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Zul-aer Anzeiger

Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich 1.70 Rm. Bei Lieferungsbehinderungen durchHöhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda, Königstratze 42. Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach in Hessen.

Tageblatt für Rhön und Vogelsberg»

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Nr. 5 1934

Fulda, Samstag, 6. Januar

11. Jahrgang

Die Bilanz von Rom

Sm mageres Komrnonèqilß m Rom.

Eilige Rückreise Simons nach London.

Den Franzosen ist ein Stein vom Herzen gefallen, seitdem das Kommunique aus Rom über die beiden Unterredungen zwischen Mussolini und dem eng­lischen Außenminister Sir John Simon bekannt geworden ist. Die Pariser Presse stellt mit sichtlicher Befriedigung fest, daß weder in der Frage der Bülkerbundsreform it o ch in der Frage der Revision der Rüstungen zwischen een beiden Staatsmännern eine Einigung zustande- gekommen ist. Tatsächlich bewegt sich das in Rom aus- gegebene Kommunique, das in seiner Fassung ohne Zweifel die Hand des Formaljuristen Simon erkennen läßt, in so allgemein gehaltenen Formeln, daß es auf den ersten Blick enttäuschend wirken würde, wenn man sich nicht daran erinnern müßte, daß ja diese Besprechungen M8 Ziel gar keine Entscheidungen oder bestimmten For­mulierungen, sondern lediglich eine offene Aussprache über die Verschiedenheiten und Übereinstimmungen des beiderseitigen Standpunktes hatten.

Ob und wie weit die römischen Gespräche einen Ein­fluß auf die Polilik Frankreichs haben, wird sich an der Haltung der französischen Regierung sehr schnell zeigen. Paris selbst wird nicht an der Tatsache vorbeisehen können, daß die Antwort der sranzösischen Regierung an Deutsch­land nach den Meldungen aus Roni in den Unter­redungen zwischen Mussolini und Simon keinerlei Rolle gespielt hat und daß diese Antwortnote über­haupt auffallend schnell aus der öffentlichen Diskussion verschwunden ist, was zugleich ein Werturteil darstellt.

Das römische K o m m ii n i q u è , das der Anlaß zu der Pariser Befriedigung ist, teilt u. a. mit:Hinsicht­lich der Herabsetzung und Beschränkung der Rüstungen stellten Mussolini und Simon in voller Übereinstimmung fest, daß es unumgänglich notwendig ist, daß die Er­örterungen sobald wie möglich zu einem Ab - s ch l u ß gelangen, indem man auf jeden Gedanken oder jeden Vorschlag verzichtet, der nicht in sich selbst Elemente einer

praktischen und schnellen Verwirklichung nithält. In der Völkcrbundsrcformfrage zeigte Mussolini die Kriterien auf, nach denen die Reform dnrchgesüh« werden sollte."

Diese offizielle Mitteilung ist erst nach langen Vervandl ungen zwischen den beiden Unterrebnern über Die Fassung veröffentlicht worden: immer wieder wurde die Ausgabe verschoben, erst nach Mitternacht er­schien sie. Zweierlei ist an dem Wortlaut bemerkenswert. Erstens kann auch Deutschland Die Forderung nach einem baldigen Abschluß der Verhandlungen, der eine .praktische und schnelle Verwirklichung" der un­umgänglich notwendigen Befriedungsmaßnahmen für Europa enthält, nur zustimmen vorausgesetzt, daß es nicht wieder wie schon so oft nach solchen Einzelkonferen- zen nur bei dein theoretischen Wünscht bleibt, und daß

Deutschlands Lebensrechte dabei geachtet werden. Und zweitens läßt das Kommu- niquö in seiner Formulierung erkennen, daß England noch immer nicht den Mut zu einer selbständigen Haltung in der Abrüstungssrage gefunden hat.

Der englische Außenminister hat bei einem Presse- empfang in Rom vor seiner Abreise die Völkerbunds­frage sehr richtig als eine Angelegenheit zweiter Ordnung bezeichnet, vor der man Die Abrüstungsfrage lösen müsse. In Dieser letzteren feien Vorschläge nur dann brauchbar, wenn sie sowohl dem deutschen als auch dem französischen Standpunkt gerecht würden mit dieser Formulierung, die absolut nichts Neues bringt, ist Simon einem praktischen Ergebnis freilich um keinen einzigen Schritt näbcrgetommen.

Der englische Außenminister, der im Flugzeug von Rom abgereift ist, nimmt in Paris keinen Auf­enthalt, sondern setzt Die Reise im Flugzeug nach London fort, um ohne Verzögerung seine Regierung über die römischen Gespräche zu informieren.

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Unterredung Sir John Simons mit dem französischen

Botschafter in Rom.

Paris, 6. Jan. (Funkmeldung.) In gut unterrichteten französischen Kreisen in Rom verlautet, daß der englische Außenminister Sir John Simon vor seiner Abreise nach London eine Unterredung mit dem französischen Botschafter am Quirinal, de Chambrun, hatte, dem er über seine Be­sprechungen mit Mussolini unterrichtete. In französischen Kreisen zeige man sich mit dem Ergebnis dieser Unterredung zufrieden und unterstreiche vor allem den verträglichen Geist, den der Duce an den Tag gelegt habe, indem er sich mit der Vertagung der Reform des Völkerbundes bis nach einer Regelung der Rüstungsfrage einverstanden erklärte. In den gleichen Kreisen sei man ferner der Absicht, daß in der Rüstungsfrage ein wesentlicher Fortschritt auf dem AUege der Abrüstung erzielt worden sei in dem Sinne, wie Frank­reich ihn in seiner letzten Denkschrift an die Reichsregie­rung dargelegt habe.

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In der nächsten Woche englische Kabinettssitzung über die Besprechungen in Rom.

London, 8. Jan. (FmükmeUmng.) Rach der am heutigen ScmwLbend nachmittag ewartetto. Rückkehr dös englischen

Außenministers Sir John Simon in London, wird sich in der englischen Hauptstadt wieder eine lebhafte politische Tätigkeit entwickeln. Am Montag wird Simon, wie der diplomatische Mitarbeiter desDaily Telegraph" meldet, dem von Lossiemouth zurückkehrenden Ministerpräsidenten Macdonald über seine Besprechungen in Rom Bericht er­statten. Hierauf wird voraussichtlich eine Sitzung des Ab­rüstungsausschusses des Kabinetts für Dienstag oder Mftt- woch einberufen werden, dem später eine volle KabinettZ- sitzung folgen soll.

Ueber die Aufnahme des Besprechungsergebnisse von Rom in englischen politischen Kreisen liegen gegenwärtig nur geringe Andeutungen vor. Dem diplomatischen Mit­arbeiter desDaily Telegraph" zufolge werde in englischen Kreisen eine große Befriedigung über die Ergebnisse der Besprechungen Simons mit Mussolini geäußert. Die bei­den Staatsmänner hätten sich als die beidenVermittler­mächte" zwischen Deutschland und Frankreich in beinahe völliger Uebereinstimmung über die Absichten einer befrie­digenden Abrüstungsregelung befunden, und Simon habe sich die Zustimmung des Duce zu der britischen Ansicht ge­sichert, daß das Abrüstungsproblem dringender sei als die Frage der Völkerbundsreform. Es sei wahrscheinlich, daß Italien nicht vor dem Sommer öffentliche Reformvorschläge über die Völkerbundsfrage formulieren werde.

Der Wassersturz von Urbeis

Ursache: Bruch eines Zuleitungsrohrs.

Die neun Leichen von den Fluten so tigeriffen?

Eine genaue Untersuchung des Überschwemmungsun- glücks am Kraftwerk Urbeis bei Kolmar hat ergeben, daß das Unglück durch den Bruch eine s,Z uleitungs - r o h r e s vom Weißen See zu dem 128 Meter tiefer ge­legenen Schwarzen See, an dem sich das Kraftwerk be­findet, verursacht worden ist.

Mit einer Geschwindigkeit von 37,3 Meter in der Sekunde stürzten die Fluten den Abhang herab und prallten gegen die Mauern des Kraftwerkes. Der nörd­liche Teil des Gebäudes, in dem sich die Arbeiter befanden, wurde vollständig vernichtet. Die neun Verunglückten sind trotz stundenlangen Suchens mit Tauchern noch nicht ge­funden worden.

Während man zuerst noch mit der Möglichkeit rechnete, daß auch der Staudamm brechen würde, gilt diese Gefahr jetzt als überstanden. Der Damm hat dem ungeheuren Druck der stundenlang heranbrausenden Wassermassen standgehalten.

Karte von der Lage des Unglücksortes llrbeis.

Es handelt sich bei den Ertrunkenen um drei Fran­zosen, drei Schweizer und drei Italiener. Diese Reun befanden sich in dem Unterbau des Wasserkraftwerkes und konnten sich infolge des Druckes der Wassermasscn nicht mehr retten.

Das Dach des Kraftwerkes wurde eingedrückt und das ganze Gebäude überschwemmt. Die beiden Arbeiter, die sich in Sicherheit bringen konnten, haben bei dieser Gelegenheit auch die M utter eines verunglückten Vorarbeiters gerettet, die erst am Tage vorher zum Besuche ihres Sohnes eingetroffen und im obersten Stock des Wasserkraftwerkes untergebracht war. Die Gewalt des Wassers, das sich auf das Kraftwerk ergossen hat, er­klärt sich dadurch, daß der Kanal, der das Wasser dem Kraftwerk zuleitet, aus einem 125 Meter höher gelegenen See gespeist wird. _

Der durch die Überschwemmung angenchtete Sach- schaden beläuft sich auf mehrere Millionen.

Das Werk wird aus zwei großen Stauseen, dem so­genannten Weißen und dem Schwarzen See, die einen Nicveauuntcrschicd von fast hundert Meter baden, gespeist. Zwischen den beiden Seen liegt das Elektrizitätswerk. Mehrere gewaltige Rohre leiten das Wasser aus dem oberen See durch^die Turbinen. Da die Beanspruchung des Werkes während der Nacht größer ist als am Tage, hatte man ein Pumpwerk eingerichtet, das mit der Stromkraft des Rheines betrieben wurde und wäbrend der Tagesstunden Wasser aus dem tieferaeleacruw

Deutschlands gutes Recht!

Eine maßgebliche italienische Äußerung.

ImGiornale d'Jtalia" veröffentlicht der Direktor des Blattes, Gayda, einen Artikel über die Besprechung zwischen Mussolini und Sir John Simon, der zweifellos die Meinung der maßgebenden politi­schen Kreise Italiens über die Frage der deut­schen Gleichberechtigung und das Abrüstungsproblem zum Ausdruck bringt.

Gayda betont u. a. mit Nachdruck, daß das Problem der deutschen Gleichberechtigung durch konkrete Formeln von unmittelbarer Wirksamkeit gelöst werden müsse. Man dürfe nicht vergessen, daß die von Deutschland geforderten 300 000 Mann mit einer Dienstzeit von einem Jahr eine Dienstzeit von zwölf Jahren ersetzen müßten, die in Ver­sailles für das 100 Vüü-Mann-Heer festgelegt wurde. Allan dürfe ferner die besondere Lage Deutschlanvs nicht über­sehen, das von einem Ring von Militärallianzen umgeben sei, die im Kriegsfälle 13,25 Millionen M a n n gegen Deutschland auf die Beine bringen könnten.

Wenn aber, fährt Gayda fort, die deutsche These ein Abweichen vom reinen Abrüstungsprinzip bedeute, so stelle die französische Forderung ein A b w e i ch e n vom Grundsatz der Gleichberechtigung dar.Wir können schwer glauben, daß Deutschland eine Fortdauer seiner moralischen Minderbewertung und seiner defensiven Unsicherheit auf sich zu nehmen in der Lage ist."

Zum Schluß betont Gayda nochmals die Notwendig­keit des Handelns und weist auf die M a h n u ng der deutschen Volksbefragung vom 12. Novem­ber hin.

Schwarzen See in den Weißen See hinaufpumpte. Diese Einrichtung war noch nicht offiziell in Betrieb genommen worden.

Die Opfer noch nicht geborgen.

Paris, 6. Jan. (Funkmeldung.) Trotz aller Anstren­gungen der Feuerwehr und des Militärs ist es nicht ge­lungen, die Leichen der bei dem Ueberschwemmungsun- glück in Urbeis ums Leben gekommenen neun Angestellten des Wasserkraftwerkes zu bergen. Man bemüht sich jetzt, den Wafferbestand des Sees zu senken, um dadurch der Ge­fahr eines Dammbruches zu steuern. Die Wassermassen ziehen langsam ab, und man hofft, im Laufe des heutigen Tages in das Elektrizitätswerk vordringen zu können. Für die Bewohner von Urbeis besteht keinerlei Gefahr mehr. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht geflärt. Man zieht zwei Möglichkeiten in Erwägung: Entweder handelt es sich um einen Konstruktionsfehler im Zuleitungskanal oder aber um ein falsches Manöver während der Zuleitung des Wassers zum Kraftwerk.

Der Bauwert des Kraftwerkes betrug 100 Millionen Fr.

Gerechte Strafe.

âtmannunq eines vielfach vorbestraften Sittlichkeits- Verbrechers angeordnet.

Die Bestimmungen des neuen am 1. Januar in Kraft getretenen Gesetzes gegen gefährliche Gewohnheitsver­brecher vom 24. November 1933 fanden vor der Ersten Großen Strafkammer in Görlitz Anwendung. Auf der Anklagebank saß der 54jährige Arbeiter Georg Pügner wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an Personen unter 14 Jahren. Der Angeklagte, der schon wegen ähn­licher Delikte mit hoben Gefängnisstrafen vorbestraft ist, batte sich trotzdem wiederum an einem Knaben sittlich schwer vergangen.

In der Verhandlung, die unter Ausschluß der Lffcnt- lichkeit stattfand, erhielt der Unverbesserliche eine Gcfânig- nisstrafc von einem Jahr. Außerdem ordnete das Gericht die Entmannung des Verbrechers wegen Gcmeingcfähr- lickkeit an.

Das Eintopfgericht umgehen, heißt die Volks­gemeinschaft um einen Pappenstiel verraten.

Ser neue Befehlshaber im Wehrkreis m.

Generalmajor von Witzleben.

Als Nachfolger des zum Chef der Heeresleitung er- nannten Generalleutnants Freiherr von Fritsch ist Oberst von Witzleben, Jnfantericfübrer VI, zum Komman­deur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreis III ernannt, und zwar unter Beförderung zum Generalmajor.

Der neue Kommandeur der 3. Division und Befehls­haber im Wehrkreis III, Generalmajor Erwinv. Witz­leben, wurde im Jahre 1881 in Breslau geboren. Er ist verheiratet; sein Vater war Offizier. Nach dem Besuch der Kadettenanstalt trat er 1901 als Leutnant in das Grenadier-Regiment Nr. 7 ein. Bei Ausbruch des Krieges rückte er als Brigadeadjutant ins Feld. Rach längerem Frontdienst wurde er 1917 Gcneralstabsoffizicr. 1926 trat V. Witzleben als Generalstabsoffizier zum Infanterie- führer III in Potsdam. Am 1. April 1931 wurde v. Witz­leben zum Oberst befördert. Seit dem 1. Oktober 1233 war er Jnfänterieführer VI, Hannover.