Zulöaer Anzeiger
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Nr. 301 — 1933
Fulda, Mittwoch, 27. Dezember
10. Jahrgang
Entsetzliches Eisenbahnunglück.
Zwei französische Schnellzüge ineinandergefahren.
20 0 Tote und über 200 Verletzte.
In Frankreich ereignete sich ein entsetzlicher Eisenbahnunglück, das eines der schwersten ist, von dem Europa seit Jahrzehnten betroffen wurde. Der Straßburger Schnellzug stieß in den späten Abendstunden des vergangenen Sonnabend in der Nähe des Bahnhofes L a g n y, etwa 20 Kilometer östlich von Paris, aus den dort haltenden Schnellzug von Nancy. Beide Züge entgleisten und wurden buchstäblich in« einandergeschoben. Die Zahl der Toten wurde bisher mit 19 6 angegeben, die Zahl der Verletzten soll 200 überschreiten. Unter den Toten befinden sich mehrere ehemalige Abgeordnete und Minister. Die Ursache des Unglücks wird aus dichten Nebel zurückgeführt, der seit einigen Tagen in ganz Frankreich herrscht. Durch die Geistesgegenwart des Lokomotivführers eines dritten Zuges, der seinen Zug etwa 100 Meter vor der Un- glüüsstelle noch zum Halten brachte, konnte ein weit größeres Unglück verhütet werden.
An der Trümmerstäiie von Lagny.
Die Unfall stätte bot einen einzigen Trümmerhaufe n. Auf einer Strecke von 200 Meter sah man nur die großen eisernen Räder und die verbogenen Eisengestelle der ineinandergefahrenen Wagen. In Abständen von je fünf Meter waren große Lagerfeuer mit den hölzernen Resten der zertrümmerten Wagen angezündet worden, deren rötlicher Schein den schaurigen Anblick noch wesentlich steigerte. Zu beiden Seiten des Fahrdammes lagen lange Reihen Toter und Verwundeter. Die bei Schemwerferlicht arbeitenden Bergungsmannschaften holten dauernd neue
bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen
Ms den -eMezkMuzüÄchen Offizier,
eine ganze Familie, Vater, Mutter und Kind, Alte und Junge; alles Reisende, die sich noch vor wenigen Stunden freuten, die Weihn ach tsfeiertagebei Eltern und verwandten zu verbringen. Fast alle Opfer befanden sich im Nancy-Zug, dessen Wagen, mit Ausnahme der ersten, völlig zermalmt wurden.
Der Zugführer und der Heizer des Straßburger Zuges auf Weisung des Untersuchungsrichters verhaftet.
Beide behaupten, das Haltesignal sei nicht gezogen worden, wogegen die Eisenbahnbeamten des Bahnhofs Lagny erklären, noch eine Viertelstunde nach der Katastrophe das Gegenteil fcstgestellt zu haben.
Mit über 100 SiunSenkilometern auf den härtenden Zug gerast.
Einstweilen ist die U r s a ch e des Unglücks n o ch ungeklärt. Behauptung steht gegen Behauptung. _ DaS Unglück dürfte aber einmal auf die U n re g e l m ä ß igle iien, die der Weihnachtsverkehr mit sich brachte, und zum anderen auf den dichten Nebel zurückzuführen fein. Fast alle Züge erlitten am vergangenen Sonnabend starke Verspätung. Auch der Eilzug nach Lagnh. der ’n Pariser Ostbahnhof fahrplanmäßig um 17.49 Uhr verlassen sollte, fuhr erst um 19.25 Uhr ab. Da ein Vorort z u g vor ihm abgegangen war, mußte der Zug zwischen zwei Bahnhöfen in der Nähe der Ortschaft Pom- ponne anhalten, um zu warten, bis die Strecke freigegeben würde.
Da tauchte Plötzlich hinter ihm aus dem Nebel der D-Zug nach Straßburg auf, der seinerseits fahrplanmäßig
Das Weltecho zum Leipziger Urteil.
^a« Urteil des Reichsgerichts im Lubbe- Prozeß hat ein überaus starkes Echo in der ganzen Welt gefunden. Wir berichten nachfolgend über die Eindrücke" des Urteils in den einzelnen Ländern, die fast ausnahmslos den Spruch des höchsten deutschen Gcriostv objektiv würdigen.
DicenglischcPresse
weist besonders daraus hin, daß sich das Reichsgericht in der' Urteilsfindung nur von d eu Ta tsacheu und nicht von irgendwelchen anderen Erwägungen h
^Weiter'wird von der Presse betont, daß mit dem Urteil e i n w a n d f r e i d e r B e w e r s erbracht worden sei, daß entgegen allen sinnlosen Gerüchten dienational- sozialistische Bewegung mit der Brandstiftung n tcht das geringste zu tun habe. Dann hebt man m -om don vor allem die B 1 a m a g e des sogenannten Londoner „Untersuchungsausschusses" hervor. Der bekannte Schriftsteller Bernard Shaw gibt der allgemeinen Ansicht treffend Ausdruck, wenn er erklärt: „Das Leipziger Urteil hat alle, die sich an gewissen Schemprozesien batelügt haben, in eine äußerst lächerlich ® ust . " gebracht. Sie haben nämlich gegen emen Urterlsspruch Protest erhoben, ehe er überhaupt ergangen war. dem gefällten Urteil muß man sagen, da- wohl niexa .
um 18.16 Uhr auf dem Pariser Ostbahnhof hätte absahren sollen und über eine Stunde Verspätung hatte. Der Zug brauste mit einer Geschwindigkeit von 1 0 0 Stundenkilometern heran. Der Lokomotivführer bemerkte zu spät, daß ein anderer Zug vor ihm hielt.
Die Erregung ist in der Öffentlichkeit sehr groß. Die zuständige Eisenbahngesellschaft, in deren Bereich die von dem Unglück betroffene Strecke liegt, wird scharf angegriffen. Ein Teil der Preffe forderte auch die Verhaftung des Direktors der Gesellschaft. Verschiedene Abgeordnete haben bereits Interpellationen angekündigt, aus denen hervorzugehen scheint, daß sie weniger von der Schuld des Zugpersonals als von der mangelhaften Organisation der Eisen- bahngesellschaft überzeugt sind.
Die Toten wurden zunächst im Pariser 0 ft« bahnhof aufgebahrt. Darunter befanden sich mehrere ehemalige Abaeordnete und Minister, so der Bürgermeister von Nancy, Abg. Schleiter, der frühere Unterstaatssekretär Jean Paul Morel und Senator Hachette.
Zum Zeichen der allgemeinen Trauer begab sich der Präsident der Republik zum Pariser Ostbahnhof und verneigte sich dort vor den Toten.
Auch Ministerpräsident C h a u t e m p s, mehrere Regie- rungsmitglieder und viele Abgeordnete und Senatoren besuchten, direkt von der bis spät in die Nacht hinein dauernden Parlamentssitzung über die Finanzsanierungsvorlage kommend, die Opfer. Die Beisetzung der Toten soll am Mittwoch stattfinden.
Deutsches Beileid in Paris.
Der deutsche Botschafter in Paris hat anläßlich des Eisenbahnunglücks von Lagny der französischen Regierung in seinem persönlichen Namen und im Namen W Reichsregierung das Beileid zum Ausdruck bringen lassen. Auch vom Reichsverkehrsmini- ü e i ^em vM^âtz-Wr-enach ist beim französischen Minister für öffentliche Arbeiten ein Beileidstelegramm eingetroffen. x
Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, Dr. D o r p m ü l l e r, hat an den Generaldirektor der französischen Ostbahn, Renaudin, folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „Tief erschüttert durch die Kunde von dem furchtbaren Eisenbahnunglück, das Ihr Unternehmen betroffen Hatz spreche ich Ihnen namens der Deutschen Reichsbahn meine herzlichste Teilnahme aus/
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Versagen der Sicherungseinrichtung?
Die Untersuchung des Eisenbahnunglücks von L a g n y.
Die Zahl der Todesopfer des furchtbaren Eisenbahnunglücks in Frankreich hat sich bereits aus 199 vermehrt. Mehrere Schwerverletzte schweben noch in Lebensgefahr.
Heizer und Lokomotivführer des Schnellzuges Paris- Straßburg befinden sich nach wie vor in Untersuchungsbast; vorläufig liegen aber noch keinerleiAnhalts- punkte für ihre Schuld vor. Die modernen französischen Lokomotiven sind mit einer selbsttätigen Pfeife versehen, die sofort ertönt, wenn der Zug ein Haltesignal überfährt. Die beiden Verhafteten behaupten nun, daß die Pfeife am Sonnabend nicht zu hören gewesen sei. Man hat daher am Dienstag eine Lokomotive dieselbe Strecke bei gleicher Geschwindigkeit fahren lassen; es wurde in der Tat dabei festgestellt, daß die Sicherungseinrichtung beim Überfahren des Haltesignals n i ch t e i n s e tz 1 e.
einen gerechteren Spruch des Gerichts habe erwarten können/
Paris: Torglcr bleibt moralisch verantwortlich.
Die Pariser Zeitung „Paris-Midi" wendet sich gegen die Haltung einer gewissen französischen Presse, die glauben machen wollte, van der Lubbe sei ein Werkzeug in den Händen kommunistischer Agenten gewesen. Das Blatt weist diese Annahme mit der Begründung zurück, daß van der Lubbe verschiedentlich die volle Verantwortung für seine Handlung beansprucht habe. Wenn Torglcr mangels Beweises freigesprochen worden sei, so bleibe für ihn immer noch die Frage der moralischen Verantwortung offen. Es gehe auf alle Fälle nicht an, daß der Leipziger Reichstagsbrand- Prozeß, der eine innerpolitische Angelegenheit Deutschlands sei, von den Führern der französischen Kommunisten zu politischen Zwecken ausgebeutet werde.
In Amerika wird das Urteil als fair bezeichnet, es wurde von allen Zeitungen in großer Aufmachung und Ausführlichkeit wiedergegebcn. Der amerikanische Anwalt Hayes, der dem sogenannten Londoner Prozeß und den Verhandlungen in Leipzig und Berlin als Zuhörer bcU gewohnt hat, erklärte sich sehr befriedigt;
das Urteil stähle den Freunden Deutschlands die Herzen.
Er habe erwartet, daß alle Angeklagten verurteilt und hingerichtet würden. Van der Lubbe findet in der amerikanischen Öffentlichkeit keinerlei Sympathie.
Schweden: Das Reichsgericht hat nur seine Pflicht getan.
In der schwedischen Presse hat das Todesurteil gegen van der Lubbe keine Überraschung hervorgerufen. „Das Reichsgericht hat n u r s e i n e P f l i ch t getan", stellt das Stockholmer Blatt „Allchanda" zum Urteil gegen van der Lubbe fest. Im Vordergründe des Interesses steht der Freispruch von Torgler. Das liberale „Aftonbladet" nennt das Urteil ein Weihnachtsgeschenk, das in allen Ländern mit Freuden ausgenommen würde. Das deutsche Gericht habe seine vollkommene Selbständigkeit und Objektivität bewiesen. Die schwedischen Zeitungen betonen im übrigen, daß dre Verdächtigungen des Vraunbuches vollkommen widerlegt seien.
Dänemark: Moralischer Sieg der deutschen Rechtspflege.
Das große Kopenhagener Blatt „Bcrlingske Tidende" schreibt: Das Leipziger Urteil bedeutet nicht nur eine Stärkung des Prestiges der Richter, es bedeutet vielmehr, daß das Vertrauen zur deutschen Rechtspflege in der ganzen Welt gestärkt wird. Die deutsche Rechtspflege hat wirklich einen m o r a l i s ch e n S i e g in einer unruhigen Zeit errungen, und das Urteil wird sicherlich seine große Bedeutung erlangen bei dem Wiederaufbau des deutschen Staates, der auf neuer Grundlage erfolgt.
Holland erwartete die Todesstrafe für Lubbe.
Das Leipziger Urteil hat in der holländischen Öffentlichkeit keinerlei Überraschung hervorgerufen, da man sowohl die Todesstrafe für van der Lubbe als auch die Freisprechung der anderen Angeklagten erwartet hatte. Im Amsterdamer .Allgemeen Handelsblad^ wird u. a. gesagt, der Freispruch Torglers werde vom rechtlichen Standpunkt aus gesehen mit Zustimmung zur Kenntnis genommen. Den Richtern in Leipzig komme in der Tat ein Wort warmer Huldigung zu für den,Beweis von Selbständigkeit des Urteils, den sie mit dieser Freisprechung gegeben hätten.
Die schweizerische Presse stellt allgemein fest, daß sich das Reichsgericht einer streng juristischen Sachlichkeit befleißigt habe. Die „Neue Baseler Zeitung" erklärt, einwandfrei stehe heute fest, daß die schweren Anschuldigungen, wie sie beispielsweise im berüchtigten „Braunbuch" gegen die heutigen Machthaber Deutschlands geschleudert wurden, in Nichts z u- sammcugebrochen seien.
Rom berichtete nur kurz über Leipzig.
Die italienische Presse hatte über den ganzen Verlauf des Reichstagsbrandstifter-Prozesses immer nur in knappester objektiver Weise berichtet, ohne je eine Stellungnahme zu äußern. So nehmen jetzt die Blätter von der Urteilsverkündung nur ganz kurz ohne jeden Kommentar Notiz.
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Die Naümiaisozialèstische Partei- korrespondenz zum Leipziger Llrieil.
Die Nationalsozialistische Partcikorrc- , p o n d e n z schreibt unter der Überschrift: „Leipziger Fehlurteil": „Das Urteil im Reichstagsbrandstifterprozeß, demzufolge Torgler und die drei bulgarischen Kommunisten aus formal-juristischen Gründen freigesprochen wurden, ist nach dem Rechtsempfinden des Volkes ein glattes Fehlurteil. Wir können uns diese formal-juristischen Gründe des Gerichts nicht zu eigen machen. Wenn das Urteil nach dem wahren Recht, das in Deutschland wieder Geltung haben soll und im Volksempfinden seine Wurzeln hat, gesprochen wäre, hätte es anders gelautet, dann wäre allerdings auch schon die ganze Prozeßlage und die Prozeßführung, die vom Volk mit wachsendem Unwillen verfolgt worden ist, eine andere gewesen.
Wenn man überhaupt von einem für das deutsche Volk positiven Ergebnis dieses Prozesses sprechen will, so kann höchstens hingewiesen werden auf die eindrucksvolle Widerlegung der verleumderischen Behauptung, mit denen die antideutsche Greuelpropaganda gerade den Reichstagsbrand zum Anlaß beispielloser Hetzfeldzüge genommen hat. Es ist nach Abschluß des Verfahrens festzustellen, daß nicht ein Schimmer der Verleumdung der Gegenseite aufrechterhalten werden konnte. Mit um so größerer Überraschung wird das deutsche Volk von dem F r e i s p r u ch Torglers und der übrigen ausländischen vaterlands- losen Drahtzieher Kenntnis nehmen, nachdem es in den einzelnen Stadien des Prozesses immer erneut ein Bild von der Größe und Brutalität der bolschewistischen Gefahr erhalten und in ihm immer wieder die Erkenntnis vertieft wurde, daß das furchtbare Chaos des Bürgerkrieges nur durch das Verantwortungsbewußtsein, entschiedenes Handeln des nationalsozialistischen Staates in letzter Stunde abgcwendet wurde. Wäre in Deutschland der Kommunismus nicht von der nationalsozialistischen Revolution niedergeschlagen und seine Träger nicht unschädlich gemacht worden, — durch solche falschen juristischen Verfahren wie das soeben beendete wäre die kommunistische Gefahr in Deutschland niemals beseitigt worden.
So ist gerade dieses Urteil ein Fehlurteil, das mehr vielleicht als jedes andere die Notwendigkeit einer