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Zul-aer /lnzeiger

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Nr. 6 1934

Fulda, Montag, 8. Januar 11. Jahrgang

W

Quer durch Europa.

Simons Reisebericht in London.

Frankreich wurde von ihm bereits von Rom aus unterrichtet.

Es hat sich jetzt herausgestellt, warum der englische Außenminister Simon, entgegen allen lieben Gewohn­heiten, bei der Rückreise von Rom in Paris trotz zwei­stündigen Aufenthaltes in der Botschaft nicht wie sonst die geschätzten Freunde an der Seine sofort ins Bild setzte. Er hat nämlich trotz der Eilfertigkeit seiner Abreise von N o m vorher noch Zeit gefunden, mit dem dortigen französischen Botschafter, de Chambrun, zu- fammenzutreffen und ihm ausführlich zu berichten. Man weiß also in Paris inzwischen genau über alle Einzel­heiten der römischen Verhandlungen Bescheid.

Unterdessen ist Sir John Simon in London ein« getroffen und hat dem Ministerpräsidenten Macdonald Vortrag gehalten. Im Laufe der Woche wird das ganze englische Kabinett das Ergebnis der Jtalienreise des Außenministers eingehend beraten. Unterdessen sind and) die beiden englischen Botschafter aus Perlin u n d P a r i s in London eingetroffen; sie dürften zu den Beratungen hinzugezogen werden.

Daß man sich in England hinsichtlich der Haltung Frankreichs keinerlei Illusionen hingibt, geht u. a. aus einem sehr aufschlußreichen Bericht des LondonerDaily Telegraph" über einen angeblich in der französischen Antwortnote enthaltenen

Abrüstungsvorschlag" Frankreichs in der Luft hervor. Es liest sich sehr entgegenkommend, wenn Frankreich angeblich seine Luftstreiikräfte um die Hälfte vermindern will. Aber die auf diese Weise aus dem aktiven Dienst gezogenen Kampfflugzeuge sollen, so be­richtet das englische Blatt, nicht etwa zerstört, sondern nur in dieReserve" g e st e l l t werden! Sie würden so also genau wie bisher jederzeit einsatzbereit bleiben. Und selbst die Durchführung dieses plumpen Bluffs macht Frankreich noch von der schon durch Macdonald und Simon wiederholt abgelehnten Inter­nationalisierung der Luftmacht abhängig, ferner von einer

Deutschland auferlegtenProbezeit"

von mehreren Jahren, während der Deutschland nichts für seinen Schutz über das bisherige Maß hinaus tun darf. Mit anderen Worten: nach Frankreichs Willen soll noch auf mehrere Jahre alles beim alten bleiben und Deutschland eine neue diffamierende Probezeit auferlegt werden, ohne Rücksicht darauf, daß eine derartige Zu­mutung von deutscher Seite schon wiederholt z u r ü ck g e w i e s e n ist.

Man braucht nur noch hinzuzufügen, daß der Pariser Ercelsior" auch heute noch die Frage aufwerfen zu können glaubt, ob man Deutschland nicht noch in denVölker­bund" zurückb ringen könne,o h n e ihm seinen Willen zu tun"! Dann hat man das ganze Bild der Unaufrichtigkeit, in der sich die französische Politik heute noch so bewegt, als schrieben wir nicht das Jahr 1934

Die Steuervereinsachung.

Steuerreform und Lastenabbau.

Der Rcichsfiuanzminister über Finanzpolitik.

Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk schreibt in einem Artikel über die Auf­gaben der Finanzpolitik u. a., daß sich die zu­sätzliche Arbeitsbeschaffung im neuen Jahr im wesent­lichen auf die Fortführung des großen Werkes der Reichsautobahnen werde beschränken können.

Die Hauptaufgabe der Finanzpolitik

werde darin bestehen, das Ziel der Lösung der Wirtschaft aus der Krisenerstarrung weiter zu verfolgen. Der Weg zu diesem Ziel führe über eine allmähliche Entlastung des einzelnen Unternehmens wie der großen Massen von überhöhten Lasten, die seit dem Kriege durch eine falsche Finanz- und Wirtschaftspolitik dem deutschen Volk auf­gebürdet worden seien. Der Minister kommt dann auf die bevorstehende Steuerreform

zu sprechen und erklärt. die wichtige und verantwortungs­volle Entscheidung, vor die vor allem das Reichsfinanz­ministerium gestellt sei, sei die, wieweit mit der Ent­lastung gegangen werden könne, ohne die Grundlagen einer gesunden Finanzpolitik zu erschüttern. Die Berück­sichtigung b e v ö l k e r u n g s p o l i t i s ch e r Grundsätze, die im vergangenen Jahr in der Ehcstaudshilfe eine erste Regelung gefunden hätten, werde eine wichtige Rolle bei der Steuerreform spielen.

Die technische Vereinfachung

durch verständliche Fassung der Gesetze und durch Zu - sammcnfassuug der aus allen Reichs-, Landes- und Ge uiciudcsteneru sich ergebenden Pflichten der Steuer­erklärung und Zahlung werde eine zweite wesentliche Auf gäbe sein. Bei der dritten Aufgabe,

einen allmählichen Abbau, insbesondere der in den Krisenjahren neu geschaffenen zusätzlichen Belastungen, eintreten zu lassen, auf diese Steüervereinfachung" komme es naturgemäß dem steuer­pflichtigen besonders an, würden sich die gekennzeich­neten Grenzen am schärfsten bemerkbar machen: hier liege

Die deutsch-polnischen Beziehungen.

Die französische ZeitungErcelsior" veröffentlicht eine Unterredung mit dem polnischen Außen­minister Beck, die sich mit den Beziehungen Polens zu den anderen Ländern beschäfigtigt.

Der polnische Außenminister brachte seine Befriedi­gung über die Besserung der deutsch-polnischen Be­ziehungen zum Ausdruck und sagte, er fürchte, daß diese politische Tat bei gewissen Kreisen Bedauern auslösen werde, die die deutsch-polnischen Streitigkeiten als pflicht­gemäßen Faktor jeder internationalen Zusammenkunft und als festen Bestandteil der als unlösbar geltenden politischen Probleme ansehen. Die freimütige Aussprache mit der Berliner Regierung bestätige, daß die Wirklich­keit anders sei, als sie gewisse Zeitungen darzustellen ver­sucht hätten.

*

Wo steckt der Kistionenbelrüger Stavisky?

Auch seine Ehefrau und die Kinder verschwunden.

Die Nachforschungen nach dem Haupthelden des Bayonner Finanzskandals, dem Russen Stavisky sind bis­her vergeblich geblieben. Eine Agenturmeldung aus Lon­don, daß in der Nähe der Kap-Perdischen Insel ein Passa­gier des DampferAlphera" über Bord gesprungen sei und daß es sich bei diesem vermutlich um Stavisky handele, wird hier mit starkem Zweifel ausgenommen In Bayonne ist die gerichtliche Untersuchung in vollem Gange.

Die E h e f r a u des Schwindlers Stavisky, die seit acht Tagen in einem vornehmen Hotel in Paris wohnte, ist mit ihren Kindern verschwunden. Die Hotelverwaltung erklärt, erst durch die in den Räumen der Frau Stavisky vor- genommene Haussuchung erfahren zu haben, daß es sich um die Ehefrau des Betrügers bandele. Sic habe sich als Frau Simon in die Gafttifte eingetragen

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Rücktritt des französischen Kabinetts am Kontag?

Wie derMatin" meldet, hat Ministerpräsident Chau temps den Kolonialminister Dalimicr ersucht, sein Rück­trittsgesuch einzurcichen; dieser habe jedoch das Ersuchen abgelehnt. Chautemps habe darauf den Rücktritt des ge­samten Kabinetts ins Auge gefaßt, der am Montag er­folgen solle.

Wie das Blatt weiter meldet, ist zu erwarten, daß der Staatspräsident Lebrun den Rücktritt des Kabinetts an« nehmen und Chautemps beauftragen werde, das Kabinett ummbilden. Dieses werde sich dann am Dienstag der Kammer vorstellen. Chautemps werde versuchen. Lerriot zur Mitarbeit zu gewinnen.

die wesentliche Schwierigkeit, für die im neuen Jahr zu treffende Entscheidung. Man müsse sich über eines klar sein, daß nicht alle Hemmnisse mit einem Schlage beseitigt werden könnten.

Daß dies aber nach einem einheitlichen, auf lange Sicht festgelegten Plan, ohne Behinderung durch parla­mentarische Einflüsse, ohne Rücksicht auf einseitige Inter­essen lediglich unter dem Gesichtspunkt des Wohles der Gesamtheit vor sich gehen könne und werde, das sei die durch die Regierung Adolf Hitlers gegebene feste Garantie für den Erfolg des Aufberwerkes.

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Weitere Erleichterung der Autohaltung.

Erfahrungsgemäß werden im Frühjahr in erheblichem Umfange Kraftfahrzeuge wieder in Betrieb genommen, die hauptsächlich aus Ersparnisgründen zeitweilig nicht verwendet und bei der Zulassungsstelle abgemeldet worden sind Bisher war die erneute Inbetriebnahme dann ver- bältnismäßig einfach, wenn das Fahrzeug nicht mehr als acht Monate stillgclegen hatte. War dieser Zeitraum über- schritten, so bedurfte es einer Wiederholung des Zu lassungsverfahrens mit all seinen Umständ­lichkeiten und Kosten: ja sogar über die Kosten der ersten Zulassung hinaus war in der Regel das Gutachten eines Sachverständigen über die Vorschriftsmäßigkeil des Fahr- zeuges erforderlich, während bei der ersten Zulassung eine entsprechende Bescheinigung der Fabrik genügte. Das soll nun geändert werden, und zwar so rechtzeitig, daß die demnächst wieder in Betrieb kommenden Fahrzeuge schon ohne Rücksicht aus den Zeitraum ihrer Zurückliegenden Ruhe im vereinfachten Verfahren wieder be­nutzt werden können. Eine endgültige Regelung wird allerdings erst im Zuge der grundlegenden Umgestaltung der Vorschriften vorgenommen werden.

Die Welt in Waffen.

Zahlen, die der Teutsche kennen muß.

NSK. In immer heftigerem, nervösem Tempo rüstete in den letzten fünfzehn Jahren die Welt auf. Das gegen­seitige Mißtrauen ließ die Staaten nicht ruhen, sie rüsteten und rüsteten obwohl der Versailler Vertrag sie alle zur Abrüstung verpflichtet. Nichts ist für die Beurteilung der europäischen Lage interessanter und aufschlußreicher als die Betrachtung der nüchternen Zahlen der europä­ischen Rüstungen.

Während Deutschland mit seinen 65 Millionen Einwohnern nur eine Reichswehr von 100 000 Mann, nebst 288 leichten Geschützen und Flaks erlaubt wird, besitzt Frankreich bei 41 Millionen Einwohnern ein stehen­des Heer von 6 5 6 0 0 0 Mann, 2150 leichte Geschütze und Flaks, 1050 schwere Geschütze, 3410 Tanks und Stratzen- panzerwagen, 4500 Kriegsflugzeuge.

Polen bei 32 Millionen Einwohnern hat ein Friedensheer von 3 3 7 000 Mann, 1700 leichten Ge­schützen und Flaks, 450 schweren Geschützen, 320 Tanks und Straßenpanzerwagen. 1000 Kriegsslugzeugen. Es folgt die T s ch e ch o s l o w a k e i mit 14,7 Millionen Ein­wohnern: Friedensheer 140 000 Mann, 890 leichte Ge­schütze und Flaks, 412 schwere Geschütze, 70 Tanks und Straßenvanzerwagen, 950 KriegSflugzeuge. Belgien mit 8,1 Millionen Einwohnern besitzt an Friedenstruppen 75 000 Mann, 383 leichte Geschütze und und Flaks, 199 schwere Geschütze, 50 Tanks und Straßenvanzerwagen, 400 Kriegsflugzeuge.

England, die größte Seemacht, besitzt im Frieden 276 000 Mann, 1934 leichte Geschütze und Flaks, 906 schwere Geschütze, 300 Tanks und Straßenvanzerwagen, 2450 Kriegsflugzeuge. Im Vergleich zu Frankreich ist Italiens Stärke gering. 434 000 Mann im Frieden, 1240 leichte Geschütze und Flaks, 900 schwere Geschütze. 404 Tanks und Straßenpanzerwagen, 1501 Kriegsflugzeuge. Im Osten hält Sowjeirußland eine Fricdensarmce von etwa 1 2 0 0 0 0 0 Mann, 675 schwere Geschütze, 600 Kampfwagen und eine geheimgehaltene Zahl von Militär­flugzeugen, die im Kriegsfall die jedes anderen Staates übertrifft,

Im Kriegsfall ergeben sich folgende Verhältnisse: 100 000 Mann Deutsche,

5 Millionen Franzosen und Schwarze, 700 000 Belgier,

3,5 Millionen Polen,

1,5 Millionen Tschechoslowaken.

Im Osten stehen im Kriegsfall über sieben Mil­li o n e n R u s s e n marschbereit! Zur See kommen hinzu die ungeheuren Rüstungen Englands und Frankreichs. Besonders Frankreich hat in einer Weise mit Kreuzern, Zerstörern und U-Booten ausgerüstet, daß Englands frühere Überlegenheit auf dem Meer schwer bedroht ist. Hinter diesen Heeren und Flotten stehen gewaltig gestei­gerte, in Polen ganz neu geschaffene Kriegsindustrien.

Und der Schutz der Grenzen und Küsten? An unserer Westgrenze ist nicht nur das ganze linke Rbeinufer entmilitarisiert, sondern auch rechts vom Rhein läuft ein entmilitarisierter Streifen von 5 0 Kilometern, in dem sich keine deutschen Befestigungen befinden dürfen. Auch hinter Dieser Zone besitzen wir in Deutschland kaum irgendeine wertvolle Befestigung. Dabei liegt unsere Hauptindustric vollständig im Wirkungsbereich aus­ländischer Kriegsflugzeuge, speziell an den Grenzen und bedürfte besonderen Schutzes.

Im Gegensatz hierzu haben alle anderen Länder ihre Befestigungen stark, Frankreich sogar so un­geheuer ausgebaut, daß letztere absolut als A n - griffsfe st ungen anzusprechen sind, denn ihre Ferngeschütze reichen fast bis München und über das Frankfurter Industriegebiet.

Nördlich der Befestigungen, die südlich der Vogesen, aus diesen selbst und vor diesen bei Straßburg und dem Oberrhein entlanglaufen, zieht sich ein 220 Kilometer langes und etwa 30 Kilometer tiefes, 10 bis 15 Kilometer hinter der Grenze liegendes Bcfcstignngssvstcm. das mit 8 Milliarden Franc errichtet, das ungeheuerlichste ist, was die Welt je gesehen hat.

Ties in der Erde fahren die Schnellzüge mit Truppen und Mannschaftstransporlen, riesige Vorräte an Muni­tion und Lebensmitteln liegen 3 0 bis 70 Sieter unter dem Boden, aus dem nur die verdeckten und versteckten Betonklötze und Panzerkuppeln mit ihren Ge­schützen und M.-G. ragen, deren Feuer überall aus gegen­seitige Unterstützung eingestellt ist. Zwischen allen Werken und vor ihnen ist eine ganze Landschaft durch Stcilhange, Gräben, Beronmauern, Eisengitter, unendliche Drahtver­haue verändert und schützt vor Angreifern. Und überall lauert der Tod der unterirdischen Minenfelder.

Seit 1925 hat Frankreich seine offiziellen Ausgaben für den Heereshaushall u m 1 0 0 P rozeni auf 2,8 Milliarden Reichsmark jährlich erhöht, ähnlich die anderen uns umgebenden Länder. Dazu kommen aber noch die sicher nicht unerheblichen verschleierten Ausgaben!

Das ist das Bild der europäischen Rüstungen, das Bild der Lage, in der man Deutschland die Gleichbercckui- gung verweigert hat. Angesichts dieser Zahlen ermißt man die geschichtliche Bedeutung des Nein, das Adolf Hitler jedem neuen Diktat entgegenstellt, das die Un­gerechtigkeit weiter aufrechierhalten soll, aber auch des Ja, das das deutsche Volk am 12. November zu der wirklichen Friedenspolitik des neuen Deutschland ausgesprochen hat. P. H. Kuntze.