Zul-aer Mzeiger
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Nr. 8 — 1934 Fulda, Mittwoch, 10. Januar 11. Jahrgang
Stavisky ermordet?
LH ein Polizeislaudal Staviskh?
Er soll erschossen worden sein.
Der russisch-französische Grotzbetrüger S t a v i S k y ist in der Nacht an der schweren Schutzverlrvung, die er sich nach den ersten Meldungen beim Eintreffen der Polizei beigebracht haben soll, im Krankenhaus Cha- monix gestorben. Er ist nicht mehr zum Bewußtsein gekommen, so daß der von Paris hcrbeigcciltr Untersuchungsrichter ihn nicht mehr hat vernehmen können. Es gehen Gerüchte um des Inhalts, daß Stavisky nicht Selbstmord begangen habe, sondern von bisher unbekannter Hand erschossen worden sei. Ein Verdacht richtet sich gegen einen seiner Begleiter auf der Flucht, einen ehemaligen Boxer.
Dem widersprechen allerdings Meldungen, nach denen Stavisky, als er bei Cbamonir von dem gegen ihn erlassenen Haftbefehl hörte, mit seinem Revolver spielend, gesagt haben soll:
„Lebend sollen sie mich nicht kriegen!"
Noch nach Mitternacht hofften die Ärzte, ihn durch- zubringen. Seine Frau war unter polizeilicher Bewachung schon abends von Paris nach Cbamonir abgereist. übrigens glauben weder der verhaftete Bankdirektor Tissier noch dessen Verteidiger an einen Selbstmord Staviskys. In vielen Kreisen Frankreichs wird offen oder versteckt von einem
Bertufchungsmanüver der Polizei gesprochen, die, wie man behauptet, einen für viele Persönlichkeiten stark belastenden Mann habe verschwinde« lassen wollen. Selbst der Hauptschristleiter der großen Tageszeitung „Le Jour", Lson Bailbv, erklärt: „Ein Mann wie Stavisky begeht nicht Selbstmord. Auch hier muß Klarheit geschaffen werden."
Inzwischen sind weitere Verhaftungen in der Skandalaffäre erfolgt.
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Der Stavisky-prozeß fünf Jahre verschleppt.
Der Pariser Generalstaatsanwalt hat eine eingehende Untersuchung darüber angestellt. wie ^es vorkommen konnte, daß der Prozeß, der gegen Stavisky seit fünf Iabren anhängig ist, nicht weniger als neunzehnmal zur Verhandlung anberaumt und ebensooft aus später verschoben worden ist. Fünf Staatsanwälte hatten den Fall nacheinander in ihren Händen.
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Präfekt Hartl in Schutzhaff.
Der Hauptbelastungszeuge im Prozeß gegen den Seminardirektor Roßberger, Präfekt Hartl, der nach der Verurteilung Roßbergers am 5. Januar wegen Greuelpropaganda verschwunden war, ist nach umfangreichen Ermittlungen von der Polizei gesunden worden. Präfekt Hartl befand sich in derartig zerrüttetem Nerven-und Gemütszustand, daß eine Vernehmung noch nicht möglich war. Gr wurde zu seiner persönlichen Sicherheit in Schutzhaft genommen, in der er jede Bequemlichkeit genießt und in seiner Bewegungsfreiheit nur so weit eingeengt ist, als dir Sorge für die Sicherheit seiner Person vor Anschlägen auf Lebe« und Gesundheit erfordert.
Deutschland schützt seine Bergleute.
Ein Jachmann über das Offegger Grubenllnginck.
Die Entstchungsursache des fürchterlichen Bergwerk s u n g l ü ck s in O s s e g g ist bis zur Stunde nicht geklärt worden, offenbar aber läßt der Umstand, daß die gesamte Betriebsleitung verhaftet worden ist, darauf schließen, daß eine große Fahrlässigkeit vorliegt. Einer der kurz vor dem Unglück ausgesahrenen Bergleute hat ja auch erklärt, daß er der Betriebsleitung Mitteilung boüon gemacht habe, daß sich
in der Grube giftige Gase
in solchem Maße angesammelt hätten, daß seine Lampe verlöschte Der Mitarbeiter des „Angriff", Diplom- Volkswirt Ernst Hünicke, hat Gelegenheit genommen, den Leiter der Ministcrialabtcilung für Berg-, Salinen- und Hüttenwesen, Ober b e r g h a u p m a n n Dr. W: n - n a ck e r, um sein Urteil über
die Entstchungsursachc
zu befragen. Dr. Winnacker erklärte zunächst, daß cs leider noch nicht möglich sei, ein abschlietzendes Urteil zu füllen. Der Fachmann sei daher aus vorsichtige vcr» Mutungen angewiesen. Möglicherweise komme eine
Selbstentzündung oder aber auch eine Spreng- stoffcxplosion
in Frage. Es sei bekannt, daß Grnbenbrände in Böhmen zur Tagesordnung gehörten. Bei gntgeschultcr Belegschaft sei ein solcher Brand schnell zu loschen, wenn er nicht größere Drecken cytc^ ylöu^ ersaßt ^K ®4 filcibe auch dahingestellt, ob das ganze Flöz im Nelsonickach
Das Testamrrri Giaviskys.
Die Nachricht vom Tode Staviskys bildet das Tagesgespräch von Chamonix. In der Villa, in der Stavisky sich das Leben nahm, wurde ein verschlossener Umschlag mit der Aufschrift gesunden „kleiner' geliebten Frau z u überreichen". Man nimmt an, daß dieser Umschlag das Testament des Betrügers enthält und daß er darin außerdem von seinem Entschluß Mitteilung macht, sich das Leben zu nehmen. Der Briefumschlag wurde zu den Akten gegeben. — Der Spitzenverband der französischen Leihhäuser erklärt, daß das
Leihhaus in Bayonne als einziges dem Verband nicht angehört.
Das Leihhaus in Orleans gehörte dem Verband früher an, wurde aber 1931 ausgeschlossen. Diese Mitteilung ist mit der Tatsache in Verbindung zu bringen, daß Stavisky seine ersten Finanzierungsversuche mit Leihhauskassengutscheinen gerade in Orleans gemacht hat. Der Bürgermeister von Orléans erklärte, daß die Geschäftsführung des Leihhauses von Orleans „jetzt ordnungsgemäß und gesund" sei.
Ministerrücktritt wegen des Stav'sky Skandals.
Der französische Kolonialminister Daltmier hat seinen Rücktritt erklären müssen, da er mit in den Millionenskandal des Betrügers Stavisky verwickelt ist.
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Ehauiemys will durchareifen.
Resormplâne für Justiz und Polizei.
Der französische Ministerpräsident Chautemps will beschleunigt eine Reihe von Gesetzentwürfen zur Verbesserung der Gerichtsbarkeit eineinbringen. Das Parlament wird neue Schutzmaßnahmen für die Sparer zu verabschieden haben, die durch die Betrügereien Staviskys und seiner Helfershelfer
Hunderte von Sparmillionen verloren haben. Auch das Gerichtsverfahren soll einer eingehenden Reform unterzogen werden, damit die andauernde Vertagung von Prozessen vermieden wird. Schließlich soll die Leitung der P o l i z e i in ganz Frankreich künftig in der Hand des Direktors der allgemeinen Sicherheitspolizei zentralisiert werden.
Im Ministerrat gab Chautemps einige U«- besetzungen in seinem Kabinett bekannt, die vom Staatspräsidenten Lebrun bereits genehmigt sind.
brenne oder nur der hölzerne Ausbau. Die starke Qualmentwicklung lasse mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen Holzbrand schließen. Ob
der Vorwurf der übertriebenen Sparsamkeit gegen die Betriebs- und Grubenleitung zu Recht bestehe, sei schwer zu beurteilen, da alle Angaben über das Feuerlöschwesen, die Rettungstrupps und andere Sicherheitsmaßnahmen fehlten, ebenso wie die Bergwerkslettung sich bisher nicht über die Kontrolle der Gasentwicklung u. a. m. geäußert hat. Von einer Katastrophe gleicher Art könne in Deutschl a n d insofern keine Rede sein, als von Ossegg bisher nur die Wirkung, aber nicht die wahre Ursache bekannt sei. Das eine sei aber gewiß: Vorwürfe der Art, wie sie gegen die Bergwerksleitung von Ossegg erhoben werden,
seien bei unS undenkbar.
Vor allem die Ausrüstung der Belegschaften mit elektrischem Geläut, der Bau fchkagwettergeschützter Anlagen, Verbesserung der Wettersprengstosse und hauptsächlich die Einführung' des Gcsteinstanbvcrfabrens seien bei uns als wirksame Maßnahmen gegen die Explosionsgefahr durch- gefübrt worden. . . .
Allen diesen Maßnahmen sei cs zu verdanken, day bte tödlichen Unfälle durch Grubenexplosion, in Westfalen z B., von 0,18 aus tausend bezogen in den Jahren 1921 bis 1925 auf 0,06 im Jahre 1932 gesunken sei. An diesen Erfolgen fei auch das
ausgezeichnete bergmännische Rettungswesen hervorragend beteiligt. Die Durchführung der Sicher- beitämatznalimcn werde von der Bergbehörde eingehend in regvlmätzlMn Llbstünden überwacht.
Um die Schuldigen der Katastrophe von Ostegg.
Der Generaldirektor wurde verhaftet.
Im Zusammenhang mit der Untersuchung der Schuldfrage der Bergwerkskatastropbe von Ossegg wurde auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft der Generaldirektor der Brüxer Kohlenbergbaugesellschaft, Locker, verhaftet. Ferner wurden der Betriebsdirektor Dr.-Jng. Karlik lowie drei Ingenieure, ein Obersteiger und ein Steiger in Haft genommen.
Selbstverständlich hat jede Wirtschaftskrise nicht etwa eine einzige, sondern eine Unzahl von Ursachen, und dieze Zahl der Gründe vervielfacht sich noch, wenn es sich habet um die erste grotze Weltwirtschaftskrise handelt wie >eyt. Aber trotz der weitgehenden Jndustriealisierung hieier Welt ist es mehr als nur ein instinktives Gefühl, wenn sich der Kamps gegen die Krise nun auch in den „Industriestaaten" zunächst einmal gerade und vor allem aus eine Sanierung der Landwirtschaft richtet, weil man obendrein auch weiß, daß die Agrarproduktion und -Politik einer der entscheidensten A u s g a n g s p u n k t e dieser Krise gewesen ist. Gewiß nur einer dieser Ausgangspunkte, aber doch ein solcher von besonderer Wichtigkeit! .
Am Ende des Jahres, in dem auch m Deulichland nach vorhergehenden langen, aber mit vielfach untauglichen Mitteln geführten Kampf gegen die Agrarkrife die radikale und entscheidende Umstellung der g e « samten Agrarpolitik erfolgte, darf als Ergebnis dieses Ringens die offiziöse Feststellung verzeichnet wer- den: „Die Lage und die Produktionsbedingungen der deutschen Landwirtschaft haben sich im Laufe des Jahres 1933 entscheidend gebessert: die Aussichten sind an der Jahreswende durchausgünstig." Und dleies Urteil konnte ausgesprochen werden, obwohl erst an der Jahreswende 1932 33 die Prcisverbältnisse der einzelnen Agrarprodukte zueinander derart verwirrt waren, daß die Selbstversorgungsmöglichkeilen mit diesen Erzeugnissen völlig erschöpft, z. T. sogar schon durch Ubererzeugung überschritten waren. Einer Rekordernte in Getreide stand die schwachgewordene Kaufkraft der Konsumentenmassen gegenüber und ebenso hatten die Preise für Vieh, fleisch und tierische Produkte einen katastrophalen T i e f st a n d erreicht, der kaum noch unterboten werden konnte. Die immer geringer werdenden Verkaufserlöse genügten nicht, um allein die steuerlichen und Zinsverpflichtungen zu erfüllen, und die deutsche Landwirtschaft war praktisch zahlungsunfähig geworden: die Preisentwicklung nach unten rannte alle verzweifelt eingesetzten Gegenmaßnahmen über den Haufen.
Wenn die V e r k a u f s e r l ö s e für Vieh und tierische Produkte aller Art in der Zeit von 1928'29 bis 1932 33 schätzungsweise von 6,4 Milliarden aus 3,9 Milliarden Mark, die für Feldfrüchte von 3,8 Milliarden auf 2,6 Milliarden Mark zurückgingen — hier also um rund 30. dort aber um über 40 Prozent —, so ist dabei vor allem nicht zu vergessen, daß die deutsche Landwirtschaft in der Zeit von 1924—1933 ihre Getreideerzeugung mengenmäßig u tu 25 Prozent gesteigert hat: beim Weizen war dieses Mehr noch bedeutend größer, so daß cs im letzte« Wirtschaftsjahr gelang, den Weizenbedarf des deutsche« Volkes zum allerersten Male voll zu decken und damit den Bedarf an Brotgetreide überhaupt.
Gewiß hat auch das Jahr 1932'33 eine Rekordernte aufgewiesen, — aber was wäre aus ihrer Verwertung, die der Bauer für den Schweiß und die Sorgen seiner Jahresarbeit erwarten könne, denn nun wirklich geworden, wenn nicht die nationalsozialistische Agrarpolitik energisch ein« gegriffen und im R e i ch s n ä b r st a n d s g e f e $ durch die Einführung der Mindestpreise den Getrcidemarki vor neuen Erschütterungen bewahrt hätte! Aber — und dadurch unterscheidet sich dieser Schritt vom 13. September 1933 wesentlich von all den agrarpolitischen Bemühungen der anderen Länder — die eigentlichen Gründe dafür waren solche staats-, bevölkerungs- und rassenpolitiscker Natur und die allmählich berbehuführenbe Sanierung der Landwirtschaft ist nur Mittel zum Zweck, ist allerdings auch gleichzeitig in den Dienst der Ausgabe gestellt, den Ernährungsbedarf des deutschen Volkes ans einheimischer Erzeugung zu decken. Und schon durch die Ernte 1932'33 konnten 90 Prozent aller Nahrungsmittel im Jnlande erzeugt werden gegen 87 Prozent im Vorjahre. Wenn man freilich die der Nahrung dienenden nicht lebensnotwen bi g e n Agrarprodukte hinzurechnet, dann sinkt diese VerhältniS- zah! auf 80 Prozent; die Differenz wird durch den Lebens- mittelimport bereingebrackt.
Aber die durch Absatzausdehnung und PrelSerhöhun- gen erzielte Steigerung der Verkaufserlöse, auch die Gesundung der P r e i s v e r b â l t n i s s e zwischen den einzelnen Agrarprodukten hätte nicht genügt, die Arbeit des deutschen Bauern wieder rentabel zu machen oder sie dock wenigstens diesem Ziel entgegen« zuführen, wenn nicht die nationalsozialistische Agrarpolitik energisch die K o st e n s c i t c der landwirtschaftlichen Erzeugung angepackt hätte. Die Ermäßigung der Steuer« lastenfestsetzung der Umsatzsteuer einheitlich aus ein Prozent, starke Senkung der Grundsteuer, Erleichterung der preußischen Schlachtsteuer, Herausnahme der landwirtschaftlichen Arbeitnehmer aus der Arbeitslosenversicherung usw. — wurde ergänzt durch die Abbürdung der Zinslast, die im Jahre 1930 31 aus rund eine Milliarde ge-