeit an den Reichskanzler, schilderte ihm seine Not und fragte, ob er sich seines alten Kriegskameraden erinnere. Hitler antwortete, bezahlte für ihn und seine ganze Familie die Reise nach Deutschland und versprach ihm eine Anstellung. Jetzt ist Westenkirchner auf dem Wege in die Heimat, und der Korrespondent des „Berliner Lokal- Anzeigers" hatte Gelegenheit, sich eingehend mit ihm zu unterhalten.
Im ausgeschmückten Speisesaal dritter Klasse des Dampfers „Hamburg" sitzt ein Vierziger, dem man den deutschen Frontsoldaten artsieht, mit einer dreißigjährigen Frau und drei Kindern, mit der elfjährigen Katharina, dem zehnjährigen Ignatz und der neunjährigen Johanna. Das ist der Tischler Ignatz Westenkirchner, Gefreiter im Weltkriege, dem der Feldzugskamerad und Freund Adolf Hitler die größte Weihnachtsfreude bereitet hat, die man sich denken kann. Als ich Westenkirchner begrüßte, leuchten seine Augen auf; er zeigt auf seine Familie und sagt:
„Adolf Hitler hat uns bewiesen, daß er auch heute noch das ist, was er stets im Felde war: ein guter Kamerad, der wie kein anderer zur Hilfe bereit ist."
Dann erzählt Weftenkirchner
Geschichten echter Frontkameradschast
und fährt fort: „Im Jahre 1920 trafen wir uns in München im Parteilokal Sternecker durch den Felözugs- kameraden Schmidt wieder. Ich war damals bei bei Münchener Polizei tätig und quittierte im März 1926 meinen Dienst. Hitler suchte mich noch in meiner Wohnung auf, um mich zum Bleiben zu überreden. Er erklärte, daß er felsenfest aus den Sieg seiner Idee hoffe, und daß er mich dann nicht vergehen werde.
Westenkirchner ist nach seiner Ausreise in bei schwersten Zeit der amerikanischen Nachkriegsperiode in das Gebiet der amerikanischen Strumpfindustrie ge-
Eingliederung der evangelischen Jugend in die Hitler-Jugend. — Abkommen zwischen Reichsbischof und Reichsjugendführer.
TU. Berlin, 21. Dezember.
Das Verhältnis zwischen Hitler-Jugend und evangelischer Jugend ist soeben endgültig geklärt worden. Der Neichsbischof und der Jugendführer des Deutschen Reiches haben ein Abkommen über die Eingljede r u n g der evangelischen Jugend in die Hitler-Jugend unterzeichnet.
Das Abkommen
hat folgenden Wortlaut:
1. Das evangelische Jugendwerk erkennt die einheitliche staatspolrtische Erziehung der deutschen Jugend durch den nationalsozialistischen Staat und die Hitler-Zugend als Träger der Staatsidee an.
Die Jugendlichen des evangelischen Jugendwerkes unter 18 Jahren werden in die Hitler-Jugend und ihre Unter- gliedervngen eingegliedert.
Wer nicht Mitglied der Hitler-Jugend wird, kann fürderhin innerhalb dieser Altersstufen nicht Mitglied des -evangelischen Jugendwerkes fein.
2. Geländesportliche (einschließlich turnerische und sportliche) und staatspolitrsche Erziehung wird bis zum 18. Lebensjahr nur in der Hitler- Jugend getätigt.
3. Die gesamten Mitglieder des evangelischen Jugendwerkes tragen entsprechend ihrer Zugehörigkeit zur Hitler- Jugend den Dienstanzug der Hitler-Jugend.
4. An zwei Nachmittagen in der Woche und an zwei Sonntagen im Monat bleibt dem evangelischen Jugendwerk die volle Freiheit seiner Betätigung in erzieherischer und kirchlicher Hinsicht mit Ausnahme der in Ziffer 2 genannten Betätigung. An diesen Tagen werden, wenn nötig, die Mitglieder jeweils von der anderen Organisation beurlaubt.
Für die Mitglieder des evangelischen Jugendwerkes wird der Dienst in der Hitler-Jugend ebenfalls auf zwei Wochentage und zwei Sonntage im Monat beschränkt.
Außerdem wird für die evangelische Lebensgestaltung und evangelische Jugenderziehung durch volksmissionarische Kurse und Lager den Mitgliedern des evangelischen Jugendwerkes vom Dienst in der Hitler- Jugend ein entsprechender Urlaub erteilt.
Berlin, den 19. Dezember 1933
Der Jugendführer des Deutschen Reiches: gsz. Baldur ren Schirach gsz. Ludwig Muller, Reichsbrschs-f.
kommen, wo entsetzliche Not herrschte. Nachdem ein erste; Brief an den Reichskanzler diesen anscheinend nicht erreicht hatte, schrieb Westenkirchner an Hitlers Schwestei in Obersalzberg. „Dieser Brief", so erzählt er weiter „ist in die Hände des Führer gekommen, denn eines Tages traf bei mir das Telegramm der Hapag ein, das mir mitteilte, Hitler habe die Schiffskarte für bi« Heimreise für mich und meine Familie persönNck bezahlt und mir gleichzeitig in Aussicht gestellt, daß füi mein Fortkommen in Deutschland gesorgt werden würde/
Meldegänger Hitler.
Westenkirchner beginnt von den gemeinsamen Frontragen zu erzählen. „Oft habe ich Hitler im Feuer beobachtet, denn oft haben wir im Dreck zusammengelegen Adolf Hitler kannte keine Furcht, er war immer da, mene es galt, als Meldegänger besonders schwere Aufträgi auszuführen. Er teilte und entbehrte mit uns alles ie echter Kameradschaft.
Wenn wir den Mut verloren, richtete Hitler uns auf Wenn wir anfingen Trübsal zu blasen, dann tröstete ei uns und erfüllte uns mit Zuversicht, bis wir zuletzt ar den Sieg glaubten."
Dann berichtet Westenkirchner von einem Husarenstreich Adolf Hitlers
an der Westfront: „Hitler sollte die Meldung überbringen daß die Front durchbrochen fei. Wir wüßten bei dem Durcheinander nicht mehr, ob wir von Freund obei Feind beschossen wurden. Hitler arbeitete sich untei Deckung vor. Als er immer wieder neues Feuer betam entdeckte er durch sein Feldglas vorn im Gelände einer aufgeworfenen Hügel und erkannte dahinter Franzosen Ritter ging mit der Pistole in der Hand auf sie zu uni tat so, als ob ihm eine größere Abteilung folge. Du Franzosen ließen sich übertölpeln und von Hitler zwingen, die Stellung zu verlassen. Hitler brachte sie tatsächlich mit vergehaltenem Revolver bis zur deutscher Linie und lieferte sie persönlich ab." Als ich mich von bei Familie Westenkirchner verabschiede, leuchtet i« ihrer Augen eine unbändige Freude: die Frontsoldatentreue Hitlers hat ihnen die Heimat zurückgcgcben
Jugendgemäße Verkündigung des Evangeliums.
Die Pressestellen des Reichsbischof und des Jugendführers des Deutschen Reiches geben folgende gemeinsame Mitteilung heraus, in der es heißt:
Die Arbeit der evangelischen Jugend darf sich heute wieder auf ihr eigentliches Gebiet, die jugendgemäße Verkündigung des Evangeliums, beschränken. Sport, Unterhaltung, kulturelle Veranstaltungen usw. beeinträchtigen nicht mehr wie in dem marxistisch-liberalen Staat die Verkündigung des Evangeliums unter der Jugend. Mit umso größerer Freudigkeit kann sich die evangelische Jugend, auf bief? nunmehr von der Hitler-Jugend übernommenen Aufgaben verzichtend, die für sie nur eine Belastung waren,
dem einzigen ihr befohlenen Auftrag, die Botschaft Christi in die Jugend zu tragen, hingeben.
Durch diesen gemeinsamen Schritt des Reichsbischofs und des Reichsjugendführers werden alle Gerüchte endgültig widerlegt, die aus einer mißverstandenen Aeußerung des Reichsjugendführers anläßlich einer Rede in Frankfurt a. O. glauben machen wollten, daß der Reichsjugendführer nicht auf dem Boden des positiven Christentums stehe.
Mit einem Schlage treten mehr eine halbe Million deutscher Jungen und Mädel in die Reihen der nationalsozialistischen Jugend.
Es wird damit die Aufgabe der bisherigen organisierten evangelischen Jugend zu einem Auftrag der Kirche nunmehr in neuen Formen und Möglichkeiten der gesamten evangelischen Jugend zu dienen. Andererseits ist die e i n - zeitliche Erziehung der deutschen Jugend durch den nationalsozialistischen Staat und damit durch die Hitlerjugend als bie Trägerin der Staatsidee durch die evangelische Kirche anerkannt. Die Hitler- Jugend prüft die neuen Kameraden als Mitstreiter für die Einheit der deutschen Jugend und damit der kommenden Generation.
Telegramme an Hitler.
Reichsbischof Ludwig Müller hot an den Reichskanzler folgendes Telegramm gerichtet: „Ich habe soeben durch Vereinbarung mit dem von Ihnen bevollmächtigten Reichsjugendführer die Eingliederung des evangelischen Jugendwerkes in die Hitler-Jugend vollzogen Die dem evangelischen Jugendwerk anvertraute besondere Aufgabe ist damit für das große Ziel einer einheit- ltchen Erzrechuno der gesamten deutschen jugend eingesetzt. Gott segne viese/Stunde für uns-r