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Zulöaer Anzeiger

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Nr. 302 1933

Fulda, Donnerstag, 28. Dezember

10. Jahrgang

Die Zugkatastrophe von Lagny.

Trauttteier für die Opfer von La«.

Am Ostbahnhof in Paris fand eine schlichte eindrucks­volle Feier an den Bahren der Todesopfer Den Lagny statt. Unter der Führung des Ministerpräsidentin: war die gesamte Regierung erschienen, ferner das Präsidium beider Kammern, Vertreter dec Stadt Paris und aller zu- ständigcn Behörden. Der Minister für öffentliche Arbeiten, oem in Frankreich das Eisenbahnwesen untersteht, und vcr Vorsitzende des Aufsichtsrates der Compagnie de l'Eft hielten kurze Ansprachen, in denen sie betonten, das: das Unglück von Lagny das ganze französische Volk betroffen habe. Ties erschüttert verneigten sich die zahlreichen An­wesenden anschließend vor der langen Reihe der Särge.

Etwa 80 Särge wurden den Angehörigen zugeführt, die übrigen werden voraussichtlich auf Kosten der Eisenbahngesellschaft beigesetzt werden.

Die Zahl der Todesopfer

ist in der Nacht auf 201 gestiegen. Viele der Verletzten, die in den Pariser Krankenhäusern liegen, schweben noch zwischen Leben und Tod.

Die Untersuchung wird inzwischen fortgesetzt. Der Lokomotivführer und der Heizer deS D-ZugeS ParisStraßburg sind auf freien Fuß gesetzt worden, da man vorläufig gegen sie keine greifbaren Verdachtsgründe Vorbringen konnte. Es ist immer noch keine Klarheit über die Frage geschaffen worden, ob d i e S i g n a l e bei der Ankunft des D-Zuges geschlossen oder geöffnet waren. Die Aussagen der ver­schiedenen Zeugen widersprechen sich, und die Versuche, die auf der Strecke gemacht wurden und die ein negatives Ergebnis zeitigten, sind nicht geeignet, den Untersuchungs­richter in seinen Bemühungen zu unterstützen.

*

Deutscher Augenzeuge berichtet über bas furchtbare Zugunglück.

Wie dasAugsburger Abendblatt" berichtet, war der Augsburger Ingenieur Georg .Zuller unter den Fahrgästen des D-Zuges ParisStraßburg, der in so schrecklicher Weise verunglückte.

Müller erzählt über die Katastrophe u. a., daß es plötz­lich einen furchtbaren Knall gab. Das Licht löschte aus und das Gepäck stürzte herunter. Die Reisenden taumelten durcheinander und wurden zu Boden geworfen. Furcht­bare Angstschreie durchdrungen die Finsternis. Niemand wußte, was geschehen war.

Es herrschte starker Nebel. Auf zwei Meter Ent­fernung schon war nichts mehr zu erkennen. Hinter dem Wagen, in dem der Ingenieur saß, lagen die Toten deS Eilzuges g r ä ß l i ch p e r ft ü m m e l t. AlS die Leucht-

Der Chef derHeereSleitung Möckgeireten General von Hanrmerstein ab 1. Februar als Generaloberst im Ruhestand.

Der Chef der Heeresleitung, General der Infanterie F r e i h e r r v o n H a m m e r st e i n - E g u o r d , hat sich im vollen Einvernehmen mit der Reichsregierung ent­schlossen zum 1. Februar 1934 seinen Abschied zu erbitten. Der Reichspräsident hat das Abschiedsgesuch genehmigt und den General Freiherrn von Hammerstein mit dem

General Freiherr von Haulmerstcim

Tage seines Ausscheidens zum Generaloberst befördert.

m^rral der Infanterie Freiherr von Hammcrstem- Equord wurde 1878 in Hinrichshagen Mecklenburg als Sohn des Großherzoglich-Mecklenburgischen Forste von aeboreu. Er trat 1898 in das tsaroe

reahÄ bis 1913 war er zum Großen

regiment zu /)UV rürfte er als

Generalstab kommandiert. In den Krieg> rume c

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Der französische Staatspräsident bei den Toten des Eisen­bahnunglücks.

Unser Bild zeigt den französischen Staatspräsiden­ten Lebrun (mit Pelzmantel) mit dem Kammerpräsi­denten Buisson «hinter ihm, mit Spitzbart) vor den Särgen der ans dem Pariser Ostbahnhof aufgebahrten Opfer der Eisenbahnkatastrophe in Lagny. feuer ihren Schein verbreiteten, sah man sich inmitten eines Trümmerfeldes.

Es dauerte zwei Stunden, bis der Hilsszug kam, der das Rettungsmaterial brachte und die unverletzten Reisenden weiterbeförderte. Der Hilfsdienst war sehr schlecht organisiert. Verschiedene Anordnungen kreuzten sich. Keiner der Verantwortlichen wußte aus und ein. Alles war kopflos.

Man erlaubte dem Ingenieur nicht, nach Hause zu telegraphieren, und so sahen die Angehörigen Müllers einem trau­rigen Heiligen Abend entgegen. Jeden Augen­blick erwartete die Gattin die Nachricht von dem Tode ihres Mannes. Um so größer war die Freude, als Müller endlich zu den Seinen zurückkehrte.

ments Nr. 12 in Magdeburg. 1924 bis 1929 als Oberster Chef des Stabes der III. Division (Berlin). Im Jahre 1929 wurde er zum Generalmajor und Chef des Truppen­amts im Reichswehrministerium ernannt. Seit dem 18. Oktober 1930 ist er General der Infanterie und Ches der Heeresleitung.

Freiherr v. Hammerstein ist verheiratet und hat drei Söhne und vier Töchter. Er hat sich während des Krieges als ein ganz besonders tüchtiger Soldat erwiesen und nach dem Kriege sich große Verdienste umdenAufbauder neuen deutschen Wehrmacht erworben. Dem 3. Garderegiment zu Fuß, bei dem Freiherr V. Hammer- steiu in das Heer eingetreten ist, gehörte auch Hinden­burg an.

Em Gnadengesuch für Lubbe.

Der n i e d e r l ä n d i sch e Gesandte bittet um Strafermäßigung.

Im Auftrag seiner Regierung hat der niederländische Gesandte Graf Limburg-Stirum an den Reichsminister des Auswärtigen, Freèhcrrn von Neurath, ein Schreiben ge­richtet, in dem er die Reichsregierung bittet, die gegen van der Lubbe erkannte Todesstrafe in eine mildere Strafe umzuwandeln.

Wieder DeuMe ton Polen enteignet.

In den Genzkrciscn Kolmar, Wirsètz und Zempelburg des Korridors sind für die letzte Dezemberwochc Zwangsenteignungcn deutschen Grund­besitzes in Höhe von 1882 Hektar angekündigt worden.

Den: General von Gerstenberg in Gernheim iverben 100 Hektar, dem Rittergutsbesitzer von Lehmann in Wirsa 430 Hektar, dem Generallandschaftsdirektor von Klitzing in Dzicmbowo 570 Hektar, dem Freiherrn von Ketelhold in Sosno 627 Hektar und Dr. von Koerber in Körber- rode 155 Hektar Grundbesitz enteignet. Der ent­eignete Grundbesitz wird noch vor dem 1. Januar in den Staatsbesitz übergehen, um die Eigentümer nicht mehr entsprechend den gesetzlichen Bestimmungen in den Genuß der nächstjährigen Ernte zu setzen.

Welipolitik 1933.

Ein Rückblick auf das Jahr 1933 vom außenpoli­tischen Gesichtspunkt aus zeigt als hervorstechendste Merk­male zweierlei: eine nicht mehr steigerbare Verwirrung, ja Ratlosigkeit der Welt gegenüber allen entscheidenden großen politischen und wirtschaftlichen Problemen, ent­standen aus dem starren Festhalten überalterter Staats­männer an überalterten Begriffen, und auf der anderen Seite die auch nach außen hin sich aus­wirkende Festigung Deutschlands, dem ja nach der nationalen Revolution innere und äußere Geg­ner eine rasche und völlige Isolierung voraussagen zu müssen geglaubt hatten; sie haben sich wohl oder übel vom Gegenteil überzeugen müssen.

Das Jahr brachte den letzten und endgültigen Beweis für die absolute Sinnlosigkeit schematischer internationaler Konferenzen, mochten sie nun als Tagung dès verrufenen Völkerbundes" oder als Londoner Weltwirtschafts­konferenz in Mammutstil aufgezogen sein; die letztere lieferte insgesamt 8000 Kilo anDenkschriften" und sonst gar nichts.

Das neue Deutschland sah sich die Genfer Schwatz­komödie noch geduldig mit an, ja war mit allen Mitteln der Verständigungsbereitschaft bemüht, selbst auf dcm'dis- kreditierten Genfer Boden sich für Europas Gesundung ein­zusetzen. Frankreichs Sabotage und planmäßige Jntrigcn- Politik machten das zunichte, bis Deutschland schließlich am 14. Oktober den sogenannten Völkerbund und die Abrüstungskonferenz" verließ und damit diesen beiden weltbetrügerischen Zweigunternehmen Frankreichs den Todesstoß versetzte. Mit vollem Recht konnte Deutschlands Führer und Volkskanzler auf der Führertagung der NSDAP, am 18. Oktober von derGenfer K rank - h c i t" sprechen und hinzufügen:Optimistisch bin ich auf mein Volk, und pessimistisch bin ich auf Genf und den Völkerbund". Die Folgezeit hat ihm auch darin recht ge­geben.

Die famoseAbrüstungskonferenz" war am 2. Februar gerade ein Jahr alt geworden, ohne irgendein anderes Er­gebnis als die offenkundige Weigerung Frankreichs (bis zu einem gewissen Grade auch Englands) die vertraglick-c Abrüstungsverpflichtung zu erfüllen. Des Engländers Macdonald völlig ungenügender und gegenüber Deutschland gewohnt ungerechter Abrüstungsvorschlag, von Frankreich sofort bis zur Unkenntlichkeit entstellt, blieb notwendig so erfolglos wie Mussolinis Viererplan, ob­gleich Deutschland in der Ehrlichkeit seiner Verhandlungs­bereitschaft soweit ging, den englischen Plan als Besprechungsgrundlage anzunehmen.

Nirgends zeigt sich die Verwirrung des schlechten Ge­wissens stärker als bei dem wichtigsten Verhandlungs­partner Deutschlands, Frankreich. Die Kabinette Paul-Boncour, Daladier, Sarraut kamen und gingen; sie scheiterten alle gleichmäßig an der Tatsache, daß man nicht ein Staatsdesizit von acht Milliarden (bei einem Gold­schatz von fast 13 Milliarden!) haben und gleichzeitig die tollste Verschwend erwirtschaft der Welt­geschichte auf dem Gebiet einer wahnwitzigen Über- rüftung treiben und bei alledem noch immer mit den Sozialisten zusammenarbeiten kann. Frankreich stellt beute zwar noch immer als die größte Militärmacht der Welt, aber auch als böswilliger Schuldner und als vielfacher Vertragsbrecher da. Seine Einkreèsungspolitrk gegenüber Deutschland, die auch Rußland in den Bund des fram zösischen Staatenblocks einzubeziehen sucht, seine Schuld am wirtschaftlichen Elend Europas durch das Versailler Diktat und die Tribuipolitik, seine beispiellose An­maßung und Schroffheit gegenüber allen Befriedungs- Versuchen für Europa sind heute zu offenkundig, als daß sich nicht eine sehr merkliche Abkühlung bei manchem seiner früheren bedingungslosen Freunde ge­zeigt hätte.

Im Verhältnis Deutschlands zu seinem außen­politisch wichtigsten Nachbarn im Osten, Polen, hat sich eine hoffnungsreiche Besserung gezeigt; auch Polen konnte sich der Wirkung der aufrechten, ge­raden Persönlichkeit des Reichskanzlers und seiner mannhaft-ehrlichen Politik auf die Dauer nicht ent­ziehen. Als am 20. Juni in Danzig die national­sozialistische Regierung Rauschning ans Ruder kam, schrie der europäische Hetzkonzern es in die Welt, das sei gleichbedeutend mit einer Verschärfung des Danzig­polnischen Verhältnisses. Genau das Gegenteil war der Fall, bedeutsames Vorzeichen für die daun bald sich an- bahnende Verständigung zwischen Deutschland und Polen.

Versuche von interessierter westeuropäischer Seite, Differenzen zwischen Deutschland und R u ß l a n d zu konstruieren, blieben so aussichtslos wie die Bemühungen, einen Keil zwischen Deutschland und das die Revision von Versailles befürwortende Italien zu treiben. Wie lange andererseits Österreich noch die Politik eines französischen Trabanten treiben darf, ist angesichts der in letzter Zeit erneut verschärften Erbitterung gegen Dollfuß nur noch eine Frage der Zeit. Nach der Selbstausschaltung des österreichischen Parlaments im März verbot Dollfuß u. a. alle fälligen Wahlen bis zum 1. Oktober die Öster­reicher warten noch heute darauf. Deutschland selbst bat nach der schweren Brüskierung deutscher Minister am 14. Mai in Wien und nach der Erschießung des Reichs­wehrfoldaten Schuhmacher durch Heimwehrleute keine Veranlassung, Herrn Dollfuß eine goldene Brücke zu bauen.

Das Jahr zeitigte noch manchen Stoß gegen Deutsch­land, den jüdisch-marxistischen Boykottversuch im Frühjahr, die konzentrierte Pressehetze der gleichen Kreise von Prag und Amsterdam aus, den Überfall fremder Flieger mit Flugretteln auf- Berlin im Juni Schläge