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Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1.70 Rm. Bei Lieferungsbehinderungen durchHöhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw, erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda, Königstraße 42. Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach in Hessen.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg Zulöa« und Haunetal >§ulöaer Kreisblatt Reöaktion und Geschäftsstelle? Königstrafte 42 * Zernsprech-finschluß Nr. 2489

2m Anzeigenteil beträgt der mm-Preis für die 40=mm Spaltenbreite für Behörden, Banken und Eenoüen- schaften 7 Rpf., für alle anderen 5 Rpf. Im TextteL beträgt der mm-Preis für di." 90 mm Spaltenbreite 12 RpfDA" 1100. Verantwortlich für den Anzeigentell Christian Seipel, Fulda, Königstrage 42.

Nr. 1 1934

Fulda, Dienstag, 2. Januar

11. Jahrgang

Werbung und Wettbewerb der Zeitungen im neuen Zahr.

Mit dem 1. Januar 1934 sind im deutschen Zeitungs­wesen grundlegende Veränderungen vor sich gegangen, um die seit vielen Jahren gekämpft worden ist. Der nationalsozialistische Staat hat auch hier in fürder Zeit Großes geschaffen und durch das Neichsministe- c i u m für Nolksaufklärung und Propa­ganda wie durch den Werberat eine Reihe gesetz­licher Maßnahmen getroffen, welche die Volksgemeinschaft und den Aufbau der deutschen Wirtschaft fördern sollen. Diesem Zweck dient insbesondere das Gesetz über den Schriftleiterberuf und das Gesetz über die Schaffung einer Neichspressekammer.

Es handelt sich im einzelnen um die Zusammenfassung des Verlagsgewerbes zu einer einheitlichen Berufsorgani­sation, um die wirtschaftliche und ethische Hebung des ganzen Standes sowie im Anzeigenteil um eine wesentliche Vereinfachung der Anzeigenmaße und der Tarife, so daß jeder Auftraggeber selbst in der Lage ist, sich die Kosten seiner Insertion zu berechnen. Es gibt in Zukunft nur noch zwei Spaltenbreiten, und auch die Möglichkeit zu irgendwelchen Preisunterbietun­gen ist ansgeschlossen worden. Leider ist in weiten Kreisen der Öffentlichkeit noch unbekannt, in welcher großen Not­lage sich das Zeitungswesen befindet, so daß es der Mit­hilfe aller Kreise bedarf, um die Presse bei ihrer schweren und verantwortungsvollen Arbeit zu unterstützen. Auch die Wirtschaft wird sich selbst am besten dienen, wenn sie zur Durchführung ihrer Werbemaßnahmen wieder in erster Linie zu dem altbewährten und Erfolg bringenden Mittel der Zeitungsanzeige zurückkehrt.

Im Interesse einer weiteren Bereinigung ist unter Bezugnahme auf Ziffer 6 der 2. Bekanntmachung des Werberats der deutschen Wirtschaft vom 1. November 1933 (R. A. z. vom 1. 11. 33, Nr. 256) von der für unser Gebiet zuständigen Kreisführung folgendes angeordnet worden und wird hiermit öffentlich bekanntgemacht:

Nichiiinien für Werbung und Wettbewerb.

Gültig ab 1. Januar 1934.

1. Im Wettbewerb der Zeitungen hat jede Maßnahme zu unterbleiben, die den Grundsätzen ehr­barer kaufmännischer Geschäftsführung zuwiderläuft. Insbesondere ist eine Bezugnahme auf andere Zeitungen, oder gar deren Herabwürdigung verboten. Die Werbung darf nur die eigene Leistung der Zeitung im redaktionellen Teil und den besonderen Wert des Anzeigenteils zum Gegenstand haben.

Es ist ferner untersagt, Anordnungen oder Bekannt­machungen der Regierungsstellen, der Neichspressekammer oder der Fachorganisation sowiq Äußerungen führender Persönlichkeiten zum Inhalt einer irgendwie gearteten Eigenwerbung zu machen.

2. Die Werbung von Beziehern darf soweit sie nach den Verfügungen der Neichspressekammer über­haupt zulässig ist nur durch vertraglich gebundene Eigenwerber des betreffenden Verlages erfolgen. Diese Werber haben eine mit Lichtbild versehene Ausweiskarte bei sich zu tragen, die auf Verlangen vorzuzeigen ist. Di« Werber sind vom Verlag auf einwandfreie Führung und Tätigkeit schriftlich zu verpflichten.

3. Vorzugspreise im Zeitungsbezug werden mit dem 1. Januar 1934 beseitigt. Der am Kopf jeder Zeitung genannte Bezugspreis ist einzuhalten. Dieser darf nicht niedriger sein als am 1. Dezember 1933.

Eine Ermäßigung der Bezugspreise zum Zwecke bei Bczieherwerbung ist nicht gestattet. Auch Vorzugspreise für bestimmte Berufsgruppen sowie mit sonstiger sozialer Begründung sind nicht zulässig.

Für gemeinnützige Unternehmungen, Mitarbeiter der betreffenden Zeitung und das eigene Bctricbspcrsonal dürfen Ausnahmen gemacht werden.

4. F r c i z c i t u n g e n sind nur zum Zwecke der Werbung gestattet und auch dann höchstens für die Dauei einer Woche. Über diesen Zeitpunkt hinaus darf der gleiche Empfänger innerhalb eines Vierteljahres auf keinen Fall mit Freizeitungen beliefert werden. Es ist selbstverständlich, daß die Frciliefcrung nicht dazu benutzt werden darf, um den Gesamtbczugsprcis irgendwie zu senken.

5. Gutscheine und Z u g a b e n in Verbindung mit dem Zeitungsbezug sind unzulässig und verboten. Hierunter fällt auch die Gewährung sonstiger Geschenke oder von Sonderleistuuaen, ohne Rücksicht auf deren Wert. Beratungs- und Sprechstunden dürfen nur in dem gesetz­lich zulässigen Rahmen und nur in den Verlagsgebäuden abgehalten werden. Die Besprechung öffentlicher Ver­anstaltungen muß sich jeder geschäftlichen Reklame ent­halten und darf bei Theater, Konzert- oder Filmdar- bieNmgcn frühestens am Tage nach Stattfinden der ersten Aufführung erfolgen. Textliche Hinweise auf erscheinende Anzeigen sind nicht gestattet. Hinweise auf Beilagen dürfen 5 Millimeter Zeilen nicht überschreiten.

6. Abonncntenvcrsichernngen sollen als dem eigent­lichen Zeitungsgeschäft wesensfremd so bald als möglich abgcschafft werden. Eigenwerbungen für bestehende Ver­sicherungen sind nur bis zu diesem Zeitpunkt und nur insoweit zulässig, als ein gesetzlicher oder verträglicher Zwang dazu besteht. Ihr Umfaug ist nach Möglichkeit cinzuschränken.

7. Jeder Verlag ist für die Einhaltung dieser Vor­schriften verantwortlich und hat dafür einzustehen. Um* gehungsversuchc werden einem Verstoß gleichgeachtet.

Wir geben auch unsererseits der Hoffnung Ausdruck, daß die erwähnten Maßnahmen der Regierungsstelle" kitb unserer Berufsorganisation dazu beitragen werden

Die %iij#5tWMt

Anläßlich des Neujahrstages fanden beim Reichs­präsidenten die üblichen Empfänge statt, die durch das Aufziehen der Wache eingeleitet wurden. Dann empfing der Reichspräsident in seinem Arbeitszimmer

eine Abordnung derSalzwirker Brüderschaft im Thäte zu Halle",

die ihm nach altem Brauch der Halloren Salz, Schlackwurst und ein Neujahrsglück­wunschgedicht, den sogenannten Neujahrscarmen, überbrachte. Der Reichspräsident dankte mit herz­lichen Worten und sprach der Abordnung seine besten Neujahrswünsche aus.

Um 11.30 Uhr begann die Anfahrt des Diplo­matischen Korps.

Die Chefs der fremden diplomatischen Vertretungen, denen eine im Ehrenhof aufgestellte Abteilung Reichswehr unter Führung eines Offiziers bei ihrem Eintreffen militärische Ehrenbezeugungen erwies, versammelten sich in dem großen Saal des Reichspräsi­dentenhauses. Um 12 Uhr betrat der Reichspräsident den Saal, gefolgt vom Reichskanzler, dem Reichs- Minister des Auswärtigen nebst den Herren der Um­gebung.

Die Glückwünsche des Diplomatischen Korps.

Der Apostolische Nuntius Monsignore Cesare O r s e n i g o brachte als Doyen des Diplomatischen Korps dessen Glückwünsche in einer Ansprache zum Aus­druck, in der er n. «. aussührte:

Das zur Neige gegangene Jahr ist für Deutschland außerordentlich reich an Ereignissen politischer, wirtschaft­licher und sozialer Art gewesen, und wir haben sie mit der lebhaftesten Aufmerksamkeit verfolgt. Für uns, die unmittelbaren Zeugen der Wechselfälle, von denen die Geschichte der letzten Jahre dieses Landes durchwebt ist, war es nicht schwer, uns klarzu werden über den tiefgehenden politischen Um= schwung, der für Ihr Saud ei .:n wahren Wende­punkt der Geschichte bezeichnet.

Unsere Herzen haben sich gefreut, als die Männer, denen Euere Exzellenz die Geschicke dieses Landes anvcr- trant haben, feierlich ihre Bereitwilligkeit erklärten, die zwischen Deutschland und den anderen Nationen schwe­benden Angelegenheiten auf dem friedlichen Wege freund­schaftlicher Verständigung zu regeln.

Im Glanze so edler Versprechungen begrüßen wir vertrauensvoll die Morgenröte des neuen Jahres und entbieten Ihnen, Herr Reichspräsident, die heiße ft e n und aufrichtig st en Wünsche für die Wohlfahrt und das Gedeihen Ihres Vaterlandes.

Der ORei^dprâftdeuf erwiderte darauf

in einer Ansprache, in der er erklärte: Mit Reckt baden Sie darauf hingewiesen, daß das vergangene Jabr für Deutschland außergewöhnlich reich an Ereig­nissen von weittragender Bedeutung gewesen ist. Das Jahr 1933 muß in der Tat als e i n Wendepunkt in der Geschichte Deutschlands bezeichnet werden. Das deutsche Volk hat binnen kurzer Frist

eine völlige geistige und seelische Wiedergeburt erfahren. Es ist nack langen Jahren voller Not und Leid zu neuem Lebensmut erwacht. Die zielbewußte Führung des Staates, getragen von dem Vertrauen und dem O P f c r w i l l c n aller Volks­genossen, hat es ermöglicht, der fortschreitenden Ver­elendung der Bevölkerung zu steuern.

Der innere Hader ist gebannt. Mit Hoffnung sieht vor allem die deutsche Jugend wieder in eine bessere Zukunft.

Diese Wiedergesundung eines großen Landes wird sich davon bin ich überzeugt immer mehr als eiveSiche- rung des Friedens und der internationalen Wohlfahrt auswirken. Sie selbst, Herr Nuntius, haben auf die feierlich verkündete Friedenspolitik der Reichsregicrung hingewiesen.

Ich, der ich als Soldat die Schrecken dreier Kriege erlebt habe, weiß, daß Regierung und Volk nichts anderes wollen, als auf der Grundlage von E h r c u n d Gleich­berechtigung in Eintracht mit allen anderen Nationen zu leben. Mit der deutschen Gleichberechtigung wird auch daS Vertrauen wicderhergeftellt sein, daS die unerläßliche Voraussetzung für eine fruchtbare Zu- saminciinrbcit der Regierungen bildet.

Nack dem Austausch der Ansprachen begrüßte der Reichspräsident die einzelnen Botschafter, Gesandten und Geschäftsträger und wechselte mit ihnen Neujahrs­wünsche. Um 12.30 Uhr fand

dcr Empfang der Reichsregicrung statt. An diesem nahmen teil: der Reichskanzler, der Vizekanzler, die Reichsminister sowie die Staatssekretäre deS Reiches: ferner waren Reichsdankpräsident Dr. Schacht nnd preußischer Finanzminister Dr. Popitz anwesend.

um das gegenseitige Band noch enger zu knüpfen und dem Volksganzen zum Segen zu gereichen. In diesem Sinne wünschen wir allen unseren Lesern und Geschäfts­freunden ein erfolgreiches neues Jahr!

V c r f L 0 und Sch r i ftl e i tu " 7

beim MfcpüMtii.

Der Führer dann dem greifen Marschall.

Reichskanzler Adolf Hitler begrüßte den Reichs­präsidenten mit folgender Ansprache:

Am Ende eines schicksalsschweren Jahres haben sich heute dir Mitglieder der Reichsregierung zu Ihnen, Herr Reichspräsident, begeben, um durch mich den Empfin­dungen des Tankes und der Verehrung Ausdruck zu verleihen, die in diesen Stunden nicht nur die Re­gierung, sondern das ganze deutsche Volk bewegen.

Als Sie, Herr Reichspräsident, am 30. Januar 1983 die neue Reichsregierung beriefen und mir den ehren­vollen Auftrag ihrer Führung erteilten, wurde der Auf­bruch des deutschen Volkes in eine würdigere und bessere Zukunft einaeleitet. Denn dieser Ihr da­maliger Entschluß, Herr Reichspräsident, führte in der Folge zu jener unerhörten Geistes - und Wil- lenseinheit in unserem Volke unb zwischen ihm und seiner Führung, die am 12. November einen so denk­würdigen geschichtlichen Ausdruck fand.

Das deutsche Volk aber ist glücklich geworden im Erleben dieser so lange entbehrten Einheit, die, aus­gehend von Ihnen, Herr Eeneralfcldmarschall, bis zur deutschen Jugend alle umschließt.

Die Kraft, die aus dieser Gemeinschaft strömt, bat es uns ermöglicht, in einer Zeit schwerster wirtschaftlicher und politischer Krisen das Reich in seinem Gefüge zu festigen, die Autorität der Regierung und die Achtung vor den Gesetzen zu erhöben, dem religiösen, mora­lischen und kulturellen Verfall unseres Volkes Einhalt zu gebieten, den wirtschaftlichen Zusammen­bruch aber nicht nur aufzuhalten, sondern auf vielen Gebieten sogar

eine kraftvolle Wendung zum Besseren herbeizuführen.

Getragen und gestärkt von dem Vertrauen und der Zu­stimmung, die Sie,- Herr Reichspräsident, mir und der Reaierüng schenkten, konnten wir in Wahrung der Ehre und Gleichberechtigung des deutschen Volkes eine Politik verfolgen, deren letztes Ziel immer nur

die Herstellung eines wirklichen und aufrichtigen Friedens

war und für alle Zukunft sein wird. Wir empfinden es dabei als eine besonders gnädige Führung des Schick­sals, in Ihnen, Herr Reichspräsident, als unserem obersten Schirmherrn für unser Wollen und Handeln einen Zeugen zu besitzen, der der ganzen Welt

die Aufrichtigkeit unserer Absichten beweisen kann und muß.

So spreche ich denn in diesem Augenblick nicht nur in meinem und im Namen der Reichsregicrung, sondern im Namen des ganzen deutschen Volkes Ihnen, ehrwürdiger Herr Generalfeldmarschall und Pre­sident des Deutschen Reiches, für die durch Sie beschirmte Entwicklung dieses Jahres

den tiefsten und chrrrbietigsien Dank aus und verbinde ibn mit bem berzlichen Wunscke, der allmächtige Gott möge mich im kommenden Jabre Jdr Leben und Ihre Gesundheit in seine Sorge nehmen und mit seinem Segen bedenken zum Glück des Reiches, dem in innigster Verbundenheit unter Ihrem Vertrauen zu dienen das Glück und die tiefste Genng- t u u n g aller Mitglieder der deutschen Reichsregicrung ist.

Herzliche Erwiderung Smdsndmgs.

Der Reichspräsident hielt darauf folgende Ansprache: Herr Reichskanzler! Meine Herren! Nehmen^ Sie meinen aufrichtigen Dank entgegen für die Glückwünsche, die Sic mir in so freundlicher Weise ausgesprochen habe«. Ich erwidere sie von Herzen mit meinen besten Wünsche« für Erfolg und Segen Ihrer weiteren Arbeit und für Ihr aller persönliches Wohlergehen.

Als ich heute vor einem Jahre meine Neu jahrswünsche aussprach, gab ich der H o f f n uji a Aus­druck, daß daS neue Jabr die seelische Verfassung des deutschen Volkes erneuern und unS den Geist innerer Verbundenheit und enger SchicksalSgemcinschaft wieder­bringen möge.

Ich kann heute mit Befriedigung und Dankbarkeit fcststellcn, daß dieser Wunsch Erfüllung gesunden bat.

DaS Jabr 1933 bat Deutschland miS der inneren Zer. rissenheit, ans -cm Zank der Parteien und dem Gegen­satz der Interessen heraus und aufwärts gcnwrt zur staatsbewußten Einigkeit und zum G l au b e n a n sich selbst. Gestützt auf -ielen neuen Gent, in cs der Reichsregicrung in Zusammenarbeit mit der deutschen Wirtschaft gelungen.

Millionen arbeitswilligen Händen wieder Arbcit zu schaffen

und denen, die noch mtf'^ejdmnuimg Warren, die H o t f nung wicderzugeben, daß auch sie nicht einig feiern müssen. Und in'bent wieder-enanften Bewußtsein u n lösbarer S ch icks a l S gem e i n sch a ft um - deutsche Volk

daS große freiwillige WintcrhilfSwcrk ins Leben gerufen und babürd' denjenigen unserer Brüder, die Entbehrung leiden, Schutz vor Hunger unb Kälte gebracht. So konnte die deutsche Not, die noch vor einem Jahr fast bo fsnungSlo S auf uns lastete, in weitest ein Umfange gern in ber: Werden.