Zul-aer Mzeiger
Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1.70 Rm. Bei Lieferungsbehinderungen durch „Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Vahnfperre usw erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda, Königstraße 42. Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach in Hessen.
Tageblatt für Rhön und Vogelsberg
Zul-a- und Haunetal * Inl-aer Kreisblatt
Re-aktion un- Gesthästsstelle: KönigstraKe 42 s §ernsprech-Mfchluß Nr. 24Z4
2m Anzeigentell beträgt der mm-Preis für die 4&mm Spaltenbreite fiir Behörden, Banken und Eenosien- sch asten 7 Rpf., für alle anderen 5 Rpf. 2m Terttei^ beträgt der mar-Preis für die SO mm Tpaltenbreür 12 Rpf — „DA" 1100. — Verantwortlich für den AnzeigenteS Thrtstian Seipel, Fulda, Königsrraß« 42.
Nr. 3 — 1934
Fulda, Donnerstag, 4. Januar
11. Jahrgang
Weres GrämM in Böhme«.
Gewaltige Explosion schlicht 200 Bergleute im brennenden Schacht ein. — Bisher nur vier Bergarbeiter lebend entkommen, 16 Tote geborgen. Wenig Hoffnung auf Rettung der 132 noch Eingeschlossenen.
Auf der Grube „Nelson III", die der Brüxer Kohlen- vergwcrksgescllschaft in Ossegg bei Dux gehört, ereignete sich eine schwere Explosion, allem Anschein nach infolge der Entzündung von Grubengasen. Die Nachmittagsschicht war von 2 0 0 Bergarbeitern besetzt. RuS- acfahren ist noch niemand. Die Rettungsarbeiten sind im Gange. Der Förderturm wurde durch die Explosion zerstört.
In den späten Abendstunden des Mittwoch waren noch 160 Bergleute eingeschlossen. Nur drei Tote konnten bisher geborgen werden.
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Die Bergungsarbeiten wurden sieberhast betrieben, aber durch das andauernde Entweichen brennender und giftiger Gase äußerst erschwert. Die Explosionen griffen schließlich auf alle drei Abteilungen der Grube über, die unterirdisch miteinander verbunden sind. Alle Abteilungen haben nur zwei Ausgänge, die durch die letzten Explosionen fast vollständig verschüttet wurden. Aus diesen Gründen kamen die Rettungsmannschaften bis zum Abend kaum vorwärts. Um 8 Uhr gelang es einer kleineren Gruppe tapferer Männer vier tote Bergleute zu bergen.
Der Feuerschein war in der Nacht weithin sichtbar. Aus der ganzen Umgebung wurde Gendarmerie herangezogen und hält in weitem Umkreise die Unglücksstätte besetzt. Ungeheure Menschenmassen drängen heran. Vertreter des Ministeriums sind eingetroffen.
Das Schicksal der noch im brennenden Schacht befindlichen Bergleute gibt zu den schlimmsten Befürchtungen Anlaß.
Durch die Grubenexplosion wurde das Städtchen Ossegg wie durch ein Erdbeben erschüttert. Eine riesige Stichflamme schlug aus dem Schacht empor, und im Nu war die ganze Anlage in dichte Rauchwolken gehüllt. Die Förderschale wurde durch die Gewalt der Explosion aus der Tiefe emporgeschleudert und blieb oben in der Versteifung hängen. Aus den Trümmern des Förderschachtaufbaues wurden ein Toter und ein Verwundeter geborgen.
Die Grube ist inzwischen völlig vergast, so daß mit einer großen Zahl von Toten gerechnet werden muß. Die Ein- geschlossenen befinden sich in einer Tiefe von über 300 Meter. Ueber ihr Schicksal ist noch immer nichts bekannt. Tie Telcphonleitungen der Grube sind zerstört.
Riesiger Finanzskandal in Frankreich.
Ungeheure Betrügereien eines russischen Hochstaplers.
In B a y o n u e (Frankreich) ist man i i e s i g e n Betrügereien auf die Spur gekommen, die^von dem Direktor der Credit Municipal von Bayonne, T i s s i e r , verübt wurden. Das Bankinstitut bat für etwa 2 0 0 Millionen Franc Anweisungen ausgegeben, von denen höchstens 5 0 M i l l i o n e n g e d e ck t waren. Tissicr wurde verhaftet und hat seine Betrügereien eingestanden. Der Hauptschuldige, der die Ernennung Tissicrs zum Direktor der Bank durchgescyt batte, um sich seiner zu bedienen, namens Stavisky, ist spurlos verschwunden. Die Zahl der Geschädigten, die im Besitz von Anweisungen zu 1000 bis 10 000 Franc sind, ist sehr groß.
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Der riesige Bankskandal in Bayonne (Frankreich) wächst sich zu einer der größten Skaudalaffären der letzten Jahre aus. Nach den neueren Feststellungen sind für über 400 Millionen Franc gefälschte Bonds in den Handel gebracht worden.
Der Hauptschuldige an den Betrügereien ist ein russischer Hochstapler namens S t a v i s k i, der sich immer mehr als ein Fudustrieritter und Finanzabenteurer entpuppte, wie ihn Europa bisher kaum gekannt hat.
In den Skandal sind hochangeschene politische Persönlichkeiten verwickelt, darunter auch Mitglieder der Regierung, die Namen werden jedoch noch nicht genannt.
Eines der größten Pariser Revuetheater, das mit dem Kapital Staviskis arbeitete, ist geschlossen worden. Die französische Presse spricht von dem größten Bctrngsskandal seit der Panama Affäre.
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Warum „Panamaskandal" ?
Der Panamaskandal ist die Bezeichnung für eine große parlamentarische B e st c cb u n g s a f f ä r e der französischen Republik. Nachdem die von Lesseps geleitete Aktiengesellschaft zum Bau des PauamakanalS Anfang 1880 mit einer riesigen Schuldenlast zusammenaebrocheu
Vier Bergleuten gelang es, sich zu dem benachbarten Revier des „Nelson Vll"-Schachts zu flüchten und von dort auf Leitern ins Freie zu gelangen. Sie sind durch das Einatmen von Grubengas schwer erkrankt und so erschöpft, daß eine Schilderung ihrer Erlebnisie nicht zu erhalten ist. Auf dem gleichen Weg, den die vier Geretteten nahmen, hat sich eine Rettungsabteilung in die Grube begeben. Ueber ihre Tätigkeit liegt noch keinerlei Nachricht vor.
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Brüx, 4. Zan. (Funkmeldung.) Aus dem Nelson- Schacht DI, in dem 132 Bergleute durch die schwere Gruben- explofion eingeschlossen sind, konnten bisher 16 Tote geborgen werden. Klopfzeichen der Elngeschlosieneu find nicht mehr zu hören. Die Aussichten auf eine B e r g u n g der Eingeschlossenen sind sehr gering, weil die riesigen Stichflammen eine große H'-tze entfalten. Alle Zugänge zum llnglücksschacht sind verschüttet. Aus den Schächten steigen giftige Gase auf, von denen einige am Ausgang des Schachtes arbeitende Rettungsmannschaften behindert wurden.
Die Ordnung wird durch hundert Gendarmen aufrecht erhalten, die Mühe haben, die vielen Hunderte von Angehörigen der Verunglückten vor den Eingangstoren zurückzuhalten.
Ueber die Ursache des Unglücks bestehen nur Vermutungen. Es kann sich um eine Explosion brennbarer Gase aber auch um eine Explosion des Dynamitlagers handeln. Die Fachleute erklären, daß hu Nelson-Schacht schon seiteinrgenTagenein Grubenbrand wütete, den man mit größter Mühe, aber vergeblich einzudämmen versuchte. Diesem Eruben- brand schreibt man die Explosion zu.
Tie vier geretteten Arbeiter haben sich soweit erholt, daß sie ihre ersten Eindrücke von derKata- st r o p h e schildern können. Sie hatten plötzlich im Schacht einen dichten Qualm bemerkt, und hatten versucht, zum Förderschacht zu gelangen. Als sie aber infolge des Rauches nicht weiter konnten, kehrten sie um. Es gelang ihnen, durch den Notausgang des Schachtes VII auszufahren.
Äuf der Grube VII mußten gegen 4 Uhr morgens die Rettungsarbeiten eingestellt werden, da aus der Grube sich ein schwarzer Rauch löst. Die Grube wurde sofort abgeschlossen.
war, wurden viele Abgeordnete beschuldigt, daß sie sich von Lesseps mit Kanalaktien zur Genehmigung der letzten Panama-Anleihen hätten bestechen lassen. Nach Verurteilung der Leiter der Panamagcsellschaft endete die Wiederaufnahme des Bestcchnngsprozesscs 1897 mit dem formalen Freispruch der Angeklagten.
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Der Hauptbetrüger Staviski ist eine abenteuerliche Persönlichkeit.
Als l4jährigcr kam er aus Rußland nach Frankreich. Im Jahre 1909 geriet er zum ersten Male mit dem französischen Gesetz in Konflikt. Er war an vielen zweifelhaften Unternehmen beteiligt, so au einem Kinotrust, der 1923 die breite Öffentlichkeit beschäftigte. Sein neuester Coup war der des Leihhauses von Bavonnc, wo er seine ungedeckten Kassenbonds in großen Mengen und in hohen Beträgen ausgeben konnte, weil sie höhere Zinsen brachten, als sonst in Frankreich üblich.
Der Betrüger finanzierte die Radikalsozia- , istischc Partei in großem Umfange aus den erschwindelten Geldern.
Daraus erklären sich auch seine freundschaftlichen Beziehungen zu den führenden Männern der Regierung.
Hindenburgs Dank für die
Neujahrsglückwünsche.
Reichspräsident und Gcneralfeldmarschall von Hind e ii b u r g gibt folgendes bekannt: AuS Anlaß des Jahreswechsels sind mir auch in diesem Jahre zahlreiche Glückwünsche auS dem In- und Auslande zugcgangcn. Da es mir bei der großen Zahl dieser Zeichen freundlichen Meingedenten» leider nicht möglich ist, jedem einzelnen Gratulanten persönlich zu antworten, muß ich allen, die mit guten Wünschen meiner so freundlich gedacht haben, ans diesem Wege danken, und sic bitten, sich mit dieser allgemeinen, abèr herzlichen Danksagung zu begnügen.
(gez.) von Hindenburg.
Hindenburgs Sank an die Zagend.
Reichspräsident von Hindenburg hat an den Reichsführer der Deutschen Studentenschaft und des Nationalsozialistischen Teutschen Studentenbundes, Oskar S t a e b e l, folgendes Telegramm gesandt:
„Haben Sie herzlichen Tank für die Neujahrs- Wünsche, die Sie mir namens der deutschen akademischen Jugend aussprachen. Ich erwidere Ihre Grüße aufrichtig mit den besten Wünschen für das Gedeihen der Deutschen Studentenschaft; möge in ihr ein vaterlandsliebendes starkes Geschlecht heranwachsen zum Segen deutscher Zukunft.
(gez.) von Hindenburg, Reichspräsident/
An den Reichsjugendführer Baldur v. Schirach hat der Reichspräsident nachfolgendes Telegramm gerichtet: „Haben Sie vielen Tank für die mir ausgesprochenen Neujahrsglückwünsche und Grüße der deutschen Jugend. Ich erwidere sie mit dem Wunsche, daß auf dem Boden bewährter deutscher Traditio n in der Jugend Deutschlands ein gottesfürchtiges, vaterlandsliebendes, gesundes Geschlecht zum Seaen unseres Vaterlandes und feiner Zukunft heranwachsen möge.
(gez.) vonHindenburg, Reichspräsident/
Was die Saarländer
Hindenburg berichieien.
Das rege Interesse, das Reichspräsident von Hindenburg wiederholt für unser deutsches Saarland gezeigt hat, kam erneut zum Ausdruck anläßlich des alljährlich wiederkehrenden Neujahrsempfanges her Salz- Wirker Brüderschaft im Tale zu Halle.
Nach Übergabe der üblichen Neujahrsgefchenke unter- bielt sich der Reichspräsident mit dem Salzgrâfen Bergrat Abels über dessen frühere Heimat, das Saargebiet. Salzgräfe Abels erwiderte, daß er wie alle Saarländer es für seine Pflicht halte, im Reiche die Volksgenossen über den
kerndeutschen Charakter feiner Saarheimat und seiner Landsleute aufzuklären und für die Not und Bedrückung der Schwestern und Brüder an der Saar Verständnis zu erwecken, um so für die im kommenden Jahre stattfindende Volksabstimmung an der Saar ganz Deutschland hinter dem Saarvolk sieben zu sehen, damit der Kampf für die Rückkebr des Saarlandes zum Reick mit einem glänzenden Siege ende.
Der Reichspräsident erklärte dann, er wisse sehr wohl, daß an der Saar nur treue Menschen wohnten, die dem schweren Schicksalsschlag, der das Saarland durch das Versailler Diktat getroffen habe, tapfer standhielten. Es fei ihm auch bekannt, daß das Land
für die deutsche Wirtschaft von großer Bedeutung sei. Im Laufe der weiteren Unterhaltung wurde die Warndtgebietsfraae berührt, für die der Reichspräsident ebenfalls größtes Verständnis zeigte.
Als Zeichen für die deutsche Gesinnung der Saarländer übermittelt Salzgräfe Abels dem Reichspräsidenten einen ihm von einem saarländischen Arbeiter zugegangenen schriftlichen Wunsch, dem Reichspräsidenten möge cs vergönnt sein, ein freies Saarland noch manches Jahr mitzucrlebcn.
Ein Topf für zwei Familien.
In einigen bäuerlichen Gegenden unseres Vaterlandes bestand früher die schöne Sitte, den MittagStiich für einen unbekannten Gast mitzudccken. Das Eintopsgericht, zu dem wir am ersten Sonnrag jeden Monats aufgerufen werden, ist im Grunde genommen nichts anderes als die Erneuerung dieser alten Sitte. Die Forderung nach dem Eintopfgericht besagt nichts anderes als: „Jede deutsche Familie bat am Sonntag einen Gast/ Es wird nickt verlangt, daß man sich nicht satteste, es wird nur verlangt, daß man einfach esse und die freiwillige Enthaltsamkeit dazu be» nutzt, einen hungernden Volksgenossen sattzumachen. Das deutsche Volk hat mit einer prachtvollen Einmütigkeit diesen Vorschlag seines Führers aufgegriffen. Es spricht alles dafür, daß das Eintopfgericht eine dauernde Sitte aller Dcutscken wird, so wie in vielen Gegenden das Fischessen am Freitag.
Auch im Jahre 1934 muß diese Sine sich noch aus- breiten. Noch find cs bei weitem nicht alle Deutschen, die sich am Eintopfgericht beteiligen, obwohl von Monat zu Monat größere Saminclcrgcbnissc erzielt worden sind. In Berlin sind im Dezember anläßlich deS Eimopr- sonntagcs mehr als 500 000 Mark gesammelt worden, das macht je Kopf der Bedürftigen etwa 0,45 Mark. Man sieht daraus, wie Nein dieser scheinbar so große Betrag gewesen ist, man steht aber gleichzeitig, daß immerhin für jeden Bedürftigen ein reichliches Eintopfgericht auS dem Erlös beschafft werden konnte. Somit kann sich jede Hausfrau sagen: „Unser Eintopfgericht macht zwei Familien s a t t!"
Tret Teutsche in Spanien an Giftpilzen gestorben.
Paris. Haras berichtet aus Madrid: Die Rettung „Atviore" meldet, daß unweit der Ortschaft Las Moscas bei Tarisa vier Wanderer, und zwar drei Teutsche und ein Tschechqslâkle, auf der Landstraße tot auigc - un den worden sind. ES scheint, daß ihr Tod auf den Genuß giftiger Pilze zurückzusuhren ist